Leben im Camper
Nord-Spanien Entlang den Rias in Galicien – Juli 2025
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Jumpino on tour #12
Nord-Spanien/ Entlang den Rias in Galicien – Juli 2025
Baiona
Die armen Pilger, sie tun mir echt leid. So hatten die sich das sicher nicht vorgestellt, 20 km auf der viel befahrenen Straße, an felsiger Küste, ohne Schatten entlangzuwandern. Kurz hinter der portugiesischen Grenze, jetzt auf der spanischen Seite ist es kahl hier, bergig, die Küste unzugänglich, raue Felsen, keine Möglichkeit zwischendurch ein erfrischendes Bad zu nehmen. Obwohl motorisiert unterwegs gefällt mir das auch nicht. Aber dann kann man schon die Cies Inseln sehen und dann kommt Baiona. Und jetzt ist es auf einmal richtig schön.
Baiona liegt in einer weiten Bucht mit schönen Sandstränden, gerahmt von grünen Hügeln und ist ein netter kleiner Ort. Aber es gibt viele Leute, vor allem Touristen (fast ausnahmslos Spanier) und es ist laut. Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen.
Mein Stellplatz in Baiona ist zwar nicht erste Wahl (bin verwöhnt von Portugal und um ehrlich zu sein, es war der einzig Freie) aber für einen Platz in der Stadt ist er gar nicht so schlecht. Ruhig, hier fährt nur her wer parkt. Der Blick geht auf den vor mir liegenden Sandstrand, dazwischen etwas Wiese, hinter mir ein kaum frequentiertes Hotel und nur links von mir Platz für 10 parkende Autos. Rechts von mir eine kleine Halbinsel auf der Korallenbäume blühen und mit Kapelle auf dem Hügel.
Der Sandstrand vor mir ist riesig breit, allerdings nur bei Ebbe. Bei Flut schrumpft er auf 1/3, ist aber immer noch sehr breit. Vor dem Jumpino sitzend betrachte ich das wuselige Treiben am Strand und amüsiere mich über die Gruppe Surflehrer die völlig planlos ca 10 Surfbords und einen Sonnen-Pavillon in den Transporter laden wollen. Erst gibt‘s Probleme mit der Schiebetür die sie nicht zubekommen und am Schluss passen 2 Boards einfach nicht rein. Sonderbar, es war doch alles drin als sie herkamen. Sie scheinen ratlos zu sein. Nach 1 Std geben sie auf und verstauen die beiden Bords in der Garage des Hotels hinter mir.
Mein Spaziergang durch Baiona führt mich durch schmale autofreie Straßen voller Bars und Restaurants und vorbei an Häusern mit den für Galicien so typischen verglasten Balkonfassaden. Es gibt eine große Marina, einen Fischerhafen und weitere gut besuchte Sandstrände. Alles recht hübsch. Den Hafen umschließt eine Halbinsel auf der ein mächtiges Kastell thront. Leider kann man da nicht hinein – es ist jetzt ein Hotel der Gruppe Parador (also nur für die Reichen und Schönen). Aber man kann rundherum an der Küste entlang wandern, ganze 3 km, und wunderschöne Ausblicke auf die Cies Inseln (Naturschutzgebiet) und Baiona genießen oder sich zwischen den Felsen ein Plätzchen zum Sonnenbaden suchen.
Auf dem Mäuerchen sitzend genieße ich den Ausblick auf die Cies-Inseln, reck und streck meinen Rücken, beuge mich nach vorn bis der Kopf zwischen meinen Knien liegt und meine Arme seitwärts kurz über dem Boden baumeln. Ich muss wohl ausgesehen haben wie ein Schluck Wasser in der Kurve denn ich schrecke auf als ich eine Frauenstimme neben mir höre: “Esta bien?“ Ja, ja alles gut ich mach nur Gymnastik und freudig verwundert schau ich ihr nach. Wie nett dass sich eine Fremde Gedanken macht und nachfragt ob alles in Ordnung ist, denn es ist so schrecklich heiß heute da wär es kein Wunder wenn jemand zusammenklappt.
Die Nacht an meinem Stellplatz war sehr ruhig, mein heutiger Strandtag erholsam, die gedämpfte Barmusik die vom Hotel herüberdringt sehr angenehm und der Sonnenuntergang wunderschön. Es ist fast wie Urlaub hier und ich beschließe noch einen Tag zu bleiben. Mein Platz ist bedeutend besser als er mir im ersten Ankommen erschien.
Am Hafen lerne ich dass es hier war wo die europäische Welt als Erste Kunde von der Entdeckung Amerikas vernahm, denn die Pinta, eines von Kolumbu‘s Schiffen, ist hier am 1. März 1493 als erster Rückkehrer gelandet. Darauf ist man in Baiona besonders stolz. Jedes Jahr zum 1. März gibt es dazu ein großes Fest. Eine Replica der Pinta liegt im Hafen und kann gegen eine kleine Gebühr besichtigt werden.
516 Jahre später, 2009 war Baiona wieder Schauplatz und Ankunftsort einer ungewöhnlichen Atlantik-Überquerung. Die“ Scarlet Knight“, ein sogenannter Glider, war das erste unbemannte Schiff das den Atlantik überquerte und kam nach einer 221 tägigen Überfahrt von New Jersey/USA hier in Baiona an. Die Scarleth Knight ist nur 8 Fuß (2,44 m) lang. Sie hatte keinen Motor und nutzte die Meeresströmungen um voran zu kommen. Sie konnte bis zu 200 m tief tauchen. Dies geschah indem sie ca 1/4 l Wasser in ihre Nase pumpte was sie zum Sinken brachte. Wasser ins Heck gepumpt brachte sie wieder nach oben. Ca 10.000 Tauchgänge unternahm sie während ihrer7400 km langen Reise, die überwiegend unter Wasser stattfand. Nur 3x täglich tauchte sie auf, zur Orientierung und Datenübermittlung. Der Zweck dieser Fahrt diente zur Erforschung der Meeresströmungen und der unterschiedlichen Wassertemperaturen die diese Strömungen transportieren. Damit half sie auch einige Unsicherheiten in einigen Klimamodellen zu reduzieren. Diese Glider können auch zur Datensammlung an Orten eingesetzt werden wo es schwierig oder zu gefährlich ist bemannte Boote zu verwenden. Nach der großen Ölkatastrophe im Golf von Mexico wurden auch solche Glider eingesetzt um Wasserproben zu nehmen um das Vorhandensein von Öl unter Wasser zu lokalisieren.
Die Strände in Baiona waren toll, für jeden Geschmack etwas – ellenlange Sandstrände, kleinere Buchten oder Fels/Sand/Mix Strände. Mein Platz war wirklich gut. Strand 20 m vor mir und der ganz lange 50 m hinter mir. Und ich hatte einen fantastischen Sonnenuntergangsplatz. Der war jeden Abend anders aber immer wunderschön.
Heut geht’s wieder weiter. Vorher muss der Jumpino aber noch in die Waschanlage, der sieht nämlich echt beschissen aus (im wahrsten Sinne des Wortes) aus der Zeit in Viana do Castelo wo wir unterm Eukalyptusbaum geparkt hatten. Und das Schlimmste ist, das Zeug geht nicht weg. Es sieht aus als hätte einen Kaffee über den Jumpino geschüttet, die gesamte rechte Seite ist mit braunen Spritzern versaut. Heul!
Entlang der Ria Vigo
Ich wollte eigentlich die Straße am Ufer entlang der Ria Vigo nehmen, aber google schickt mich in einem Riesenbogen durch die Berge. Auch egal, denk ich mir, so muss ich wenigstens nicht durch das Verkehrsgewühl von Vigo fahren. Aber diese Strecke ist nicht schön. Seelenlose Ortschaften reihen sich aneinander und wo kein Ort ist, ist es entweder kahl mit verdörrtem Gras oder es ist Eukalyptuswald. Den finde ich einfach hässlich. Und so viel Verkehr obwohl es eine Nebenstraße ist.
Erst als der erste Blick auf die Ria Vigo frei wird, ganz an dessen Ende, sieht alles wieder etwas freundlicher aus für mich. (Ach ja, für die Nichtwissenden: Eine Ria ist sowas wie ein Fjord an dessen landwärtigem Ende ein Fluss mündet.) Die Landschaft ist schön mit den Bergen die das blaue Wasser rahmen, aber die vielen Orte sind nach wie vor hässlich. Mein erster Halt begeistert mich nicht. Also weiter. Irgendwie ist heut „so a saudummer Tag wo I ned woas was I mag“, mich begeistert heute gar nichts. Drum bleib ich um 16:00 einfach in Moana an der Uferpromenade vor dem Yachthafen stehen. Wenigstens Schatten, die Straße scheint kaum befahren und es gibt was zu sehen. Im Hafen tut sich ja immer was.
Der Ort selbst war nix und all die Autos die jetzt nach der Siesta direkt neben mir vorbeifahren sind ganz schön nervig. In Spanien ist von 14:00 bis 17:30 Siesta, da ist es überall wie ausgestorben und die Läden haben zu. Aber dann geht der Rummel los bis sehr spät in die Nacht. Wird ja zur Zeit erst nach 23:00 Uhr dunkel hier. Das einzig Gute an Moana war dass ich direkt an der Marina stand und die haben ihre Duschcontainer direkt an der Promenade stehen, unverschlossen also frei zugänglich. Das nutz ich gleich. Es ist so heiß heute (wieder 34°, ich bin verschwitzt und Haarewaschen ist auch wieder fällig. Schön mal wieder in einer richtigen Dusche zu stehen, nicht nur Strandduschen im Bikini. Leider gab‘s kein Warmwasser, aber das kalte Wasser hier in diesen Ländern ist ja im Sommer nicht wirklich kalt, es ist eher lauwarm. Also alles Bestens. Frisch und sauber kann ich also morgen meinen Weg fortsetzen. Heut bleib ich einfach nur an der Promenade beobachte wie die Schiffe kommen und gehen, die Leute flanieren und allmählich bessert sich meine Stimmung wieder.
Ich habe kaum geschlafen in dieser Nacht, bis nach 01:00 laut diskutierenden Spaziergänger auf der einen Seite, endlos viele Autos auf der anderen und um 03:30 einige Motorräder die sich hier fast eine Stunde lang ein Rennen liefern. ab 07:00 morgens irre viel Verkehr. Das ist ganz ungewöhnlich denn normalerweise erwacht das Leben in Spanien erst zwischen 09:00 und 10:00 Uhr. Als ich total entnervt um 08:00 ohne Frühstück meinen Platz verlasse wird mir alles klar. Heute ist Markttag und nur ein paar Hundert Meter von mir entfernt ist die Uferpromenade und der große Parkplatz voller Verkaufsbuden – der übliche Textil-Haushaltswaren-Ramsch und Gemüse-Markt. Das erklärt natürliche das frühe Getümmel in meiner Straße und auch dass sie mich so dicht zugeparkt haben dass ich die hinteren Türen nicht mehr öffnen kann.
Erster Eindruck der Ria Pontevedra
Hinter Cangas einem noch überfüllterem Ort biege ich zur Küste ab und komme an einen traumhaft aussehenden kleinen weißen Sandstrand mit türkisfarbenem Wasser an dem 2 ältere Damen baden. Ich finds hübsch hier und will hier im Schatten unterm großen Baum frühstücken. Aber weil ich ja immer so neugierig bin muss es vorher noch ein kleiner Spaziergang am Ufer entlang sein. Gleich hinter den Felsen die den Sandstrand rahmen pumpt die Kläranlage von Cangas (einem größeren Ort) braunes stinkiges Wasser direkt ins Meer. Nur 50 m von den Badenden am schönen Strand entfernt. Igittt! Mir ist der Appetit aufs Frühstück vergangen. Außerdem stinkt es an meinem Parkplatz und die hinter den Büschen versteckte Kläranlage ist sehr laut. Ein Stück weiter, außer Riech- und Hörweite der Kläranlage, am Ende der Sackgasse liegt ein sehr schöner Stellplatz, ruhig direkt am Wasser aber der ist voll, es ist Samstag Mittag und heiß. Da sind alle Strandplätze von spanischen Wohnmobilen und Autos belagert.
Ein ungewöhnlicher Besucher
Und so fahr ich eben weiter bis ans weit von allen Orten abgelegene Cabo Udra. Da gibt es einen sehr schönen Platz zum Parken. Hier geht’s nicht mehr weiter. Diese Straße ist eine Sackgasse. Picknicktische auf einer weitläufigen Wiese, genug Platz zum Parken aber kein Schatten. Dafür schöne Aussicht und nach einen kleinen holperigen Fußweg bergab einen kleinen Strand der ein wenig an die Seychellen erinnert. So wie der in der Bacardi Werbung, nur die Palmen fehlen. Es gibt auch Trinkwasser und Mülltonnen hier. Sonst weit und breit nix. Der ideale Platz endlich was zu essen und dann wandere ich zum Mirador. Alles in der prallen Sonne. Hat 35 ° heute. Der Eukalyptuswald bietet leider keinen Schatten aber die Aussicht ist schön und die Formen der Riesenfelsbrocken in der Farn- und Heidelandschaft sind sehr interessant.
Zurück im Jumpino kühl ich mich mit einem nassen Waschlappen und trinke ein paar Gläser Wasser. Da bekomme ich Besuch. Ein Pferd streckt den Kopf zur Schiebetür hinein, schaut rechts und links, schnüffelt obs was Essbares gäbe und macht Anstalten ganz hereinzukommen. Aber dafür ist es dann doch zu groß und der Jumpino zu klein. Neugierig beäugt es alles, knabbert an meinen Zehen und will meine Alpakadecke klauen, die zusammengefaltet auf dem Sofa liegt. Nein, nein, die Decke bleibt hier. Der Wasserkanister und der Fußschemel werden noch genauer untersucht und nach einer geraumen Weile verabschiedet sich die Stute wieder, denn laut wiehernd kommt ihr Junges angetrabt das Hunger hat. Und da stehen sie nun friedlich auf der Wiese, Mama Pferd Gras fressend und der kleine Hengst Milch trinkend. Weiter oben grasen noch weitere Pferde. Es gibt weit und breit kein Haus und auch keine Zäune. Was für ein friedlicher naturverbundener Platz. Da stören nicht mal die parkenden Autos und Wohnmobile.
Die spinnt doch …
Stühle werden zur Seite geräumt, die Gläser auf den Tischen festgehalten, fachmännische Blicke mustern den Jumpino und aufmunternde Worte werden mir zugerufen während ich mich Millimeter um Millimeter zwischen Hausmauer, Tisch und Stühlen, unter Sonnenschirmen und parkenden Autos vorbeikämpfe. Was kommt wohl nach der nächsten Hausecke in dieser irre steilen Gasse? Gehts da überhaupt noch weiter? Zurück kann ich hier auf keinen Fall mehr. Was hat sich Tante Google nur dabei gedacht mich durch diese Gasse zu schicken. Man sieht es ja auf dem Navi nicht wie bereit oder steil eine Straße ist. Als ich in sie abgebogen bin, sah sie ja noch ganz passabel aus, und ich Depp hab ihr vertraut und bin nichtsahnend in diese verzwickte Situation geraten. Die spinnt doch mich da durch zu schicken nur um unten angekommen festzustellen dass auf dem einzigen Parkplatz von Beluso am Hafen Wohnmobile nicht erlaubt sind und es natürlich auch eine normale breitere Straße dorthin gegeben hätte. Zum Hunderttausendsten Mal verfluche ich sie, aber ganz ohne sie möchte ich auch nicht mehr fahren müssen. Also auf der normalen Straße raus aus dem hübschen Beluso und weiter die Küste entlang. Schöne Strände gibt es hier überall aber keine Parkplätze mehr. Ist alles voll und sauteuer. 3 €/Stunde. An der wunderschönen kilometerlangen Praia Major sieht es aus wie in Jesolo oder Rimini. Schirm an Schirm, Handtuch an Handtuch. Der einzige Unterschied, die Leute müssen Schirme und Liegen o.ä. selbst mitbringen und es gibt keine Hotels hinterm Strand sondern nur Natur.
Vom Regen in die Traufe
Der heutige Tag war nicht sehr erfolgreich (abgesehen vom schönen Cabo Urgo und meinem tierischen Besucher) und die letzte Nacht an der scheinbar ruhigen Straße an der Marina in Moana war schrecklich.
Jetzt in Pontevedra parke ich auf einem Super Wohnmobil-Stellplatz am Fluss, direkt an der schönen lebhaften Altstadt. Kein Durchgangsverkehr, große Stellplätze und kaum Wohnmobile.
Aber auf der anderen Seite des Flusses schlagen sie sich mit den Basshämmern die Schädel ein, bumm bumm bumm. Seit 16:00 Uhr bin ich hier, aber ich höre keine Musik nur den Bass.
Allmählich bekomme ich Kopfweh von dem Gehämmere und um 20:00 flüchte ich in die Stadt da hört man's nicht. Und ich glaube, wenn sie schon den ganzen Nachmittag spielen wird wohl abends Ruhe sein, denn solange hält doch keine Band durch.
Die Altstadt ist wirklich hübsch, sehr groß und das Beste daran, absolut autofrei. Mittelalterliche Gebäude in schmalen Gassen in denen sich Tische, Stühle und Sonnenschirme drängeln um die Menschenmassen zu bewirten die jetzt an einem Samstagabend durch die Gassen schlendern. Auf einem schönen großen Platz sind Stuhlreihen dicht besetzt und davor haben sich junge Musiker zu einem Symphonieorchester eingefunden. Die Jüngsten sind geschätzt 6 Jahre, die ältesten 16 Jahre alt und sie spielen fantastisch schön. Toll, mitten in der Stadt ein Konzert, ohne Bühne, ohne Zaun und ohne Eintritt, wo Kleinkinder auf der Straße tanzen und Oma/Opa andächtig lauschen während Mama/Papa unter der großen Platane im Schatten auf Zehenspitzen stehen um ihre jungen Talente zu filmen. Eine richtig gute Stimmung. Als das Konzert zu Ende ist wandere ich weiter auf einen anderen Platz, kauf mir ein Pizzastück setzt mich auf eine Bank und betrachte das geschäftige Treiben vor der Buchmesse. Hinter mir ragt die prächtige Ottone in die Höhe, eine Kirche in Form einer Jakobsmuschel. Pontevedra gilt als eine der schönsten Altstädte Galiciens mit seinen wappengeschmückten Herrenhäusern, zahlreichen Arkadengängen (um Schutz zu bieten weil es hier so oft regnet) und lebhaften Plätzen. Allmählich gehen die Lichter an was der Stadt eine noch mittelalterlichere Stimmung verleiht.
Um 22 bin ich zurück am Wohnmobilstellplatz. Jetzt hämmern sie noch lauter. Bumm, bumm, bumm und mir wird klar da spielt keine Band sondern nur ein wahnsinniger DJ der die ganze Region beschallen will. Alle Fenster und Türen zu, die Bettdecke übers Ohr und trotzdem nicht auszuhalten. Aua mein Kopf! Es ist als würden sie mit einem Hammer darauf dreschen. Es ist ja nicht nur der laute Ton, es sind beim Bass vor allem die Schwingungen die das ganze Auto vibrieren lassen. Ich bin optimistisch, in Portugal war um Mitternacht immer Schluss. Leider nicht hier, na dann vielleicht um 01:00? Auch nicht, es ist bereits 3 und sie hämmern immer noch, jetzt noch lauter aber ich bin schon viel zu müde und KO um jetzt noch wegzufahren. Dafür schlafe ich am nächsten Tag bis Mittag und genieße es dass es endlich still ist. Es ist Sonntag, der Platz bedeutend voller aber immer noch angenehm. Und nachdem der DJ schweigt will ich bleiben, wandere den Fluss entlang, gehe noch mal in die Stadt und als ich am Abend zurück komme hämmert er wieder. Jetzt reichts! Noch so eine Nacht übersteh ich nicht. Ich flüchte, raus aus der Stadt ins nächste Dorf und dahinter an den Strand auf einen großen Parkplatz unter Bäumen der fast leer ist. Es ist herrlich ruhig, der Strand wunderschön und es gibt einen schön angelegten Spazierweg ins nächste Dorf. Das wird mein Abendspaziergang beim Sonnenuntergang. So schön, mit Blick auf die Ria und so ruhig.
Und endlich schlafe ich mal wieder eine Nacht ohne Lärm und ohne Flutlicht.
Combarro – im Dorf der Horreos
Ein paar Kilometer weiter gibt’s einen Wohnmobilstellplatz und weil ich das sehr respektiere dass sie uns hier kostenlose Plätze mit Service zur Verfügung stellen fahr ich dort hin. Abgesehen davon habe ich gelesen dass der nahe liegende Ort Combarro sehr schön sein soll und einkaufen muss ich auch. Um 14:30 noch ists noch ruhig auf dem Stellplatz, ca 10 Fahrzeuge parken, gut über den Platz verstreut. Hab einen am Rand gefunden aber schau trotzdem hinten und links auf andere weiße Wände. Man darf nur 24 Std bleiben – es wird kontrolliert. Aber es gibt Ver/Entsorgung. Kostenlos! Kein Stuhl, kein Tisch, keine Markise, nix ist erlaubt hier und wird mit 200 € Strafe geahndet genauso wie das Überziehen der 24 Stunden. Trotzdem, eigentlich sehr schön hier, Wiese, volle Sonne aber eine Palmenpromenade vor dem Strand. Ein schöner Park rechts von mir mit Kunstwerken über die man in einigen 100 Jahren rätseln wird ob sie ein Observatorium oder Kultplatz waren. Nee, der Künstler hat einfach nur seiner Fantasie freien Lauf gelassen, ohne große Hintergedanken – zumindest schreibt er das so – ob man das in vielen Hundert Jahren noch weiß ist zu bezweifeln. Manchmal denk ich mir, wenn ich vor so alten Ausgrabungen oder Steinen stehe, in die soviel hineininterpretiert wird, weil man ja keine Überlieferung dazu hat, ob da nicht auch einfach nur einer seiner Fantasie freien Lauf gelassen hat oder sich einen Spaß erlaubt hat ohne etwas Bestimmtes auszudrücken. Wer weiß!
Meine neuen Nachbarn werden gerade von ihrem Schäferhund spazierengeführt. Denn der ist offensichtlich derjenige der bestimmt wos langgeht und sein Herrchen, obwohl ein kräftiger ausgewachsener Mann, wird einfach hinterhergeschleift. Das ist mir wirklich nicht geheuer. Wer sich so ein Tier anschafft sollte aber schon damit umgehen können. Zum Glück, der Schäferhund wirkt friedlich. Trotzdem Vorsicht!
Es ist extrem windig heut, vor allem in den Böen die en Jumpino heftig schütteln, aber das ist gut, so ists nicht so heiß. Das Meer leuchtet in allen blau und türkis Schattierungen, die grüne Insel in der Mitte, ein großer Hafen auf der anderen Seite der Ria. Schön hier, wäre nicht der schreckliche Gestank der Muschelfabrik nebenan.
Muss heut einkaufen und will mir die Stadt anschauen. Das kann ich gut verbinden denn in die Stadt sind es nur 1,5 km zu Fuß. Da kann ich auf dem Rückweg meine Einkäufe mitnehmen. Also Rucksack auf den Buckel und losmarschiert. Ich wandere die 300 m zur Hauptstraße hinauf und siehe da, eine Fruteria. ein wunderbarer riesiger Obst- und Gemüseladen direkt vor der Haustür. Vollbeladen mit Obst und Gemüse für eine Woche geht’s gleich nochmal runter zum Stellplatz, alles verstauen und dann wieder zurück Richtung Dorf.
Das ist ja hübsch hier. Schmale verwinkelte Gassen, alte Häuser mit Bogengängen und jede Menge Speicherhäuser, hier heißen sie Horreos. Zu jedem Wohnhaus scheint es hier ein Horreo zu geben. Die meisten stehen direkt am Ufer, aufgereiht wie an anderen Orten die Fischerhäuschen. Auf ihren hohen Stelzen mit den runden Betontellern über die kein Nagetier drüberkommt wirken sie wie aus einer anderen Zeit. Wunderbar erhalten sind sie hier, mit braunen, roten, grünen Holztürchen, manche ganz aus Granit, manche aus Holz, alle mit einem spitzen Giebel an dessen First auf jeder Seite ein Kreuz ragt. Winzige Plätze zwischen den Häusern mit gewaltigen schönen Wegekreuzen, keine Autos (ist viel zu schmal) Von der Hauptgasse gehen alle paar Meter Stichgassen runter ans Meer die bei Hochwasser direkt am Wasser enden. Und rechts und links jeweils ein Speicherhaus haben. So hübsch, so beschaulich und nicht allzuviele Leute hier. Bis ich das erste Souvenirgeschäft und die erste Kneipe entdecke. Und dann wird’s greislig, da wo der Ort eigentlich am Schönsten wär. Da wo sich am Ufer Speicher an Speicher reiht und die schönsten Häuser stehen sieht man nix mehr davon. Alles ist behängt mit Souvenirs, die Gasse voller Menschen und in jedem Haus und jedem freien Platzerl, sogar unter den Speicherhäusern Tische und Stühle der Restaurants. Wie schrecklich. Einen so besonderen Ort so zu verunstalten dass man wirklich nichts mehr von ihm sieht.
Ich bin froh dass ich von der Rückseite in dieses Dorf kam, da wo es zwar noch nicht gar so schön ist aber man noch keine Läden und Restaurants hingebaut hat. Wäre ich vom Hauptparkplatz in das Dorf gekommen hätte ich nach wenigen Metern kehrtgemacht und außer Souvenirs und Restaurants nichts von diesem außergewöhnlichen Dorf gesehen.
Zurück am Stellplatz ist es jetzt übervoll (hey es ist Montag, was ist los – vermutlich Ferienbeginn) und ich bin ordentlich zugeparkt., Auch wenn dieser Stellplatz zu den Schönen gehört – nein ich werde sie in Zukunft wieder meiden um meine eigenen Plätzchen finden
Feuer !!!
Auf der gegenüberliegenden Seite der Ria steigt Rauch auf, viel Rauch, eine dicke Qualmwalze überzieht den Hügel. Der heftige Wind vertreibt den Rauch über die Stadt und den Hafen bis hinunter zur Insel. Zum Glück nicht zu mir herüber. Der Wind kommt aus der andern Richtung. Aber er facht das Feuer so richtig an. Der Wald brennt lichterloh. Ein Hubschrauber taucht aus dem Qualm auf und ein Löschflugzeug versucht die Feuerwalze zu stoppen. Es dauert, ist faszinierend und doch besorgniserregend. Aber nach über einer Stunde scheinen sie es soweit unter Kontrolle zu haben dass es sich nicht weiter ausbreitet. Nach 2 Stunden raucht es zwar immer noch heftig aber zumindest wird es nicht mehr. Bin ich froh dass ich hier drüben bin. Gestern war ich noch auf der andern Seite.
Hier unternehme ich noch eine schöne Wanderung durch den Wald am Bach entlang zu mehreren bereits verfallenen Mühlen und zurück am Ufer entlang. Alles wunderbar im Schatten. Aber dann muss ich weiter – meine 24 Stunden Stellplatz sind um.
Es ist wieder brütend heiß heute und ich bin unterwegs, entlang einer schönen Küste die aber so schrecklich überfüllt ist, dass einen Parkplatz für einen Stopp zu finden aussichtslos ist. Erst nach Saxeno wird es besser.
Lanzada ist ein Traumstrand mit weißem Sand, türkisem Wasser wenig Leuten und einer Höhle am Wasser. Es gibt viel Parkplatz aber man darf nicht über Nacht parken. Schade. Aparcadorio Praia do Foxes heißt das schöne Eck.
Ria Arousa - Bildhauerpfad und Sardinen in Punta Moreiras
Ich sitze auf einem von der Sonne noch warmen Steinsessel, schau aufs Meer und lausche dem Wind in den hohen Pinien die hier Schatten spenden. Die Sonne steht schon tief und das Meer glänzt silbern, unterbrochen von den vielen Quadratischen Viveros (= Flöße an denen Muscheln gezüchtet werden). Das ist sooo entspannend! So ein schöner Ort
Ich bin da angekommen wo die Straße endet, in Punta Moreiras, an einem Traumplatz.
Ein kleiner, ebener, leicht geneigter Parkplatz auf einem glatten Felsplateau 10 m über dem Meer, fast leer, mit Blick auf den Fischerhafen und die Viveros. Nebenan ein Sardinenmuseum, sehr anschaulich und kostenlos in einer ehemaligen Sardinenfabrik.
Hier beginnt auch ein Bildhauerpfad der über die Felsen vorbei an kleinen Sandstränden durch den Pinienwald führt mit steinernen Sesseln und Sonnenuntergangsblick. Beinahe jeder Fels ist eine Skulptur! Bin hier hergekommen weil ich einmal falsch abgebogen bin. So ein Glück.
Nachts bin ich fast alleine hier oben, es ist ganz still und dunkel dass man die Sterne gut sehen kann. Nur vom Fischerhafen auf der anderen Seite der Bucht dringt gedämpftes Licht herüber.
Den Sonnenaufgang, leuchtend rot über der Bucht und dem Pinienwald aus dem Bett genossen, dann nochmal umgedreht und weitergeschlafen
So schön still ist es hier am Morgen. Die Muschelboote fahren raus zu den Viveros, kommen zurück, entladen, gehen an ihre Bojen. Einer kratzt seine Boje vom Bewuchs freu, eine Heuschrecke landet auf meinem Fuß. Noch ist es windstill und kühl. Ich beobachte das geschäftige Treiben im Hafen, weit genug entfernt, auf der anderen Seite der Bucht und genieße die Ruhe auf meiner Seite.
Und dann fällt der Mumienexpress über uns her. Eine Busladung alter Leute, viele mit Stock, ist angekommen um das Sardinenmuseum nebenan zu besichtigen. Lautes Geschnatter erfüllt die Luft. Warum müssen die sogar an einem so magischen Ort so laut sein und ihr Geschwätz von Nachbars Lumpi und all ihren Wehwehchen auch hier noch lautstark verbreiten. Sie sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie die Schönheit und Magie dieses Ortes gar nicht wahrnehmen. Warum verreisen sie dann überhaupt?
Ich verzieh mich in den Jumpino, stell mein Sprachlernprogramm an und richte mein Frühstück.
Nebel fällt ein, ein guter Tag um ins 3 km entfernte Dorf zu wandern. Auf einem holperigen felsigen Weg geht's durch den Wald die Küste entlang immer mit tollen Ausblicken auf schneeweiße Sandstrände und den Fischerhafen. Der Ort war den Weg nicht wert, aber der Weg selbst war schön.
Ich bin froh wieder am Cabo zu sein. Da kommt ein Bus mit einer Horde junger Leute. Der Bus ist extra lang, versperrt den gesamten Platz und jegliche Sicht. Wie gackernde Hühner übervölkern sie die Felsen rund um uns um mit lautem Gebrüll ihre Kumpane zu einem Selfie an Ort und Stelle zu ordern. Meine armen VW-Bus Nachbarn die sich gerade mit Tisch und Stuhl zum Abendessen mit Sonnenuntergang gerichtet haben. Die Kids sind rücksichtslos umschwärmen sie, gehen zwischen Stuhl und Tisch und Bus durch und bleiben vor ihrer Nase in großen Gruppen stehen. Kein gemütliches Abendessen bei Wein und Sonnenuntergang für die Beiden. Ich bin auch verstimmt, schließ die Türen und verkriech mich auf einen Felsen beim Leuchtturm. Ein kalter Wind weht aber der Sonnenuntergang ist wieder schön heute mit noch etwas Nebel und wieder ganz anderen Farben. Etwas durchgefroren kehr ich zum Jumpino zurück. Erst um 23 verlässt der Bus mit den Kids den Parkplatz
Nächster Morgen, Nebel. Man kann die andere Seite der Ria nicht sehen, das Dieselgetucker der Fischer klingt gedämpfter. Also auch heute kein Badetag an den hübschen einsamen Stränden hier.
Aufbruch! Entlang der Ria Arousa, im heutigen Wolken- und Nebelgrau ziemlich trostlos. Die Illa Arousa wäre wunderschön und der Ort darauf sehr einladend. Es gäbe schöne Wanderungen z.B zum Leuchtturm und reichlich Stellplätze zum Übernachten. Aber es ist mir noch zu früh, der Tag zu grau und ich heb mir das für ein andermal auf, im Herbst oder nächstes Jahr.
Die Städte durch die ich fahre, seit ich in Spanien bin, sind alle potthässlich bis auf ein paar sehr wenige Ausnahmen, (z. B Pontevedra oder Perlen wie Combarro). Die Landschaft wäre sehr schön, vor allem am Ende der Ria, grün und bergig mit Quellen wo ich meine Trinkwasservorräte auffülle. Dann endet der Tag an einem kleinen einsamen Parkplatz am Flussufer in Escarbote.
Hier gäbe es einen Wohnmobilstellplatz für 6,07 € (das ist akzeptabel) aber der ist so voll und ich mag mich nicht in diese engen Plätze quetschen. Drum steh ich lieber frank und frei gegenüber auf der anderen Flussseite. Zum Sandstrand hab ich auch nicht viel weiter als die Stellplatzleute und vor meiner Nase geht nicht die Hauptstraße vorbei. Mein Platz am wunderschönen Fluss ist also absolut ok und ich teile ihn nur mit einem netten spanischen Paar im Wohnmobil und 2 Fischern. Der Ort ist, wie fast alle, lieblos und wirkt seelenlos. Zurück am Jumpino ist der Fluss verschwunden, es ist Ebbe und im Watt haben sich Reiher und Möwen eingefunden.
Ich mach meine Pläne für morgen und geh heut mal eher schlafen, hab letzte Nacht nicht gut geschlafen. Keine Straßenlaterne oder die übliche Flutlichtbeleuchtung der Wohnmobilstellplätze stört heute Nacht meine Ruhe. Wie schön!
Mittelalterliches Noia
Es ist Immer noch bewölkt und grau, im Radio kommt grade so chillige Musik und gemütlich fahre ich durch eine schöne Landschaft, grüne Hügel über die steile hohe Berge ragen, Dünen und Felsenkaps wechseln sich ab. Und dann komm ich am heutigen Ziel, in Noia, in der Ria Muros an.
Noia war einst der Pilgerhafen von Santiago de Compostella. Jetzt ist er versandet und Noia hat keinen Hafen mehr. Der Ursprung von Noia geht zurück in die Zeit vor Christus. Der mittelalterliche Stadtkern ist hübsch, viele Häuser habend diese schönen verglasten Balkone und die gesamte Stadt ist ritterlich geschmückt, denn nächstes Wochenende findet hier das Mittelalter-Festival statt, eines der größten und berühmtesten Festivals Galiciens. Der Jumpino parkt direkt vor der Altstadt auf einer sehr weitläufigen fast leeren Wiese direkt am Ufer der beiden Flüsse die die Altstadt einrahmen und in die Ria Muros münden. Es ist ruhig hier und die Laternen an der Promenade werfen nur ein ganz gedämpftes gelbes Licht so dass es nachts bei mir schön dunkel ist. 50 m hinter mir ist der Supermarkt Mercadona, 50 m neben mir ein paar weitere Wohnmobile und ein Park und zur Markthalle in die Stadt sind es auch nur 5 Minuten. Alles sehr hübsch und praktisch und vor allem angenehm ruhig hier. Ein guter Platz zum Ausspannen. Für Badewütige ist es allerding nichts, es gibt keinen Strand und außerdem ist es aktuell zu kalt, grad mal 22 – 24 ° und nachmittags immer ein heftiger Wind.
Es ist bereits der 12. Juli und bisher hab ich (außer 2 Franzosen) noch kein ausländisches Wohnmobil gesehen. Galicien ist noch fest in spanischer Hand was den Tourismus angeht
Der Zauberwald von San Xusto
Heut will ich Noia verlassen es ist ein grauer Tag, so wie die letzten auch, aber verwundert stelle ich fest dass mein Parkplatz der die letzten beiden Tage zu nicht mal 20 % belegt war heute zu 120 % belegt ist. Da muss doch was Besonderes los sein. Also doch noch bleiben und nachschauen. In der Tourist Info hatte man mir gestern noch gesagt es sei nix besonderes los dieses Wochenende. Sie war zwar nett aber hoffnungslos unbrauchbar.
Den Menschenstrom folgend komme ich zuerst an einen großen Flohmarkt der aber nur schwach besucht ist. Das kann also nicht der Grund sein. Also nochmal in die Tourist Info. Selbe Frau, nein heut ist nix, nur der Flohmarkt. Den muss wohl sogar sie registriert haben denn der ist genau vor ihrer Tür.
Ich erwidere: Nein der kann's nicht sein, da sind kaum Leute, was ist sonst heute los. Sie zuckt mit den Schultern und meint in der Stadt verkaufen sie T Shirts und so. Aha! Ich stelle fest die gesamte Altstadt ist ein einziger Markt heute und zahlreiche Menschen drängeln sich zwischen den Ständen die den selben Klamottenschrott wie auf jedem Markt verkaufen. Keine Ahnung warum die Spanier und auch die Portugiesen gar so wild auf diese Märkte sind. Für mich ist das nix.
Ich überlasse meinen Parkplatz einem dankbaren Autofahrer der langen Warteschlange und fahre landeinwärts, Richtung Santiago der Compostela. Das ist nur 35 km entfernt aber nicht mein Ziel. Mir steht nicht der Sinn nach zig Kirchen und Massen von Pilgern.
Obwohl es leicht nieselt will ich in der Natur ein bisschen wandern, halte in San Xusto und hab einen verwunschen anmutenden Zauberwald ganz für mich allein. Hier im Wald spürt man den leichten Regen nicht, das dichte Blätterdach hält ihn ab und das Grün ist auch bei bedecktem Himmel wunderschön. Moosbedeckte Felsen, überwucherte Steinmauern, eine uralte mit Flechten bewachsene Kirche, ein paar alte Steinhäuser von Lianen überrankt. Wie im Märchen. Aber das Beste hier ist der kleine Bach der sich über zahlreiche Felsen in rauschenden Wasserfällen zu Tal stürzt, wunderschöne glasklare Becken bildet die zum Baden einladen. (Nicht heute, aber bei schönem Wetter).
Ich klettere den Wasserfall bis ganz oben hinauf, setz mich auf einen Felsen und genieße. Wie wunderschön doch unsere Erde ist wenn man die Natur einfach in Ruhe lässt. Vereinzelt tauchen nun Wanderer auf die den großen Wasserfall von unten betrachten, aber niemand kommt bis zu mir herauf. Ich spür den Regen nicht, das Blätterdach schützt mich und das Rauschen des Wassers ist sooo beruhigend.
Endlich kann ich mich losreißen, gehe zurück zum Jumpino und setzte mein heutige Tour fort.
Ab jetzt ists wieder schön
In Muros halt ich gar nicht erst an. Das vor 10 Jahren so beschauliche Örtchen (war mit Carina hier) ist jetzt überfüllt mit Autos und hat seinen Reiz verloren obwohl es immer noch ein wunderhübsches Städtchen ist. Weiter! Ab jetzt ist überhaupt wieder schön. Alle Orte durch die ich fahre haben Charakter und Charme und passen hervorragend in die wunderschöne Landschaft. Leider spielt das Wetter nicht so mit. Es bleibt grau und nieselt immer wieder mal. Die Landschaft entlang der Rias ist trotzdem schön. Ich halte in Ezaro, weil es so hübsch aussieht und wandere ein bisschen herum. Ezaro hat einen sehr hohen, sehr berühmten Wasserfall an der Mündung des Flusses der hier das Meer trifft. Ich wandere einen Kilometer den felsigen Fjord entlang. Zahlreiche Autos kommen mir entgegen, der Straßenrand ist zugeparkt, die Landschaft, ganz anders hier ohne Wald, ist schön. Der Wasserfall führt sehr viel Wasser, ist sehr hoch aber keineswegs malerisch. Souvenirläden, Riesenparkplätze und das Elektrizitätswerk nehmen ihm jeglichen Charme. Trotzdem vermarktet man ihn für Touristen, hat einen Holzplankenweg mit Aussichtsplattform gebaut auf denen sich trotz schlechtem Wetter irre viele Menschen drängeln. Und nachts wird das ganze bunt angestrahlt. Kein Vergleich zum idyllischen Wasserfall im Wald von San Xusto und keinerlei Verlangen hier zu verweilen. Hingehen, gesehen haben, Foto gemacht und weg ist hier die Devise – und mir geht’s nicht anders.
Ans Ende der Welt
Ich fahre weiter nach Cee, einem hübschen Ort in der tiefen Bucht hinterm Cabo Finisterre. Am großen Parkplatz vorm Strand ist es sehr ruhig obwohl er mitten im Zentrum liegt und weil es heut schon spät ist bleib ich hier, wandere durchs hübsche Städtchen mit schmalen verkehrsfreien Straßen über schöne Plätze mit schönen verglasten Häusern. Auch an der Promenade ist es schön entlangzuwandern.
Am nächsten Morgen ists noch ganz still und ich sitz aufm Bankerl an der Promenade mit meinem Frühstück und beobachte einen Mann der mit Rechen und Eimer am Strand lang marschiert und das wenige Seegras weg recht. So geht’s auch, es muss nicht immer der Traktor sein der über den Strand fährt. Aber hinter mir beginnen gerade wieder die Rasenmäher ihre Arbeit und so zieh ich nun weiter ans Cabo Finisterre von dem ich erwarte dass es heute, Montag Mittag, ruhig ist. Weit gefehlt! Ich bekomme zwar noch einen Parkplatz (kostenlos hier) aber auf dem Weg dorthin waren bestimmt 100 Pilger unterwegs, denn am Cap befindet sich der 0-km-Stein des Jakobsweges. Und da müssen sie alle hin. Auch zahlreiche andere Touristen (solche wie ich und die Selfie Touristen) haben sich hier eingefunden. Von der zu erwartenden Stimmung an einem Leuchtturm am Ende der Welt (Finisterre) ist hier nichts zu spüren. Souvenirshops, Dudelsack- und Flötenspier die das Kap beschallen und ihr Hütchen zum Sammeln vor sich ausgelegt haben, Massen von Pilgern und Touristen, ein Hotel im Leuchtturm und naja, die ganze Atmosphäre hier ist… nix wie weg!
Auf der weiteren Fahrt über schmale Bauernstraßerl fühle ich mich dann wirklich wie am Ende der Welt. Durch Wald und Wiese, hübsche kleine Dörfer wo man mir zuwinkt und ich mir manchmal nicht sicher bin ob wir da durchpassen geht’s weiter auf der Suche nach einem Platz wo ich in Ruhe duschen kann. Den finde ich auch bald am Waldrand und frisch und sauber setzt ich meinen Weg fort. Ein einsamer Strand war mein Ziel. Echt ein Traum aber leider war der winzige Parkplatz (die einzige Möglichkeit hier anzuhalten) nach einer sehr schmalen steilen Straße bereits voll. Einige Wohnmobile stehen so dicht beieinander dass sie kaum die Tür aufbringen und der Platz ist so klein dass es keine Wendemöglichkeit gibt.
Was nun? Rückwärts den langen schmalen steilen Zufahrtsweg wieder zurück? Oh nein! Ich versuchs mal mit Wenden auf engstem Raum und wenn‘s wirklich nicht klappt muss ich halt doch rückwärts. Ein paar cm vor ein paar zurück, ein paar vor … da kommt ein junger Mann und fragt auf Deutsch ob er mich weisen soll. Ja gerne! Und jetzt mit ihm hinten und ihr vorne funktioniert das auch mit dem Umdrehen. Ouff, geschafft und vielen Dank an meine Helfer, aber jetzt leider wieder weg. Wär schon schön gewesen hier.
Weiter über die Dörfer und durch die Wälder mit immer wieder schönen Ausblicken aufs Meer und einsame Traumstrände fahre ich über Muxia nach Camarinias. Ein Spaziergang durch Camarinias, Baguette kaufen und am Wohnmobilstellplatz Brotzeit machen. Hier haben sie einen Wohnmobilstellplatz mit Wasser und Entsorgung direkt entlang dem schönen Sandstrand zur Verfügung gestellt. Man parkt hier längsseits entlang dem Strand so dass man nicht den Nachbaren gleich daneben hat. Ein Super Platz, wäre er nicht direkt an der Straße. Darum nach dem Brotzeitstopp wieder weiter.
Laxe war auch wunderschön, überhaupt ist dieses ganze Nordwesteck eine der schönsten Gegenden durch die ich bisher in Spanien gekommen bin. Ich beschließe bis A Coruna zu fahren und dort ein wenig herumzuwandern. Am Torre Hercules gäbe es einen großen Parkplatz.
Wie konnte ich nur glauben
dass man in der Hauptsaison in A Coruna einen Parkplatz bekommt. Es war schrecklich durch die Stadt zu fahren und am Parkplatz waren Warteschlangen von Autos. Zum Übermnachten (wär zwar erlaubt) war er ohnehin zu schräg. Der Wohnmobilstellplatz an der Marina will 37 € pro Nacht (größenwahnsinnig?) für einen einfachen kahlen Parkplatzhinter einer hohen Mauer, aber Nutzung der Marina-Duschen und Toiletten.
Und dann schickt mich Tante Google zum 5. Mal falsch an derselben Stelle und ich muss meinen eignen Weg auf gut Glück aus A Coruna heraus finden.
In den Dünen von Valdovino
Weiter. Ich bin heut schon so viel gefahren und allmählich müde. Ich will noch bis Cedeira in der Hoffnung dort etwas mehr Ruhe zu finden. Aber soweit komm ich gar nicht. In Valdovino bin ich schon so KO und hungrig dass ich einfach die nächste links abbiege Richtung Meer und: Überraschung! lande an einem großen Parkplatz hinter den Dünen. Da es bereits 22:00 Uhr ist auch genug frei und ich komme genau zum Sonnenuntergang, parke in erster Reihe und wandere über die Dünen an den weitläufigen Strand der im Nebel recht mystisch aussieht. Der Sonnenuntergang war traumhaft, die Dünen grandios und übersät mit blühenden Meer-Narzissen oder Pankratium wie sie auf Lateinisch heißen. Sehr wenig Menschen. Nebenan eine Chiringuito das gedämpfte Musik spielt die gar nicht bis zum Jumpino hinüberdringt und nach Mitternacht gehen alle Lichter aus und es ist dunkel und ruhig hier. Ein Traum und eine fantastisch erholsame Nacht.
Am Morgen ist der Nebel weg und die Luft klar und frisch. Die Sonne scheint und es ist so schön hier dass ich beschließe ein wenig Sonne zu tanken. Bikini an und an den Strand. Huch der Wind ist aber schon noch etwas zu kühl um so freizügig rumzulaufen. Also erst die Felsen anschauen die ich gestern schon am linken Strandende gesehen habe. Uiii ist das schön! Und kaum Wind hier. Aha deshalb haben sich die meisten Sonnenanbeter hier her verkrochen und der kilometerlange Dünenstrand ist leer. Zwischen hohen Felszipfeln und Klippen auf goldgelbem Sand finde auch ich ein Plätzchen zum Sonnenbaden. Das tut gut, mal wieder Sonne auf dem Bauch. Aber lang halt ich das faul rumliegen und in der Sonne braten eh nicht aus und die Felsen sind so interessant. Es ist Ebbe und ich bin neugierig wie weit man um die von hier nicht einsehbare Kurve rum gehen kann. Zwischen vielen Meter hohen Felszacken kann man wunderschön im Sand umherlaufen. Manchmal werden die Füße etwas nass wenn eine Welle mal etwas weiter reinschwappt, aber es ist so flach hier dass man nicht mal richtig Baden kann. Ein 2 Stellen gibt es eine Vertiefung wo und die Leute wenigstens bis zum Bauch im Wasser stehen können. Noch ist Ebbe und das Wasser läuft noch ab und daher ist es ganz ruhig und gefahrlos hier. Die Sonne wärmt jetzt schon so stark dass der Wind inzwischen angenehm ist und Ich wandere, mit den Füßen knöcheltief im Wasser, den jetzt endlos breiten und kilometerlangen Sandstrand auf das Kap mit dem Leuchtturm zu. Einige km bin ich gegangen in denen ich nur sehr wenigen Menschen begegnet bin, aber jetzt kippt die Gezeit, die Flut kommt und damit das Wasser zurück. Ich dreh lieber um bevor ich auf der langen Sandbank eingeschlossen bin die ich im gestrigen Nebelgrau am Abend schon aus der Ferne bewundert habe. Das war ohnehin genug Sonne für einen Tag.
Zurück am Jumpino hab ich mich gerade hingesetzt um meinen Salat zu essen und nebenbei das Spanisch-Sprachlernprogramm zu hören als ein Mann an der offenen Tür steht und mich auffordernd anschaut. Er hat mir offensichtlich was zu sagen oder will was fragen. Ich stell das Handy ab, den Salat zur Seite und guck was der will.
Oh je, ein Deutscher Camper-Rentner der mich jetzt über eine Stunde zulabert. Er ist so furchtbar dass er nicht mal bemerkt dass er nicht willkommen ist, weder an meinen kargen Antworten noch als ich ihm nach einer Stunde sage dass ich jetzt gerne meinen Salat fertig essen würde bei dem er mich vor einer Stunde unterbrochen hatte - er bleibt und redet einfach weiter, so viel Schmarrn und was für ein toller Hecht er ist. Das wäre sicher ewig so weitergegangen, wäre nicht ein Spanier gekommen der mich bat ob ich ein wenig mehr zur Seite parken könnte dann hätte er noch neben mir Platz. Das sieht mein nerviger Rentner ja gar nicht ein. Aber klar, ich mach das doch gerne und während ich schon hinterm Steuer sitz redet der immer noch. Bis mein Parkmanöver beendet ist bin ich den Kerl Gottseidank los. Ich wollte ja eigentlich heut noch weiter, aber jetzt hab ich mit seinem Gelaber so viel Zeit verloren dass ich keine Chance mehr habe einen Parkplatz in Cedeira zu bekommen. Nach der Siesta ist das nämlich aussichtslos.
Oh je, es dauert nicht lange da steht er wieder vor meiner Tür. Ich bin grad in die Routenplanung vertieft und „Surprise!“ er hat bemerkt dass ich beschäftigt bin und meint: ah dann können wir ja später weiterreden – oh nein, bitte nicht! Ich verkriech mich nochmal ne Stunde an den Strand um ihm zu entkommen. Kaum zurück ist er schon wieder da, aber diesmal lass ich ihn einfach stehen, schließe die Tür und gehe davon. Es ist ohnehin Sonnenuntergangszeit und ich will noch einen Abendspaziergang machen. Wunderschön wieder. Zwischen den Felsen wo ich heute Mittag noch im goldenen Sand in der Sonne briet tost jetzt ein Welleninferno. Kein Mensch würde je denken wie friedlich und schön man hier bei Ebbe sonnenbaden kann. Ich bin schon versucht noch um einen Tag an diesem Traumplatz zu verlängern, wäre da nicht dieser schrecklich nervige Rentner. Und wegen dem fahr ich dann doch heute Mittag schon weiter.
Cedeira
Und wieder reiht sich ein Sandstrand an den anderen, unterbrochen von steilen Klippen. Die Straße führt durch grüne schattige Wälder und dann kommt Cedeira, gelegen in einem tiefen geschützten Fjord in dem ich vor 10 Jahren mit der Carina, gemeinsam mit Wolfgang, nach der Biskaya Überquerung Schutz gesucht hatte. Wunderschöne weiße Strände bilden das Ende des Fjordes während die schmale Einfahrt von hohen rauen Klippen gesäumt ist. Ich habe Cedeira als hübsches Städtchen in Erinnerung, aber dass es so schön ist wusste ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich weil wir so beschäftigt waren mit der mehrfachen Reparatur des Außenborders bei der uns ein hier ansässiger Holländer, (der Peter) sehr geholfen hatte.
Ich finde einen ruhigen schattigen Parkplatz im Zentrum am Fluss, nur 100 m von einer Trinkwasserquelle entfernt. Ideal, das Wasser ist eisig kalt und herrlich frisch und schmeckt köstlich – Quellwasser halt.
Und dann bestaune ich wieder die wunderschönen Fassaden mit ihren weißen Glasbalkonen die viel zu schmal sind um sich darin aufzuhalten. Sie dienen lediglich der Temperaturregelung, gegen Hitze, Feuchtigkeit oder Kälte bieten diese Schutz. Wir würden sowas Miniwintergarten nennen, obwohl es dazu auch zu schmal ist, aber soooo schön.
Und jetzt nehm ich meinen Rucksack und marschier zum Supermarkt. Alle Vorräte sind aufgebraucht.
Regentag
Ich bin froh dass ich in Cedeira so einen guten gepflasterten Platz habe und nicht im Schlamm stehe, denn heute regnet es. Na ja dann beginnen wir den Tag mal ganz ruhig. Denkste! Gerade fährt ein Gemeindefahrzeug auf den Platz, holt 2 Heckenscheren raus und Brummm los geht’s, neben mir, vor mir … aber zum Glück sind sie schnell und die Hecke ist lang, ich hör sie nur noch aus der Ferne. Und dann sind sie weg. Oufff. Es dauert nicht lange da kommt das nächste Gemeindefahrzeug mit den Laubbläsern und die Gaudi geht weiter. Auch das dauert zum Glück nicht zu lange. Ich stell mich grad auf einen Lesetag ein, denn im Regen wandern gehen ist ja auch doof, da lichtet sich der Himmel etwas und ich überlege ob ich nicht auch an der Playa de las Catedrales lesen könnte, denn das wäre mein heutiges Ziel gewesen. Ein Strand den man nur bei Ebbe begehen kann und der besonders hohe schöne Felsformationen hat. Ich habe Fotos davon im Status von Bekannten gesehen die im Mai dort waren. Das hat mir gefallen, so habe ich von diesem Strand erfahren. Ebbe ist um 16:00 Uhr, also noch reichlich Zeit. Mir gefällt die Idee immer besser, denn noch ist Wochentag und es nieselt und somit wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen an diesen Strand zu fahren. Also meine Chance auf einen guten Parkplatz und wenn es vielleicht rechtzeitig aufhört zu regnen habe ich das Goldene Los gezogen, oder ich warte auf morgen dort am Parkplatz. Also zampacken und los.
Leider bleibt es grau und nieselt immer wieder. Schade! Die Strecke dorthin ist einer der schönsten Küstenabschnitte Galiciens aber man sieht fast nix vor lauter Wolken und Regen. Interessant ist wie sich die Herreos (die Speicherhäuser) verändert haben. An der Westküste Galiciens standen sie auf Stelzen mit Tellern um die Nagetiere fernzuhalten und beinahe jedes Haus hatte so ein Herreo. Hier an der Nordküste sind sie etwas seltener anzutreffen, stehen zwar auch hoch aber auf einem festen Sockel, oft auf einem Gebäudeteil oder auf dem Dach oder auf Mauern die ein Gebäude umschließen. Auch fehlen ihnen die für den Westen so prägenden Kreuze an den Giebeln und sie haben fast alle Holzwände, sind braun oder falls aus Stein, nur grau. Keine bunten Farben mehr. Trotzdem interessant. Als mich google grad mal wieder auf ungewollte Bauernwege schickt, fahre ich sogar unter 2 hintereinander stehenden Herreos durch. Leider ist grad ein Auto hinter mir und es fehlt der Fotograf auf dem Beifahrersitz so dass ich dieses seltsame Bild nicht einfangen konnte.
Ich kann es immer noch nicht glauben …
Es nieselt immer noch als ich zur Playa de las Catedrales abbiege, Ich fahr rechts, da stehen schon jede Menge Wohnmobile und Autos auf einer riesigen Parkplatzwiese, aber es ist noch reichlich Platz. Nachdem ich geparkt habe stelle ich fest dass es bis zum Zugang zur Playa noch 2 km sind und es direkt dort auch noch 2 Parkplätze gibt, Also dorthin damit ich nicht so weit durch den Regen laufen muss. Erster Parkplatz – voll. 2. Parkplatz riesengroß, ca. 80 % ausgelastet. Alle Parkplätze kostenfrei, sehr erfreulich! Ich werde auf die Seite zu den Wohnmobilen geschickt, parke auf dem etwas schiefen Gelände, aber es ist mir egal, denn ich werde hier eh nicht bleiben. Nachdem hier Hunderte von Autos stehen, kann ich mir schon vorstellen wie das am Strand aussieht. Da will ich schon gar nicht mehr hin. Wie muss das erst am Wochenende und bei Sonnenschein sein. Unvorstellbar! Schrecklich!
Nachdem ich schon mal hier bin wandere ich Richtung Strand, vorbei an Souvenirläden einem riesigen Picknickbereich, Restaurant, und irre vielen Menschen. Etwas abseits kann ich von einem Holzplankenweg einen kleinen Bereich des Strandes einsehen. Schon toll, aber voll. Man steht hoch oben auf den Klippen und die wenigen möglichen Wege zum Strand hinunter sind abgesperrt. Am einzig möglichen Zugang kommt eine Horde Menschen die Treppen hoch, dicht an dicht, wie auf einer Rolltreppe im Kaufhaus 1 Tag vor Weihnachten. Eine lange Warteschlange hat sich am Abgang zum Strand gebildet. Mein Gott das ist ja Wahnsinn! Da muss ich nicht dabei sein! An der Treppe befindet sich ein Pavillon mit 2 Wächtern denen die Wartenden ihr Handy entgegenhalten????? Ein Strand mit Eintritt??? Allmählich schockiert es mich nicht mehr sondern amüsiert mich. Ich gehe neben der Schlange vorbei ganz nach vorne um genau zu sehen was da passiert. Ich frage einen der beiden Wärter ob man ein Tickt braucht und er erklärt mir: Ja, aber es ist kostenlos. Ohne Ticket darf man da nicht runter. Ich könnte da rüber gehen, den Code einscannen und dann bekäme ich ein Ticket, falls ich noch einige Tage hier bleiben würde, denn heute und morgen ist bereits voll. Ich kann es mir nicht mehr verkneifen und muss laut lachen. Da warten die Leute doch tatsächlich tagelang auf ein Ticket um an den Strand zu gehen, sogar bei Regen und das nur weil dieser Strand zwar schön aber halt so bekannt und berühmt ist. (Ist sicherlich ein „Geheimtipp“ aus den Reiseführern und dem Internet). Es gibt viele ähnliche Strände die man jederzeit betreten kann und wo man nur wenige Menschen trifft. So ein Rummel! Immer noch lachend - verlasse ich den überfüllten kuriosen Schauplatz und dann kommt das i-Tüpfelchen als ich am Toilettenhäuschen vorbeikomme. Da stehen sie auch Schlange. Na ja, bei so einem Menschenauflauf ist das ja normal, aber dass dort einer steht und Eintrittskarten für die Toiletten verteilt, das toppt wirklich alles.
Ich geh zurück auf meine Parkweise zum Jumpino, ess‘ was, plane eine neue Route und bin nach 30 Min wieder weg. Ich hab genug von diesem Rummel und habe eine Tour in die Berge vor.
Der Tag endet an einem ruhigen Parkplatz in Navia von dem man einen Teil für Wohnmobile reserviert hat. Der ist zwar voll aber entlang der Zufahrt sind auch noch Plätze für Wohnmobile reserviert und da steht man längsseits so dass man niemand neben einem hat. Freier Blick nach rechts und links – kein Verkehr hier, ganz ruhig. Da kann ich nun den verregneten Abend verbringen und überlegen wohin als Nächstes. Und immer wieder muss ich kichern wenn ich an die Warteschlangen an der Playa de las Catedrales denke. Ich glaubs immer noch nicht, ein Strand an dem man Schlange steht und tagelang vorher schon ein Ticket lösen muss.
Allerdings ist es eine gute Idee, denn so haben sie eine Kontrolle wer alles da unten ist, denn bei Flut ist dort alles überschwemmt, da müssen alle wieder oben sein. Also letzten Endes ein Sicherheitsfaktor und vielleicht auch ein wenig Umweltschutz. Trotzdem traurig dass der Tourismus so überhandgenommen hat und die Leute sich um jeden Preis alle an denselben Orten tummeln dass man zu solchen Maßnahmen greifen muss. Das fördere ich nicht und verzieh mich lieber dahin wo ganz wenige sind und somit weder Bewohner noch Umwelt beeinträchtigt werden.
Genug vom Touristenrummel wechsle ich in die einsamen Berge Asturiens.