Leben im Camper
Asturien - Land der wilden Bären - Pilger und hohen Gipfel Durch Kantabrien ins Baskenland
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Jumpino on tour #13 - Nordspanien, Juli 2025
Asturien - Land der wilden Bären - Pilger und hohen Gipfel Durch Kantabrien ins Baskenland
Begegnungen am Wegesrand
Ich hatte eine ruhige Nacht am Wohnmobilstellplatz in Navia. Das liegt noch an der Küste.
Am Morgen klopft ein ca. 8-jähriger Junge, begleitet von seinem Großvater und erklärt in gutem Englisch: Er sammelt Geld aus aller Welt und würde gerne welches tauschen. Ebenso aus Euroland kommend bin ich erst mal nicht sehr hilfreich, aber dann fällt mir ein, ich hab ja noch einen Schein peruanischer Pesos und den schenk ich ihm. Das freut ihn riesig und er bedankt sich vielmals. Erst später wird mir klar dass er eigentlich nur Euromünzen aus verschiedenen Ländern sammeln und gegen Spanische eintauschen wollte. Davon hätte ich eine gute Auswahl für ihn gehabt. Naja, meine Pesos haben ihn auch sehr gefreut.
Meine heutige Fahrt geht durch die Traumlandschaft Asturien, über hohe Berge, entlang munter plätschernder Flüsse, vorbei an Stauseen, wunderschöne Aussichten und durch schöne Dörfer. Nur wenige Autos sind hier unterwegs, dafür umso mehr Pilger. Alle scheinen ziemlich gut unterwegs zu sein in dieser bergigen Region, bis auf 2, die kommen wirklich schon aufm Zahnfleisch daher. Erschöpft setzten sie sich auf eine Mauer. Ich bin ganz langsam unterwegs drum konnte ich das beobachten. Als ich auf ihrer Höhe bin steht einer auf und hält den Daumen hoch. Dass sie mitfahren wollen kann ich mir nicht vorstellen denn sie kommen ja aus der Richtung in die ich fahre. Ich glaube eher sie brauchen Hilfe, so fertig wie die aussahen. Also halt ich an. Ob ich Wasser hätte? Na klar, hab ich und sie haben Glück dass da gerade eine Ausweichstelle ist. Da park ich und fülle die Trinkwasserflaschen der Beiden auf, drück jedem noch einen Müsliriegel in die Hand und ihre dankbaren Blicke sagen mehr als alle ihre Worte. Ich hätte sie auch an ihr heutiges Ziel gefahren, aber sie haben nur noch 3 km und jetzt mit Wasser und Müsliriegel schaffen sie das auch noch. Ihr Ehrgeiz ist ungebrochen. 49 km sind sie heute schon gelaufen und das im Gebirge. Respekt!
Cangas del Narcea …
liegt auf halber Strecke nach Leon und soll einer der schönsten Orte Asturiens sein. Außerdem findet gerade ein 4-tägiges Musikfestival statt. Ich erwarte überfüllte Parkplätze und habe eigentlich vor, 60 km weiter zu nächtigen. Aber weil es ja so schön sein soll und ich nach Hundertenn von Kurven schon ganz schön KO bin halt ich doch hier. Und siehe da, es ist reichlich freier, ruhiger Parkplatz am Fluss. Na dann bleib ich halt.
Und jetzt beginnts zu regnen. Macht nix ich geh trotzdem rauf in die Stadt und kurz darauf hört es auch schon wieder auf. Die Stadt ist viel größer als ich dachte, mit modernen mehrstöckigen Häusern und einer riesigen Fußgängerzone die fast die ganze Stadt einnimmt. Darin wimmelt es nur so von Leuten, unendlich vielen Straßencafés, alle voll. Marktbuden und eine Churreria. Juhuuu, da kauf ich mir gleich eine Portion Churros und so hat sich das Abendessen auch schon erledigt.
Die Stadt ist eigentlich nichts Besonderes, da hätte ich mir mehr erwartet, aber trotzdem ganz nett und quirlig. Konzert ist keines, vielleicht wegen dem Wetter. Das hat sich heute ganz gut gehalten. Es war zwar bedeckt und nur ganz selten gab's mal ein bisschen Sonnenschein aber es blieb warm und trocken, bis auf den kleinen leichten Schauer bei meiner Ankunft in Cangas. Ab morgen soll es eh wieder sonnig sein, denn dann bin ich auf der Südseite der Cordileren und da ist's sonnig und heiß, während für die Küste in den nächsten Tagen Regen und nur 22 Grad zu erwarten sind.
Die Straße führt hinauf über El Puerto bis auf 1526 m. Immer wieder kann ich große Greifvögel beobachten. Leider kenn ich sie nicht so gut und kann nicht sagen ob es Bussarde, Habichte oder Adler waren. An den Straßenrändern warnen immer wieder große Schilder vor Braunbären die es hier noch zahlreich gibt. Man soll langsam und vorsichtig fahren, da sie oft auch die Straßen überqueren.
Der Mastiff, der ein Bär war …
… oder war's anders herum?
An einer beeindruckenden Schlucht halte ich an. Wasserfälle rauschen durch die mächtige Schlucht. Es führt kein Weg dort runter und zum Klettern ist es zu wild und steil. Aber es ist auch von hier oben auf der Brücke sehr imposant.
Ein Reh sprinted über die Straße und ich will schauen wo es hingelaufen ist, kann es aber nicht mehr sehen. Wovor es wohl auf der Flucht war?
Da seh ich einen großen braunen zottigen Rücken den Hang herunter kommen. Mein Gott! Ein Bär! Der Jumpino ist nicht weit und der Bär hat mich noch nicht bemerkt. Ich weiß dass er schneller rennen kann als ich und man sich bei Braunbären besser totstellen soll, trotzdem, ich renn was ich kann zum Jumpino, verlier dabei die Unterhose (hab heute einen Rock und ein etwas lockeres Höschen an), seh grad noch aus den Augenwinkeln den Bär auf die Straße gehen und die beiden Motorräder müssen abbremsen. Ich reiß die Tür auf, spring rein -Tür zu! Entkommen! Ouff, das war ein Schreck. Mir klopft das Herz bis zum Hals ... Und es dauert einige Zeit bis ich mich beruhigt hab.
Alle Autos und Motorräder die vorbeikommen bremsen jetzt ab.
Als ich wieder auf die Straße fahr, steht er mitten auf der Fahrbahn und ein zweiter kommt gerade die Böschung herauf. Kamera klar machen, aber da sehe ich‘s nun, es ist doch kein Bär sondern nur ein großer brauner etwas zottiger Mastiff. Mastiffs sind riesige, sehr beeindruckend aussehende, sehr gutmütige Hirtenhunde.
Wahrscheinlich ist eine Schafherde in der Nähe die bald hier über die Straße soll und die Hunde machen schon mal klar Schiff. Bin ich froh. Ich wär kein zweites Mal ausgestiegen in dieser Gegend wenn's tatsächlich ein echter Bär gewesen wär.
Mittagspause am Fluss
Die Landschaft bleibt weiterhin ein Traum und ich finde einen schattigen Parkplatz am Ufer eines kleinen Flusses - der ideale Platz für einen Teller Tomate-Mozarella. Blumen säumen das Flussufer, Schmetterlinge schaukeln durch die Luft und ich lass mir mein Mittagessen schmecken. Ein Herr kommt fragt nach einem Plastikbecher. Ich geb ihm einen meiner Pappbecher. Auch er macht hier gemütlich Mittagspause und kommt mit einer offenen Flasche Wein und bietet mir welchen an. (Ahh dafür hat er den Becher gebraucht!) Wie nett, aber ich muss noch fahren auf diesen kurvigen Bergstraßen und lehne dankend ab.
Es war schön im Schatten, ohne Bär und ohne Mastiff, am Bach zu sitzen unter hohen Bäumen mit fantastischem Bergpanorama rundherum. In Sichtweite sind ein paar Häuser. Ich werde mir den Platz merken als geeigneter Übernachtungsplatz. Er liegt nahe des Ortes Billafeliz.
Die ungeplanten Plätze sind meist die Schönsten
Mein heutiges Ziel ist Leon, aber die Gegend ist so schön hier, ich kann jetzt einfach nicht in die Stadt fahren. Entlang eines wunderschönen riesigen Stausees geht’s über eine Brücke und anstatt meiner Route zu folgen biege ich spontan ab und folge einem Schild nach "Balneario". Wo und was das auch immer sein mag. Ich bin neugierig. Auf einer sehr schmalen Straße geht es immer weiter am Fluss entlang durch grob gehauene einspurige Tunnels, schroffe Felswände rundherum und ich komme in ein wunderschönes Tal, umringt von hohen Felswänden. Hier gibt’s keinen Weg heraus, außer dem, den ich gekommen bin. Herbstgelbe Wiesen, eine Schafherde und Ziegen mit Hirte und 5 Hunden, Pferde, Kühe ein tiefgrüner Stausee und ein Traumpanorama. Ich bleibe.
Hier ist es ganz ruhig, wunderschön, eingerahmt von hohen Bergen und wilder Natur, auf einer Wiese am Stausee, nachts ganz dunkel, super zum Sterndalschaugn.
Schon wieder ein Bär!
Wundern würde es einen nicht in dieser Einsamkeit. Ich sitz morgens neben dem Jumpino in der Sonne, von der Ferne hört man Schafglocken. Still und friedlich ists hier. 2 PKW sind zum Picknick eingetroffen. Ich denke grad an die Bärengeschichte von gestern und muss über mich selbst lachen als plötzlich was großes Braunes von hinten neben mir auftaucht. Oh Schreck! Schon wieder ein Bär?
Herz wieder aus der Hosentasche geholt - es war wieder einer dieser Riesen Mastiffs die wohl sehr verfressen sein müssen. Denn ich habe schon öfter erlebt dass sie sich weit von der Herde entfernen und Picknickplätze aufsuchen um ein paar Leckereien zu erhaschen. Treuherzig schaut er mich an - wir sind auf selber Augenhöhe weil die ja so groß sind. Mein Müsli entspricht nicht seinem Geschmack und er sucht weiter das Gelände ab. Die Schafe sind nicht bis hier herab gekommen, denn dieser Bereich ist längst abgegrast.
Hier kann ich die Schlangenadler gut beobachten die über den Abhängen kreisen . Die waren nah genug um sie per Google-Lens zu identifizieren. Schlangenadler ernähren sich hauptsächlich von Reptilien – also Schlangen, Eidechsen, daher ihr Name.
So jetzt wird's mir zu trubelig und laut hier, die Spanier sind halt kein ruhiges Volk. Zudem sind einige mit Jet Skis angekommen und mischen unter viel Lärm den ruhigen Stausee auf. Vorbei ist es mit der himmlischen Ruhe – Schade - Zeit aufzubrechen - Ziel Stadt Leon
Leon
Eine Weile geht es noch durch schöne Landschaften bis ich die Hochebene von Leon erreiche, da wird's uninteressant. Die letzten 30 km vor der Stadt Leon gibt’s nur flaches Gebüsch, Langweilig.
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Der Stellplatz in Leon liegt gut und ist fast leer, eben, keine Bäume und man muss bezahlen. Wie viel? Keine Ahnung, man braucht die Park App die ich nicht habe.
Also stell ich mich auf den großen ebenso leeren Parkplatz davor, untern Baum in den Schatten – kostenlos.
Leon ist sehr schön, aber der alte Bahnhof, wegen dem ich gekommen bin, ist verlassen, verschlossen, wird nicht mehr genutzt. Schade. Er ist schon von außen schön aber innen soll er richtig prächtig gewesen sein. Dafür gibt's jetzt 60 m weiter den Neuen in einem charakterlosen Glasgebäude.
Leon hat eine schöne Promenade mit prachtvollen Herrenhäusern, kleine Gassen, Palästen, das Gaudi Museum, Kirchen und die Kathedrale. Da geh ich nicht rein, 7 € + 3 € extra fürs Museum und so viele Leute. Ich schau sie nur von außen an.
Es war ein heißer aber interessanter Tag in der Stadt und jetzt genieße ich einen ruhigen Abend am Parkplatz.
Die Gitarre, der Pilger und viele Donuts
Am nächsten Morgen ärgere ich mich über einen großen Karton der achtlos unweit des Jumpino unter einem Baum liegt. Dass die Leute einfach alles auf den Parkplatz werfen, wo doch der Papiercontainer nur 50 m entfernt ist. Ich beschließe ihn später auf dem Weg in die Stadt mitzunehmen und im Container zu entsorgen. Überraschung! Der Karton ist voller original verpackter 3-er Packungen Schoko-Donuts. Genau die, die Lidl auf der anderen Straßenseite für 2 € im Angebot hat. Hmm, seltsam! Ich lass den Karton geöffnet und wo er ist schieb ihn nur etwas weiter in den Schatten. Kann sicher jemand brauchen.
Einkaufen bei Früchte Geli - auf Spanisch (bin echt stolz drauf) und bei Lidl – wortlos.
Bei meiner Rückkehr liegt die Kiste immer noch unangetastet im Schatten. Ich schnapp mir 2 Packungen Donuts und leg sie in meinen Kühlschrank.
Jetzt die Gitarre samt Zubehör geschnappt und auf zur Musikschule auf der anderen Seite der Stadt. Es ist brütend heiß. Nach 50 Min Fußmarsch durchs Zentrum steh ich vor verschlossenen Türen obwohl laut Google geöffnet wäre. An der Tür ein Zettel: „Ferien“!
Oh nein, ich will die Gitarre nicht wieder zurückschleppen. Der Plan war sie der Musikschule zu schenken für Eigengebrauch oder um sie an einem Schüler weiter zu schenken der gerne spielen würde sich aber keine Gitarre leisten kann. Denn ich spiel sie nicht mehr und es ist zu schade ein Musikinstrument ungenutzt rumliegen zu lassen.
Ich fass mir ein Herz und ruf an, Werd schon irgendwas zusammenfaseln mit meinem noch sehr spärlichen Spanisch. Aber es geht niemand ran. “The number you dialed is currently not available “
Ich hänge die Gitarre ans Gitter, schreib eine SMS und eine E-Mail und überlasse sie ihrem Schicksal. Wer auch immer sie mitnimmt (falls die Schule nicht rechtzeitig reagiert) wird sie hoffentlich auch spielen oder an jemand verschenken/verkaufen der sie tatsächlich nutzt.
Nach 3 Stunden bei 38° in der Stadt bin ich endlich wieder zu Hause im Schatten von Jumpinos Baum und lege die geschundenen Füße hoch. Da kommt ein Herr und fragt mich auf Deutsch ob ich Spanisch könnte. Der sieht ja aus! Abgemagert und fix und fertig. Sein Knie ist aufgeschlagen und geschwollen. Er bräuchte jemand der übersetzt. Oh da kann ich leider nicht helfen – dazu reicht mein Spanisch auf keinen Fall. Er ist bereits 700 km gepilgert auf dem Weg nach Santiago, aber sein Weg endet für ihn leider hier. Wenn ich mir sein Knie anschaue ist das offensichtlich. Ob er gestürzt ist? frag ich ihn. Nein, er wurde während eines kleinen Mittagsschläfchen am Wegesrand ausgeraubt und als er sich wehren wollte zusammengeschlagen. Er hat inzwischen einen Polizeibericht und war auch bereits bei der Deutschen Botschaft. Aber außer einem Busticket zu seinem geplanten Rückflug in 3 Tagen und ein paar guter Tipps konnte man ihm nicht helfen. Geld geben sie nicht mehr da dies zu oft missbraucht und nicht zurückgezahlt wurde. Ich höre ihm zu. Dafür ist er sooo dankbar, dass er sich endlich mal alles von der Seele reden kann. Bei den Klosterschwestern bekommt er zu Essen, aber nur wenn er einen kleinen Geldbetrag beisteuert und im Pilgerheim könnte er für 5 € übernachten. Nach dem Erlebten traut er sich nicht mehr im Park zu schlafen. Ich gebe ihm 20 €, damit sollte er bis zur Heimreise zurechtkommen.
Ob seine Geschichte wahr ist? Ich weiß es nicht, aber glaube schon, er hat mir den Polizeibericht gezeigt und er sah wirklich geschunden aus. Wenn er sie erfunden hat, dann sind 20 € kein großer Verlust. Aber einem nicht geholfen zu haben der in höchster Not ist hätte meinen Seelenfrieden für die nächsten Monate stark beeinträchtigt.
Als er dankbar gegangen ist wird es noch ein gemütlicher Abend, mit noch mehr Donuts und am nächsten Mittag geht’s weiter nach Riano.
Riano
Riano liegt an einem wunderschönen riesigen Stausee der von einer langen schönen Brücke überspannt wird und malerisch von hohen, spitzen Bergen umrahmt ist. Postkartenidylle pur!
Es gibt einen Wohnmobilstellplatz in Riano – kostenlos – aber der ist bereits voll. Zum Glück gibt es reichlich Alternativen mit tollem Ausblick auf See, Berge und Brücke. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Und jetzt bricht eine dicke schwarze Wolke über uns herein die sich über die Nordwestlichen Gipfel wälzt.
Die Picos d‘Europe
Die Picos d’Europe sind ein beeindruckendes Gebirge mit 200 Gipfeln auf kompaktem Raum, das sich über die Regionen Asturien, Leon, Kastilien und Kantabrien erstreckt, nur 20 km von der Atlantikküste entfernt.. Der höchste Gipfel ist 2650 m hoch. Hier leben Braunbären, Iberische Wölfe, Auerhähne neben Gämsen, Wildschweinen, Rehen, Hirschen und Steinadlern. Ein großer Teil ist Biosphärenreservat und Nationalpark. Man findet Rotbuchen- und Eichenwälder, Stein- und Korkeichen, Kiefern und Tannen. Die Straße von Riano aus bis an den Atlantik schwingt sich bis auf 1600 m hoch bietet atemberaubende Ausblicke und führt durch eine enge, imposante 15 km lange Schlucht. Wunderschön ist es hier, ich bin diese Strecke bereits vor Jahren mit dem Berlingo gefahren und freu mich sehr darauf.
Die Picos waren in den Wolken, die Schlucht eine einzige Baustelle aber die Landschaft Ist trotzdem grandios.
Kantabrien – zurück am Atlantik und gleich wieder in die Berge
Es ist schwierig in dieser Gegend einen Parkplatz zu finden und die zugänglichen Strände sind alle überlaufen. In den Hügeln vor Sao Vicente gab's gute Picknickplätze mit schöner Aussicht da hätte man halten könnte. Unten im Ort ist es aussichtslos. Aber schön wärs dort schon.
Ich will mir den Ort Comillas anschauen mit den Türmen und Gebäuden von Gaudi. Aber alles war voll, endloser Stau durch den Ort während dem ich den einen oder anderen flüchtigen Blick auf wunderschöne Gebäude erhasche, kein Parkplatz. Ein absolut sehenswerter Ort für die Nebensaison. Das will ich ein andermal anschauen, wenn Aussicht auf weniger Touristen und einen Parkplatz besteht.
Ich bin längst wieder im bergigen Hinterland von Kantabrien unterwegs und parke jetzt hinter der Schule in Cabezon de la Sal. Verschnaufen- von den überfüllten Straßen und verstopften Orten an der Küste. Hier ist es beschaulich und ganz nett.
Es regnet, ich muss mich oft unterstellen auf meinem Spaziergang durchs hübsche Städtchen und in meinem Zimmer fällt wieder leis der Regen.
Aber der Platz für die Nacht war genial. Zwischen Sportplatz Schule ( Ferienzeit) und Wohnsiedlung. So schön ruhig und ein großer Parkplatz fast für mich allein.
Auch am nächsten Tag regnet es und Jumpinos stoffbezogene, jetzt durchnässte Decke sieht zum Heulen aus. Die einsame Gegend durch die ich fahre ist grün, dichte Platanenalleen, Berge, kleine Dörfer und Flüsse. Aber es regnet immer wieder sehr heftig. Armer Jumpino!
Endlich, nahe der Küste wird der Himmel wieder blau und Jumpinos Decke kann abtrocknen. Ich steuere Laredo an, einen Küstenort mit Sandstrand. Der größte Fehler überhaupt. Kaum von der Straße abgebogen steht alles, in beide Richtungen. Nach 15 min habe ich einen km geschafft und biege die Nächstmögliche ab. Ouff, erst mal verschnaufen, orientieren und auf dem schnellstmöglichen Weg weg hier. Könnte auch Italien sein. Hochhäuserhotels, Tausende von Menschen, ein einziger hübscher Altstadtkern durch den ich mich nun per Ampelschaltung zwänge da „one way“ für beide Richtungen. Ich bin froh als ich hier endlich wieder draußen bin.
Wieder in Hinterland ist es ruhiger und ich versuchs gar nicht mehr an der Küste.
Ich wusste gar nicht mehr dass es hier so bergig ist, die hohen Berge reichen bis ans Meer. Sandstrände sind selten.
Bilbao
Ich fahr einfach weiter, durch Bilbao auf die Ostseite, befürchte das Schlimmste, aber Berlengo und Sapelo sind erstaunlicherweise gar nicht überlaufen. Dort finde ich einen Platz auf einem großen Parkplatz auf dem eine Seite für Wohnmobile reserviert ist und der Rest für Autos. Die Wohnmobilseite ist nur zu 2/3 voll, der Autobereich fast leer. Um nett zu sein und die Wohnmobilplätze den größeren Fahrzeugen zu überlassen stell ich mich auf die Autoseite und geh in den Ort bummeln.
Als ich zurückkomme kommt ein Herr auf mich zu spricht mich auf Deutsch an. Die Polizei war hier. Alle die auf meiner Seite parken wurden zu den Wohnmobilen geschickt, ich müsste auch da rüber. OK, dann zieh ich halt um. Und jetzt steh ich zwischen den anderen. Obwohl die Plätze relativ breit sind ist es schrecklich. Hinter mir Thujen Hecke (das ist gut schirmt Sicht und Geräusche der Straße ab). Rechts und links 2 andere Wohnmobile in weiß und grau. Ich sehe nichts außer weißen und grauen Wänden, egal in welche Richtung ich schau und muss bereits am Nachmittag das Licht anmachen da sie mir jegliches Tageslicht nehmen. Das bin ich nicht gewohnt und ich finde es schrecklich. Ich bleib trotzdem, es ist halt ein klassischer Wohnmobilstellplatz. Da können die anderen nichts dafür dass der Jumpino immer mit Abstand der Kleinste ist und deshalb im Schatten der Großen steht. Der Platz hat alles was man braucht, Frischwasser und Entsorgung, aber keinen Strom. Er ist kostenlos und man darf 72 Stunden bleiben. Supermärkte gleich ums Eck. Morgen will ich eh in die Stadt.
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Bizkaya Bridge – die älteste Schwebebrücke der Welt
Der Stellplatz in Berlengo liegt sehr günstig. Von hier kann man für 2,40 €mit der Straßenbahn bis ins Zentrum von Bilbao fahren. Und das tu ich gerade. Im Vorort Getxo steige ich bereits wieder aus, denn hier befindet sich die Bizkaya Bridge – die älteste Transport-Schwebebrücke der Welt. Sie wurde nach 3 jähriger Bauarbeit 1893 eröffnet, mitten in einem heftigen Sturm. Der Sturm macht da schon einen Unterschied denn über diese Brücke geht oder fährt man nicht. Es handelt sich um eine mächtige 63 m hohe und 160 m lange Stahlkonstruktion an der eine Transportgondel hängt um die die Stadtteile Getxo und Portugaleste zu verbinden. Mit dieser Gondel werden seitdem Waren, Tiere, Personen und Autos befördert. Eine Fahrt für eine Person kostete 5 Centimes auf dem offenen Mitteldeck oder 10 Centimes in den geschlossenen Seitenteilen (1. Klasse).
Sie besteht aus 728.447 kg Stahl, 88.248 kg Stahlkabel, 21.041 Schrauben, 10.629 Nieten und kostete 80.891.160 Peseten. Im Zuge der Zerstörung aller Brücken über den Fluss, durch die Armee, um das Vorrücken von Francos Truppen zu verhindern, wurde 1937 auch die Bizkaya Bridge gesprengt wobei der Mittelteil in den Fluss stürzte. 1941 war sie bereits wieder repariert und funktionstüchtig. Danach kostete eine Fahrt für Personen 30 Centimes, eine Kuh, Esel oder Pferd 1,05 Peseten, 1 Auto 2,30 Peseten, 1 Fahrrad 25 Centimes, Motorrad mit Seitenwagen 1,05 Peseten.
Heute kostete eine Personenfahrt 50 Cent und ein Auto 1,70 € und sie befördert im Durchschnitt täglich 16.300 Fußgänger und 1.200 Autos (es passen nur 6 Autos auf einmal drauf). Seit ihrem Bau hat die Gondel 650 Millionen Menschen befördert und hat dabei eine Strecke von 31 mal um die Welt zurückgelegt. Es sieht schon beeindruckend aus wie die Gondel scheinbar frei wenige Meter über dem Wasser dahinschwebt.
Aktuell gibt es 8 solcher Brücken auf der gesamten Welt, 1 in Amerika, 3 in Großbritannien, 1 in Frankreich, 2 in Deutschland und 1 in Argentinien und alle sind sie noch in Betrieb.
Ich nehme den Aufzug auf die Konstruktion hinauf, denn in 50 m Höhe kann man da zu Fuß rüber gehen und hat tolle Ausblicke über die Stadt, den Hafen und die Küste. Und natürlich auf die unter meinen Füssen weit unten vorbeischwebende Gondel. Man sieht den Schlitten unter den Füssen vorbeifahren an dem die Drahtseile der Gondel befestigt sind und der sie von einer Seite zur andern befördert. Auch die Fahrt mit der Gondel zurück war interessant. Allerdings war das zu Fuß über die Brücke gehen etwas teuer mit 9,50 € (inklusiv Rückfahrt mit der Gondel) - Touristenpreis halt.
Vorher aber schau ich mir noch den schönen, am Hang liegenden, portugiesisch anmutenden Ortsteil Portugaleste an. Weil heute St. Johns Day ist gibt’s Musik im Park und viele Leute in den Straßen und gute Stimmung. Am meisten aber hat mich die Rolltreppe fasziniert die statt einem Gehweg mitten auf der offenen Straße installiert ist. Da muss man nicht den Berg selbst hinaufgehen. Interessanterweise gabs eine nur an der Straße die zu einer Kirche hinaufführt.
Blues und Guggenheim in Bilbao
Ich sitz wieder in der Straßenbahn um die restliche Strecke in die Altstadt von Bilbao zurückzulegen. Die ist ja schön. So prachtvolle Häuser mit den schönen Glasbalkonen in den verkehrsfreien engen Straßen. Viele Cafés und Restaurants bevölkern die Gassen und natürlich fehlen auch die Souvenirläden nicht. Aber überwiegend gibt es schöne Läden mit Produkten aus der Region – von Baskenmütze über Wein zu Leckereien. Ganz speziell die Konditoreien, Bäckereien und Gemüseläden haben es mir angetan.
Die Stadt liegt am Fluss und an der Promenade ist eine Bühne aufgebaut. Aktuell finden gerade die Bluestage statt zu denen Größen aus aller Welt gekommen sind. Es ist schön sich einfach unter die Menge mischen zu können der Musik zu lauschen, zu beobachten oder einfach nur vorbeizuschlendern. Absperrungen oder Eintritt gab es nicht. Ich folge dem Fluss vorbei an der alten schönen Markthalle, bewundere die Fassade des alten Bahnhofs auf der anderen Seite und bleibe auf der Brücke stehen. Unten am Uferweg hat ein Herr auf einem Tischchen einen alten Schallplattenspieler und Boxen installiert und legt fleißig richtig gute Musik auf, von den 60ern bis heute. Rundherum hat sich fröhlich tanzend und plaudernd eine Gruppe Menschen aus allen Altersklassen eingefunden. Die Stimmung ist unbeschwert fröhlich und ausgelassen. Der blick von der Brücke auf den Fluss und ei Stadt ist schön und es dauert lange bis ich mich von diesem stimmungsvollem Ort wieder losreißen kann.
In einer Unterführung bemalt gerade eine Künstlerin die Wände – wunderschön wird das. Wieder vorbei an der Blues Bühne geht’s zurück Richtung Guggenheim Museum. Gerade zur rechten Zeit. Es ist bereits Spätnachmittag und schon zu spät um noch ins Museum hereinzugehen, aber das Außengelände ist wunderschön. Die untergehende Sonne spiegelt sich in den platinfarbenen Fassaden, die riesige Stahl-Tarantel wirft gespenstische Schatten, aus dem Restaurant nebenan klingt chillige Musik herüber. Zahlreiche Menschen haben sich auf den Mäuerchen am Fluss und rund um die Wasserbecken niedergelassen und bestaunen das so ungewöhnliche architektonisch einzigartige Gebäude und die Reflektionen der späten Nachmittagssonne. Hier könnte man ewig verweilen.
Die Straßenbahn bringt mich wieder zurück nach Berlengo zum Jumpino und dann fall ich nur noch erledigt ins Bett. Es war ein interessanter aber anstrengender Tag. Für heute bin ich KO und morgen hol ich die Bruni vom Flughafen ab.