Leben im Camper
Gesellige Zeiten – Zwischenstation in Bayern und die Rückreise über Österreich und die Schweiz
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Jumpino on tour # 15 – August - Oktober 2025
Gesellige Zeiten – Zwischenstation in Bayern und die Rückreise über Österreich und die Schweiz
Stippvisite in Bayern August/September 2025
Wie schnell doch die Zeit vergangen ist. Vor knapp 7 Wochen bin ich in Deutschland/Passau angekommen,
Ich musste nach Deutschland um meinen Reisepass zu verlängern, bzw. einen neuen zu beantragen, denn verlängern geht ja heutzutage nicht mehr. Für die Wochen, in denen ich auf ihn warten muss, habe ich mir viel vorgenommen. Erstens mal die gesamte Familie und alle Freunde besuchen aber auch so einige Reparaturen und Optimierungen am Jumpino vorzunehmen.
Erste Erledigungen und wertvolle Begegnungen
Den Sonntag nach meiner Ankunft erhole ich mich erstmal am Stellplatz in Passau. Und dann geht’s der Reihe nach, das Wichtigste zuerst: Das wär eigentlich der Reisepass aber dazu braucht‘s ein Foto und zuvor einen Besuch beim Friseur. Die sind der alten Tradition treu geblieben montags geschlossen zu haben. Ich fahre trotzdem schon mal nach Vilshofen wo ich 10 Jahre gern gewohnt habe, verbringe den Abend und die Nacht an der Donau, am Stellplatz, direkt neben den Flussschiffern mit Blick auf Sonnenuntergang und Brücke.
Dienstag in Vilshofen: Zuallererst zu meinem Lieblingsfriseur, dann zum Fotograf und abends zu Ex-Kollegin und Freundin Corina. Dort werde ich mit gerösteten Knödeln und Salat verwöhnt, etwas dass ich total gern mag aber schon ewig nicht mehr gegessen habe. Oliver sägt mir noch schnell eine neue Auffahrrampe, da ich meine am Stellplatz vergessen hatte und als ich sie 10 Minuten später holen wollte, war sie weg. Da hat sie schon jemand anderer brauchen können.
Am Mittwoch geht’s gleich in der früh, mit neuem Haarschnitt und Foto, nach Fürstenzell in die Gemeinde um den neuen Pass zu beantragen. Na ja, ein Foto bekommt man ja nicht mehr, sondern nur einen QR-Code, den die Gemeinde einscannen muss um an mein Foto zu kommen. Das soll verhindern dass Fotos vorher bearbeitet und verfälscht werden um so an falsche Pässe zu kommen. Eine gute Idee. ABER! Als ich in der Gemeinde meinen QR-Code aus der Tasche ziehe, zieht sich die Stirn der netten Bearbeiterin in sorgenvolle Falten. Aktuell gäbe es ein Problem, die Software zum Scannen der Fotos funktioniert grad nicht. In dem Moment kommt der Administrator der Gemeinde des Wegs und meint: probieren wirs halt mal, vielleicht liegts ja nicht an uns sondern an denen wo das Foto erstellt wurde. Aktuell gäbe es Probleme bei Fotos von DM. Meines ist vom Fotograf (Kaps) und Juhuu, es funktioniert. Ich bekomme wieder einen QR Code, den ich scanne muss um den Bearbeitungsverlauf meines Reisepasses einzusehen, um ihn abholen wenn er fertig ist. Voraussichtlich in 4 Wochen, vorher bräuchte ich gar nicht nachsehen. Wie sich doch alles verändert hat. Hauptsache es funktioniert und ist sicher.
Es ist jetzt 10:30, ich hole noch Semmeln und Brezen und treffe damit bei Elisabeth zum späten Frühstück ein. Es ist immer so schön wenn man nach längerer Zeit seine liebsten Freunde wieder sieht, sie wohlauf vorfindet und sich so viel zu erzählen hat. Dabei kann ich auch gleich die Post des letzten Jahres mitnehmen, die Elisabeth liebenswerterweise für mich annimmt und aufbewahrt. Viel ist das bei mir ja nicht, Finanzamt wegen der Steuer, Versicherung fürs Auto, ein Strafzettel aus Frankreich wegen minimaler Geschwindigkeitsüberschreitung und ein Stapel Werbung.
Die wichtigste und dringendste Arbeit ist Jumpinos undichte Dachluke. Um sie wirklich dauerhaft dicht zu bekommen, lautet die Empfehlung die Luke auszubauen und wieder neu einzusetzen. Dazu brauch ich natürlich wieder die entsprechende Dichtungsmasse und einiges Zubehör. Ich klappere alle Läden in Vilshofen und Passau ab, leider erfolglos.
Freudiges Wiedersehen mit Familie und Freunden
Dann steht erst mal ein Besuch bei meinem Bruder bei Traunreut/Oberbayern an. Am selben Tag geht’s weiter zu Tochter Claudia mit Familie, nach Waging am See (das ist nur 10 km weiter). So gibt’s heute ein wunderschönes Wiedersehen, erst bei Werner und Ruth und dann mit Claudia, Jenny, Laura, Michi und Michl, das in einen seeehr langen fröhlichen Abend ausartet. Am nächsten Tag fahren wir gemeinsam an den nur 1 km entfernten See. Dort ist es trotz Nieselregen sehr schön. Manche Leute baden sogar, denn der Waginger See ist einer der wärmsten Seen Bayerns.
Donnerstag: Ich hatte meine österreichischen Segelfreunde aus Wien und Graz kontaktiert, wie weit sie mit dem Ausbau ihres Campers sind. Zufällig sind sie gerade gestern gestartet und ihre Route führt über Passau, am Nachmittag würden sie dort sein. Das trifft sich hervorragend. Ich düse am Vormittag noch nach Deggendorf wo ich bei Camping Berger endlich meine Dichtungsmasse für die Dachluke bekomme, mir eine neue Dusche und einen Omnia Backofen leiste und bin rechtzeitig zurück am Passauer Stellplatz. Wie abgesprochen treffen wir dort fast gleichzeitig ein und erhaschen den Paradeplatz, direkt am Wasser mit Blick auf Dom und Sonnenuntergang. So ein schönes Wiedersehen nach so vielen Jahren. Mit Veronika und Robert habe ich einige Monate in Neuseeland verbracht. Das ist jetzt schon 3 Jahre her. Und dementsprechend lang wird der Abend.
Jetzt kanns ruhig wieder regnen
Ute hatte mir liebenswürdigerweise angeboten wieder ihr Haus und Grundstück in Obernberg/Österreich für meine Arbeiten am Jumpino zu nutzen und so pendle ich nun zwischen Obernberg am Inn und Passau hin und her.
Der erste Job bei Ute war die Dachluke wieder dicht zu bekommen. Sie auszubauen und erneut einzukleben, wie empfohlen, erweist sich als unmöglich. Die Dichtungsmasse die eigentlich dauerhaft elastisch bleiben sollte, ist zu einem betonartigen Zeug mutiert das all meinen Versuchen es zu entfernen, standhält. Wenn ich mit noch schwererem Gerät drangehe, wird das der Plastikrahmen der Luke nicht überstehen. Also bleibt sie drin. Ich dichte einfach von außen nochmal mit reichlich Sika nach. Das hat früher, auf dem Schiff, immer 100%ig funktioniert und besteht auch diesmal den Gartenschlauchtest, ebenso wie den 2 Tage später einsetzenden Platzregen. Juhuu, das wär geschafft und mir ist gleich viel leichter ums Herz.
Weil ich schon mal da bin und so optimale Arbeitsbedingungen bei Ute vorfinde, beginne ich auch die Vorarbeiten für die neuen Unterbettschubladen, werfe die alten Türverkleidungen weg und ersetze sie mit Sperrholzplatten die ich mit Kunstleder bezogen habe. Ist jetzt wasserfest und sieht auch viel hübscher aus.
Abends sitz ich oft mit Ute auf der Terrasse bei einem Gläschen Wein, denn wir haben uns ja so viel zu erzählen. Als Highlight lädt mich Ute zu „Swing in the fields“ auf den Irghof ein. Das ist ein wunderschöner Bauernhof mit einer imposanten Scheune in der jedes Jahr ein wunderbares Musikfest stattfindet. Da waren wir letztes Jahr auch schon. Da war „Boogie in the fields“, diesmal ist es „Swing in the fields“. Die Bands sowie die Stimmung sind wie jedesmal großartig. Auf den Platzregen zur Halbzeit, hätten wir allerdings gerne verzichtet.
Ich will Utes Gastfreundschaft nicht überbeanspruchen und weil ich mein kleines Lager und die besseren Geschäfte in Passau habe, bleibe ich überwiegend auf dem Wohnmobilstellplatz in Passau. Das Wetter ist ja herrlich, warm und trocken, so dass ich die bereits vorbereiteten Schubladen auch am Wohnmobilstellplatz zusammenschrauben kann. Ich hole meine Nähmaschine aus dem Lager und nähe im Jumpino die längst fälligen Moskitovorhänge für die Türen. Es gibt noch zahlreiche kleinere Jobs und dann ist das Jumpino-Optimierungsprojekt abgeschlossen. Der Reisepass ist auch fertig und ich warte nur noch auf meinen Werkstatttermin, die neuen Reifen und den TÜV.
Zwischendurch verbringe ich weitere schöne Abende und Nachmittage mit Freunden und genieße die zwar arbeitsreiche aber schöne Zeit. Für ein paar Tage fahre ich nach Regensburg, wo mir Quinn einen Schließzylinder in Jumpinos Hecktür einbaut, damit ich auch hineinkann sollte die elektrische Schließanlage mal streiken. Ein toller Sonnenuntergang am Donauufer, Weinfest mit toller Musik in Stadt am Hof (=Ortsteil von Regensburg) ein schöner Tag mit Barbara und dann wieder zurück nach Passau. Inzwischen habe ich es auch geschafft Sohn Thomas zu besuchen – hab ganz vergessen wie wenig Zeit dem noch arbeitenden Volk doch eigentlich bleibt. Aber heut haben wirs geschafft. Es war schön, mal alle 4 (Thomas und Gisi mit den Kindern Niklas und Jonas) beisammen zu haben. Jonas(13) ist noch immer eine sehr erfolgreiche Sportskanone und Niklas (16) hat 1000 Fragen zu meinen Reisen. Lange sitzt er noch mit seiner Freundin bei mir in Jumpino und kann sich nur schwer losreißen. Ich finde das wunderschön und bin glücklich dass es allen gut geht. Aber dann ist es auch schon wieder Zeit zum Abschiednehmen.
Österreich – durchs Waldviertel in die Wachau
Bevor ich mich wieder auf den Weg in den Süden mach, will ich aber unbedingt noch meine Segelfreunde Grete und Leo sehen. Mit ihnen habe ich die letzten Wochen vor dem Schiffsverkauf in Rebak/Langkawi (Malaysien) am selben Steg gelegen und Leo geholfen den Biervorrat in Grenzen zu halten, denn es war fast unmöglich bei ihnen vorbeizugehen (sie waren die ersten am Steg) ohne auf ein Bier anzuhalten. Sie sind in der Nähe von Tulln an der Donau zu Hause, also gar nicht sooo weit von Passau entfernt.
Es regnet als ich Richtung Österreich starte, die schöne Donauschlinge bei Schlögen liegt im Regengrau und mein erster Stopp in Aschau ist von großen Pfützen umgeben. Aber dann hat der Wettergott doch ein Einsehen. Als wir uns am nächsten Tag in Ottenstein am Stausee treffen scheint die Sonne wieder. Dort haben Leo und Grete eine kleine Segelyacht liegen. Damit machen wir eine wunderschöne Rundfahrt über den See. Ich bin seit 1 ½ Jahren das erste Mal wieder auf einem Segelschiff und genieße das sehr. So lange ist es jetzt schon her dass ich die Carina verkauft hab. Der See ist traumhaft, keine Straße, kein Haus, kein Strandbad, nur Wald und Stille rundherum, eine Insel auf der malerisch eine Burgruine steht und eine wunderbare Kulisse beim Sonnenuntergang bildet. Was für ein schöner Tag und so schön sich hier wiederzusehen. Während Leo und Grete am Abend wieder nach Hause fahren übernachte ich am See. Ganz allein, ganz still und stockdunkel. Ein idealer Platz zum Sterndalschaugn.
Am Morgen wandere ich den See entlang, durch hohen Wald, auf einem schön angelegten Weg, hole mir beim Dorfmetzger, an der warmen Theke, Buchteln mit Vanillesauce (bei uns heißen sie Rohrnudeln) und tingle dann auf einsamen Bauernwegen durchs Waldviertel. Schön ist es hier, hügelig, viel Wald und die Bäume biegen sich unter der Last der vielen Äpfel. Außer ab und zu mal einem Traktor begegne ich keinem anderen Fahrzeug. Im Kamptal hängen die Reben voller reifer Trauben und am Abend schlendere ich noch durchs hübsche Langenlois, wo ich auch ein Plätzchen für die Nacht gefunden habe.
Der nächste Tag ist grau mit Nieselregen. Ideal für einen Museumsbesuch im nahegelegenen Krems. Das Karikatur Museum war sehr amüsant. Bis ich wieder draußen bin hat es aufgeklart und ich mach einen Bummel durch Krems und den hübschen Vorort Stein an der Donau.
Für die Nacht finde ich einen wunderbar ruhigen Platz, direkt am Donauufer, kurz vor Dürrnstein. Zwischen Radweg und Donau steh ich gemeinsam mit einigen weiteren Wohnmobilen unter hohen Laubbäumen. Ich finde es so schön hier dass ich überlege ob ich hier vielleicht noch einen weiteren Tag bleiben sollte?
Die Entscheidung wird mir abgenommen, am nächsten Morgen ist die Ausfahrt mit Stühlen und Absperrbändern versperrt. Wir erfahren dass heute ein Marathonlauf auf der Romantischen Straße stattfindet (also die, die bei uns vorbeigeht) von Melk nach Krems. Ahhh, und da laufen sie auch schon, angefeuert von den Dorfbewohnern, die sie am Straßenrand mit Wasser versorgen. Deshalb dürfen da keine Autos fahren. Macht nix, wandere ich halt bisserl durch die Weinberge und hinüber nach Dürrnstein mit seinem blauen Kirchturm. Das ist hübsch genug um dort einen Nachmittag zu verbringen. Am nächsten Morgen muss und kann ich dann wieder los, weiter durch die schöne Wachau, den Strudengau, immer die Donau entlang zurück nach Vilshofen, wo der Jumpino einen Werkstatttermin hat.
Dort, in der Werkstatt meines Vertrauens, bekam der Jumpino noch einen Generalcheck, neue Bremsen, neue Reifen und neuen TÜV und ich nochmal einen Haarschnitt bei meinem Lieblingsfriseur in Vilshofen. Nach einer nochmaligen Abschiedstour bei Familie und Freunden waren wir startbereit. Ich hätte es schon noch länger hier ausgehalten aber auf einmal war es Herbst, der Winter nicht mehr weit und es ist Zeit Richtung Süden aufzubrechen. Vielen Dank nochmal an meine Familie und all die Freunde die mich tatkräftig unterstützen um mir mein Zigeunerleben zu ermöglichen. Spätestens in 2 Jahren bin ich wieder dann und seh euch alle wieder.
Start mit Hindernissen – weit bin ich nicht gekommen
Von Passau aus führt der Weg in den Süden über Obernberg am Inn (mit Frühstück bei Ute) und über Waging (letzter Besuch bei Claudia). Ca 10 km hinter Waging kommt mir ein Transporter meiner Größe entgegen. Ich denk mir grad, der ist aber weit auf meiner Seite und dann knallt es auch schon. Was war das? Einen frontalen Zusammenstoß hatten wir zum Glück nicht. Als ich in den Seitenspiegel schauen will um zu sehen wer und was das war, sehe ich nichts, denn erstens ist der einfach weitergefahren ohne anzuhalten und zweitens ist da gar kein Spiegel mehr.
Au weia – der Spiegel ist ein Wrack. Die Rückseite und der Blinker fehlen, die Kabel hängen lose herum, beide Spiegelflächen (oben und unten) sind nur noch ein Mosaik aus Splittern. Mit etwas Tape ist alles bald wieder so befestigt dass ich zwar weiterfahren kann, aber sehen tu ich nix mehr. Nach Traunstein sind es nur 15 km. Dort gibt es eine Citroen Werkstatt von der ich hoffe dass sie mir noch vor dem Wochenende einen neuen Spiegel besorgen und montieren können.
Es ist Donnerstag Mittag - Glück gehabt – gleich nach der Mittagspause werden sie sich um den Jumpino kümmern. Für den Jumper gibt es 3 verschiedene Spiegel, je nachdem wieviel Elektronik damit verbunden ist. Um einen Neuen zu bestellen, müssen sie erst den zerschmetterten Spiegel abbauen um die Typenbezeichnung zu sehen. Die Typenbezeichnung meines Spiegels entspricht keinem der 3 verfügbaren Citroen-Jumper Modelle. Jetzt heißt es raten und hoffen dass sie den Richtigen bestellen. Morgen früh um 8 wird der Spiegel da sein und sie werden mich gleich als Erstes drannehmen, obwohl der Hof voller Fahrzeuge steht die alle auf Reparaturen warten. Das ist wirklich sehr zuvorkommend.
Ich übernachte neben der Werkstatt und stelle in meinen WhatsApp Status Bilder vom zerschmetterten Spiegel und der Werkstatt in Traunstein ein. Und prompt kommt eine Beschwerde, von Elfi aus Traunstein, weil ich sie nicht besucht habe, wo ich doch grad da bin.
Und es kommt eine Einladung zum Frühstück von Conny, die sich zufällig diese Tage in Traunstein aufhält um ihre Eltern zu besuchen. Conny holt mich zum Frühstück in ihr Appartement und beim gemütlichen Plaudern beschließen wir einen Überraschungsbesuch bei Elfi (das ist ihre Mama).
Die Überraschung war gelungen. Elfi und Hermann freuen sich sehr. Elfi versorgt mich noch mit frisch gebackenem Apfelstrudel als Wegzehrung und Conny bringt mich zurück zur Werkstatt, wo der Jumpino bereits fertig auf mich wartet. Ein teures Missgeschick war das - 830 Euro für einen neuen Spiegel. Aber dieser ungewollte Zwischenstopp gab mir die schöne Gelegenheit, Conny, Elfi und Hermann vor meiner endgültigen Weiterfahrt noch zu sehen. Ende gut alles gut, und die Fahrt kann weitergehen.
2 Tage durch die Alpen
Es ist noch früher Nachmittag und sonnig als ich die Werkstatt verlasse. Meine Route führt mich jetzt, wie geplant, durch die Alpen. Über Ruhpolding, entlang dem von herbstlichem Wald gesäumten Weitsee, nach Reit im Winkl, Sankt Johann, durchs Inntal bis nach Rattenberg.
Es muss wohl Fügung gewesen sein, dass ich hinter dem Tunnel auf den Parkplatz gefahren bin. Es gab eigentlich keinen besonderen Grund hier anzuhalten, außer dass der Magen knurrt und es bald Abend wird. Freudig staunend stelle ich fest wo ich mich da befinde. Am wunderschönen Ufer des Inn mit hohen Bergen auf der anderen Uferseite. Da ich durch einen Tunnel hierherkam habe ich gar nicht gesehen welch hübsches Städtchen Rattenberg ist. Es ist mit nur 460 Einwohnern die kleinste Stadtgemeinde Österreichs und eine von 2 Gemeinden in Tirol, die unter Ensembleschutz (Denkmalschutz) steht. Zwischen Inn und einer steilen Felswand, auf der eine Burg thront, erstreckt sich die hübsche, autofreie Stadt durch die ich jetzt bummle. Ich finde den Ort und die Umgebung wunderschön und bleib hier über Nacht.
Am nächsten Morgen wabern Nebelschwaden gespenstisch überm Fluss, die Berggipfel darüber leuchten bereits in der Sonne. Ein tolles Bild.
Ich setze die Reise fort zum Achensee unterm Rofangebirge. Ich war hier mal vor 10 Jahren auf einer 3-tägigen Bergtour und fand es so schön hier. Schön ist es immer noch, aber einen Parkplatz zu finden ist extrem schwierig. Ganz am südlichen Seeufer hab ich Glück, erwische den letzten freien, zu bezahlenden, Parkplatz und wandere ein Stündchen umher. Paragleiter schweben vor eigenartigen Wolkengebilden und landen zwischen Heuschobern und Pferden auf deren Weide. Im Hintergrund das traumhafte Rofangebirge, eine alte Dampfeisenbahn die am Ufer entlang tuckert, sonst Ruhe und glasklares blaues Wasser, ein paar weiße Segel in der Ferne. Gäbe es einen geeigneten Parkplatz wäre ich gerne länger hier geblieben. Aber leider – hier darf ich nicht bleiben. Ganz gemächlich fahre ich am See entlang, halte an dem einen oder andern Aussichtspunkt und dann geht’s hinauf auf den Achenpass mit wunderschönem Blick über das Tal. Dahinter kommen die Wolken. Bis ich übern Pass bin und am Sylvensteinspeicher ankomme ist es leider grau, windig und kalt. Das ist schade, denn bei Sonne ist es hier unglaublich schön.
Ein Stück hinterm Speichersee halte ich an und wandere durch das breite Flusstal, in dem sich die Isar als ein schmales Rinnsal ihren Weg bahnt. Das ist absolute einsame Wildnis hier. Man nennt es das Bayrische Kanada.
Weiter geht’s, am beeindruckenden Karwendelgebirge entlang und hinter die Zugspitze nach Lermoos. Dort finde ich wieder einen guten Platz für die Nacht und kann noch ein wenig herumwandern. Leider versteckt sich der Zugspitzgipfel in den Wolken. Erst am nächsten Morgen zeigt sie sich für wenige Minuten einmal komplett um sich gleich wieder in Wolken zu hüllen.
Die Fahrt geht heute durchs Lechtal, über eine private Mautstraße an einem kleinen Fluss entlang, vorbei am schönen kleinen Haldensee mit der Roten Flüh im Hintergrund und durchs Thannheimer Tal. Die Berge sind halt immer traumhaft schön, das Wetter spielt mit und die Straßen, die ich gewählt habe, sind wenig befahren. Ich genieße die Landschaften und dann bin ich auch schon wieder draußen aus den Bergen. Zu meiner Linken liegt der Bodensee. Hinter Ravensburg, über einige kleine Nebenstraßen, gehts zu meinem heutigen Tagesziel, nach Bad Waldsee.
Von Knutschkugel und Eriba bis FawoBo – die ganze Welt des mobilen Reisens
Bad Waldsee liegt an einem kleinen See, ist ein netter Kurort mit vielen Fachwerkhäusern und Therme, neben der sich ein hübscher Wohnmobilstellplatz befindet. Es ist auch Produktionsort der Hymer Wohnmobile. Das zugehörige „Erwin Hymer Museum – Die ganze Welt des mobilen Reisens“ ist mein heutiges Ziel.
Das Museum war wirklich den Besuch wert. Vom ersten in Deutschland gebauten Wohnwagen, den zugehörigen Oldtimer Zugfahrzeugen mit nur wenigen PS, über ostdeutsche Kuriositäten, bis zu neuen hypermodernen Wohnmobilen ist alles zu finden. Man kann alle hautnah betrachten, in manche sogar hineingehen. Zu jedem Fahrzeug oder Anhänger gibt es eine detaillierte Beschreibung, einschließlich Preis was das damals gekostet hat.
Das erste in Deutschland gebaute Wohnauto (wie es genannt wurde) war ein, von Arist Dethleffs, 1931 entworfener Wohnwagen, um dem Wunsch seiner Frau nachzukommen ihn auf seinen ausgiebigen Geschäftsreisen begleiten zu können. Er war 4,38 m lang, 1,66 m breit und 2,05m hoch, hatte eine zum Doppelbett ausklappbare Sitzbank mit Tisch, ein Stockbett für die kleine Tochter, ein Waschbecken, Aufbewahrungsschränke und im Boden eingelassen eine „Waschmaschine“. Dabei handelt es ich eigentlich nur um eine vertiefte Stahlwanne mit Deckel. Dorthinein steckten die Dethleffs die schmutzigen Windeln ihrer Tochter, füllten Wasser und Waschpulver darauf und durch das Schütteln und Rütteln während der Fahrt wurden die Windeln wie in einer Waschmaschine gewaschen. Auf ihren Reisen wurden sie oft angesprochen wo man denn so ein Wohnauto kaufen könne und so wurde aus dem Peitschen- und Skistockhersteller ein Wohnwagenhersteller. Bereits 1932 wurden erste Wohnwägen für Kunden hergestellt und 1936 waren bereits 6 Personen mit der Herstellung von Dethleffs Wohnwägen beschäftigt. Das Original gibt es leider nicht mehr, aber in der Werkstatt von Dehtleffs wurde ein originaltreuer Nachbau erstellt, der jetzt im Erwin Hymer Museum zu besichtigen ist.
Der Landstreicher von Westfalia war 4,5 m lang und hatte bereits 1938 eine eingebaute Toilette. Die Badewanne im amerikanischen Schult-Trailer (ebenso um 1938) versteckte sich unter der Sitzbank. Tja, da waren so manche Wohnwägen komfortabler und besser ausgestattet als viele Wohnungen.
Die Knospe (1957) war ein Wohnwagen der zum Fahren 1,55 m schmal war und erst auf dem Campingplatz zur vollen Wohnbreite von 2,16 m auseinandergekurbelt wurde. Er kostete 5200 DM. Der Schwimmcaravan Suleica (1962) war aus GFK und eignete sich mit seinem 25 PS Außenborder auch als Hausboot.
Der italienische Laika wurde extra gebaut damit er von einem Fiat 500 gezogen werden konnte. Um leicht zu sein, war er aus Polyester und um wenig Fahrwiderstand zu bieten, war dieser Wohnwagen aus zwei Schalen gefertigt, wobei die obere fast komplett über die untere gekurbelt werden konnte. Ausgekurbelt hatte man wieder Stehhöhe.
Die bekannte Knutschkugel, oder der Piccolo, wie er richtig heißt, ein tropfenförmiger Miniwohnwagen, kann von einem Goggo Coupee gezogen werden und war sogar schwimmfähig.
Andere Kuriositäten waren das FaWoBo (steht für Fahren-Wohnen-Boot) dessen Seitenwände man zum Fahren einklappen konnte, damit es flach wie ein Anhänger ist und dessen Dach ein umgestülptes Boot war. Man konnte also darin wohnen und bei Lust und Laune einfach das Dach abnehmen, umdrehen und als Boot benutzen.
Andere hatten bereits in den 40 er Jahren Aufstelldächer oder absenkbare Böden um Stehhöhe zu gewinnen. Die Ideen waren vielfältig, Da könnte sich so mancher Selbstbauer einiges abschauen. Im Grunde ist bis heute nicht viel Neues dazugekommen, nur halt die moderne Technik, die es damals noch nicht gab.
Das nobelste Wohnmobil seiner Zeit (1959) war wohl der Mikafa, der einen V8 Motor (vom BMW 502) besaß und 20 l/100 kmh verbrauchte. Er war 7,25 m lang, 2,28 m breit und 2,75 hoch. Durch eine zu verschiebende, riesige Dachluke kam Licht und Luft hinein und man konnte durch diese auf eine Dachterrasse steigen. Er hatte bereits Kühlschrank, Spültoilette und kostete 50.000 DM. Davon wurden nur 12 gebaut, denn den konnten sich nur Super-Reiche leisten. Das hier ausgestellte Modell wird von seinem Besitzer noch gelegentlich zu Urlaubsfahrten genutzt.
Es gibt auch einige kuriose Selbstbauten aus der DDR und einen Trabbi mit Spitzgiebel-Dachzelt zu bestaunen. Natürlich fehlt auch der erste Bulli nicht, der als Hippiefahrzeug bis nach Indien fuhr, noch mit Originaleinrichtung von Kanistern und Fahrrad auf dem Dach zu Topf bis Werkzeug. Viele Fahrzeuge sind Leihgaben von Privatpersonen die diese noch hin und wieder für einen Urlaub nutzen. Das modernste Fahrzeug ist ein Prototyp von Hymer, ein Allradfahrzeug dessen Heck sich komplett zur Terrasse ausklappen lässt, mit richtiger Treppe hinauf ins überdimensional große Hubdach und allem Pi-Pa-Po. Das geht demnächst in Serie und kann bereits bestellt werden - für 250 000 Euro.
Es gäbe noch so viel mehr aufzuzählen. Ich habe fünf unterhaltsame Stunden in diesem Museum verbracht, kann es nur weiterempfehlen und sollte ich wieder in diese Gegend kommen schaue ich es mir wieder an. Denn die Themenausstellungen und auch einige Fahrzeuge wechseln immer wieder mal.
Bei den Schweizern
Am Tag nach dem Museumsbesuch fahre ich in die Schweiz. Um genau zu sein, nach Küsnacht bei Zürich, zu meinem Bruder. Er lebt schon seit zig Jahren in der Schweiz und deshalb sehen wir uns auch so selten. Aber jetzt passt es zum Glück. Bei meiner Ankunft ist Gunter gar nicht zu Hause, aber er schreibt, er habe mir den Schlüssel im „Milchkasten“ hinterlegt. Ich frage mich was ein Milchkasten ist? Eigentlich ganz klar. Der Name sagt es ja. In der Wohnanlage meines Bruders hat jeder unter seinem Briefkasten noch einen extra, nicht verschlossenen, Kasten in dem früher der Milchmann die bestellte Milch hineinstellte. Jetzt legt dort der Briefträger kleinere Pakete ab. Ich finde das sehr praktisch.
Ich parke den Jumpino auf dem Besucherparkplatz und nutze die Zeit bis Gunter heimkommt für eine ausgiebige Dusche. Er besteht darauf dass ich sein Schlafzimmer beziehe während er im Wohnzimmer schläft und dass ich einige Tage bleibe. Das ist Komfort pur, denn aktuell sind die Nächte sehr kalt – so um die 5°C.
Noch in Bad Waldsee kam ich an einer Metzgerei vorbei, die so appetitlich aussah dass ich 1 kg Gulasch gekauft habe. Dazu hatte ich Semmelknödel und Blaukraut gemacht für mein Abendessen. Da merkt man dass ich selten Fleisch esse und überhaupt kein Gefühl dafür habe wie lange man an einem Kilo Gulasch isst. Jedenfalls habe ich immer noch 3 Portionen davon im Kühlschrank. Die hol ich nun aus dem Jumpino. Nachdem Gunter spät heimkam, bot es sich als schnelles Abendessen an. Während wir es uns schmecken lassen erzählt mir Gunter dass er gestern ebenfalls Gulasch gekocht hatte. Gulasch kann man doch eigentlich immer essen – oder? Und wir müssen beide herzlich lachen.
Auf Wilhelm Tells Spuren und über den Klausenpass zum Berglistüber Wasserfall
Heute darf ich mal Beifahrer sein und mir in Ruhe die wunderschöne Landschaft anschauen. Wir machen einen Ausflug in Gunters Auto. Zuerst geht es mit der Fähre über den Zürichsee auf die gegenüberliegende Seite, in eine eigenartige Gegend. Hier gibt es kegelförmige, grüne Hügel, einer neben dem anderen, und auf jedem steht ganz oben ein einzelner Baum. Das sieht kurios aus, noch dazu weil es noch ein wenig nebelig ist.
Durch wunderschöne Ortschaften geht es entlang dem unteren Ende des Vierwaldstättersees. Besonders schön fand ich Altdorf. Dann geht’s hinauf nach Bürglen zu Wilhelm Tell. In diesem hübschen Ort, vor mächtiger Bergkulisse, steht eine Statue von Wilhelm Tell und es gibt ein Museum, ihm zu Ehren. An den schönen holzgetäfelten Häusern ächzen die Balkone unter der üppigen Blumenpracht.
Die meisten (Nichtschweizer) bringen den Namen Wilhelm Tell nur in Verbindung mit dem legendären Apfelschuss, oder nennen ihn den Schweizer Robin Hood. Ich glaube das hören die Schweizer gar nicht so gerne. Der Legende nach war er ein Freiheitskämpfer und gilt als Nationalheld der Schweiz.
Wir halten in vielen schönen Ortschaften, wandern ein wenig durch malerische Seitentäler, bestaunen einen Wasserfall vor dem sich ein kräftiger Regenbogen bildet und fahren bei inzwischen strahlendblauem Himmel über den Klausenpass. Auf der 1948 m hohen Passhöhe halten wir uns eine Weile auf, fotografieren, genießen das herrliche Panorama und machen Brotzeit in der Bergstation. Weiter geht’s hinab, entlang den Glarner Alpen und dem Urnerboden, einer schönen Hochebene auf 1200 m. Das Beste ist, ich muss mich nicht auf die enge kurvige Straße konzentrieren, sondern kann einfach nur schauen und das genieße ich sehr. Gunter kennt diese Gegenden wie seine Westentasche und hat viel Interessantes zu erzählen. Irgendwo auf der Strecke, nach dem Urnerboden, hält Gunter an einer unscheinbaren Stelle. Jetzt müssen wir ein bisschen gehen, ist nicht weit, meint er. Wir wandern auf einen schmalen Waldweg entlang einer tiefen Schlucht. Man hört tosendes Wasser und dann, auf einmal, ist er vor uns - der Berglistüber Wasserfall. Wir haben Glück, der Fätschbach, der sich aus 1200 m vom Urnerboden in 3 Wasserfällen auf 720 m in die Talsohle der Linth hinabstürzt, führt sehr viel Wasser. Der Berglistüber ist der Mittlere von 3 Wasserfällen und wurde bereits 1897 als einer der schönsten Wasserfälle der Schweiz beschrieben. Zu Recht. Staunend stehe ich hinter einem Sicherheitszaun der mich vom tiefen Abgrund trennt. Vor mir stürzen die Wassermassen 44 m, das letzte Drittel im freien Fall, in ein tiefblaues kreisrundes Becken. Das Wasser stürzt über eine weit vorstehende Felsverschiebung herab unter der sich ein hoher tiefeingeschnittener Hohlraum gebildet hat. Während ich noch staunend und fasziniert den Wasserfall vor mir betrachte, hat Gunter bereits das kleine Tor geöffnet und wandert unter dem Felsvorsprung hinter den Wasserfall. Aus Sicherheitsgründen ist das für die Öffentlichkeit nicht mehr erlaubt. Aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht und folge ihm hinter den Wasserfall. Ist das wunderschön!!! Aber man muss vorsichtig gehen, stolpern oder ausrutschen wäre fatal. Hier gibt’s kein Geländer das uns vor dem Abgrund schützen könnte. Lange bestaunen wir dieses Naturschauspiel bevor wir den Rückweg nach Zürich antreten. Entlang der Straße, Richtung Glarus, sehen wir einige Gämsen. Ich kann es gar nicht glauben dass sie so nahe an die viel befahrene Straße und die Häuser herankommen. Meine letzte Gämse habe ich als Kind gesehen, bei einer Bergtour aufs Sonntagshorn, hoch oben, weitab von jeder Zivilisation.
Ein Tag in Zürich
Nach dem wunderschönen, gestrigen Ausflug hat Gunter heute einige Termine. Es ist grau und trüb. Ich nutze den Tag mir endlich mal Zürich anzusehen. Den Jumpino lass ich zu Hause, Gunter nimmt mich mit in die Stadt und zurück werde ich den Bus nehmen.
Hmm, was soll ich über Zürich sagen? Sicherlich eine schöne Stadt, aber ohne Sonne wirkt halt jede Stadt grau und trostlos. Dazu kommt dass die Altstadt (speziell das hübsche Niderdorf) gerade eine einzige Baustelle ist, die Kanalisation wird erneuert. Trotz allem finde ich zahlreiche schöne Gebäude die ich bestaune, schüttle den Kopf über die Schuh-Preise in den Schaufenstern, bin begeistert vom architektonisch wunderschönen Bahnhof wo es ganz ohne Hektik zugeht. Zwischen all den Säulen gibt es zahlreiche gemütliche Sitzecken und am Schalter muss man nicht anstehen. Man zieht eine Nummer und wartet bequem sitzend bis man dran ist. Besonders schön finde ich das Museum hinterm Bahnhof, eine imposante Festungsanlage mit hübschen Türmchen.
Nach einigen Stunden, die ich durch die Stadt, am Fluss und am See entlang gewandert bin, warte ich vergeblich auf den Bus. Die Buslinie wird aufgrund Bauarbeiten nicht bedient. Jetzt wird’s ein bisschen hektisch für mich, nicht weil ich es eilig hätte, sondern weil ich per Internet herausfinden muss wie ich nun zurück nach Küsnacht komme. Das Problem dabei ist, dass das EU-Roaming nicht für die Schweiz gilt, mein Handytarif also unwirksam ist und eine Minute hier ein Vermögen kostet. Innerhalb von wenigen Minuten ist mein 30 € Extra-Notfallguthaben aufgebraucht, noch bevor ich die richtige Buslinie gefunden habe. Also einfach die nächstbeste Bushaltestelle ansteuern, den Busfahrer fragen ob er in meine Richtung fährt und hoffen dass ich rechtzeitig die richtigen Linien und Umsteigeplätze finde, denn das Ticket das ich bereits am Automat gekauft habe, hat eine zeitliche Begrenzung. Hah, das wär doch gelacht, hab ich es alleine um die ganze Welt geschafft, durch viele Großstädte, oft ohne entsprechende Sprachkenntnisse, da werd ich es doch in der deutschsprachigen Schweiz die paar Kilometer von Zürich nach Küsnacht schaffen – und tatsächlich – ich kam mit nur einmal umsteigen in Küsnacht an, wenige Minuten bevor mein Ticket abgelaufen war.
Ich hatte 3 sehr harmonische Tage bei Gunter in Küsnacht, mit guten Gesprächen, schönen Ausflügen, gutem Essen und einem weichen warmen Bett. Ich hab das sehr genossen. Danke Gunter!
Sturm und Regen, liebe Freunde und wunderschönes Luzern
Als ich mich von Gunter verabschiede zieht Sturm auf, schwarze Wolken und ein heftiger Wind beenden unsere Abschiedszeremonie ziemlich plötzlich. Es ist Samstag nachmittag und um 16:00 Uhr will ich in Ruswil bei Luzern sein. Dort wohnen Peter und Hedy, die ich letztes Jahr auf La Gomera kennengelernt hatte. Sie waren mit ihrem kleinen Mercedes Vito (auch ein Selbstausbau Camper) am selben Strand gestanden. Seit dem sind wir in Verbindung geblieben und heute werde ich sie besuchen. Es regnet in Strömen und ein eisiger Wind pfeift. Man sieht kaum was von der Landschaft. Als ich kurz vor 5 Uhr in Ruswil ankomme, steht Peter schon unten auf der Straße, weist mich ein wo ich parken kann und dann eilen wir durch den Regen flink hinauf zu seinem Haus. Dort wartet Hedy schon. Was für ein herzliches Willkommen und so ein schönes Wiedersehen. Ich hatte eigentlich nur einen kurzen Besuch vor, denn so gut kannten wir uns ja noch gar nicht. Mein Plan war, ich ess und schlafe im Jumpino und lass mir dann gerne am nächsten Tag von den Beiden Luzern zeigen. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Peter hat gekocht und gebacken und so sitz ich nun mit den Beiden beim Abendessen, bei einer leckeren Kürbissuppe (das ist zufällig meine Lieblingssuppe) und hinterher selbstgebackener Pizza. Alles so lecker. Und dann verplaudern wir die halbe Nacht bei einer Flasche schönem Rotwein. Sie haben mir auch ein Bett gerichtet, sogar mit eigener Dusche. So viel Luxus! Und so lieb und großzügig. Da ist es schon viel gemütlicher als bei diesem Sauwetter im Jumpino zu schlafen. Es regnet immer noch in Strömen und ist richtig kalt geworden.
So wie in der Schweiz, bin ich lange nicht mehr verwöhnt worden. Zum Frühstück gibt’s Müsli mit selbstgemachtem Joghurt und selbstgebackenes Brot. Alles vom Feinsten, ich kann gar nicht so viel essen wie ich gerne würde. Dann hol ich meine Landkarten und mit den wertvollen Tipps von Einheimischen plane ich meine Route für morgen. Noch immer bin ich unschlüssig ob ich über den Furkapass oder den Nufenenpass fahren soll. Aber diese Entscheidung wird mir bis zum Abend abgenommen. Der Winter ist ins Land gezogen. Nach einem Kälteeinbruch und Minustemperaturen hat es in den Bergen geschneit. Wir sehen aus unserem Fenster, mit dem herrlichen Panoramablick, dass die Schneefallgrenze sehr weit unten liegt. Auf der Website von „Alpen-Pässe.ch“ lese ich dass beide Pässe ab heute gesperrt sind. Auch der Klausenpass über den wir vorgestern noch fuhren, ist gesperrt.
Wir ziehen uns warm an und mit Hedys Auto fahren wir hinunter nach Luzern. Wir haben Glück. Es hat aufgehört zu regnen und der Himmel ist nicht mehr gar so grau. Am See entlang wandern wir Richtung Altstadt. Ohhh ist die schön. Das hatte ich so gar nicht erwartet. Zu Beginn wandern wir über die hölzerne, überdachte Kapellenbrücke. 1365 wurde sie gebaut, wunderschön ist die und über ihre ganze Länge mit leuchtend roten Geranien geschmückt. Sie ist mit 202 m die zweitlängste gedeckte Holzbrücke Europas. Im Giebel der Brückenüberdachung hängen alle paar Meter wunderschöne dreieckige Holzgemälde aus dem frühen 17. Jahrhundert. Leider zerstörte 1993 ein Feuer einen Großteil der Brücke. Zum Glück war bei Ihrer Restaurierung, in den 1960er Jahren, jedes einzelne hölzerne Bauteil registriert worden, so dass sie nach dem Brand wieder originalgetreu aufgebaut werden konnte. Aber von den 111 Holzgemälden waren leider 81 unrettbar zerstört.
Auf halbem Weg über die Brücke kommen wir am Wasserturm vorbei, dem Wahrzeichen Luzerns. Brücke und Turm bildeten einen Teil der Stadtbefestigung.
Auf der anderen Seite angekommen führt unser Weg zuerst zur ‚Hofkirche St. Leodegar im Hof‘, eine der größten und kunsthistorisch wertvollsten Kirchen der deutschen Spätrenaissance. Auf den ersten Blick, aus der Ferne wirkt sie bescheiden, aber wenn man näher kommt ist sie erstaunlich. Schon der Eingang ist ein Wunderwerk. Ich habe schon viele Kirchen auf dieser Welt gesehen, aber diese ist wieder komplett anders und wunderschön.
Weiter gehts zum Löwendenkmal. In einer schönen Parkanlage liegt in einer Felsgrotte, oberhalb eines kleinen Weihers, ein tödlich verwundeter, sterbender Löwe, dem ein Stück eines Speers aus dem Rücken ragt. Die Löwenskulptur ist aus der steilen Felswand herausgehauen, einige ihrer Teile sind als Relief ausgeführt. Ihre Tatzen sind etwa doppelt so groß wie menschliche Köpfe. Das Denkmal misst etwa zehn mal sechs Meter. Über dem Löwen eingemeißelt ist das lateinische Motto HELVETIORUM FIDEI AC VIRTUTI (Der Treue und Tapferkeit der Schweizer). Unter dem Löwen eingemeißelt sind die Zahlen der am 10. August 1792 beim Tuileriensturm in Paris gefallenen und geretteten Offiziere und Soldaten der Schweizergarde.
Dann schlendern wir durch die Gassen der Altstadt. Da kommt man ja gar nicht voran vor lauter Staunen und Bewundern. So viele Häuser haben kunstvoll bemalte Fassaden. Sowas außerordentlich Schönes hab ich noch in keiner Stadt gesehen und schon gar nicht in dieser Vielzahl. Hedy, eine echte Luzernerin, weiß auch viel über die Stadt und die einzelnen Gebäude zu erzählen. Es gäbe so viel zu sehen dass man einige Tage hier verbringen könnte.
Wir betrachten das Nadelwehr mit dem der Seeabfluss des Vierwaldstättersees reguliert wird. Zum einen um die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen und zum anderen den Seelevel für die berühmte Dampfschifffahrt auf dem See hoch genug zu halten. Mit 5 Raddampfern befindet sich auf dem Vierwaldstättersee die weltgrößte aktive Dampferflotte auf einem See. Das Nadelwehr ist in seinem historischen Zustand von 1860 erhalten geblieben und wird ausschließlich mechanisch unter aufwendiger körperlicher Arbeit dem Wasserstand angepasst. Dazu muss die Wehröffnung bei großen Wassermengen von vier bis fünf Männern mit den hakenförmigen “Zäppis“ durch Herausziehen eines Teils der 3,5 m langen Nadeln vergrößert werden. Das Stirnwehr weist 175 Nadeln auf.
Über eine weitere gedeckte, hölzerne Brücke (Luzern hat 3 davon) führt unser Weg wieder zurück auf die andere Flussseite, zum See und zum Parkplatz. Gerade noch rechtzeitig bevor unsere Parkzeit abgelaufen ist. Die 3 Stunden die wir durch die Stadt geschlendert sind, sind wie im Flug vergangen. Wieder zu Hause in Ruswil sind Peter und Hedy in der Küche beschäftigt während ich mich wieder in die Landkarten und die morgige Route vertiefe. Hmm, riecht das gut. Sie haben gerade Apfelkuchen gebacken, aus Äpfeln vom eigenen Garten. Sie verköstigen und beherbergen mich noch eine weitere Nacht und wir fachsimpeln an diesem Abend viel über Wohnmobilausbau und Reiserouten. Es ist als würden wir uns schon seit Jahren kennen und es ist soooo schön.
Nach einem nochmal leckeren Frühstück verabschiede ich mich von meinen lieben Schweizer Freunden und dem Luxus ihrer großzügigen Gastfreundschaft. Es war wunderschön bei Euch. Vielen herzlichen Dank. Vielleicht treffen wir uns unterwegs bald wieder, wenn ihr euch auch auf den Weg in den Süden macht, auf der Suche nach Sonne und Wärme. Denn einen anderen Grund kann es doch für Schweizer gar nicht geben, ihr eigenes, so wunderschönes Land zu verlassen.
Ja, ich kann gut verstehen dass so viele Menschen in die Schweiz gehen oder dort gerne leben würden. Traumhafte Natur, hübsche gepflegte Städte und Dörfer mit wunderschönen alten Holzhäusern, so liebenswerte gastfreundliche Menschen und eine so nette Sprache. Vieles endet auf „li“(Wölkli, Hügli, Leckerli, …) was es immer freundlich klingen lässt. Mir könnte es hier auch gefallen. Zum Glück hab ich den Jumpino und kann so zumindest immer wieder mal für einige Zeit in diesem traumhaften Land verweilen.
Die 5-Seen-Tour
Nach dem der Kälteeinbruch (den ich dankbarerweise bei Gunter, Hedy und Peter im warmen Haus verbringen durfte) meine Pläne zunichte gemacht und die von mir begehrten Pässe gesperrt hat, hab ich mich nun für eine 5-Seen-Tour entschieden. Eigentlich ist es in der Schweiz ganz egal wohin man fährt. Es ist einfach überall traumhaft.
So geht es erst mal am Vierwaldstättersee entlang, leider bei noch bedecktem Himmel und dann weiter an den Sarner See. In Sarnen, einem hübschen Ort, wandere ich eine Stunde umher. Hier gibt es ausnahmsweise mal einen gebührenfreien Parkplatz auf dem man sogar nachts parken darf. Die Lage am Bach, am Ortsrand ist ruhig und schön. Auch der Sarner See liegt herrlich zwischen hohen Bergen, umgeben von viel Grün und buntem Herbstlaub. Es geht weiter über einen kleinen Pass. Der ist nicht so hoch und deshalb schneefrei. Aber er bietet eine sehr schöne Aussicht auf den Sarner See und das Tal.
Auf der anderen Seite des Passes ist es nicht mehr weit an den Brienzer See. Der ist ein richtiges Schmuckstück. Fantastisch eingebettet in den Bergen, blaues klares Wasser und Brienz ist ein so wunderschöner altertümlicher Ort. Fast alle Häuser sind aus Holz (wir würden sie typische Schweizerhäuschen nennen) klein, sehr alt, aber gepflegt mit weit überhängenden Dächern und Balkonen die sich unter der Blütenpracht zu biegen scheinen. Ach ist das schön hier, aber leider kann ich hier nicht über Nacht bleiben. Auf allen Parkplätzen, im und außerhalb des Ortes, ist Parken für Wohnmobile zwar tagsüber erlaubt und gebührenpflichtig, aber zwischen 22:00 und 08:00 verboten. Das ist schade und macht auch meine weitere Tour durch die Schweiz sehr schwierig.
In einer Ausweichbucht, an der Straße die um den See herumführt, ist das Parken ausnahmsweise mal kostenfrei und nicht zeitlich begrenzt. Da halte ich an, passe gerade so längsseits hier her. Sehr schmal hier. Einen Schritt zu weit beim Aussteigen und ich falle in den See, auf der anderen Seite 50 cm bis zur Fahrbahn. Aber wo soll ich sonst hin? Ich bleib hier für die Nacht, hab einen fantastischen Blick über den See und auf den Sonnenuntergang. Aber noch viel fantastischer ist das Alpenglühen. Die schneebedeckten Berge leuchten in kräftigem Rosa bis zu tiefem Rot. So intensiv und wunderschön hab ich das noch nie gesehen. Der Preis dafür, sind die knapp und schnell an mir vorbeifahrenden Autos und eine schaukelige unruhige Nacht. Aber für dieses Naturspektakel (das Alpenglühen) hätte ich sogar einen Presslufthammer neben mir in Kauf genommen.
Ich starte sehr früh, mach nicht mal mein Bett und ohne Morgentoilette fahr ich los, nur dürftig mit Nachthemd bekleidet, weiter bis zum nächsten Rastplatz, wo ich in Ruhe und abseits der Straße alles nachhole. Tagsüber darf ich da ja parken. Ich frühstücke auf der Wiese am See in der Morgensonne mit wunderschönem Panoramablick. Außer mir ist nur ein junges Paar hier das ebenfalls auf einer Decke ihr Frühstück ausgebreitet hat.
An den Brienzer See schließt sich nach kurzer Fahrstrecke bereits der Thuner See an. Wieder eine Traumkulisse, stahlblaues Wasser, bunter Herbstwald und schneebedeckte Berge. Die Fahrt geht an einer steilen Felswand entlang, hoch überm rechten Seeufer.
Wieder unten auf Seehöhe fahre ich durch einen interessanten Ort mit einem schönen Schloss. Das würde ich mir gerne näher ansehen. Aber auch in Oberhofen ist es fast unmöglich einen Parkplatz zu bekommen. Der Ort erstreckt sich am See entlang und schon fast am Ortsende entdecke ich endlich einen winzigen Parkplatz. Dass der nicht gebührenfrei war, merke ich erst als ich wieder zurückkomme. Zum Glück hat es außer mir sonst niemand bemerkt.
Das Schloss Oberhofen liegt direkt am See, teilweise sogar mit Brückchen und Turm in den See hineingebaut. Der große Schlossgarten ist für alle frei zugänglich. So kann man das hübsche Schloss mit seinen Türmen und blauweiß gestreiften Fensterläden von allen Seiten begutachten. Ich finde es wunderschön.
An der Promenade legen große Ausflugsschiffe an, während man aufpassen muss nicht über die Entenfamilie zu stolpern. Kleine Segelschiffe schaukeln auf dem blaugrünen, klaren Wasser vor den schneebedeckten Bergen. Bilderbuchidylle.
Ich habe immer noch keine Ahnung wo ich heute Nacht schlafen soll und es erscheint mir aussichtslos in der Schweiz einen Platz außerhalb Campingplätzen zu finden. Das ist soooo schade. Ich wär so gerne noch länger in diesem schönen, freundlichen Land geblieben. Aber so werde ich heute noch bis Frankreich durchfahren müssen, an die französische Seite des Genfer Sees. Eventuell mach ich halt dann morgen eine Tagestour auf die Schweizer Seite des Sees und komm für die Nacht wieder nach Frankreich zurück.
Aber noch bin ich ja am wunderschönen Thuner See. Man kommt von hier aus nicht nach Frankreich ohne durch die Stadt Thun zu fahren. Und ich komme nicht durch Thun ohne anzuhalten. Was ich da beim Durchfahren sehe ist soo schön dass ich nach dem 2. Kanal einfach rechts abbiege, in der Hoffnung, irgendwo am Straßenrand der ruhigeren Straßen, einen Kurzzeitparkplatz zu finden. Und den finde ich tatsächlich, aber dort kann man nicht mit Karte sondern nur mit Münzen bezahlen. Schweizer Franken hab ich keine. Schade! Hmm, da drüben bei dem großen Haus, da ist viel freier Platz, weder Parkuhr noch Verbotsschilder. Und ich parke den Jumpino dort hin.
Beruhigt und guten Gewissens (wegen dem Parkplatz) schlendere ich an dem glasklaren Bach entlang. Hier in der Schweiz sind alle Gewässer so klar, dass man am liebsten draus trinken möchte. Die Büsche und Bäume tragen buntes Herbstlaub in den herrlichsten Farben und spiegeln sich im Wasser. Die Stadt selbst ist märchenhaft. Sie wird überragt von einem Schloss das an jeder Ecke einen runden Turm hat und ist durchzogen von Kanälen. Diese sind gesäumt von farbenfrohen Häusern und zahlreichen Cafés. Das Wetter ist heute sonnig und warm und die Cafés sind gut besucht. Über die Kanäle führen außer den Autobrücken auch hübsche gedeckte Holzbrücken voller roter Geranien, ähnlich wie in Luzern, nur nicht so lang. Sie sind gleichzeitig Stellwerk für die Staudämme. Ich finde diese Stadt fantastisch schön. Interessant war auch ein Straßenzug, die Obere Hauptgasse, die vom Rathausplatz weg führt. Hier liegt die Straße tiefer als die Häuser und der Gehsteig. Auch die weit ausladenden Dächer der mehrstöckigen Häuser sind ganz eigenartig.
Am Fluss entlang, unter schattigen Platanen, führt ein schmaler Weg bis vor ans Seeufer. Dort liegen unendlich viele Yachten im Hafen und im Hintergrund bilden imposante schneebedeckte Berge einen tollen Kontrast zum tiefblauen See und ebenso tiefblauen Himmel. Was für ein Tag. Ich finde noch einen Trinkwasserbrunnen an dem ich Jumpinos Wasserkanister auffülle und dann habe ich erst mal Hunger. Vor lauter Schauen hab ich das Essen wieder mal ganz vergessen. Als ich mir gerade ein Sandwich richten will, klopft eine junge Frau und bittet mich sehr freundlich ob es mir etwas ausmachen würde ein klein bisschen näher an das Auto neben mir zu parken, dann würde sie mit ihrem Landrover auch auf ihren Parkplatz passen.
Oh, das sind wohl private Parkplätze – Entschuldigung! - ich fahr sofort weg. Die Lady bedankt sich herzlichst und ich erfahre dass diese „privaten“ Parkplätze zum Haus gehören. Ja so sind sie wohl die Schweizer – immer höflich und nett. In Deutschland hätte ich einen Rüffler bekommen, was mir einfällt einfach auf Privatparkplätzen zu parken.
Na schade, dann wars das schon wieder mit dem schönen Thun. Ich setze meine Fahrt fort über den Col de Mosses, bin wieder begeistert von den Bergen, Tälern und den Stimmungen (Sonne, Wolken), ich kann mich gar nicht sattsehen. Es gab noch so viele Aussichtspunkte, Orte und Schlösser wo ich gerne gehalten hätte. Aber jetzt hab ich es schon eilig, es ist schon spät und es gibt hier keine Schlafplätze für mich.
Auf dem letzten Stück, aus den Bergen heraus, Richtung Genfer See, begleitet mich ein grandioser, lang andauernder Sonnenuntergang. Die Straße an den See, die ich fahren wollte, ist gesperrt und damit auch die Zufahrt zum erhofften Parkplatz. Es ist schon fast dunkel als ich auf Umwegen die französische Grenze erreiche. Hier ist die Straße so eng, dass es keine Parkmöglichkeiten gibt. Der Ort zieht sich an einer einzigen Straße entlang zwischen einem steilen Abhang und dem See. Internetsignal hab ich hier keines, die hohen Berge schirmen alles ab. Es wird dunkel und ich erblicke eine Ausweichbucht auf der Seeseite und beende meine Fahrt hier. Ich bin zu KO um noch weiter zu fahren und habe in dieser Gegend ohne Internet keine Aussicht in der Dunkelheit einen Parkplatz zu finden. Und ich dachte in Frankreich wär alles einfacher.
FAZIT Schweiz
Wer Berge und Seen liebt, so wie ich, und obendrein hübsche gepflegte Orte, für den ist die Schweiz DAS Land. Eigenartig: Immer wenn das Wort „Schweiz“ erwähne, höre ich von Freunden und Bekannten nie „oh da ists aber schön“ sondern stets „Da ist es ja soooo teuer“.
Dabei frage ich mich: In wie weit betreffen uns Wohnmobil-Reisende die Preise eines Landes? Doch eigentlich nur bei den Spritpreisen, beim Parken, im Supermarkt, im Restaurant, auf dem Campingplatz. Wobei man die letzten beiden ja nicht zwingend nutzen muss, falls man sparen will.
Meine Erfahrung nach einer Woche Schweiz:
Zu Campingplätzen und Hotels kann ich nichts sagen, die nutze ich ja in keinem Land.
Restaurants und Cafés, ja da ist es teuer. Aber das ist es bei uns in Deutschland oder Frankreich inzwischen ja auch. Man bekommt werder in Deutschland noch in der Schweiz ein Mittagessen unter 20 € in touristischen Gegenden (und davon reden wir gerade). Die Preise die ich gesehen habe waren nicht arg viel teurer als in Deutschland oder Österreich. Das ist der Teil den man jedoch meiden könnte. Man kann ja zu Hause im Wohnmobil essen.
Im Supermarkt war ich sehr überrascht. Manche Dinge waren uferlos teuer, andere kosteten dasselbe und vieles war sogar bedeutend günstiger als bei uns. Im Schnitt kommt man also wieder fast auf das, inzwischen so gestiegene, Deutsche Preisniveau.
Parkgebühren waren verhältnismäßig günstig. Öffentliche Verkehrsmittel vergleichbar mit unseren.
Diesel kostete 1,70 Franken, Benzin ist günstiger.
Bei den Wohnungsmieten, na ja, das kann sich der deutsche Otto Normalverbraucher nicht leisten. Die sind schon extrem.
Abgesehen davon kam mir im Großen und Ganzen die Schweiz gar nicht mehr so viel teurer vor als Deutschland. Früher war das allerdings schon anders.
Aber bleibt ruhig bei eurer Meinung und der Schweiz fern damit sie nicht auch vom Massentourismus überrannt wird. Denn das wäre schade, noch ist hier wirklich angenehm.
Ich fand die Schweiz wunderschön und komme sicher wieder, aber das nächstmal besser vorbereitet, bezüglich Währung, Internet und Plätzen auf denen man übernachten darf.