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Leben im Camper

Almabtrieb ohne Kühe - Lavendelduft - Flamingos und die Retirada

Jumpino on Tour # 17 – Frankreich - Oktober 2025

 

Almabtrieb ohne Kühe - Lavendelduft  - Flamingos und die Retirada

 

An den Genfer See

Was für ein Willkommen – ein gigantischer Sonnenuntergang  begleitet mich das letzte Stück durch die Schweizer Berge bis an den Genfer See. Bis ich die Grenze von der Schweiz nach Frankreich überquert habe ist es dunkel. Die Straße ist schmal und sehr stark befahren. Rechts der See, links steile Abhänge, keine Parkplätze. Mir bleibt nichts anderes übrig als in einer Parkbucht am Straßenrand zu übernachten. Die Autos fahren sehr schnell und so dicht vorbei dass der Jumpino bei jedem Vorbeifahrenden wackelt. Ich nehme das in Kauf denn ich bin heute schon sehr lange gefahren und die Aussicht im Dunklen einen Platz zu finden ist gleich Null. Ich kann nicht mal das Internet und Google Maps zu Hilfe nehmen. Hier habe ich kein Signal. Also bleib ich. Dafür werde ich mit einer fantastischen Aussicht über den See belohnt in dem sich gerade das letzte Abendrot spiegelt. Erste Lichter tauchen auf der gegenüberliegenden Seite auf und dann klettert ein großer Vollmond über den Berggipfel und taucht den See in goldenes Licht. Das ist so fantastisch schön dass immer wieder Autos anhalten um das Schauspiel zu bewundern. Ich habs da gut, muss gar nicht raus in die Kälte, sondern kann alles aus dem warmen Jumpino durchs Fenster beobachten.
Der Preis dafür war allerdings eine Nacht mit wenig Schlaf, bei all dem Verkehr.

Der Morgen graut mit einer schönen Wolkenstimmung über dem See.  Aber leider bleibt der Tag auch grau und es ist keine Besserung in Sicht. Ich tingele den See entlang – es bleibt grau in grau. Jetzt bei Tageslicht ist Frankreich ein wahrer Kulturschock wenn man gerade aus der Schweiz kommt. War gerade alles noch gepflegt mit wunderhübschen Dörfern und schönen alten Holzhäusern, ist jetzt alles ärmlich, grauer Stein und die Straßen eine Katastrophe. Auch Internet habe ich noch nicht, die steilen Berge hinter mir schirmen wohl jedes Signal ab.

Also Planänderung. Keine Fahrt rund um den Genfer See, sondern weiter durch die Berge süd-westwärts. Wahrscheinlich war es eine schöne Route die ich genommen habe, aber man hat nichts gesehen im Nebel und den Wolken. Am frühen Nachmittag halte ich in Bonneville, finde einen Parkplatz in einer ruhigen Wohnsiedlung direkt am Fluss und bleibe erst mal hier. Am Spätnachmittag kommt die Sonne durch und schon sieht die Welt viel freundlicher aus. Und ja, da sind tatsächlich hohe Berge ringsherum. Ein kleiner Spaziergang entlang dem Fluss (der Arve) durchs kleine Zentrum und zur Burganlage die gerade restauriert wird. Kein Ort wegen dem man extra hier her kommen würde, aber ganz nett und vor allem habe ich einen herrlich ruhigen Parkplatz und kann mal wieder so richtig gut schlafen.

Das war dann auch schon wieder genug Sonne – naja es ist ja auch bereits Mitte Oktober, und der folgende Tag ist wieder grau und trüb.

 

Unerwartet schönes Annecy

Als nächstes Übernachtungsziel habe ich mir Annecy ausgesucht. Ich hab zwar noch nie von Annecy gehört, aber es liegt auf der Strecke, an einem See und der liegt in den Bergen. Kann also nicht so schlecht sein. Es bleibt trüb und von den Bergen sieht man gar nichts. Der See ruht still und grau und das Wasser ist glasklar (angeblich der sauberste See Europas). Ich habe einen Parkplatz gleich an der Altstadt am See gefunden und für 8 € darf ich hier bis morgen Mittag parken. Vielleicht! Große Teile sind gesperrt für die „Retour des Alpages“. Ich vermute es handelt sich um ein Radrennen oder sowas, und eigentlich sind auf dem Parkplatz keine Caravanes und Motorhomes erlaubt. Ich frage mich: Was ist der Jumpino eigentlich? Ausgebaut und genutzt wird er wie ein Wohnmobil, laut Papieren ist er ein Transporter und von den Dimensionen her ist er nicht größer als ein PKW, nur ein bisschen höher. Hmm, ist wohl Auslegungssache und von der Laune des Bewertenden abhängig. Ich hoffe dass dies jetzt in der Nachsaison zu meinen Gunsten ausgelegt wird,

Ich wandere ein bisschen am grauen See entlang und bin bald wieder am Jumpino. Es ist kalt und ungemütlich. Ich habe hier endlich wieder Internet und les ein bisschen über Annecy, erfahre dass es als ‚Venedig der Alpen‘ bezeichnet wird und die ‚Retour des Alpages‘ ein großes Fest um den Almabtrieb ist, das in 2 Tagen hier stattfinden soll. Ich sollte evtl. bleiben und mir das ansehen? Aber dazu brauch ich einen anderen Parkplatz. Also wieder raus und zu Fuß alle Parkplätze der Umgebung abklappern was besser geeignet wäre.

Überraschung! Nur 500m weiter gibt es einen großen, ruhigen, viel schöneren Parkplatz, der von Oktober bis Juni kostenfrei ist, die 2,10 m Höhenbegrenzung ist geöffnet und es gibt kein Verbotsschild für Wohnmobile. Und da stehen auch schon ein paar. Trotzdem ist reichlich Platz. Obwohl ich bereits bis morgen Mittag auf dem anderen Platz bezahlt habe, verhole ich den Jumpino hier her und kann mir nun guten Gewissens die Stadt anschauen.

Erst zur Touristeninfo, einen Stadtplan holen, fragen wo der Almabtrieb lang geht. Dann noch ein kleiner Bummel durch eine unglaublich schöne Altstadt. So ein Juwel hatte ich wirklich nicht erwartet. Mit der Hoffnung dass morgen wieder ein bisschen Sonne scheint freue ich mich auf eine Radtour am See entlang und eine gründliche Besichtigung der Altstadt. Jetzt aber sitz ich erst mal zufrieden und entspannt bei Kürbissuppe im Jumpino und freu mich so einen guten Platz gefunden zu haben. Der hat sich inzwischen gut gefüllt. Hier im oberen Bereich sieht es jetzt aus wie auf einem Wohnmobilstellplatz. Dicht an dicht parken mindestens 30 Wohnmobile, so dass man kaum noch zur Haustür rauskommt. Und immer noch kommen Weitere an, auf der Suche nach einem Platz. Nachdem ich inzwischen rechts und links ein Monstermobil habe, ziehe ich um auf einen gerade freigewordenen Platz wo man mich zumindest auf der Haustürseite nicht zuparken kann. Nach hinten habe ich sowieso freien Blick, denn dieser Parkbereich liegt 1,50 m höher und unten parken nur PKWs.

Die Radtour am nächsten Morgen, entlang dem See, war sehr schön. Man hat hier 256 Platanen gepflanzt und die Kanäle der Stadt und die Seepromenade in eine wunderschöne Allee verwandelt. Den ganzen See entlang und durch die Stadt ist ein wunderbarer Radweg angelegt und es tümmelt wahrlich von Radfahrern – Echten, ohne Motor!

Ganz spät am Abend kommt dann doch noch die Sonne und die Büsche und Bäume auf der kleinen Insel im See leuchten in Rot und Gold. Auch die Platanen streuen goldenes Licht über den Kanal und die kleinen Boote. Und jetzt bin ich schon neugierig auf den morgigen Almabtrieb.

                                                                                      

Retour des Alpages – die Rückkehr von den Almen

Bereits eine Stunde bevor das Spektakel beginnen soll bin ich in der Altstadt unterwegs. Es duftet nach frischgebackenem Brot, frischen Äpfeln, heißem Rotwein, warmen Käse und allerhand Leckereien. Die schmalen Gassen sind voller kleiner Stände an denen gekocht, gebacken und gegessen wird. Gourmetland Frankreich halt. Kistenweise werden Äpfel vor den Augen der Zuschauer zu Saft verpresst und ausgeschenkt. Die Luft ist erfüllt vom Duft des guten Essens und dem Gemurmel vieler Menschen das nur von der Musik übertönt wird.  Musikgruppen mit Akkordeon, Geige, Flöte … geben auf den vielen Plätzen ihr Bestes. Die Stimmung ist gelassen fröhlich und allmählich bilden sich erste Spaliere an den Straßen durch die der Umzug  gehen wird. Ich erhasche ein Plätzchen auf einem Balkon zu dem eine Außentreppe hochführt. Noch ist es 30 Min zu früh, aber so einen Paradeplatz muss man sich rechtzeitig warmhalten. Auf dem kleinen Platz unter mir spielt eine Musikgruppe fröhliche Lieder und gelegentlich tanzen Passanten dazu. Gegenüber presst ein Herr unermüdlich Apfelsaft und weiter drüben verkauft eine korpulente resolute Frau frischen Schinken und Pasteten. Die Spannung steigt. Die durch die Gassen schlendernden Leute haben sich inzwischen fast alle in den Spalier eingereiht, Kinder werden ganz nach vorne geschoben damit sie auch was sehen. Viel Platz bleibt da nicht in der Mitte. Es gibt auch keine Absperrungen und keine Polizei. Da bin ich gespannt wie die da durchkommen wollen.

Ahh, da kommen sie! Allen voran ein graubärtiger Wurzelsepp auf Holzskiern mit Drahtbindung, solche wie wir sie als Kinder hatten. Es folgen einige Würdenträger und dann wird’s amüsanter. Eine Schar Graugänse wird unter lautem Beifall und Hallo-Rufen durch die Gassen getrieben, uralte Traktoren ziehen originell geschmückte Wagen, Volkstanzgruppen, Alphornbläser, die Rettungshundestaffel und die Lawinenhunde, kleine Ponys, Esel, alle müssen sie an unserer Abzweigung etwas warten und so haben die Kinder ausgiebig Gelegenheit alles zu bestaunen und die Tiere zu streicheln. Ein kleiner Junge hält eine weiße Gänseschar, mit roten Schleifen um den Hals, im Zaum und dann kommen die Schafe - mindestens 100! Das gibt ein Gedrängel als sie hier warten müssen bis der Zug endlich weitergeht. Nur die Kühe fehlen. Die mussten aufgrund eines Virus dieses Jahr zu Hause bleiben. Schade, aber 1 ½ Stunden Spaß und Gelächter entschädigen dafür. Und erst all die Leckereien – viel mehr als man an einem einzigen Tag probieren kann. Alles in allem ein wunderschönes Fest bei strahlendem Sonnenschein. So ein Glück dass ich zufällig hier gelandet bin und mich entschieden hab das Festival abzuwarten. Einmal eine ganz andere Art von Almabtrieb als ich das aus den bayrischen Alpen kenne, auf jeden Fall amüsanter und kulinarischer.

 

Durchs Savoy und die Cote du Rhone

So schön es hier ist, aber es ist halt doch noch recht kalt. Tagsüber bekleidet in 3 Lagen und abends vor der warmen Heizung, sehne ich mich nach mehr Sonne und vor allem Wärme. Deshalb geht’s nun in 7-Meilen-Stiefeln Richtung Süden. Entlang der französischen Alpen, vorbei an klaren blauen Seen folge ich ab jetzt dem Lauf der Rhone und finde auch schon ein wenig Sonne. Highlight dieses Tages war eine Felsenschlucht durch die sich die Rhone ihren Weg gegraben hat. Zwischen 20 m hohen natürlichen Felswänden mit tollen Formationen schlängelt sich die schmale Straße um nach ca 1 km wieder den Blick auf die Rhone frei zu geben die sich tief unten, leuchtend blau, ihren Weg bahnt.

Auf einer Insel in der Rhone schlage ich mein Nachtlager auf und dann geht’s weiter durch Weinberge soweit das Auge reicht, flankiert von steilen Felswänden. Das ist das Weinanbaugebiet „Cote du Rhone“. Kleine Schlösser thronen auf hohen schmalen Felsen, nette Dörfer mit schmalen Gassen unterbrechen die Weite der Weinberge und es ist heute richtig schön warm. So warm dass ein T-Shirt reicht, jetzt könnte man sich sogar im Bikini in die Sonne legen.

In den letzten Tagen war es viel zu kalt um draußen zu duschen, aber Duschen und Haare waschen ist eh schon überfällig. Ich packe die Gelegenheit am Schopf, biege in einen Feldweg ein und gut versteckt zwischen den Weinstöcken kann ich mal wieder so richtig ausgiebig duschen. Herrlich! Wenn man so lebt und reist wie ich, ist Duschen ein besonderer Luxus.
Frisch und sauber, alles wieder verstaut, geht die Fahrt nun weiter.

 

Urlaub vom Urlaub - in der Provence

Ihr glaubt wohl alle ich sei in Urlaub – hah – weit gefehlt. Für mich ist das ganz normaler Alltag. Wie zu Hause auch muss geputzt, gewaschen, gekocht, eingekauft werden und zusätzlich immer eine Route und ein Stellplatz für die nächste Nacht gesucht werden. Meistens, aber nicht immer, sind diese Plätze schön aber nur selten findet man einen an dem man länger verweilen kann als nur eine Nacht.

Ich dachte eigentlich ich fahre nach Avignon und schau mir das an. Aber die Suche nach einem geeigneten Parkplatz, Wohnmobilstellplatz oder Campingplatz gestaltet sich schwierig und teuer. Also such ich in den etwas entfernteren Orten nach einem geeigneten Platz von dem ich dann per Bus oder Zug nach Avignon reinfahren könnte. Und ich habe Glück. Im gut 20 km entfernten L’Isle sur la Sorgue gibt es einen kostenfreien Wohnmobilstellplatz, nur 5 Fußminuten von Altstadt und Bahnhof entfernt. Es handelt sich um einen großen geschotterten Platz mit Wiesenrand und Bäumen auf einer Seite, direkt am Friedhof. Also ruhig – und Wasserversorgung auch gesichert – Friedhöfe haben immer Wasser. Auf der anderen Seite befindet sich ein Volleyballplatz, Petanque-Platz und Skater Park mit sauberer öffentlicher Toilette. Der Stellplatz ist bereits gut besucht aber ich finde noch ein schönes Plätzchen auf der ruhigen Seite, also weit weg von Straße und Skater Park. Hinter mir eine grasbewachsene Böschung und ein kleiner Baum. Neben mir reichlich Platz bis zum nächsten Nachbarn. Also ganz gemütlich.

Ich erkunde gleich mal den riesigen Friedhof auf der Suche nach Wasser. Als ich mit meinen gefüllten Kanistern zum Jumpino zurückkehre, klopft eine Französin an der Tür. Ich müsste gar nicht so weit laufen, meint sie. Direkt nebenan am Skater Park gibt es 2 Wasserhähne wo ich gutes Trinkwasser holen könnte. Sie nutzen das auch. Bei näherem Betrachten stelle ich fest dass sie (Familie mit 2 jährigem Kind und Oma) hier ihr Dauerquartier in einem Wohnwagen und einem Camper aufgeschlagen haben. Also schon mal erste Kontakte zu netten Nachbarn. Und dann bin ich natürlich neugierig wo ich hier gelandet bin. Es ist bereits Abend aber ich mach noch einen ersten kleinen Spaziergang in den Ort. Der scheint richtig hübsch zu sein. Umgeben und durchzogen von kleinen klaren Bächen von denen Mühlräder angetrieben werden, schmale Gassen und alles da was man braucht. Das will ich mir morgen mal genauer anschauen.

Die Nacht war sehr ruhig und der Morgen wieder sonnig. Ich find es schön und gemütlich hier und beschließe das schöne Wetter zum Wäschewaschen zu nutzen. Überhaupt hab ich heute gar nicht das Bedürfnis diesen Platz zu verlassen, wasche, putze, koche, lese und mach mal Urlaub vom Urlaub. Wenn man so ständig, ganzjährig unterwegs ist, braucht man auch mal ein paar Tage um sich von all den Eindrücken der letzten Wochen zu erholen und zu entspannen. Mal nix planen müssen, einfach den Tag verstreichen lassen. Und dazu ist das hier der ideale Ort.

Es gäbe eine gute Zugverbindung nach Avignon  - alle 2 Stunden – 30 Min Fahrtzeit, oder man könnte mit dem Fahrrad die 20 km hineinradeln, aber es reizt mich gar nicht mehr mich unter die Touristenströme zu mischen und irgendwelche bedeutenden Gebäude anzuschauen. Ich finde es hier so entspannend und hübsch und werde mir heute mal meinen Ort gründlicher anschauen.

 

Stadt der Mühlräder und Antiquitäten

Auf dem mehrstündigen Spaziergang durch L’Isle sur la Sorgue zähle ich an den vielen Bächen 8 moosbewachsene, sich drehende Mühlräder. Vermutlich gibt es noch mehrere, aber all die hübschen Bäche unter goldbelaubten Platanen bin ich gar nicht abgewandert. Die kleinen Gassen der Stadt sind auch sehr hübsch und interessant. Torbögen, Cafés, Geschäfte aller Art und auch nur einfache Wohnhäuser gibt es zu bestaunen. Aber am Meisten beeindruckt hat mich das Innere der Kirche. Durch den Seiteneingang kommend blicke ich auf 5 blau-golden bemalte, mit Putten und viel Gold geschmückte, Bögen unter denen sich Gemälde und Seitenaltare befinden. Auch der Hauptaltar, mit den Orgeln zu beiden Seiten, ist beeindruckend. Das hohe gotische Gewölbe gibt viel Licht und Raum. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich 5 weitere wunderschöne Seitenaltare. Wer hätte sowas hier erwartet. Vielleicht ist diese Kirche ja berühmt und ich weiß es nur nicht, da ich ja nach wie vor keine Reiseführer oder „Geheimtipps“ aus dem Internet lese.

Um den alten Stadtkern herum haben sich zahlreiche Antiquitätenhändler angesiedelt. Am schönsten fand ich den Jardin Antique. Ein Gelände um eine scheinbar alte Fabrik herum. In den alten Fabrikhallen befinden sich hübsche Geschäfte, im von rotem Weinlaub überwucherten Garten stehen allerhand wetterfeste Antiquitäten. Dazwischen immer wieder kleinere Läden mit allem was man sich so aus vergangenen Zeiten vorstellen kann.

 

Markttag in L‘Isle sur la Sorgue

Am die Stadt umgebenden Bach entlang sind Stände mit dem üblichen Kitsch und Tand aufgebaut- Klamotten und viel unnützes Zeug. Aber das war noch nicht der ganze Markt – er zieht sich durch die Gassen der Altstadt und da gibt es die richtigen Leckereien – Käse - Salami - Honig - Oliven - Artischocken – und viel frisches Obst und Gemüse. Überall duftet es nach Lavendel. Kein Wunder, wir sind ja hier in der Provence. Die Lavendelernte ist längst vorbei und somit macht es auch keinen Sinn in die östlicher liegenden Lavendelfelder zu fahren aber überall wird die diesjährige Ernte in kleinen Duftsäckchen oder zu Sträußen gebunden, verkauft. Ein Stand bietet frittierte Zucchini al la maison an. Das wird mein Frühstück – lecker! Mampfend wandere ich weiter durch die Gassen und komme schließlich schwer bepackt mit frischem Gemüse und Honig nach Hause. Das Gemüseregal quillt über - für die nächsten Tage ist reichlich für gesundes Essen gesorgt.

Die letzten Nächte waren eisig kalt, nur 4° zeigt das Außenthermometer, auch drinnen ist es bis zum Morgen unter die 10° Grenze gefallen und die Heizung muss nun doch wieder ran. Tagsüber war es stets sonnig und am Nachmittag so heiß dass man es in der Sonne kaum aushielt, im Schatten aber so kühl dass man gerne eine Strickjacke drüberzog. Es waren 5 wunderschöne Tage hier und ich hab zum Glück gestern nochmal Wäsche gewaschen, geduscht, meine Tanks aufgefüllt, denn heute regnet es. Zeit weiter gen Süden zu ziehen.

 

Sie galoppieren ja gar nicht mehr …

Endlose Weiten, weiße Sandbänke in himmelblauem Wasser, soweit das Auge reicht, kein Haus weit und breit, die wehenden Mähnen der Herden weißer wilder Pferde wenn sie dahingaloppieren – so hab ich mir als Kind und Pferdenarr die Camarque immer vorgestellt und mir so sehr gewünscht das einmal selbst zu sehen.

Jetzt bin ich bereits zum 3. Mal in der Camarque unterwegs, zu den verschiedensten Jahreszeiten, aber ich kann mich noch immer nicht für sie begeistern, sie wirkt so trostlos. Keine galoppierenden wilden Pferde mehr, nur noch ein paar gezähmte Reitpferde als Touristenattraktion – und die grasen auch nicht frei. Wenn man genau hinschaut sieht man in der Hecke hinter der sie so scheinbar frei rumlaufen, den Drahtzaun. Die endlose Weite ist kultiviert mit Wein- und anderen Feldern. Alles ziemlich ernüchternd, wenn man immer noch das schöne Bild aus Kindertagen im Kopf hat.

Das einzige was ich wirklich noch schön empfinde, sind die Lagunen (wenn nicht gerade Hundert Surfer drauf unterwegs sind) und das einzig verbliebene Wilde sind die Seidenreiher und die Flamingos. Die Flamingos sind garantiert und wunderschön. Überall in den Lagunen sieht man sie durchs Wasser staksen. Oft in kleinen Gruppen, zu dritt oder zu fünft, manchmal trifft man auch 100 oder mehr Flamingos auf einem Fleck an und das zu jeder Jahreszeit.

Flamingos konnte ich heute wieder in großen Scharen bewundern. Die sind immer wieder schön. Pferde waren kaum zu sehen und die wenigsten waren weiß. Schade. Zudem war es bewölkt, aber warm und trocken.

Jetzt bin ich wieder an einem meiner Stammplätze in Sete für die Nacht und werde morgen weiter am Meer entlang Richtung Spanische Grenze fahren. Der Sonne hinterher.

 

Durch goldenes Land ans Meer

Alleen, Büsche, Weinstöcke alles leuchtet golden in der Sonne, das nenne ich den Goldenen Oktober. Allmählich wird auch die Landschaft interessanter, rechts begrenzen die Pyrenäen den Horizont, vor und links von mir Hügel und immer wieder schöne von Schilf umgebene Lagunen.

Dann bin ich am Meer, in Saint Cyprien. Sehr ernüchternd  - alle Parklätze mit Höhenbegrenzung, also keine Chance. Endlich, ganz versteckt in einer holperigen Sackgasse  einer Ohne, ziemlich groß, aber „anhalten verboten“- ???. Er befindet sich vor einem Zeltplatz der wegen Renovierung geschlossen ist. Davor befindet sich ein schmaler Streifen voller Wohnmobile hinter einem Drahtzaun - ein Camping Car Park!

Ich schau ihn mir mal an, aber Nein! 15 € sind zwar nicht teuer aber ich würde mich auch nicht draufstellen wenn sie mir 15 Euro geben. Ein liebloser geteerter Platz ohne Bäume oder Sträucher. Die Stellplätze so schmal dass ein Standardwohnmobil die Tür nicht mehr aufbringen würde. Momentan ist der Platz fast voll, sie haben immer einen dazwischen frei gelassen, aber da würde nicht mal der Jumpino reinpassen. Keine Versorgung, da sich diese auf dem jetzt geschlossenen Zeltplatz befindet und der Zugang zum Strand ist auch nur über den geschlossenen Zeltplatz möglich, bzw. jetzt nicht möglich. Auf der anderen Seite des Zaunes ist der Müllplatz mit ca 30 Müllcontainern - dementsprechend stinkt es. Nein Danke. Auch wenn im nächsten Jahr der Campingplatz wieder geöffnet hat und man dessen Einrichtungen mitbenützen kann, würde ich auf diesem lieblosen stinkenden Platz nicht stehen wollen.

 

Argeles sur Mer

Also weiter, in den nächsten Ort, nach Argeles sur Mer. Selbe Story hier – überall Schranken. Da seh ich in einer Seitenstraße unter hohen Pinien viel freien Platz und ein Wohnmobil und bieg links ab. Das Schild „Wohnmobile Verboten“ hat gleich wieder alle Hoffnung zerstört. Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße muss ich einige Einbahnstraßen nehmen und komme in die ruhige Parallelstraße zum Strand- und siehe da: eine kleine Stichstraße die direkt am Strand endet. Nicht abgesperrt, kein Verbotsschild. Ganz am Anfang zur Straßenseite parkt ein Wohnmobil, aber keine Leute in Sicht. Ob das hier dauerhaft abgestellt oder bewohnt ist, ist nicht erkennbar. Hinter ihm Richtung Strand ist noch reichlich Platz für mindestens 2 große Fahrzeuge.

Ich parke rückwärts ganz vorne am Strand und hab einen schönen Blick hinaus aufs Meer, durch den Pinienwald, der die Häuser vom Strand trennt. Ganz ruhig ist‘s hier. Keine Straßenlaternen die mich nachts blenden. Perfekt!

Eine kleine Erkundungstour zum Strand – ewig langer Sand soweit das Auge reicht zu meiner Linken, ganz wenige Menschen, noch mal 2 km Sand zu meiner Rechten und dahinter die Pyrenäen die hier bis ans Meer reichen. Am Strand entlang führt ein wunderschöner Weg unter hohen Pinien und es gibt ein geöffnetes Toilettenhäuschen 50 m von meinem Platz. Glück gehabt mit diesem Parkplatz.

Jetzt erst mal was essen, es ist bereits 17:00 Uhr und ich hab außer meinen Croissant zum Frühstück noch keine Gelegenheit dazu gefunden. Da klopft es. Ein Paar in den 60igern steht draußen, schaut grimmig drein und redet auf Französisch auf mich ein. Ich würde ihnen die Sicht aufs Meer verstellen, wenn sie jetzt aus dem Fenster schauen, sehen sie nur mein Auto. Aha, das sind also die Bewohner des Wohnmobiles.

Ich denk mir – na und – so geht’s mir immer, ständig parken sich Monstermobile um mich herum so dass ich nicht mal mehr Sonne auf mein Dach bekomme für die Solarzelle, die mir jegliches Tageslicht nehmen so dass ich bereits tagsüber die Lampen einschalten muss – von Aussicht wollen wir ja gar nicht reden. So ist es nun mal - jeder darf sich da hinstellen wo gerade frei ist. Ich käme nie auf die Idee mich deshalb bei meinen campenden Nachbarn zu beschweren oder sie gar zum Wegfahren aufzufordern.

Aber die Beiden bestehen darauf dass ich wegfahre. Fällt mir ja gar nicht ein. Der Platz war frei, jetzt steh ich da, mit 10 Meter Abstand zu ihnen, wer zuerst kommt malt zuerst. Sie hätten sich ja ganz vorne hinstellen können bevor ich kam. Ich biete ihnen an sich neben mich zu stellen, da würden sie ja noch hinpassen, ist eh Sackgasse und sie hätten denselben freien Blick wie ich. Wär zwar für mich nicht so schön sie direkt ganz nah vor der Haustür zu haben aber unter Campern versucht man ja nett zueinander zu sein und allen dieselbe Chance zu geben. Sie nicht! Sie meckern weiter vor meiner Tür herum bis es mir zu bunt wird. Ich schließe einfach meine Tür und mach einen langen Spaziergang den Strand entlang und durch den Ort zurück.

Ein hübscher Ort. Man hat einen breiten Streifen Pinienwald stehen lassen, der die Häuser vom ellenlangen, breiten Sandstrand trennt. Die Häuschen mit französischem Charme sind zwar wahrscheinlich alles Ferienwohnungen aber sehr hübsch und auch sie stehen im Pinienwald. Es gibt einen Hafen und natürlich auch ein Viertel mit all den Restaurants und Souvenirläden, aber erst in 2. Reihe so dass sie nicht stören. Ich habe auf meinem Spaziergang auch einige Parkplätze entdeckt deren Höhenbegrenzungen jetzt in der Nachsaison geöffnet und mit Wohnmobilen gut belegt sind. Aber die sind alle kostenpflichtig und haben nicht so einen schönen Blick wie meiner – wären aber eine akzeptable Alternative gewesen.

Es gefällt mir hier, ich denk ich bleib mindestens noch einen Tag oder länger – sicher zum Ärger meiner unfreundlichen, französischen Nachbarn. Machen wir‘s wie mit dem Indianerblick – wer hält  dem länger Stand!

 

Argeles sur Mer liegt gar nicht am Meer

Ich mag diesen Ort wirklich, der hohe Pinienwald der sich über den gesamten Ort erstreckt, man hat also immer Schatten und es wirkt gar nicht wie ein Touristenort voller Ferienwohnungen und Hotels, dann genau das ist es wo ich gelandet bin. Es ist Nachsaison und die meisten touristischen Läden, Restaurants  und Hotels haben bereits geschlossen, was alles noch viel entspannter macht. Es gibt endlose breite Radwege hier, ein Ort an dem man es gut aushalten kann.

Aber ich stelle fest, dass dies gar nicht die alte Stadt Argeles sur Mer ist, die liegt 3 km landeinwärts. Einst lag sie in den Bergen, den Pyrenäen, die das heutige Argeles sur Mer nach Süden hin begrenzen. Erst 1163 verlangten die Könige von Aragon dass es in die Ebenen nahe der Küste verlegt werden solle. Ende des  13. Jahrhundert verfügten die Könige Mallorcas dass Argeles eine königliche Stadt werden sollte was ihr Privilegien und Reichtum brachte. Viele alte Steinhäuser mit den Rundbögen um die Fenster zeugen noch aus dieser Zeit, die Gassen, weitgehend autofrei oder schmale Einbahnstraßen, sind mit viel Grün geschmückt, riesige Gummibäume, wilder Wein und Bouganvillas umranken die Fassaden und eine mächtige Kirche mit zinnenbewehrtem Turm beherrscht den Hauptplatz. Drinnen, gotisches Gewölbe und ein sehr beeindruckender marmorner und goldener Altar, mal nicht mit dem leidendem Jesus am Kreuz.

Einige Stunden schlendere ich durch den Ort und mach mich dann auf den langen Rückweg zum Jumpino und dem historischen Platz auf dem er steht.

 

Ein bisschen Geschichte – die Retirada

Ein Monolith und Memorial trennt den Platz, auf dem der Jumpino nun schon den zweiten Tag steht, vom Strand. Es erinnert an ein dramatisches, historisches Ereignis, besser bekannt als Retirada. Es ist eine Homage an die spanischen Republikaner, die 1939 am Ende des Spanischen Bürgerkrieges, vor der Franco-Diktatur flohen und hier, in Frankreich, am Sandstrand von Argeles, Zuflucht fanden. 160.000 Katalanen kamen nach Argeles sur Mer und errichteten primitive Lager aus dem was sie dabei hatten: Decken und Kleidung und das Schilf das sie umgab wurden zu primitivsten Zelten umfunktioniert. Diesem Ansturm war der kleine 2500 Seelen Ort nicht gewachsen. Trotzdem gewährte man ihnen diesen Platz als Zufluchtsort zu nutzen, zäunte ihn mit Stacheldraht ein, positionierte Wachen und so entstand hier ein Konzentrationslager. Nicht in dem Sinne wie wir Deutsche Konzentrationslager als Vernichtungslager von Juden kennen, sondern als Auffanglager, für die, die ihre Heimat aus Angst um ihr Leben verlassen mussten. Die Bedingungen waren schlimm, den schönen schattenspenden Pinienwald gab es damals hier noch nicht. Der kleine Ort Argeles war nicht in der Lage so viele Menschen ihrem Notstand gebührend aufnehmen und zu verpflegen. Im Lager herrschten Hunger, Krankheit und dadurch bedingt auch Tod. Es waren schlimme 3 Jahre, an die man hier mit Würde, Respekt und Bedauern erinnert. Diese Gedenkstätte soll auch eine Botschaft, der Widerstandskraft und der Verzweiflung vermitteln, für die Kraft des Geistes und für die Notwendigkeit für Gerechtigkeit und menschliche Würde zu kämpfen. Denn die ließ in diesem Camp auch oft zu wünschen übrig.

 

Und auf einmal bin ich Volontär

Während ich so da sitze, über die Vergangenheit grüble und Parallelen zur Neuzeit ziehe, kommt ein weiteres sehr buntes Wohnmobil in unsere Straße. Zwei graubärtige, sehr sympathisch und offen wirkende Herren kommen zielstrebig auf den Jumpino zu. Tatsächlich halten sie vor meiner offenen Tür und einer von ihnen spricht mit mir in fast akzentfreiem Deutsch.  Er ist Historiker (gebürtiger Amerikaner und Wahldeutscher) und wird hier am Memorial eine Ausstellung abhalten, um die Verbindungen zwischen den Camps (Konzentrationslagern) der Welt und vor allem Deutschland (nicht die Judenlager) herzustellen, um auf die menschlichen Schicksale hinzuweisen, um Verständnis und Besserung für die Zukunft zu bewirken. Der andere Herr ist der französische Leiter des historischen Museums hier vor Ort. Wir kommen ins Gespräch, sind uns sofort sympathisch. Sie benötigen diese Straße und somit meinen Platz für ihre Ausstellung – na klar, dann geh ich halt, aber ungern. Morgen um 10 reicht. Aber dann kommen sie auf die Idee dass es gut wäre wenn ich hierbliebe bis sie morgen kommen um den Platz zu blockieren. Sollte die Polizei mich wegschicken wollen soll ich mich auf Monsieur Ruiz (den Museumsleiter) berufen. Ok, das passt mir gut, kein Stress morgen früh. Meine französischen Wohnmobilnachbarn müssen allerdings den Platz bis morgen 09:00 Uhr geräumt haben. Vernichtende Blicke treffen mich als sich Michael und Gi (wir sind inzwischen per Du) herzlich per Handschlag und Umarmung vor ihren Augen von mir verabschieden und mir zusichern dass ich hierbleiben darf.

Ich bin schon neugierig auf die Ausstellung.

Morgens um halb neun kommen die Gemeindearbeiter um die Schranke hinter mir zu öffnen, die verhindert dass Autos auf den Memorialplatz fahren und dort parken. Die Schranke ist wohl seit Urzeiten nicht mehr geöffnet worden und lässt sich nicht bewegen, also wird sie weggeflext und ausgegraben. Auch der Felsbrocken der den Bereich daneben blockiert wird per Gabelstapler zur Seite gehoben. Dann kommt noch die Kehrmaschine, reinigt die Stichstraße in der ich parke (dazu muss ich mal kurz raus) und dann wird auch die Straße hinter mir abgesperrt. Ein Aufwand der über eine Stunde gedauert hat.

Es ist 10:00 Uhr, vom Initiator und Aussteller Michael, der bereits um 09:30 da sein wollte, keine Spur. Dafür erscheint pünktlich wie angekündigt, Monsieur Ruiz dessen Vorname Gi lautet. Micheal lässt auf sich warten. So bitte ich Gi in den Jumpino, denn morgens ists draußen immer noch kalt, und mach ihm einen Kaffee.

Mit einer Stunde Verspätung erscheint endlich Michael – ohne Entschuldigung. Er parkt seinen Wagen auf dem Memorialplatz stellt 2 Stühle und einen Tisch daneben und das wars. Für was er die ganze Straße sperren musste ist mir ein Rätsel.

Wie auch immer – sein Fahrzeug ist rundherum beschriftet – mit Bildern und Geschichten von menschlichen Schicksalen. Allerdings ausschließlich in Deutsch – das hier kaum jemand versteht. Wenn die Leute fragen was das ist, kann er nur auf Englisch oder Deutsch antworten - was sie meist wieder nicht verstehen, er selbst kann kein Wort Französisch. Gi, der ihm freiwillig hilft und in solchen Fällen einspringt, erklärt er muss mal zwischendurch für 2 Stunden weg, er hat einen unaufschiebbaren Termin. Da steht Michael nun, hilflos und erklärt mir er sei schon so fertig, weil das hier so anstrengend ist (es ist erst 12:00 und um die wenigen Leute die da waren hatte sich Gi gekümmert) Er bräuchte dringend eine Pause, bittet mich die Stellung zu halten und legt sich in seinen Lieferwagen zum Schlafen.

Und so versuch ich nun den Interessierten mit meinem so spärlichem Französisch, stammelnd zu erklären um was es eigentlich geht, zeige ihnen dass sie einen Code scannen könnten der die Geschichte auf Französisch übersetzt und dass in 2 Stunden wieder jemand da sei der französisch spricht. Geduldig hören sie meinen Gestammel zu und honorieren das mit Interesse, freundlichem Lächeln und damit dass sie selbst sehr langsam sprechen. Für mich hat es den Vorteil mein verschüttetes Französisch allmählich wieder aufzufrischen. Es ist ja noch da, nur seit 10 Jahren nicht mehr genutzt. Trotzdem, ich finde das ganz schön peinlich, in einem Land eine Ausstellung abzuhalten, in einer Sprache die dort keiner versteht und selbst nicht mal ein paar Brocken der Landessprache zu können.

Ihr hättet die Augen meiner französischen Ex-Wohnmobilnachbarn sehen sollen als sie vom Strand zurückkamen und den Platz, den sie ja verlassen mussten, abgesperrt vorfanden aber mich mitten drin mit der schönen Aussicht ganz für mich alleine. Wenn Blicke töten könnten wäre ich in diesen beiden Tagen schon einige Male gestorben. Allerdings haben sie Recht, denn die Straße zu räumen und abzusperren war absolut unnötig, aber ja nicht meine Entscheidung.

Am nächsten Morgen erscheint Gi wieder pünktlich und Michael wieder mit 40 Minuten Verspätung. So verbringt Gi die Wartezeit wieder bei mir im warmen Jumpino bei Kaffee und netten Gesprächen. Für heute ist Sturm angekündigt. Eigentlich macht es gar keinen Sinn heute die Ausstellung fortzusetzen aber davon will Michael nichts hören. Wir raten Michael den Wagen so zu parken dass er ein wenig Windschutz gibt. Bis er das endlich kapiert, weil doch jetzt gar kein Sturm ist, dauert ewig. Wenige Minuten nachdem er endlich fertig geparkt hat und gegen unseren Rat seine deutschen Flyer auslegt, fegen die ersten Böen über den Platz, wirbeln den Sand auf, verstreuen seine Flyer und keine Menschenseele geht heute hier lang. Michael verkriecht sich sein Auto mit dem Vorwand er müsste etwas am Computer arbeiten und lässt Gi draußen in der Kälte sitzen, frierend, durstig und hungrig. Ich biete Gi an bei mir Unterschlupf zu suchen, aber er ist zu nett und meint er hat versprochen Michael zu helfen und so müsste er nun dableiben. Ich versorge ihn mit Kaffee und Keksen und bin verärgert über Michaels Art mit ihm umzugehen. Er hätte ihn leicht auch in sein Auto bitten können um nur auszusteigen wenn tatsächlich jemand kommt.

Gi ist ein Gentleman, er beklagt sich nicht. Stattdessen lädt er uns beide ins gegenüberliegende Restaurant zum Mittagessen ein. Und so gibt’s heute bei mir Gambas zum Frühstück, denn ich frühstücke meist er gegen Mittag. Als wir wieder zurück am Ausstellungsort sind verkriecht sich Michael wieder in sein Auto während er Gi wieder im Sturm in der Kälte draußen sitzen lässt. Es kommt bei diesem Sturm heute ja eh keiner vorbei und ich biete ihm wiederholt an sich im Jumpino aufzuwärmen. Aber er bleibt seinem Versprechen treu die Ausstellung zu betreuen. Erst um 15:30 fasst sich Gi endlich ein Herz, bricht die Ausstellung ab und erklärt Michael dass es unmöglich sei was er von ihm verlangt. Während wir uns verabschieden erzählt er mir noch dass Michael meinte es gäbe gar keinen Grund dass Gi „mich“ zum Essen einlädt, ich sei doch nur ein Volontär, worauf Gi antwortet: weder er noch ich seien Michaels Sklaven und im Gegensatz zu ihm hätte ich mich um ihn gekümmert. Gi war echt ein feiner Kerl, Michael ein selbstsüchtiger Banause.

Ich schau mir noch das historische Museum an, in dem Gi arbeitet, und bekomme eine Vorstellung davon, wie das hier im Camp der Katalanen wirklich zuging. Sehr bedrückend.

Ab jetzt bin ich wieder mit dem Jumpino alleine, genieße meinen Abend und dass sich der Sturm allmählich etwas legt.

Heute morgen waren die Gemeindearbeiter wieder da, haben den Platz aufgeräumt, den Felsen zurückplatziert und eine neue Schranke installiert. Fast 2 Stunden Arbeit. Soviel Aufwand für einen der sich so respektlos gegenüber seinem Gastgerberland verhält. Es ist zum Schämen dass er mit seinem Auftritt ja eigentlich Deutschland präsentiert und damit leider den Eindruck hinterlässt dass „DIE Deutschen“ so sind.

 

Die Küste in den Pyrenäen

Der Sturm hat sich zwar wieder gelegt, die Sonne scheint, aber ich habe das Gefühl dass ich diesen schönen Platz jetzt lang genug beansprucht habe. Die Anwohner grüßen zwar freundlich beim Vorbeigehen, ihre Hunde stecken neugierig die Nase zur Tür herein, aber ich  will sie mit meiner nun schon 4-tägigen Anwesenheit nicht verärgern. Deshalb breche ich mittags auf und folge der Küste südwärts. Hier beginnen die Pyrenäen und ich liebe diesen Küstenabschnitt mit seinen wunderschönen Orten die sich in kleinen Buchten zwischen hohen Klippen fügen. Gerne wär ich in Collioure stehen geblieben, aber wie jedesmal wenn ich hier durchkomme finde ich keinen Parkplatz. Deshalb weiter bis Banyul sur Mer. Hier gab es immer reichlich gebührenfreie Parkplätze. Jetzt leider nicht mehr. Überall ist jetzt ein Parkautomat und es kostet 1 € pro Stunde, ab der 8. Stunde 15 und für 24 Std 30 €. Deshalb endet die heutige Fahrt am Supermarktparkplatz des Carrefour. Der Plan wäre, falls der Wettergott mitspielt, von hier aus morgen den Zug zurück nach Collioure zu nehmen um mir endlich mal dieses hübsche Städtchen anzusehen.

 

Collioure beim 4. Anlauf

Es ist heiter bis wolkig heute morgen und ich bin auf dem Weg zum Bahnhof. Für 5,40 € hin und zurück bringt mich der Zug in 15 Minuten endlich nach Collioure. Es ist Samstag und erwartungsgemäß viel los im Städtchen, denn es gehört (wie ich jetzt zum ersten Mal sehe) zu den „Großen Sehenswürdigkeiten Frankreichs“. Es liegt versteckt hinter einem rauen, felsigen Kap in einer weiten Bucht. Dominiert wird es von einer mächtigen Burg und einer direkt am Wasser stehenden Kirche mit einem sehr ungewöhnlichen runden Turm. Die autofreien Gassen ziehen sich den Hang hinauf. Unten in Hafennähe wimmelt es von Menschen, da befinden sich auch alle Souvenirgeschäfte und Restaurants. Geht man ein kleines bisschen den Hang hinauf ist man fast alleine. Die Häuschen sind alle bunt, meist pastellfarbig oder in kräftigem rot und gelb. Alle haben sie hölzerne bunte Fensterläden. Manche Häuser sind so schmal wie die Eingangstür, andere haben nur Platz für 2 Fenster nebeneinander. Die meisten sind 2-3 Stockwerke hoch und es ist schön schattig und kühl in den Gassen. Bougainvilleas, Efeu, wilder Wein und viele andere Pflanzen verwandeln den gesamten Ort in ein Blumenparadies. Es ist schön hier und stundenlang streife ich durch die hübschen Gassen. Dann erklimme ich noch die Burg und den Hügel gegenüber der mir einen schönen Blick auf die Bucht und die Stadt bietet. Der 4. Anlauf, innerhalb von 3 Jahren, endlich mal dieses Städtchen zu besichtigen hat sich für mich gelohnt. Zufrieden so einen schönen Tag in dieser Stadt verbracht zu haben, sitz ich wieder im Zug auf dem Heimweg, nach Banyul sur Mer.

Auf dem riesigen leeren Supermarkt Parkplatz hat sich ein Monstermobil direkt neben den Jumpino platziert und zwar auf der Sonnenseite. Er belegt 4 Parkplätze, ist doppelt so lang, mindestens 3 m hoch und hat den Jumpino den ganzen Tag beschattet, so dass ich kein einziges Watt in meine Batterie bekommen habe. Die hätten wir dringend nötig gehabt, denn wir sind bereits bei nur noch 25 % und für morgen ist Regen gemeldet. Auch hinter mir hat sich ein Minicamper so dicht geparkt dass ich die hinteren Türen nicht mehr öffnen kann. Ich bin stinksauer. Warum müssen die mich so zuparken und alles Licht nehmen wo doch mehr als 100 weitere Parkplätze frei sind. Ich parke um und strafe sie alle mit grimmigen Blicken. Das sehen sie zwar nicht, denn es ist keiner von ihnen zu Hause. Der Jumpino muss eine unglaubliche Anziehungskraft haben, denn das passiert mir immer wieder.

Der Sonntag ist so stürmisch dass es keinen Sinn macht die steile, kurvige Küstenstraße zu fahren. Also bleib ich auf dem noch immer leeren Parkplatz (außer meinen beiden Bedrängern) kümmere mich um Haushalt und Reisebericht und plane wie es weiter gehen soll. Morgen geht’s auf alle Fälle über die Grenze nach Spanien, denn das liegt nur 15 km von hier.

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