/* Feste Breite um zu kurzes Bild bei erstem laden zu umgehen */ background
Logo Unter weißen Segeln

Leben im Camper

Sorgenkind Jumpino

Jumpino on tour #18 - Spanien – Oktober/November 2025

Sorgenkind Jumpino

 

Es begann so schön …

Frankreich liegt nun hinter mir und von der Passhöhe, auf der die Grenze liegt, blicke ich hinunter nach Spanien, auf Portbou und die schöne gebirgige Küste. Noch immer befinde ich mich am östlichen Ausläufer der Pyrenäen. Ich liebe diese Gegend.

Portbou wäre hübsch gewesen, aber da ich ja gerade erst 10 km gefahren bin will ich doch noch ein Stück weiter, nach Cadaques, in die Bucht von Portlligat, wo das Wohnhaus von Salvador Dali steht. In engen Kurven geht es steil am Abhang dahin mit traumhaften Blicken übers Meer zu meiner Linken, Weinberge zu meiner Rechten und durch kleine Ortschaften. Und dann komme ich an einen Parkplatz der eine wunderschöne Aussicht zu bieten scheint. Hier halte ich an. Ein Traumpanorama über eine tief eingeschnittene Bucht umrahmt von hohen Bergen und im südwestlichen Eck ein schneeweißes Städtchen das sich an den Hang schmiegt. Vor mir ein schön angelegter Panoramaweg mit kleinen Aussichtsplattformen über den Felsen. Die Straße hinter mir ist kaum befahren, es ist sehr ruhig hier. Es gefällt mir so gut, dass ich beschließe hier zu bleiben.

Ich wandere die schöne Küste entlang ins 3 km entfernte „La Port de la Selva“, das schneeweiße Städtchen das ich von meinem Stellplatz aus sehen kann. Der Weg dorthin war schön, die Stadt selber bedeutungslos, ich würde sie sogar als hässlich bezeichnen. Nur die kleinen alten Boote im Hafen sind hübsch und es scheint hier wirklich noch gefischt zu werden. Überall liegen Netze, Bojen und Krabbenkörbe am Quai. Der Ort ist es wirklich nicht wert hier her zukommen, aber die Lage ist fantastisch schön. Auf dem Rückweg kann ich noch an einem kleinen hässlichem Zeltplatz heiß duschen und um 17:30 bin ich zurück am Jumpino.

 

Und dann gings los …

Ja was ist denn das? Da steckt ein knallgelber Zettel hinter Jumpinos Scheibenwischer. Da bin ich gerade erst 4 Stunden in Spanien und schon habe ich einen Strafzettel? Er ist von der hiesigen Verkehrspolizei und darauf steht, dass ich „bitte“ umgehend umparken soll, da ich im Parkverbot stehe. Sonst würde mein Auto festgesetzt, der Fahrer bestraft und das Fzg abgeschleppt werden. Aber hier war doch gar kein Schild dass ich hier nicht parken dürfte? Ich nehm den Zettel weg, setz mich auf den Fahrersitz und bemühe gerade Google maps wo ich für heute Nacht noch einen Parkplatz finden könnte. Schade, hier hätte es mir so gut gefallen. Da hält ein Polizeiauto neben mir. Ein freundlich lächelnder Polizist kommt herüber. Ich erkläre dass ich den Zettel zur Kenntnis genommen habe, es mir leid tut, ich gerade dabei bin wegzufahren, aber gar kein Schild gesehen hätte dass man hier nicht parken darf. Der Polizist erklärt freundlich: Das ist kein Strafzettel, nur ein Hinweis, und ja, hier darf man schon parken, aber nicht quer über 2 Parkplätze so wie ich es gerade tue. Wenn ich mich gerade hinstelle und nur 1 Parkplatz beanspruche, wäre das ok. Aha! Ob ich über Nacht bleiben will, fragt er. Ja, wenn ich das darf...? und ich erwarte dass er mich nun auf den hässlichen Zeltplatz verweisen wird. Aber nein, er ist wirklich super nett. Er zeigt mir wo der Beste Platz zum Übernachten im Ort wäre, kostenlos und ruhig, aber ich solle mich so hinstellen dass ich nur eine Parklücke belege.

Als ich auf dem großen baumbestandenen Parkplatz am Fluss hinterm Supermarkt ankomme stehen dort bereits zahlreiche Wohnmobile – aha – die haben sie vermutlich auch hierher geschickt. Nach einer knappen Stunde fährt das Polizeiauto über den Platz (sie schauen also auf uns und sorgen für Sicherheit) und noch bis spät in die Nacht treffen weitere Wohnmobile ein. Die Nacht war ruhig, aber der Morgen sehr schattig – es würde lange dauern bis die Sonne über den Berg gekrabbelt ist und ein paar Strahlen auf diesen Platz wirft. Auf der anderen Seite, wo ich gestern noch stand, scheint bereits die Sonne und da fahre ich jetzt wieder rüber, stell mich ordentlich hin und frühstücke in der Sonne auf den schönen Aussichtsplattformen. Inzwischen ist die Powerbox wieder mit 100% vollgeladen und nun will ich aber wirklich nach Cadaques.

 

Jumpino verursacht einen langen Stau

Diese Gegend ist unbesiedelt und führt in engen steilen Kurven, auf sehr schmalen Straßen, durch wilde Landschaft, einen Pass hinauf. An einer winzigen Ausweichstelle halte ich an um ein paar Fotos zu machen. Schroffe Felsen, tiefe Täler, Pinien, Berge. Hinter einem der Berge steigt dichter Rauch auf – dahinten brennt irgendwas.

Als ich wieder weiter fahren will muckst der Jumpino kurz und stirbt gleich wieder ab. Ich starte erneut – er ruckelt seltsam – das Display zeigt an dass der Feinstaubfilter wieder regeneriert wird. Das hat er gestern auch schon angezeigt, aber in dieser bergigen Gegend wo man nur 30 – 50 kmh fahren kann und darf, ist das nicht möglich. Viel beunruhigender empfinde ich das Ruckeln und die Anzeige dass der Motor kontrolliert werden soll. Das hatte ich bisher noch nie. Was tun? Hier einfach stehen bleiben – so knapp an der engen Straße - mitten in der Pampa? Den ADAC anrufen? Oder weiterfahren und riskieren dass ich irgendwo auf dieser engen Straße hängen bleib? Ich geh das Risiko ein, aber der Jumpino hat sich jetzt in den „Langsam-Modus“ geschaltet. Das heißt er fährt, jetzt ohne ruckeln, aber nicht schneller als 20 kmh. Ich schalte die Warnblinkanlage ein. Mühselig quält er sich den langen steilen Pass hinauf, ich rede ihm unaufhörlich gut zu, beschwöre ihn hier nicht zu sterben während sich hinter mir eine lange Schlange bildet. Überholen ist hier unmöglich, Kurve an Kurve ohne Sicht was hinter der nächsten ist. Rechts oberhalb der Straße brennt der Wald.  Zum Glück ist die Windrichtung günstig und das Feuer und der Rauch ziehen den Berg hinauf, weg von uns. Es gibt auch keine Ausweichstellen und so geht das nun mit meinem Gefolge 8 km bis ich auf der Passhöhe ankomme. Dort befindet sich eine Bushaltestelle die sich anbietet die Schlange vorbeizulassen. Ich habe auch bereits den heutigen Plan aufgegeben nach Cadaques zu fahren, das liegt in einer Sackgasse an einem Kap und ist sehr klein. Dort eine Werkstatt zu finden scheint mir aussichtslos. Ich biege ab, Richtung Roses, einem größeren Touristenort auf der Südseite der Pyrenäen, den ich eigentlich vermeiden wollte. Noch 10 km im Schneckentempo, aber jetzt wenigstens bergab.

In Roses finde ich eine Citroen-Werkstatt die bereit ist mich gleich morgen früh dranzunehmen. Lang ists noch nicht her dass ich dasselbe Problem hatte, vor 3 Monaten kurz hinter Bilbao. Seitdem bin ich 6000 km gefahren. Ich hoffe dass sie hier das Problem dauerhaft lösen können.

Ich nehm den nächstgelegenen Parkplatz der nicht mit einer Höhenbegrenzung versehen ist. Der liegt sogar richtig schön, direkt am Yachthafen mit Blick auf die Boote, hat viel freien Platz und ist sehr ruhig. Ich wandere ein bisschen umher, fülle meine Wassertanks und stelle fest dass die Stunde hier 2,70 € kostet – 24 Std rund um die Uhr. Nichts wie weg – nach 6,08 € Gebühr für gut 2 Stunden, habe ich einen ruhigen Platz vor einer Wohnanlage gefunden, der fast leer und kostenlos ist und warte hier nun auf morgen.

 

Ach Jumpino – mein Sorgenkind

09:00 Uhr vor der Werkstatt – kein Platz zum Anhalten – eine schmale enge viel befahrene Einbahnstraße, die Werkstatt (ohne Vorhof) voller Autos die alle noch rausmüssen. Ich fahr noch eine Runde um den Block und dann ist der einzige Platz vor dem Tor frei. Sie hängen den Computer an, (draußen auf der Straße –drinnen ist kein Platz) reinigen den Filter, fahren 30 Min mit dem Jumpino und bestätigen: jetzt sei alles wieder gut, aber ich sollte bald mal den Filter wechseln. Ewig hält der nicht mehr – ein paar Monate vielleicht noch. Ich zahle 138 €, bedanke mich herzlich und fahr 4 km weit zu Lidl um einzukaufen.

Als ich wieder losfahre leuchtet die Warnung wieder auf - also zurück zur Werkstatt – hoffentlich hat sie noch nicht Mittagspause – wieder keine Möglichkeit zu parken – stell mich einfach ins Halteverbot, lauf schnell rüber. Sie machen gleich Mittag, ich soll um 3 Uhr wiederkommen.

Der Mechaniker kommt auf mich zu – fragend -- no es bueno? – und ich zeige ihm meine vorbereitete Übersetzung. Inzwischen sind Chef und Chefin eingetroffen und der Chef spricht sogar ein wenig Englisch - ich bräuchte wohl einen neuen Feinstaubpartikelfilter. Ja  das hab ich mir schon gedacht, das hatten sie damals in Bilbao auch schon gesagt. Ok, dann bitte – könnt ihr das machen? So ein Filter kann ja wohl nicht die Welt kosten, denke ich. Der Chef hängt sich ans Telefon, nachdem der Mechaniker die erforderlichen Daten ausgewertet hat. Alle sind bemüht mir zu helfen.

Und dann kommt der Schock. 1500 € schreibt er auf einen Notizzettel + Arbeit. Das würde es kosten? Ich bin entsetzt! Für einen Filter? Er erklärt mir dass der Filter nicht viel kostet aber man ihn nicht einzeln austauchen kann. Das gesamte Katalysator-system muss ausgetauscht werden und deshalb ist es so teuer. Oh je – das Geld habe ich aktuell einfach nicht. Nach der Generalüberholung, neuen Reifen, TÜV und dem Unfall mit dem Spiegel sind alle meine Reserven und Kreditmöglichkeiten ausgeschöpft. Die Leute in der Werkstatt versuchen zu helfen, denn so komme ich wohl nicht mehr weit. Wenn es nicht unbedingt Original Citroen Teile sein müssten – er könne das auch bei Euroreparado bestellen, da koste es die Hälfte. Ich rechne und tüftle - Ok, das ginge, nach dem 1. des Monats – also ab Montag, wenn ich die nächsten Monate mit einem Tank und 400 Euro (pro Monat) zum Leben auskomme. Das müsste zu Schaffen sein – und ich hab ja auch gar keine Alternative.

Gut, dann werden sie das morgen bestellen, denn heute geht das nicht mehr, es ist Feiertag in Girona (wo das Teil herkommt) und alles geschlossen. Das stört mich am Wenigsten denn wovon ich reichlich habe, ist „Zeit“. So werde ich also einige Zeit an einem Touristenort verbringen den ich mir nicht selbst ausgesucht hätte. Aber ich habe einen kostenfreien Parkplatz, der Ort liegt am Meer, hat eine kilometerlange schöne Promenade und das Wetter ist schön. Ich lasse mir die Laune nicht verderben und genieße die Wolkenstimmung die heute Abend beim Sonnenuntergang besonders schön ist.  

Besonders schön ist es vor Einbruch der Dunkelheit, dann versammeln sich Hunderte von Spatzen lautstark in den Platanen wo sie die Nacht verbringen. Auch in den Palmen geht es lautstark zu - papageienartiges Geschrei erfüllt die Luft und erregt die Aufmerksamkeit der flanierenden Leute. Zig Nymphensittiche (sie sind fast so groß und bunt wie Amazonen-Papageien) hüpfen von Palme zu Palme.

 

Birdy braucht auch Hilfe

Der Tag ist sonnig und warm, mein Parkplatz recht zentral – nur 50 m bis ans Meer und an die Promenade, 100 m weiter gibt’s eine Fahrradwerkstatt. Dorthin bringe ich das Birdy (mein Klappfahrrad). Beim Zusammenfalten hat sich irgendwie das Schaltkabel gelöst und seitdem kann ich nur noch in der kleinsten Übersetzung fahren – das ist sehr mühselig. Sie könnten das richten – ein neues Schaltkabel, das gesamte System zerlegen und wieder zambauen. Oh je – schon wieder eine viel größere Geschichte als gedacht – ich dachte sie brauchen das Kabel nur wieder an die richtige Stelle einfädeln. Aber sie beruhigen mich, mit 25 € bin ich dabei und um 16:00 Uhr kann ich es wieder abholen. Na die muss ich nun auch noch irgendwo einsparen, aber das ist zu schaffen. Jetzt wo der Jumpino Schonzeit hat (um Diesel zu sparen) werde ich wieder mehr radeln müssen. Schadet ja auch meiner etwas eingerosteten Fitness nicht.

 

Hier geht scheinbar nichts aufs erste Mal.

Der Jumpino musste beim ersten Werkstattbesuch nach angeblich erfolgreicher Filterregeneration gleich wieder zurück in die Werkstatt. Und genauso geht’s mir mit dem Fahrrad. Gerade hab ich das Birdy aus der Fahrradwerkstatt abgeholt und freu mich auf eine kleine Tour die Promenade entlang. Oh Mann, die Gangschaltung funktioniert ja gar nicht. Erster und zweiter Gang – kein Unterschied. Dritter, vierter und fünfter Gang sind ok. In den sechsten und siebten kann ich gar nicht schalten. Umkehren, zurück in die Werkstatt. Die englisch sprechende Besitzerin will mich damit abfertigen dass mein Fahrrad kaputt sei. Es hätte eine kaputte Gangschaltung. Freundlich aber bestimmt erkläre ich ihr dass das Birdy keine kaputte Schaltung hatte als ich es hierher brachte, außer dass sich das Schaltkabel gelöst hatte. Die Schaltung müsse nur wieder richtig eingestellt werden. Der Mechaniker wäre der Experte und könne das sicher noch korrekt einstellen. Als ich 30 Min später an der Werkstatt vorbeikomme sehe ich ihn gerade mit dem Birdy zu einer Testfahrt aufbrechen. Ich warte noch 5 Min nach seiner Rückkehr bevor ich den Laden wieder betrete. Freundlich lächelnd erklärt die Besitzerin mir nun, es sei jetzt ok. Ich bedanke mich und verlass mit dem Birdy den Laden – und ja, jetzt funktioniert es wieder wie es soll.

 

Tage des Wartens

Heute bin ich die 5 km lange Promenade bis ans andere Ende entlang gewandert. Seit dem gefällt es mir auf meinem Parkplatz, am Hafen, gleich viel besser. Der Teil von Roses, südlich des alten Kastells,  am anderen Ende der Promenade, ist eine reine Trabantenstadt und besteht nur aus riesigen hässlichen Betonklötzen, die sich alle ähneln und schöne verheißungsvolle Namen tragen, mit dem Zusatz „Hotel“.  Alle haben sie weit mehr als 100 Zimmer, die im Moment fast alle leer stehen. Wenn ich mir vorstelle dass die im Sommer alle voll sind läuft mir das kalte Grauen über den Rücken. All diese Menschenmassen an diesem schmalen Sandstrand ? Und alle abends auf der Promenade, wo sie sich gegenseitig auf die Füße treten. Da stehen in regelmäßigen Abständen Verbotsschilder, die mit 300 € Strafe drohen, wenn man hier illegale Artikel kauft: wie T-Shirts, Schuhe, Brillen, Taschen, Hüte – all das Zeug das die Schwarzen hier auf Tüchern ausgebreitet an der Promenade feil bieten. Am Ende der Stadt hat man sternförmig künstliche Kanäle angelegt an denen rechts und links Yachten liegen. Ich dachte das würde hübsch aussehen, aber es war so hässlich weil sie einfach kreuz und quer grässliche Hotelbunker an die Kanäle gebaut haben, die Kanäle viel zu schmal sind und alles irgendwie wirr aussieht.

Da bin ich echt froh im alten Ortskern von Roses zu Hause zu sein. Das ist zwar auch touristisch, aber wenigstens noch ein richtiger Ort in dem Menschen wohnen und arbeiten. Den steilen Berg hinauf ziehen sich schöne Villen. Beide Seiten des Ortes sind von einem Kastell begrenzt. Der Fischerhafen ist riesig und man kann den Fischern beim Überprüfen der Netze zuschauen. Auch der Yachthafen ist groß und bietet auf seinem langen Kai schöne Ausblicke aufs Meer, die Berge und den Sonnenuntergang. Es gibt sogar ein paar ganz nette Straßenzüge in der Stadt. Als schön würde ich den Ort trotzdem nicht bezeichnen aber für mein Missgeschick und die damit verbundene Wartezeit ist er gar nicht so schlecht. Ich hab mich inzwischen schon eingewöhnt und werde auch noch einige Tage hier sein müssen.

Ich war heute nochmal zu Fuß in der Werkstatt um nachzufragen ob es Neuigkeiten zu meinen erwarteten Ersatzteilen gibt. Oh je, wie insgeheim befürchtet, haben sie die noch gar nicht bestellt. Irgendwie hatten sie wohl am Mittwoch mein „ Ja“ nicht als ernst gemeinte Zustimmung aufgefasst. Aber sie haben zumindest nachgeforscht. Die Teile könnten bestellt werden. Ich bekomme einen Preis, einen schriftlichen Auftrag und mache eine Anzahlung. So jetzt ist es aber fix und die nette Chefin, mit der ich ein Kauderwelsch aus Spanisch, Französisch, Englisch spreche wird mich anrufen sobald die Teile da sind.

Es ist bereits Freitag Abend. Morgen ist Allerheiligen, also passiert vor Montag nichts. Ich vermute, wenn der Jumpino am Mittwoch schon einen Termin bekäme dann wäre das der frühest mögliche Zeitpunkt. Da wären wir dann schon eine ganze Woche in Roses. Na ja, zum Glück habe ich Zeit, der Parkplatz auf dem der Jumpino seit Mittwoch steht ist ok und es scheint sich niemand daran zu stören dass ich hier dauerparke.

Ich nutze die Tage an meinen Berichten zu schreiben, wieder Spanisch zu lernen, zum Radfahren und Spazierengehen. Die Sonnenuntergänge an der palmenbestandenen Promenade sind jeden Abend anders und immer wieder schön. Das Wetter bleibt zum Glück trocken und warm. Roses stellt sich als praktischer Warte-Ort dar, mit Waschsalon, Supermarkt in der Nähe und allmählich fühle ich mich heimisch. Also wird am Ende wohl hoffentlich alles noch gut werden.

 

Geduld …

Die nette Chefin der Werkstatt wollte mich anrufen wenn meine Teile ankommen. Heute ist bereits Mittwoch aber ich habe noch nichts von ihr gehört. Ich bin es gewohnt, dass die Teile stets am nächsten Tag da sind. Hmmm … Gegen Abend mache ich einen Spaziergang zur Werkstatt. Ah da steht ein Karton am Eingang, offensichtlich grad angekommen – ob das für mich ist? Die Dame strahlt mich an, ja das ist für Jumpino und dann verdunkelt sich ihr Gesicht. Oh weh! Das sei heute gekommen aber sie haben so viel Arbeit, sie können mich erst nächste Woche drannehmen. Oh nein! Aber eigentlich ist‘s mir egal, hab mich schon so an Roses gewöhnt und ich kann‘s ja eh nicht ändern. Ich bekomme einen Termin für Montag um 10:00 Uhr und gut gelaunt verlasse ich die Werkstatt. Auch wenn der Termin erst in 5 Tagen ist, fühlt sich das bedeutend besser an, als nichts zu wissen und ständig auf dem Sprung zu sein.

 

Katastrophenwarnung

Der Wetterbericht warnt vor einer Dana, also schwerem Sturm und Starkregen, ab heute Nacht für die nächsten 24 Stunden. Für die gesamte Region von Roses bis Taragona, südlich von Barcelona. Ich fülle vorsorglich noch meine Wassertanks auf und gehe einkaufen so dass ich morgen bei dem Sauwetter nicht aus dem Haus muss. Die große Platane neben mir,  in der sich jeden Abend mindestens 100 Spatzen um den Besten Platz zanken, kann mir eigentlich nichts anhaben, sollte sie umfallen oder ihre Äste abrechen. Sie würde in die andere Richtung fallen, außerdem steht zwischen ihr und mir noch ein kleinerer Baum, zu jung als dass der Sturm ihm etwas anhaben kann und der würde den großen etwas abfangen. Der Jumpino wird sicher ordentlich schaukeln aber ich glaube mein Parkplatz ist ok.

Es ist schon lange dunkel als mein Handy lautstark Alarm piepst. Ohh, eine Katastrophenwarnung vom Bevölkerungsschutz. Die Leute werden aufgefordert den Küstenbereich, Flüsse und Schluchten zu meiden, sich nicht im Freien aufzuhalten, zu Hause zu bleiben und sich auf eventuelle Evakuierungen vorzubereiten. Das klingt sehr ernst. Mir ist nicht mehr wohl zumute. Noch dazu wo ich mich auf den Jumpino grad nicht verlassen kann falls wir wegmüssten. Und was genau meinen sie mit Küstenbereich? Wir stehen grad mal 50m vom Hafenbecken entfernt. Wo soll ich hin?

Mein Parkplatz liegt an einem leicht schrägen Hang dessen oberer Bereich von einem sehr langen L-förmigen, 5-stöckigen Gebäude begrenzt wird. Davor junge niedrige Bäume. Ich bin sehr beunruhigt und parke nun um, stell mich in den Schutz des Gebäudes unter die Bäume die gerade mal so hoch sind dass der Jumpino drunter passt. Das Gebäude sollte den Wind abschirmen und einen eventuellen Erdrutsch abfangen (denn dieser Ortsteil liegt direkt unterhalb eines steilen Abhanges). Die Bäume würden eventuell herumfliegende Gegenstände etwas abdämpfen. 2 m hinter mir eine 3 m hohe Mauer. Die sollte den Jumpino auffangen falls er davonschwimmt. JA, hier fühl ich mich bedeutend sicherer. Trotzdem warte ich mit gemischten Gefühlen auf das was da kommen mag, noch die Bilder vom letztjährigen Drama in Valencia im Kopf. Ich bleibe noch bis 02:00 auf, aber dann bin ich zu müde und schlafe ein.

Die ganze Nacht bis zum Mittag des nächsten Tages war es absolut windstill, zumindest da wo ich parke. Um 10:00 Uhr setzt für 2 Stunden sintflutartiger Regen ein. Gegen Mittag gibt’s ein mittelstarkes Gewitter und dann für eine Stunde etwas Wind, aber nix dramatisches. Glück gehabt, da sind wir hier in Roses nochmal ungeschoren davongekommen. Auch im restlichen Stadtgebiet und im Hafen hat es keine Schäden gegeben.

Der neue Parkplatz wäre eigentlich sehr gut, aber durch die vielen Bäume bekommen wir keine Sonne auf die Solarzelle, deshalb wechsle ich am nächsten Tag wieder zurück auf meinen alten Stammplatz. Die Sonne scheint wieder und alles ist wieder gut.

Am Fischerhafen gibt es frischen Fisch zu kaufen, mit riesiger Auswahl. Da hol ich mir heute eine dicke saftige Scheibe roten Thunfisch. Den gibt’s mit einem bunten Salat zum Abendessen. 500 g wog die Scheibe, zu viel für ein Essen. Auch gut, hab ich noch die andere Hälfte für morgen.

 

Auf der Ruta del Dolmen

Heute ist es bewölkt, windig und kühl. Im Jumpino hat es 18°C. Das ist zwar nicht kalt, aber zum lange rumsitzen, ungemütlich. Heizen will ich auch nicht. Also zieh ich mich an und marschiere los um die Markthalle am anderen Ende der Stadt auszukundschaften. Da drin ist es kuschelig warm. Sie ist nicht sehr groß und die meisten Stände verkaufen Fleisch und herrliche ganze Schinken. Wer keinen ganzen Schinken will, kann sich auch von den in Gestellen aufgereihten Keulen feine Scheiben runterschneiden lassen. Nein, nicht mit einer Maschine, mit dem Messer, per Hand machen die das hier. An einem anderen Stand sind jede Menge Weinfässer aufgereiht aus denen man sich eine beliebige Menge in Kanister abfüllen kann. Ich erstehe ein paar Weintrauben und mach mich auf den Rückweg.

Es ist kalt. Den Tag im Jumpino verbringen will ich auch nicht. Also etwas tun wobei mir warm wird und ich schlage einen Weg bergauf ein, den steilen hohen Berg hinauf. In vielen Serpentinen geht es zwischen den Vilen der Reichen steil bergauf. Die Aussicht über die Stadt, den Hafen und die Bucht ist wunderschön obwohl der Himmel grau ist. Und warm ist mir jetzt auch. Oben angekommen finde ich mich im Nationalpark wieder. Große Felsbrocken, Pinien, niedriges Gebüsch, ganz wild und schön, ein guter Rundumblick übers Meer und in die Berge und ich lese dass hier die „Ruta del Dolmen“ beginnt. Nachdem ich ja nichts Besseres zu tun habe, wandere ich die entlang.  Ganz alleine bin ich hier und komme an mehreren komplett erhaltenen Dolmen vorbei. Die sind hoch genug dass ich hineingehen könnte. Etwas bücken müsste ich mich aber schon. Es gibt keine Absperrung herum, das ist schön, aber trotzdem halte ich Abstand. Hunderte von Jahren haben sie überdauert. Ob sie Tausende von im Sommer vorbeikommenden Wanderern und Touristen auch überdauern wenn die da alle für ihre Selfies drauf rumklettern?

Nach 3 Stunden bin ich wieder zu Haus im Jumpino, leg die Füße hoch und esse die andere Hälfte des gestrigen Thunfisches.

 

Jumpino ist wieder fit

Heute, nach ganzen 2 Wochen, ist es endlich soweit. Um 10:00  Uhr liefere ich den Jumpino an der Werkstatt ab um ihn um 17:30 mit neuem Feinstaubpartikelfilter und Katalysator  wieder abzuholen. Er ist gerade von einer Probefahrt zurück die er angeblich gut überstanden hat. Ich zahl 1025 Euro für Teile und Arbeit und bin froh mein Zuhause wieder zu haben, nachdem ich einen ganzen Tag obdachlos in der Stadt und an der Promenade herumwandernd verbracht habe. Ich fahr zurück auf meinen nun schon 2-wöchigen Stamm-Parkplatz für eine letzte Nacht. In den 2 Wochen hatte ich mich so an Roses gewöhnt das mir direkt ein wenig wehmütig wird als ich mich am nächsten Morgen auf den Weg in den Süden mache. Die erste Etappe von 250 km durch Ebenen und Gebirge hat der Jumpino ohne Probleme zurückgelegt. Von nun an wird sicher wieder alles gut.

2026  Unter weißen Segeln um die Welt   globbers joomla templates
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.