Leben im Camper
Mittelalter - Mönche – Mücken und Meer in Spanien
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Jumpino on tour # 18
Spanien November 2025 bis Januar 2026
Mittelalter - Mönche – Mücken und Meer
Den Römern auf der Spur
Der Jumpino ist repariert und wieder fit und wir fahren durch sehr abwechslungsreiche und vor allem schöne Landschaften. In der Ferne sieht man die schneebedeckten Gipfel Andorras. Dieses Mal hab ich nicht die Route entlang der Küste gewählt sondern durch das Hinterland, so wie einst die Römer. Ein dichtes Netz ehemaliger Römerstraßen durchzieht die Iberische Halbinsel und immer wieder trifft man auf alte römische Brücken, Viadukte und historische Orte.
Besonders schön fand ich die Gegend rund um Olot und den Parc Natural de la Zona Volcanica de la Garrota. Aber leider verschwindet die Straße bald in zahlreichen nicht enden wollenden Tunnels und man sieht kaum was von der schönen Landschaft.
Auf der Strecke zwischen Vic und Manresa fasziniert mich die Silhouette des Montserrat Massivs. Montserrat beutet auf Katalanisch „gesägter Berg“ und genau so sieht es auch aus, mit seinen vielen spitzen Zacken. Es hätte viele schöne Orte gegeben die zum Anhalten einluden, besonders Manresa fand ich interessant, aber ich bin einfach überall vorbeigefahren. Ich hatte Sehnsucht nach Sonne und Wärme und wollte ein gutes Stück südwärts kommen.
Trotzdem endet die heutige 250 km lange Fahrt nicht am Meer, sondern in Montblanc, einer mittelalterlichen, einst von den Römern gegründeten Stadt, im Hinterland von Tarragona.
Montblanc ist komplett von einer hohen Stadtmauer umgeben. Darin finden sich verwinkelte Gassen, mächtige Kirchen, kleine Plätze, eine Römerbrücke, alles nett und überschaubar. Ich habe Glück und einen Parkplatz in einer sehr ruhigen Straße gefunden mit Blick auf die Stadtmauer und einen großen Platz mit einer sehr alten Kirche die gerade restauriert wird. Nach einiger Zeit in den Gassen der Altstadt komme ich ans Tourist Office. Dort hol ich mir weitere Informationen und frage auch nach dem Kloster Poblet wo ich mir die singenden Mönche anhören will (ein Tipp von Quinn und Miriam). Die nette Dame im Touristenbüro hängt sich sofort ans Telefon und verkündet mir dann dass sie heute Abend um 18:30 Uhr singen werden: Nur heute? Ja, nur heute und es liegt 10 km weiter in den Bergen. Hmm, eigentlich wollte ich heute noch in Montblanc bleiben, aber wenn das so ist, dann muss ich wohl los.
Bei den Mönchen in Poblet
Es ist noch Nachmittag als ich durch goldene Weinberge hinauf nach Poblet fahre. Auf 730 m liegt das Weltkulturerbe-Kloster (und entsprechend kalt wird auch die Nacht da oben).
Ein riesiger leerer Parkplatz erwartet mich. Na ja, fast leer, 2 Wohnmobile und 5 Autos, sowie eine ganz kleine ruhige Baustelle in einer Ecke, in der 6 Männer beschäftigt sind. Sie alle wirken richtig verloren auf dem weitläufigen Parkplatz. Aber das ist schon mal gut, dann ists nicht gar so einsam hier und ich kann den Jumpino sorglos hier lassen während ich mir das Kloster anschaue.
Die beiden äußeren Vorhöfe und der hintere Teil der Kirche sind immer und kostenfrei zugänglich, der innere Klosterbereich, mit Altarbereich der Kirche, Kreuzgang und Klosterräumen, nur von 10 bis 13 Uhr und von 15 – 18 Uhr. Eintritt 10,50 €, für Senioren 7,50 €. Es ist eine der größten und am besten erhaltenen Zisterzienserabteien der Welt, erbaut im 12. Und 15. Jahrhundert. Es umfasst auch das Pantheon der Könige und Königinnen von Katalonien und Aragon.
Mir hat besonders der schöne Innenhof mit den Säulen und Bogenfenstern gefallen. Die zu besichtigenden Klosterräume waren überwiegend leer und nur mit der App, die auch einen Audioguide in vielen Sprachen (auch Deutsch) enthält, konnte man sich etwas darunter vorstellen. Wo die Mönche leben, da konnte man nicht hinein.
Über den Klosterbereich kommt man dann auch in den Altarbereich der Kirche. Den fand ich wiederum sehr erstaunlich, man kann frei hinter und rund um den Altar wandern. Der Alabasteraltar selbst ist eine riesige weiße hohe Wand mit Figuren und Geschichten. Rechts und links vom Altar befinden sich auf Brückenbögen die Gräber der Könige. Überall kann man hautnah ran. Hier treffe ich auch auf 2 Mönche, die die sonst sehr schlichte Kirche gerade mit einem kleinen Blumenbouquet vor dem Altar schmücken.
Nach einer Stunde hab ich alles gesehen und warte im Jumpino auf die Abendmesse. Die kann man eh nicht verpassen. Bereits 30 Min vorher läuten stürmisch die Glocken, nochmal 15 Min vorher und zu Beginn.
Ich bin unterwegs zur Abendmesse um die Gesänge zu hören. Es ist bereits dunkel, kaum Beleuchtung, niemand außer mir hier unterwegs. Im weitläufigen Klosterhof, im Halbdunkel ist es unheimlich, Laub raschelt überall im Wind, in der Ferne vor mir nur die beleuchtete unscheinbare Eingangstür der Kirche sonst alles dunkel. Glockenläuten, keine Menschenseele zu sehen, Schritte hinter mir, doch noch ein Besucher außer mir? Mir ist etwas unheimlich, mag mich gar nicht umdrehen und stapfe zielstrebig weiter auf die Kirchentür zu.
Drinnen ist es hell beleuchtet. 9 Mönche haben Platz genommen und nur 7 Besucher sind gekommen. Die Mönche sind alle in weiße lange Kutten gekleidet und der gesamte Gottesdienst wird gesungen, begleitet von der kleinen Kirchenorgel (es gäbe auch noch eine sehr große) die von einem jungen Mann in Jeans und Hoodie gespielt wird. Das sieht irgendwie seltsam aus, da er direkt neben den Mönchen sitzt. Die Gesänge waren schön, aber nicht außergewöhnlich, bis auf einen Teil in dem 4 Mönche einen sehr eigenartigen Gesang vortrugen, der für musikalische Ohren schwer zu ertragen war, da einige von ihnen den Ton meist nicht trafen. Insgesamt war aber die Stimmung in der mächtigen Kirche sehr beeindruckend.
Ich bin die einzige Frau in der Kirche und mach mich nach 40 Minuten aus dem Staub. Noch geblendet von dem hellen Licht der Kirche trete ich hinaus in die Dunkelheit und sehe erst mal gar nichts. Wieder raschelndes Laub und die Umgebung ist rabenschwarz. Ich bin froh auf dem Parkplatz noch Licht in einem Wohnmobil zu sehen und noch mehr froh als ich Jumpinos Tür hinter mir zuziehe.
Die Nacht war dann sehr ruhig und der neue Tag beginnt sonnig.
Mir gefällt die Umgebung. Das Kloster liegt umgeben von goldenen Weinbergen am Abhang der bis zu 1200 m hohen bewaldeten Sierra. Und weil der Parkplatz so schön ruhig ist bleib ich noch einen weiteren Tag, wandere über die Berge, durch die Weinfelder, genieße die Herbstfarben und den immer wieder schönen Blick auf die Klosteranlage.
Jetzt, gegen Abend ist der Himmel wolkenverhangen und ein stürmischer Wind bläst, der Jumpino wackelt gewaltig. Morgen will ich aber dann endlich wieder an die wärmere Küste und weiter in den Süden.
Über die Berge – entlang dem Ebro
Ich bin schon früh unterwegs heute. Der Himmel ist grau. Ich habe eine Tour über die Berge im Hinterland geplant um dann dem Lauf des Ebro bis ins Delta zu folgen. Ich bin nahe dran den Plan aufzugeben da es ja so grau und neblig ist dass ich vermutlich gar nichts sehen werde. Die Strecke an der Küste entlang wäre kürzer.
Ach egal, ich fahr trotzdem durch die Berge und habe es nicht bereut. Es geht eine schmale Straße nach Prades, über den Col de Moia, durch wilde Wälder, tiefe Täler und im Nebelgrau zu erahnende Berge in der Ferne. Der Laubwald zeigt seine schönsten Farben und ich stelle mir vor wie das leuchten würde wenn nur ein paar Sonnenstrahlen rauskämen. Aber es bleibt grau, und teilweise nieselt es sogar. Trotzdem ist diese Gegend wunderschön. Ich habe bereits 80 km zurückgelegt und kaum ein anderes Auto gesehen. Die vielen Pässe sind selten höher als 900 m aber jeder für sich wunderschön.
Bei Moia d‘Ebre erreiche ich den Ebro. Ich hatte eigentlich eine langweilige Gegend, ähnlich der Po Ebene erwartet und bin so angenehm überrascht. Der Ebro hat sich seinen Weg in einer tiefen Schlucht durch die Berge gegraben. Von hoch oben blicke ich auf ihn herab oder fahre an seinem Ufer entlang und schaue hinauf zu den steilen Felswänden. Das ist so schön dass ich beschließe dem Lauf des Ebro Richtung Quelle zu folgen. Nicht jetzt, es ist schon zu spät im Jahr, da ist es hier zu kalt. Aber ab dem Frühjahr bis in den Herbst ist das bestimmt eine tolle Route. Für mich geht’s weiter Flussabwärts. Schade dass ich mich nun auf einer vielbefahrenen Schnellstraße befinde und man kaum irgendwo anhalten oder langsam fahren kann um zu Schauen. Die letzten 40 km ab Tortosa sind dann genauso hässlich wie ich es erwartet habe.
Die wilde Jagd im Ebro Delta
Auch das Ebro Delta finde ich erstmals überhaupt nicht schön. Es ist flach, klar das war zu erwarten, aber soooo kahl. Kaum ein Baum oder Strauch, nur Felder, alle überflutet, teilweise schaut der Dreck raus. Ok, die meisten sind Reisfelder, die aber im Moment fast alle brach liegen. Auf 75 % der Fläche (=22000 ha) des Ebro Deltas werden 45 Tausend Tonnen Reis pro Jahr produziert. Dort wo diese Felder mit einem grünen Teppich der Reispflanzen bedeckt sind, sieht das schöner aus.
Das Ebro Delta ist neben dem Donana Nationalpark eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Spaniens. Es liegt max. 5 m über dem Meeresspiegel. Mit Rhone (Frankreichs Camargue) und Po Delta (Italien) gehört das Ebro Delta zu den größten Deltas der europäischen Mittelmeerküste. Nach dem Nil-Delta ist es das größte im Mittelmeer.
Ich fahre trotzdem wie geplant bis ganz vor an die Spitze. (Das Ebro Delta hat die ungewöhnliche Form eines 20 km ins Meer hineinragenden Dreiecks.) Erst auf den letzten Kilometern weichen die Felder der ursprünglichen Natur, Schilf am Ufer des Ebro und am Meer Dünen. Hier gefällt es mir schon besser. ABER, überall stehen Schilder „Wohnmobile verboten“ und der Zeltplatz hat bereits geschlossen. Auf den kostenpflichtigen Parklätzen (das sind sie fast alle) dürfen wir zwar tagsüber parken aber nicht über Nacht. Allerdings gibt es hier ein für mich nicht durchschaubares elektronisches Parkgebührensystem (keine App).
Ich fahre bis Riumar. Selbes Problem hier – im gesamten Ort parken über Nacht verboten. Ganz am Ende der Promenade finde ich einen kleinen Parkplatz vor einem Chiringuito wo bereits 3 Wohnmobile stehen. Ich stell mich dazu und frag eine sehr alte Dame in einem ebenso alten Wohnmobil ob sie hier über Nacht bleiben. Ja –sie kommen schon seit Jahren hier her und auf diesen kleinen Platz hatten sie noch nie Probleme. Das hört sich gut an, denn der ist sogar schön. Wir stehen direkt am Sandstrand mit ungehindertem Blick aufs Meer. Am Strand entlang, vor den Dünen führt ein kilometerlanger Holzplankenweg. Abseits des Wegs, über die Dünen, darf man nicht gehen – ist ja Naturschutzpark. Hunde dürfen hier nur „getragen“ werden (nicht mal an der Leine selber laufen). Der Ort ist jetzt ausgestorben, ein reiner Sommer-Ferienort. Sogar der Supermarkt und die Restaurants haben zu.
Zufrieden sitz ich bei geöffneter Schiebetür im Jumpino und sortiere meine Bilder. Ach Mensch!! – da sind ja Tausend Mücken im Jumpino! Das hätt ich mir eigentlich denken können, aber nach so vielen mückenfreien Monaten habe ich an diese Biester gar nicht mehr gedacht. Eine wilde Jagd beginnt. Ich hab sie fast alle erlegt, aber der schöne beige Stoffhimmel sieht jetzt zum Heulen aus, mit all den Leichen. Mit Wasser und Seife kann ich da nicht drangehen, das würde den Kleber lösen mit dem der Stoff auf den Sperrholzplatten haftet.
Ich bleibe trotzdem noch einen weiteren Tag, halte aber diesmal abends alle Türen und Fenster geschlossen und zieh die Moskitovorhänge zu. Die Leichen hab ich inzwischen mit einer alten Zahnbürste vorsichtig entsorgt und es sieht jetzt wieder gut aus.
Als ich am 3. Tag bei Sonnenschein das Delta verlasse finde ich es sogar schön. Ich musste mich erst an dieses ebene Schwemmland gewöhnen und bei Sonnenschein sieht sowieso alles viel freundlicher aus.
Durchs Valensina-Land – google ist wiedermal sooo gemein
Ich bin unterwegs Richtung Denia, das sind fast 7 Std Fahrt. Die Gegend durch die ich fahre ist abwechslungsreich, die Straße gut und weil Sonntag ist, ist nicht viel los. Ich empfinde das Fahren heute sehr angenehm und genieße es - bis Tante Google wieder ihre Gemeinheiten ausspielt. Vor Valencia schickt sie mich auf winzigen Straßen durch die Orangenplantagen. Die Bäume hängen jetzt voller reifer Orangen, was sehr schön aussieht und erklärt woher all die Säfte, Orangen, Mandarinen und Konserven kommen die den Namen Valensina tragen, aber entgegenkommen darf mir hier keiner.
Das war noch nicht alles was sie an Gemeinheiten zu bieten hat. Es geht mitten durch Valencia, halb so schlimm gewesen, da hat sie mich relativ gut durchgelotst. Man darf ihr nur nicht alles glauben. Denn gerade in den Kreisverkehren hat sie Probleme beim Zählen. Die 2. Ausfahrt ist oft die Dritte, die Vierte gibt es gar nicht und so weiter. Oft errate ich es richtig, manchmal muss ich wieder umkehren weil es doch falsch war.
Das Schlimmste war, als ich wieder mal die falsche Nummer für die Abfahrt genannt bekomme und ihr glaube (in einem Kreisverkehr mit 6 Abfahrten) lande ich in einer seeehr schmalen Straße die auch noch auf einer Seite zugeparkt ist. Umdrehen geht hier nicht. Google ist ja schlau und bietet stets eine alternative Route um wieder auf die Richtige Straße zu kommen. Sie schickt mich immer weiter auf Wege die so schmal sind dass wir rechts und links nur 10 cm haben und sehr genau aufpassen müssen, da es hier gleich einen halben Meter hinunter in die matschigen Felder gehen würde. Und dann kommt das I-Tüpfelchen – sie will mich über einen Feldrain schicken, der nicht mal per Fahrrad befahrbar wäre, auch zu Fuß würde ich hier nicht langgehen. Jetzt wird’s kompliziert. Sackgasse, hier wenden und dabei die enge Brücke (ohne seitwärtige Begrenzung) über den Bewässerungsgraben treffen … Abenteuerlich , stressig, Gott sie dank wieder heil auf einer richtigen Straße angekommen. Weitere Gemeinheiten sind ein Kreisverkehr aus dem ich erst beim 6. Versuch die richtige Abfahrt finde. Aber dann wird’s wieder sehr schön
Es geht durch Nationalparks und Naturschutzgebiete. Alles recht flach mit riesigen Lagunen die auf der anderen Seite von urwaldartigen Wäldern begrenzt werden. Hinter dem schmalen Waldstreifen liegt das blaue Meer mit den weißen Dünen. Hinter den Lagunen und den endlosen Reisfeldern begrenzen hohe Berge den Horizont. Wirklich schön hier. Wär hier nicht wieder mit Horden von Mücken zu rechnen die mich nachts auffressen, hätte ich hier gerne ein paar Tage verbracht. Man könnte herrlich Wandern und Radfahren – Aber die kleinen Bestien bewegen mich zum Weiterfahren.
Denia für Camper und Leseratten
Um 17:00 erreiche ich Denia und den Parkplatz am Strand, an dem ich letztes Jahr im November stand. Da waren wir 6 Wohnmobile auf dem großen sandigen Platz der nahtlos in den Strand übergeht, nur getrennt durch ein paar Pfosten und eine dazwischen gespanntes Seil. Oh weh, der ist ja rammelvoll. Ein Meer aus weißen Monstermobilen, mit ein paar wenigen PKWs dazwischen, hat den Platz eingenommen. Mindestens 30 Wohnmobile stehen da jetzt, dicht an dicht und es ist nix mehr frei. Aber ein paar wenige Plätze sind mit Autos belegt, die sicher abends wegfahren und auf die spekulier ich und muss auch nur 20 Minuten warten, bis der erste wegfährt. Jetzt hab ich einen Platz direkt am Strand mit freiem Blick aufs Meer durch die Heckfenster. Neben mir ein Camper meiner Größe auf der andern Seite reichlich Platz zum nächsten Monster, da dort auch ein PKW steht. Also zumindest keine Schattenspender und Lichtverwehrer. Ich hoffe meine „kleinen“ Nachbarn bleiben mir erhalten, denn ich habe vor ein paar Tage in Denia zu bleiben. Die Hetze in den warmen Süden zu kommen ist hier erst mal zu Ende.
Die Nacht war ruhig, morgens fährt ein Polizeiauto kontrollierend über den Platz.
Als ich vom Stadtspaziergang zurückkomme parkt ein großes Wohnmobil neben mir und direkt vor meiner Eingangstür liegt ein Haufen Hundekacke. Ein Foxterrier steht allein und etwas verloren, unschuldig dreinblickend, zwischen Jumpino und neuem Nachbarwohnmobil. Ich bin stinksauer – klopfe und erkläre der Dame (in meinem noch spartanischem Spanisch) sie solle bitte die Kacke von ihrem Hund wegputzen. Wenig später wechselt sie auf einen gegenüberliegenden Platz und ein PKW übernimmt wieder den freigewordenen Platz neben mir. Das gefällt mir viel besser.
Es wird dunkel und ein weiterer PKW parkt genau vor Jumpinos Nase. Das heißt ich bin umzingelt, kann nicht wegfahren. Ich geh raus und frag was das soll und sie beteuern sie bleiben nicht lange, sind nur da drüben (Gott weiß wo). Über dem Meer zieht ein gruseliges Gewitter auf. Der PKW neben mir ist jetzt weg. Aber gleich kommt ein ca 10 m langes Wohnmobil und quetscht sich leicht schräg in die Lücke. Jetzt bin ich total gefangen und fühl mich sehr unwohl. Ein Sch… Gefühl zu wissen dass man nicht weg kann wenn man müsste. Das Gewitter ist jetzt da, recht heftig und es beginnt in Strömen zu regnen.
Noch das heutige Gespräch mit einer anderen Wohnmobilnachbarin im Kopf, die hier viele Jahre gelebt hat und jetzt jedes Jahr per Wohnmobil hier herkommt, ist mir jetzt nicht mehr wohl, denn sie hatte erzählt dass sie hier nach Gewitterregen oft knietief im Wasser standen. Seit 2 Stunden schüttet es was runter geht und jetzt hab ich direkt ein wenig Angst. Eingesperrt wie ich gerade bin, habe ich keine Chance rechtzeitig rauszukommen. Erst nach 01:00 Uhr fährt der PKW vor mir weg und ich finde endlich ein wenig Schlaf.
Am nächsten Morgen stehen wir am Rande eines riesigen Sees der uns von der Straße trennt. Wer weiß wie stark der Sandplatz unter der Wasseroberfläche aufgeweicht ist, ob der überhaupt noch befahrbar ist? Er hat sehr viele riesige tiefe Löcher, die man nun nicht mehr sieht und in denen der Jumpino absaufen würde. Also weiter hier ausharren und hoffen dass es nicht mehr regnet und das Wasser bald abläuft.
Die Polizei kommt (heute in einem höher gelegten Allradfahrzeug) zur täglichen Kontrollrunde. Sie ermahnt einige Leute die es sich im Campingstuhl neben ihren Fahrzeugen bequem gemacht haben. Das sei Camping und das ist hier nicht erlaubt. Ich krame grad am Führerhaus rum als mir einer der Polizisten einen Flyer überreicht. Eine Anleitung was im Raum Denia erlaubt ist und was nicht. In Spanisch, Katalonisch und Englisch und deutlich bebildert. Das ist super, so weiß man wenigstens Bescheid. Man darf im Stadtgebiet überall, wo es nicht ausdrücklich verboten ist (und so ein Schild hab ich nirgends gesehen), 48 Stunden innerhalb 7 Tagen parken – Hochdach aufstellen, darin schlafen, kochen was auch immer, aber nichts tun was die Dimensionen des Fzg überragt, also weder Markise, noch Tisch, Stuhl, oder Auffahrrampen benützen. Dasselbe gilt für den Bereich direkt am Strand, allerdings sind da nur 24 Std erlaubt. Eine eindeutige und sehr großzügige Regelung – vor allem weil in Denia die Parkplätze alle kostenfrei sind (bis auf einen am Hafen).
Ich bin bereits 40 Stunden auf meinem Platz, da ich ja von dieser Regelung nichts wusste und hab wahrscheinlich deshalb den Flyer überreicht bekommen. Gut dass ich mich noch erinnere wo die Riesen-Löcher sind und so manövriere ich den Jumpino über die immer noch unter Wasser stehenden Hügel durch das Pfützenmeer hinaus. Gleich nebenan verläuft eine Straße parallel zum Strand, ganz ruhig, abseits der Hauptstraßen. Man steht auch hier direkt am Strand, aber längsseits so dass man bestenfalls vor und hinter einem einen Nachbarn hat, aber niemand daneben. Nicht viele trauen sich hier hinein, denn am Anfang der Straße steht ein Schild „Wohnmobile verboten“ aber mit dem Zusatz dass man für 24 Stunden hier bleiben darf – und den lesen die wenigsten und biegen gar nicht erst hierher ab.
Ich genieße für 24 Stunden meinen neuen Platz, die Ruhe, den Blick aus dem Fenster morgens auf den Sonnenaufgang über dem Meer. Den Tag verbringe ich am fast menschenleeren Strand unter den Palmen mit einem spannenden Buch. Schade dass ich hier nicht länger bleiben darf.
An der Marina füll ich meine Wasservorräte auf und wechsle auf einen ruhigen Parkplatz zwischen einem kleinen Park und Ferienhäusern. Der Strand liegt nur 50 m über einen kleinen Fußweg entfernt. Am nächsten Tag bin ich heilfroh nicht am Strand zu parken. Da ist es heute nicht auszuhalten. Ein stürmischer kalter Wind wirbelt den Sand umher. Mein Platz liegt so windgeschützt dass ich es gar nicht mitbekommen würde, könnte ich von hier aus nicht die sich im Sturm biegenden Wipfel der Palmen am Strand sehen.
Denia ist ein praktisches Städtchen mit reichlich Einkaufsmöglichkeiten, Waschsalon, einer alten Festung auf dem Hügel und einer netten Altstadt mit schmalen Straßen und bunten Häusern. Für mich ist der Fährterminal das Highlight, wo ich eine Fundgrube für Bücher entdeckt habe. Ein riesiges Regal mit ca 200 Büchern an dem man sich bedienen kann – Tauschbörse - nimm eins - bring eins- oder so. Es gibt Bücher in allen Sprachen. Ich schnapp mir einige Englische Bücher, lasse meine bereits gelesenen Bücher hier und sehe auf dem Rückweg dass mein ehemaliger große Strandparkplatz, nach 4 regenfreien, sonnigen Tagen, immer noch unter Wasser steht.
Ich genieße den Camperalltag in meiner ruhigen Siedlung am Park und am Strand, ohne Eile, lese, koche, mach ausgedehnte Spaziergänge, nutz den Waschsalon und schon sind 8 Tage vorbei. Ich denke ich sollte allmählich mal wieder ein Stückchen weiterziehen.
Zwischenstation Altea
Gleich hinter Denia geht es in die wunderschönen Berge, vorbei an Calpe am Abhang eines Bergmasssivs, durch das wir jetzt in einer engen Schlucht auf einen Tunnel zusteuern. Danach ein atemberaubender Anblick. Von oben zeigt sich ein Felsklotz im Meer, absolut isoliert glänzt er im silbernen Licht der Morgensonne - ähnlich dem Felsen von Gibraltar, nur nicht ganz so groß, aber trotzdem sehr beeindruckend.
Die Durchfahrt durch Altea gibt immer wieder mal einen Blick auf eine nette Promenade frei. Aktuell hätte ich gerade Lust diese Promenade entlang zu flanieren. Auch der alte Ort auf einem Hügel sieht interessant aus. Ich entscheide mich zu bleiben und finde ganz am Ende der Promenade am Hafen den idealen Platz um auch über Nacht ruhig und zentral zu stehen.
An der Promenade werden gerade einige Olivenbäume abgeerntet.
Ich klettere die schmalen steilen Gassen in die Altstadt hinauf und werde mit tollen Panoramablicken belohnt. Oben eine schöne Kirche im historischen Zentrum. Ich setz mich auf ein windgeschütztes Mäuerchen und genieße die Aussicht über das Dächermeer aufs blaue Wasser und in die Berge während ein Straßenmusiker „Yesterday“ auf seiner Gitarre klimpert. In der Ferne ragt die Skyline vom „Manhattan der Costa Blanca“ (=Benidorm) in den Himmel.
In der Marina, vor der ich parke, kann ich heiß duschen und nach 2 schönen Tagen in Altea zieh ich weiter.
Auf dem Weg ans Cabo de Palos
Zwischen Santa Pola und Torrevieja erstrecken sich endlose Salinen voller Flamingos, ragen schneeweißen Salzhalden empor und gehen dann in fruchtbares Ackerland über das bis ans „Mar Menor“ reicht.
Das 170 km² große Mar Menor, mit einer Tiefe von 2 Metern, an wenigen Stellen bis zu 7 m, ist eine Salzwasserlagune und wird begrenzt von einer 22 km langen, 100 bis 1200 m breiten Sandbank auf der sich (leider!) Touristensiedlungen mit endlosen Hotels angesiedelt haben. Die Küstenlinie auf der Binnenseite ist 73 km lang und flankiert von ganz normalen Spanischen Kleinstädten. Die Wasserfläche dazwischen ist so still und ruhig und kristallklar dass ich es Mar Kristall nenne, obwohl das eigentlich der Name einer der Hotelsiedlungen ist. Aber ich finde er passt zum Mar Menor. Übersetzt heiße es Kleines Meer.
Blink – blink – Pause – Am Leuchtturm Cabo de Palos
Google schickt mich wieder auf die Nebenstraßen durch die Felder. Beinahe hätte es heute Hasenragout zum Abendessen gegen. Der Hase, der aus dem saftig grünen Feld gehoppelt kam, hat in letzter Sekunde noch die Kurve gekriegt, bevor er unter Jumpinos Rädern ein trauriges Ende gefunden hätte.
Am Ende des Mar Menor erhebt sich ein Felsenkap mit den vorgelagerten Islas Hormigas, einem fantastischen Tauchgebiet und Naturschutzpark. Dort auf dem Kap steht der Leuchtturm vom Cabo de Palos. Hier unterm Leuchtturm finde ich einen ruhigen Parkplatz in erster Reihe, mit Blick aufs Meer und den Leuchtturm und bleibe hier für die nächsten Tage.
An der Südseite des Kaps kann man an der felsigen Küste entlang hinunter in den Ort und an den Hafen wandern oder abends den Sonnenuntergang bewundern. Auf der Nordseite führt ein schöner Promenadenweg entlang so dass es einen gemütlichen 7 km langen Rundweg ergibt. Ideal für den täglichen Spaziergang.
Da meine Familie und meine Freunde ja über meinen Whats App Status meine Route verfolgen können, sind meine Schweizer Freunde, Hedy und Peter (ohne dass ich es wusste) in meine Fußstapfen getreten und meiner Route gefolgt um mich immer nur um ein paar Tage zu verpassen. Obwohl sie schon etwas Zeitdruck haben machen sie heute einen kleinen Umweg um mich am Cabo de Palos zu besuchen. Was für eine Freude. So ein schönes Wiedersehen. Gemeinsam wandern wir den Küstenrundweg, trinken im Chiringuito de Faro noch einen Kaffee und dann müssen sie leider schon wieder weiter um rechtzeitig in Cadiz zu sein, zur Überfahrt nach La Palma. Schade, aber die wenige Zeit die wir hatten war soooo schön.
Heute, bei Aldi, sehe ich auf dem Parkplatz eine Ape (diese kleinen 3-rädrigen Transporter wie man sie in Italiens schmalen Gassen überall findet) mit deutschem Kennzeichen und ein junges Mädchen lädt gerade etwas in den Laderaum. Ich erhasche einen flüchtigen Blick und mir scheint sie hat die irgendwie ausgebaut. 30 Minuten später bin ich zurück am Jumpino und wer parkt direkt daneben? Die kleine Ape aus Deutschland. Es dauert nicht lang, ein freundliches Gesicht lächelt vor meinem Fenster und dann sitzen wir die halbe Nacht gemeinsam im Jumpino und plaudern. Lea, 26 Jahre alt, aus dem ländlichen Raum Würzburg hat diese Ape mit 16 bekommen um mobil zu sein, da in der ländlichen Gegend in der sie zu Hause ist kaum Busse fahren. Jetzt nach Abschluss des Studiums, noch fast ohne Geld aber mit großen Träumen, hat sie die Ape zu einem gemütlichen Wohnmobil umgebaut um damit nun 6 Monate durch Spanien zu touren. Sie hat einen Holzboden, isolierte schön verkleidete Wände, Küche mit Waschbecken, Kühlschrank. Powerbox und Solarzelle auf der einen Seite und Matratze zum Schlafen auf der anderen Seite. Auch Strickzeug, Gitarre und Verstärker (um sich als Straßenmusikerin ein paar Euro zu verdienen) finden darin noch Platz. Und es sieht nicht mal eng oder überfüllt aus. Richtig gemütlich. Schön dass es noch solche netten Individualisten gibt.
Umzug an den Strand und der Dezember-Supermond
Fast die ganze Woche war es am Cabo sonnig und warm, aber heute weht ein stürmischer, kalter Wind. Er bläst mich fast weg.
Ich bin umgezogen, runter in den Ort, in einem sehr ruhigen Siedlungsgebiet stehe ich nun direkt am Sandstrand.
Vor mir der Strand und das Meer, neben mir ein Holzplankenweg und Wasserhähne. Perfekt. Aber es bleibt heute windig und kalt, obwohl ich hier bedeutend windgeschützter stehe als oben am Leuchtturm.
Dafür belohnt mich zum heutigen Geburtstag ein wunderschöner Blick aus dem Fenster übers Meer, zum Leuchtturm und ein Fast-schon-Vollmond streut silbernes Licht übers Wasser. Mein kleiner Mr.Heater Buddy (den hab nicht ich so genannt - er heißt wirklich so) verbreitet kuschelige Wärme, wie ein kleiner Schwedenofen.
Blink blink Pause – blink blink …. Vertraute Lichtsignale und das gedämpfte Rauschen der Wellen am nur 30 m entfernten Ufer verbreiten ein wohliges Gefühl. So mag ich Geburtstage.
3 Tage lang habe ich den Besten Blick auf den aufgehenden Mond. Manchmal hätte ich ihn fast verpasst würde er nicht genau vor meinem Fenster aus dem Meer klettern. Er ist die 3 Tage rund um Vollmond immer wieder beeindruckend schön und obwohl ich ihn aus meinem Fenster sehen kann geh ich oft hinaus in die laue Nacht, lausche den Wellen und bestaune den aktuell sehr großen Vollmond, den die Astronomen den Dezember-Supermond nennen.
Mein Strandplatz liegt so zentral dass ich in alle Richtungen Ziele finde die gut zu Fuß erreichbar sind – die Supermärkte, der Baumarkt wo ich Gas bekomme, der Leuchtturm für einen Sonnenuntergangsspaziergang und auch das Mar Menor ist in nur 30 Minuten Spaziergang erreichbar. Dort gäbe es auch reichlich Stellplätze für Wohnmobile mit schönem Blick über Wasser, auf die dahinter liegenden Berge und den Sonnenuntergang. Der größte Teil der Landzunge von Manga, die das Mar Menor vom Mittelmeer trennt, ist jedoch eine stark befahrenen Straße und unendliche Hotels und Ferienhäuser, nicht so sehr mein Geschmack, drum bleibe ich an meinem zentralen Strandplatz den ich an manchen Tagen mit ein paar wenigen Stand-up-Paddlern und an Wochenenden abends mit einigen wenigen Fischern teilen muss. Ein Platz an dem ich von morgens bis abends Sonne hab (gut für meine Solar-Stromversorgung). Hier kann ich duschen, Wäschewaschen, lesen, entspannen und hab alles in Fußlaufweite das mir wichtig ist. Bei Temperaturen von tagsüber 18 – 22 ° mit viele Sonnenschein und nachts 12- 16°C halte ich es hier gut aus.
Immer wieder mal kommen Camper für 1-3 Tage hier her oder um ihre Wassertanks aufzufüllen und immer wieder findet sich der ein oder andere im Jumpino wieder, bei Kaffee oder Tee, zu einer netten Plauderei. Obwohl der Jumpino zu 90 % immer der Kleinste von allen ist, hat der doch drinnen am meisten Platz und so finden Geselligkeiten, wenn nicht draußen, bei mir im Jumpino statt.
Eine schlaflose Nacht
Es ist faszinierend in erster Reihe am Strand zu sitzen und aus dem windgeschützten Jumpino das nur 30 m vor uns liegende, heute wild schäumende Meer zu beobachten. Es ist überwiegend sonnig, einige Kiter und Windsurfer kreuzen vor mir auf und ab und haben ihre Freude am heutigen heftigen auflandigen Wind. (auflandig = der Wind weht vom Meer Richtung Küste.) Draußen über dem Meer ist der Himmel pechschwarz geworden. Ganz offensichtlich ein Squall und es dauert nicht lang da pfeift der Wind noch heftiger und ein heftiger Schauer prasselt auf uns herab. Erinnerungen an die Squalls im Pazifik und mein Leben auf See werden wieder wach und ich bin froh hier an Land zu stehen. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei, die Sonne lacht wieder und die Kiter sind zurück auf dem Wasser.
Gegen Abend nimmt der Wind weiter zu, er heult und pfeift und das Meer braust wilder denn je zuvor. Es fühlt sich an wie Sturm und auch der Wetterbericht hat gelbe Warnung vor heftigem Sturm herausgegeben. Ich stehe hier an einem der windigsten Plätze von Cabo de Palos. Es gäbe reichlich freie, geschütztere Plätze im Ort aber ich mag meinen schönen Platz nicht aufgeben, wer weiß ob er noch frei ist wenn ich nach dem Sturm zurückkommen will. Außer der Französin neben mir (in einem Kangoo - ähnlich meinem ehemaligen Berli) und mir haben alle anderen den Platz am Strand verlassen. Der aktuelle Wind beträgt 43 kmh! Das ist doch kein Sturm! Das sind ja grad mal 24 Knoten (5 Bft) für größere Segelschiffe ideales Segelwetter und das was ich zu 50 % auf meinen Ozeanüberquerungen und an vielen Ankerplätzen hatte. Da habe ich da draußen oft bedeutend mehr Wind gehabt. Ich gehe raus um das Kartoffelwasser abzugießen da weht der Wind den Topfdeckel davon und ich muss mich ganz schön sputen ihn wieder einzufangen. Es fühlt sich hier einfach heftiger an als draußen auf dem Meer.
In dieser Nacht habe ich kaum geschlafen. Nicht so sehr wegen dem Wind, der ängstigt mich nicht, sondern weil ich so nahe am Wasser stehe, grade mal 1 m über dem Meeresspiegel und der Strand hier ganz flach ist. Ob die Wellen bis mir kommen? Wenn wieder solche Squalls runterkommen, ob der sandige Platz zu strak aufweicht um hier wieder wegzukommen? Und all die Erinnerungen meiner Seglerzeit geistern durch meinen Kopf. Die Cyclons die in Neuseeland über uns hinwegzogen, als ich mit unzuverlässigem Motor in einer flachen Bucht ankerte und der auflandige Wind meine Ankerkette aus dem Kasten zog und ich so noch näher an Land und in die Brecher geraten bin und viele andere heikle Situationen die ich meistern musste.
Ich tu kein Auge zu und warte, horche auf den Wind und die Brecher und kann mich selbst nicht verstehen, hab ich mich auf dem Wasser nicht gefürchtet und mach hier am sicheren Land so ein Theater. Wahrscheinlich hab ich immer noch diese Sensibilität der Segler in mir die einen bei starkem Wind und ungewissen Situationen wach halten.
Bis zum Morgen hat der Wind wieder nachgelassen, es bläst immer noch stark aber nicht mehr soo heftig. Am Stand wurden mehrere Kanister und Boxen angespült, offensichtlich von einem Fischerboot vom Wind über Bord geblasen. Auch eine der gelben Bojen, die den Badebereich markieren, hat sich losgerissen und wird jetzt am Ufer von den Wellen hin und her gerollt. Es zeigt sich auch zwischendurch immer wieder mal ein Sonnenstrahl, die Surfer sind zurück, aber es bleibt ein überwiegend grauer windiger Sonntag an dem ich das Wellenspiel aus der Gemütlichkeit meines Jumpino genieße. Es ist der 3. Advent –statt Schnee, Kerzen und rote Weihnachtssterne, weißschäumendes Meer, bunte Segel und goldene Sterne am Himmel. Mir gefällts.
Wilde, gesellige Weihnachten
Die Tage bis einschließlich Heilig Abend waren wieder ruhig und sonnig. Ich bin hier geblieben, am Strand von Cabo de Palos, weil es gar so bequem ist hier und das Wetter auf der gesamten Iberischen Halbinsel auch nicht besser ist. Im Gegenteil, das hier ist sogar der wärmste Platz von allen. An den besseren Tagen kann ich hier duschen und Wäsche waschen und zum Trocknen aufhängen, so wie an diesem herrlich warmen sonnigen Heilig Abend. Am Nachmittag mach ich noch einen langen Spaziergang hinüber nach Playa Honda und an der Strandpromenade des Mar Menor zurück nah Cabo de Palos. Und am Abend kann ich in aller Ruhe an die denken die mir lieb und teuer sind.
Der erste Weihnachtsfeiertag ist total verregnet, es dauert bis spät nachmittags bis es endlich aufhört und ich meine übliche kleine Runde joggen kann. Nachdem es keine Sonne gab blieb es auch kalt, heute nur 12°. Also muss im Jumpino wieder mein Buddy heizen während draußen wieder der Wind pfeift. Die Nacht war sehr geräuschvoll mit der Brandung aber ich hab mir nix weiter dabei gedacht. Erst als ich am Morgen rausschaue sehe ich dass die Wellen über den Holzplankenweg bis zu den Wasserhähnen und damit bis auf 5 Meter an den Jumpino herangekommen sind. Huch! Das Wellenschauspiel ist großartig. Durchs Fenster kann ich die Brecher beobachten wie sie heranrollen. Und wieder mal bin ich froh dass ich sie vom Jumpino aus beobachten kann und nicht von der Carina. (Die Carina war meine kleine Segelyacht)
Trotzdem muss ich heute ein wenig aufpassen ob das Wasser noch näher kommen wird.
Allmählich trocknen die großen Pfützen auf dem Parkplatz hinter mir und dann wird es lebhaft. Die Surfer sind gekommen – in Scharen! Der Parkplatz den ich die letzten Tage ganz für mich alleine hatte ist nun voller kleiner Transporter und Hochdachkombis, alle zumindest notdürftig zum Camper ausgebaut. Mindestens 30 Fahrzeuge stehen nun da und noch mehr Surfer eilen mit ihren Boards in die Brandung. Nachdem es heute windstill und sonnig ist, habe ich meinen gemütlichen Monsterstuhl raus in die Sonne an den Strand gestellt und schaue den Surfern zu. Tolle Leistungen und immer wieder lustig wenn sie in hohem Bogen in die Brecher fallen.
Ich habe vor Weihnachten beim Chinesen-Supermarkt genau die Gas-Kartuschen gefunden die ich für die Heizung brauche. Die Testkartusche hat sich gut bewährt. Sie ist nicht, wie die meisten, nur mit Butan gefüllt, sondern mit einer Mischung aus Butan und Propan was viel heißer und länger brennt. Und um 30 % billiger als all die anderen Marken waren sie auch. Deshalb bin ich heute gleich noch mal hinaufgegangen und habe den gesamten Bestand aufgekauft. Jetzt kann der Winter kommen! Ich bin gerüstet!
Sylvester – Feuerwerk der Natur
Hier in Cabo de Palos ist es ruhig, auch zu Weihnachten war nix los, außer der Surfer Invasion wegen den gigantischen Wellen. Aber mit den Wellen sind auch die Surfer wieder verschwunden. Es wird wohl ein ruhiges Sylvester werden. Keine Böller und keine Leuchtraketen. Dafür liefert heute die Natur ein farbenprächtiges Schauspiel. Am Nachmittag gibt es einen herrlichen Regenbogen der sich von der Halbinsel La Manga über dem Meer und über dem Jumpino bis zum Leuchtturm spannt und am Abend gibt es noch ein fantastisches Abendrot zwischen meinem Strand und dem Leuchtturm. Wenn das kein schöner Abschied vom alten Jahr war. Das Neue kann kommen und wird hoffentlich uns allen Glück, Frieden, Gesundheit und schöne Begegnungen und Erlebnisse bescheren. Zumindest wünsche Euch das.
Sylvester war dann doch noch recht spektakulär bei mir am Strand. In den umliegenden Ferienwohnungen sind die Bewohner zurückgekehrt und um Mitternacht versammeln sich alle hier am Strand für ein wunderschönes Feuerwerk.
Die Tage danach waren stürmisch kalt und regnerisch. Gut dass ich im Jumpino heizen kann.
Trotzdem hat das Neue Jahr die ersten schönen Begegnungen mit anderen Campern gebracht.
Jetzt, zu Heilig 3 König bin ich bereits 6 Wochen in Cabo de Palos. Es stürmt und regnet wieder mal, die Temperaturen sind extrem gefallen, in den einstelligen Bereich und es ist so richtig miserabel. Zeit endlich mal wieder ein Stück weiter zu ziehen.