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Leben im Camper

Durch Europas größtes Gewächshaus – Regenzeit am Atlantik

Jumpino on tour # 19 – Januar/Februar 2026

Durch Europas größtes Gewächshaus – Regenzeit am Atlantik

 

Almeria

Das Reisefieber hat mich wieder gepackt und ich konnte mich endlich vom bequemen Cabo de Palos loseisen. Wir sind wieder unterwegs und auch die Sonne scheint wieder.

Ich habe eine Route durchs Hinterland gewählt und fahre auf der Autobahn! Hinter Cartagena weichen die Berge einer langweiligen endlosen Ebene. Was will man auch von einer Autobahnstrecke mehr erwarten – die gehen meist durch die nicht so schönen Gegenden. Erst bei Lorca wird es wieder bergig aber kahl. Wüstenartige Landschaft soweit das Auge reicht. Es sieht ganz interessant aus, aber ich bin einfach kein Freund von Wüstenlandschaften. Nach einigen Stunden langweiliger Fahrt erreiche ich die Gewächshauslandschaft von Almeria. Hier beginnt das größte Gewächshaus Europas. Wohin man schaut es ist überall nur weiß – man sieht es sogar aus dem All. Die Landschaft rundherum ist sehr bergig und kahl. Hier wächst nichts. Es scheint kein fruchtbarer Boden zu sein. Da fragt man sich was die alles in ihre Gewächshäuser hineinkippen an Dünger usw. um solche Massen an Gemüse und Obst zu produzieren. Brrr, da mag man gar nicht dran denken wie viel Gift man da in sich hineinfuttert.

Und dann kommt Almeria – mein heutiges Ziel.

Am östlichen Stadtrand finde ich einen wunderschönen ruhigen Parkplatz unter Palmen direkt an der Uferpromenade. Vor mir erstreckt sich ein ewig langer Sandstrand auf dem kleine Gruppen von hohen Palmen stehen, wo es alle 200 m Duschen und Toilettenhäuschen gibt, die aber um diese Jahreszeit leider geschlossen sind. An der Promenade, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, fühle ich mich auch sicher, muss keine Angst vor Einbruch oder Diebstahl haben. Der bliebe hier sicher nicht unbemerkt. Ich liebe diesen Platz. 300 m weiter befindet sich ein kleiner Supermarkt und gegenüber ein Waschsalon. Genau das was ich aktuell brauche.

Es ist herrliches sonniges Wetter aber es weht heute ein kalter stürmischer Wind. Gut dass ich einen so schönen Platz ergattert hab und nicht raus muss und den fantastischen Sonnenuntergang aus dem Jumpino betrachten kann.

Der nächste Tag ist wieder sonnig, der Himmel blau und heute weht kein Wind. Es ist schön warm, man braucht keine Jacke, nur ein leichtes langärmeliges Shirt. Den Vormittag verbringe ich im Waschsalon, am Nachmittag wandere ich Richtung Zentrum um mir die Altstadt anzuschauen. Ich hatte mir mehr erwartet. Ich finde an ihr nichts Besonders. Vielleicht habe ich auch nur den schönen Teil der Stadt nicht entdeckt, denn mich hat der Anblick der Alcazaba auf dem Hügel in den Bann gezogen und auf die steuere ich zu. Das Tor ist offen und der dahinter positionierte Security erklärt mir ich kann ruhig hineingehen, der Eintritt ist frei. Wie schön! Zinnen bewehrte Mauern umschließen mehrere sehr große Innenhöfe in denen sich Wasserläufe und Brunnen in wunderschönen Gärten befinden. Ich klettere immer weiter den Hang hinauf von einem Hof in den nächsten und staune. Die Gebäude, die meisten sind noch in Takt und alle begehbar. Erst im allerobersten Teil ist ein großes Ruinenfeld, eine historische Ausgrabung, zwischen mehreren noch intakten Gebäuden.

Außer mir sind nur ganz wenige Besucher hier. Ich wandere mindesten 2 Stunden in der Alcazaba umher bis uns die Securities hinausschicken weil sie jetzt schließen. Jetzt im Abendlicht sehen die Mauern und Zinnen pastellfarbig aus und ich wäre gern noch geblieben um von hier oben den Sonnenuntergang zu beobachten.

Der Weg zurück zum Jumpino ist noch weit und nach insgesamt 5 Stunden ununterbrochener Wanderung komme ich im Dunkeln wieder zu Hause an. Jetzt bin ich aber froh mich faul aufs Sofa legen zu können.

Am nächsten Tag, findet gleich ums Eck der Samstagsmarkt statt. Fantastisch, riesig, es gibt zahlreiche Stände die sich unter frischem Gemüse und Obst biegen, es duftet nach Orangen und Menschenmassen zwängen sich durch die engen Wege. Daran schließt sich der übliche Klamotten-Haushaltswarenmarkt der noch riesiger ist. Er will gar nicht aufhören und ich muss die ganze Runde bis zum Ende gehen weil es nirgendwo dazwischen ein Entkommen gibt. Ich liebe das bunte Treiben auf Märkten.

Am Nachmittag verlasse ich meinen schönen Platz und Almeria um neue lieb gewonnene Camper-Freunde im 55 km entfernten Almerimar zu treffen.

 

Die hässlichste Gegend in der ich jemals war

Ich bereue es bereits dass ich meinen schönen Platz in Almeria verlassen habe. Wohin ich auch schaue, soweit das Auge reicht, nur weiße Gewächshäuser. Ich bin noch nie durch eine so hässliche Gegend gefahren. Eine ganze Stunde fahre ich bereits auf der Schnellstraße und es wird nicht besser. Dann ist es zum Abbiegen – nur noch 1,5 km bis ans Ziel und immer noch so greislig. Wären da nicht Bärbel und Massimo die ich gerne sehen wollte, hätte ich längst umgedreht und wäre weitergefahren.

Auf den letzten 500 m erreiche ich ein ebenso hässliches Dorf und dahinter eine Wiese an einem Hang der zum Meer hin abfällt. Die ist fest in Deutscher Hand. Hier stehen jede Menge Wohnmobile aus Deutschland und ein paar wenige aus Holland– unten entlang am schmalen, steinigen Strand und hinauf über die Wiese. Hier oben auf der Wiese stehen sie aber mit sehr viel Abstand zueinander und ich geselle mich zum Wohnmobil meiner Freunde. Nun ja, der Platz begeistert mich auch nicht, aber nachdem was ich gerade hinter mir gelassen habe erscheint er erst einmal beinahe paradiesisch. Von hier aus sieht man weder die Gewächshäuser noch das hässliche Dorf. Es ist herrlich warm und ich sitz mit meinen Freunden und Hund Frieda vorm Wohnmobil in der Sonne.

Die Nacht war feucht und kalt aber der nächste Morgen beschert uns einen herrlichen Sonnenaufgang den ich genießen kann ohne aus dem Bett zu krabbeln. Danach wird es so ein schöner warmer Tag dass ich seit Wochen zum ersten mal wieder kurzärmelig unterwegs bin. Bei mir wie auch bei meinen Nachbarn ist heute Haarwasch- und Duschtag  und anschließend wandere ich mit Bärbel zu einem nahegelegenen See und über die Uferpromenade wieder zurück. Auf den Bergen hinter uns liegt Schnee, über die magere Wiese zieht eine Herde Schafe und wir spannen den Sonnenschirm auf weil es heute so warm ist.

Es war schön meine Freunde wieder zu sehen, aber sonst gibt es hier nichts was mich länger hält und  mach mich am nächsten Morgen wieder auf den Weg – Richtung Atlantik.

 

Playa Motril

Weit bin ich nicht gefahren, denn in Motril, das auf der Strecke liegt, gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten. Und weil ich schon da bin fahre ich noch hinunter nach Playa Motril um zu sehen ob man hier noch mit dem Wohnmobil stehen kann, das hatte ich nämlich Bärbel und Massimo empfohlen.

Wow, aus dem Aschenputtel Playa Motril ist eine „beinahe Prinzessin“ geworden. Na ja, das ist jetzt schon übertrieben, aber sie haben was draus gemacht. All die heruntergekommenen Hotels sind wieder sauber und schön gestrichen und der ungepflegte Strand ist zu einer schönen Promenadenlandschaft umfunktioniert worden. Ein schöner Holzplankenweg schlängelt sich über den Strand zwischen kleinen Palmenoasen und Chiringuitos. Überall gibt es funktionierende Strandduschen mit sehr guter trinkbarer Wasserqualität, öffentliche saubere Toiletten und der ellenlange Strand sieht jetzt richtig einladend aus. Ich bin so angenehm überrascht dass ich beschließe heute hier zu bleiben.

Ich parke am Strand, und zum Sonnenuntergang habe ich den Paradeplatz und beobachte den goldenen Ball wie er langsam im Meer versinkt.

Aus dem Inspektionsstopp wurden 3 sonnige Tage in netter Gesellschaft - meine Freunde sind inzwischen auch hier eingetroffen.  Ein Ausflug zum Markt in Moitril Stadt und ein schöner Tag an dem ich einfach nur den ellenlangen Strand entlang wandere. Leider ist der Parkplatz am Strand, an dem bei meiner Ankunft nur 4 Wohnmobile standen jetzt komplett von ca 20 Wohnmobilen belegt. Die Einheimischen die sonst hier mit ihren PKWs parken, zum Sonnenuntergangsspaziergang oder einem Besuch im besten Chiringuito von Motril (direkt vor uns) finden keinen Parkplatz. Das ist nicht in Ordnung. Wir würden das auch nicht wollen dass Touristen uns den Zugang zu unseren eigenen Lieblingsplätzen verstellen. Deshalb verlasse ich diesen angenehmen Platz und mach mich auf den Weg an den Atlantik.

 

Kostenlose Bio-Autowäsche – Es wird Frühling

An einem sonnigen strahlendblauen Tag verlasse ich Motril und fahre durch die schöne bergige Landschaft entlang der Costa del Sol (sofern man die hässlichen Hotelstädte ignorieren kann) vorbei an Malaga und erst hinter Estepona ziehen Wolken auf. Der Felsen von Gibraltar kommt in Sicht und plötzlich bekommt der Jumpino eine unerwartete, kostenlose Bio-Autowäsche (die hat er eh schon lange nötig). Bis ich in La Linea, dem Tor zu Gibraltar, ankomme hat es längst aufgehört zu regnen. Aber mein Lieblingsplatz mit Blick auf den Felsen von Gibraltar und über den Strand und die ankernden Frachter im Sonnenaufgang ist mir vermiest. Es ist reichlich freier Platz aber zwischen 07:00 und 10:00 Uhr morgens darf man hier nicht parken wegen Reinigungsarbeiten. Also lasse ich diesmal diesen obligatorischen Stopp aus und fahre weiter. Für Tarifa ist Regen für die nächsten Tage vorhergesagt drum fahre ich einfach quer durchs Land auf schmalen einsamen Straßen. Überall am Wegesrand blühen weiße Narzissen – es wird Frühling – Juhuuu!

Die heutige Fahrt endet in Barbate, an meinem Stammplatz direkt am Strand. Der Himmel ist ein Mix aus Wolken und die untergehende Sonne findet ihren Weg dazwischen um den endlosen Sandstrand in goldenes Licht zu tauchen, während sich draußen über dem Meer ein heftiger Schauer aus schwarzen Wolken ergießt. Was für ein Schauspiel. Hatschiiii!!!

 

Ein Krankenbett mit Aussicht

Kaum angekommen in Barbate kann ich gar nicht mehr aufhören zu nießen – Hatschiiii und schon wieder Hatschiii! Ich gehe früh ins Bett und habe eine ganz schlechte Nacht.

Als ich am nächsten Morgen aufwache brummt mein Kopf, die Nase tropft unaufhörlich und ich habe gar keine Kraft aufzustehen. Na ja, bleib ich halt liegen. Hunger hab ich eh nicht und nach Kaffee ist mir auch nicht. Das Wetter ist wechselhaft – mal heftige Schauer, mal Sonne – ich verpasse also nichts. Am Spätnachmittag kämpfe ich mich dann doch aus dem Bett denn ich muss unbedingt zum Supermarkt, Taschentücher kaufen gehen. Der ist nur 200 m entfernt, aber der kurze Weg hat mich echt geschafft und schon lieg ich wieder im Bett. Auch am nächsten Tag komme ich nicht aus dem Bett. Ich stehe eigentlich nur auf um zu inhalieren (Eukalyptus und Campher) und für Salzwasserspülungen – das hilft den Brummschädel etwas frei zu kriegen In den wenigen Wachphasen hab ich einen schönen Blick aus meinen Fenstern über den Strand, aufs Meer, auf das Treiben an der Promenade und auf herrliche Sonnenuntergänge. Na wenigstens etwas.

Es ist inzwischen Sonntag und ich schaffe es am Spätnachmittag einen kleinen Spaziergang zu machen und kaufe mir an der Churreria eine Portion Churros. Na wenn das nicht der erste Schritt zur Besserung ist.

Montagmorgen fühl ich mich richtig energiegeladen und starte einen ganz normalen Tag mit Morgentoilette, Kaffee und Müsli und dann brauch ich schon wieder ein Mittagschläfchen. Durch den schönen Pinienwald wandere ich zum Hafen zu den traditionellen Thunfischfangbooten und den an Land liegenden riesigen rostigen Anken, die während der Fangsaison ein Netzlabyrinth verankern in das die Thunfische hineinschwimmen und in dessen letzter Kammer ohne Ausgang die Fangboote warten. Von den Fangbooten steigen die erfahrensten Männer in das angehobene Netz hinab und suchend die größten Fische aus die sie per Speer erlegen und auf die flachen Boote zerren. Die kleineren, jüngeren Fische werden unversehrt wieder freigelassen. So fischt man hier im Sommer seit Jahrhunderten. Die Beute ist der leckere rote Thunfisch und auf so einen freue ich mich schon wenn ich morgen zum Mercado de Abastos (der Markthalle) hinaufgehe wo es fangfrischen Fisch, Fleisch, Eier und buntes Obst und Gemüse zu kaufen gibt.

Der Sonnenuntergang war wieder herrlich (aus meinem Fenster beobachtet) und allmählich kehrt wieder Farbe in mein Gesicht und Leben in meine Glieder zurück.

 

Wieder unter den Lebenden

Es ist wieder so ein schöner sonniger Tag und ich fühl mich heute schon recht fit und wandere durch den wunderschönen Pinienwald den ich so liebe. Hier beginnt der Nationalpark Brena y Mariscos de Barbate. Ein herrlicher lichter Wald. Der Boden überwuchert mit grünem Klee und gelben Blüten. Die Ginsterbüsche haben bereits Knospen und wilde Narzissen setzen erste Blüten an. Es ist wunderschön und so ruhig. Ganz in der Nähe höre ich einen Fuchs keckern, die Paarungszeit beginnt.

Hinter dem Hafen wandere ich auf einem der langen Holplankenwege durch Ginsterbüsche und Dünen an den ellenlangen einsamen Naturstrand Hierbabuena der sich bis an die Klippen erstreckt. Gerne würde ich die 10 km lange Wanderung ans Kap Trafalgar unternehmen, durch herrlichen Wald entlang der Klippen. Aber dazu bin ich noch nicht kräftig genug, denn ich muss ja denselben Weg wieder zurück laufen, einen Bus gibt es hier nicht. Also begnüge ich mich mit dem schönen Sandstrand den ich ganz alleine für mich habe. Nur die Spuren im Sand zeugen von einem Surfer der bis ganz ans Ende gewandert ist. Ein altes Holzwrack ist schon halb vom Sand zugeweht – ein Fischerboot das sicher vor vielen Jahren hier gestrandet ist. Die kleine Straße die hinter dem Strand zu den Holzplankenwegen führt, ist heute eine riesige Schlamm- und Pfützenlandschaft in der man garantiert stecken bleibt wenn man kein Allradfahrzeug hat. In der trockenen Jahreszeit kann man hier herrlich ruhig mit einem normalen Camper stehen. In 2 Wochen ist das hier ein Blütenmeer. Der Frühling kündigt sich schon an, aber die Temperaturen lassen schon noch sehr zu wünschen übrig. Letzte Nacht hatte es 2°C. Nur tagsüber an sonnigen Tagen ist es angenehm. Bei bedecktem Himmel schaffen wir kaum 15° und meist weht dazu ein kühler Wind. Naja, ist ja bereits der 20. Januar und der halbe Winter schon vorbei. Es wird sicher bald besser – zumindest hoffe ich das.

Ich hoffe vergebens – heute ist wieder mal ein ganz miserabler Tag. Es stürmt und regnet unaufhörlich. Ich verlasse den Jumpino heute nicht und auch auf der Promenade sieht man keine Menschenseele – eh klar, bei dem Wetter jagt man nicht mal den Hund vor die Tür.  Der einzige Vorteil ist, dass die Temperaturen jetzt sogar nachts im 2-stelligen Bereich bleiben.

Nachts standen wir in einer riesigen Pfütze, heute morgen ist sie fast wieder verschwunden, dafür hat uns der nächtliche Sturm ordentlich mit Sand zugeweht. An der Promenade wurden bei einigen Lokalen die Sonnensegel und Markisen beschädigt, traurig hängen die verbliebenen Stofffetzen an den Eisengerüsten. Die Sonne versucht sich durch die dünne Wolkendecke zu kämpfen. Zeitweise gelingt es ihr.

Ich fahre hinüber zum Wohnmobilstellplatz am Hafen, ich brauche eine warme Dusche und muss auch meine Wasservorräte auffüllen. Die Schranke am Stellplatz ist geöffnet. Seltsam, eigentlich öffnet sie nur, nachdem sie das Nummernschild des ankommenden Fahrzeuges gescannt hat. Und raus kommt man auch erst wieder nachdem man am Automat seine Gebühr von 13,50 €/Tag bezahlt hat. Es macht Sinn sofort nach Ankunft zu bezahlen, da man dann den Zugangs-Code für die Duschen im Hafengebäude bekommt.

Hmmm, ich fahr einfach mal rein. Am Automat kann ich nichts ausrichten da mein Kennzeichen nicht gescannt wurde und ohne das geht gar nichts. Ich frage eine Frau auf dem Stellplatz. Sie kamen gestern an (da war die Schranke auch offen) und fahren heute weiter – von Duschen wissen sie nichts. Aber ich weiß von den Duschen, war ja schon ein paar mal hier.

Da kommt ein Herr auf den Stellplatz, in der Hand eine Tasche mit Duschutensilien. Den frag ich mal. Sie konnten auch nicht bezahlen, nicht gestern und nicht heute und er verrät mir den Zugangscode für die Duschen „3698#“. Woher er den bekommen hat frag ich gar nicht aber ich glaube das ist sogar noch derselbe wie im Januar 2025.  Ich gönn mir eine ausgiebige heiße Dusche, füll meine Kanister nach und dann bin ich schon wieder weg, denn so gut gefällt mir der Stellplatz hier hinter Gittern nicht. Ich kehre zurück an meinen Platz an der Promenade am Strand der zum Glück noch frei ist.

So schön ist Barbate nicht um ewig hier zu bleiben, aber ich mag die Promenade, die endlosen feinen Sandstrände, die Markthalle und den schönen Wald. Außerdem ist Barbate einer der Orte an den nur wenige Wohnmobile kommen und die werden von der Polizei toleriert. Das ist nur an wenigen Orten so großzügig wie hier. Jeden Abend und jede Nacht patrolliert die Polizei auf der Promenade und stört sich nicht am Jumpino. Und ich bin froh um sie, das gibt mir ein Gefühl der Sicherheit.

 Aktuell macht es wenig Sinn weiterzufahren. Die Orte die ich entdecken will liegen in derselben Wetterzone und an grauen oder regnerischen Tagen macht auch Entdecken und Wandern keinen Spaß. Viele Wege sind gar nicht passierbar. Also bleib ich noch und hoffe dass es bald wieder einige sonnige Tage am Stück geben wird. Und dann bin ich aber ganz schnell weg.

 

Jerez de la Frontera – Stadt des Sherry und der Pferde

Nachdem der Jumpino am Strand von Barbate gründlich sandgestrahlt wurde, verlasse ich diesen Platz. Der Wind ist zu stürmisch um hier zu bleiben (50 kmh direkt und ungebremst vom Meer kommend) und jeden Morgen stehe ich nach den nächtlichen Regengüssen in einer riesigen Pfütze. Aber wohin? Wohin ich auch schaue ist es dasselbe. Stürmische Winde bis zu 60 kmh und immer wieder Schauer. Mich in Barbate zwischen den Häusern zu verstecken ist auch doof.

Ich lenke den Jumpino landeinwärts, mit Ziel „Jerez de la Frontera“. Das war die Beste Entscheidung der letzten Woche. Die Sonne scheint, der Wind ist hier in der Stadt kaum spürbar und ich finde einen ruhigen Parkplatz am Rande der Altstadt, gleich neben dem Botanischen Garten. Ich hatte richtig Glück, denn als ich am frühen Nachmittag hier ankam hatte ich sogar mehrere freie Plätze zur Auswahl. Nach hinten schau ich in einen kleinen baumbestandenen Park und weil die Parklücken sehr klein sind hab ich rechts und links von mir nur Autos über die ich leicht hinwegschauen kann. Alles was länger ist als 6 m und breiter als 2,10 m, passt hier nicht her – also keine Wohnmobile auf dem Platz. Wie sich die nächsten Tage herausstellen wird ist dieser (mein) Parkplatz immer voll und es warten ständig mehrere Autos geduldig bis wieder einer wegfährt.

 

Unheimliche Gestalten

Ich komme abends von meinem Stadtspaziergang heim, gerade noch rechtzeitig bevor ein heftiger Regenschauer, begleitet von stürmischen Böen, auf uns herniederprasselt.

2 Stunden kann ich nichts anderes tun, als aus dem dunklen Jumpino in alle Richtungen aus meinen Fenstern zu schauen. Nicht wegen dem Unwetter und auch nicht wegen Strommangel, sondern wegen den beiden unheimlichen Gestalten die sich jetzt in der Dunkelheit bei dem Sauwetter auf dem Parkplatz rumtreiben. Sie wandern den Parkplatz auf und ab von Fahrzeug zu Fahrzeug und immer wenn ein neues Auto ankommt laufen sie drauf zu und warten davor bis die Passagiere aussteigen. Oft stehen sie danach noch lange neben dem geparkten Auto und ich kann nicht erkennen was sie da tun. Ich trau mich kein Licht anzumachen um nicht zu verraten dass ich da drin bin. Ich könnte zwar die Verdunkelungsrollos schließen, da sieht man kein Licht von außen, aber ich sehe auch nicht was da draußen vor sich geht – ich finde es sehr beunruhigend und würde mich fürchten wenn ich nicht sehen kann was rund um mich herum passiert.  Immer wieder gehen heftige Regengüsse hernieder während denen sie sich kurz unter den Bäumen im Park unterstellen. Einer hat einen schon schwer demolierten Regenschirm und das ist derjenige der bei jedem ankommenden Auto wieder auf den Parkplatz läuft. So ganz wohl fühl ich mich nicht. Einen anderen Parkplatz gibt es für mich weit und breit nicht. Also muss ich bleiben und irgendwann leg ich mich etwas beunruhigt schlafen.

Ich bin nun schon den 4. Tag auf diesem Parkplatz und jeden Abend wiederholt sich dieses Prozedere. Sie sind harmlos, versuchen nur den Ankommenden zu zeigen wo etwas frei ist, weisen ein und erhoffen sich als Gegenleistung eine Zigarette oder einen Euro. Sie sind aber niemals fordernd oder aufdringlich und lassen auch die Autos in Ruhe. Mich haben sie nie um etwas gefragt. Ich bin beruhigt.

 

Orangen – Orangen - Orangen

Jerez de la Frontera ist ein hübsches Städtchen und eine Reise wert. Die Altstadt hat endlos viele Gassen durch die man schlendern kann und viele interessante Gebäude zu bestaunen.  Viele Kirchen, eine Kathedrale, eine Alcazaba, eine Stierkampfarena und viele schöne Häuser. Hübsche Plätze mit Springbrunnen, schicke Geschäfte, Cafés und Restaurants säumen die Gehsteige aber das schönste an der Stadt sind die Orangenbäume. Fast alle Straßen sind gesäumt von Orangenbäumen die alle voller reifer Früchte hängen. Wunderschön sieht das aus und es duftet überall frisch und fruchtig. Leider schmecken sie nicht so gut wie sie aussehen, es sind Bitterorangen. Wahrscheinlich ist das sogar gut, sonst wären sie längst alle abgeerntet. Am beindruckendsten war der Orangenbaumwald oben an der Alcazaba.

Zum Glück hatte es nur nachts geregnet und die beiden Tage seit meiner Ankunft waren sonnig und ich schlendere Stundenlang durch die Gassen. Gut dass ich hier her gekommen bin, denn an der Küste stürmt es noch viel heftiger – hier 30 km landeinwärts, haben die Hügel und Wälder den Wind schon etwas runtergebremst und in der Stadt  ist er ohnehin kaum spürbar.

 

Regenzeit am Atlantik

Trotzdem bleibe ich auch in Jerez nicht verschont. Inzwischen ist es auch hier sehr wechselhaft und windig. Nachts und vormittags regnet es in Strömen, kaum hört es am Nachmittag auf und ich mach mich fertig für einen Spaziergang kommt der nächste Schauer, oder noch schlimmer, er überrascht mich unterwegs. So macht auch Jerez keinen Spaß mehr. Die Museen sind alle geschlossen, die Touristinfo verwaist, das riesige Einkaufszentrum langweilt mich und die Markthalle hat nur vormittags geöffnet - das ist die Zeit zu der man gar nicht raus kann. Ich würde gerne weiterfahren aber es gibt keinen geeigneteren Ort.

Ich schaue mir täglich die Großwetterlage auf ukmo für die nächsten 3 Tage an. (ukmo stellt Bodendruckkarten zur Verfügung und so kann man genau sehen welche Tief- bzw. Hochdruckgebiete wann wo durchziehen) Ein Tief nach dem anderen und eine Front nach der nächsten rauschen über uns hinweg. Erst ab Freitag gibt es etwas Erleichterung  - wie lange? Das kann man jetzt noch nicht vorhersehen. Aber auf alle Fälle bin ich hier in Jerez auf meinem Parkplatz noch am Besten aufgehoben. An der Küste ist der Wind fast doppelt so stark – bis zu 80 kmh aktuell.

Es weht, es schüttet, schon seit 3 Tagen – ich hab gar keine Lust morgens aus dem Bett zu krabbeln. Es ist frustrierend. Und ich beschließe das war der letzte Winter in Europa. In Zukunft werde ich die europäischen Sommer genießen, dann den Jumpino einwintern und von Dez – März in die immer warmen Tropen fliegen. Basta! Dieser Gedanke und die Suche nach geeigneten Destinationen hält mich aufrecht und bei Laune – sonst würde ich hier wirklich versauern.

Gerade klart der Himmel auf und die Sonne scheint. Ich nutze das um schnell meinen Abfall wegzutragen und mal die hinteren Flügeltüren zu öffnen um an meine Wasser-Reservekanister zu kommen. Und dann kommt schon die nächste Bö und der nächste Schauer.

Das Schlimmste ist wohl heute vorbei – wir hatten heute morgen (bereits der 4. Sturmtag) Wind mit 65 kmh, der schüttelt den Jumpino ganz ordentlich. An der Küste wehte es heute mit 90 kmh (entspricht 48 kn - Gott sei Dank bin ich nicht mit dem Schiff auf dem Meer).

Die Straßen und Gehsteige sind jetzt übersät mit Blättern, Ästen, Palmwedeln und Orangen die der Sturm heruntergeschüttelt hat. Viele Orangen wurden von Autos überfahren was nur bewirkt dass es noch intensiver riecht. Aber keine Sorge, es hängen noch reichlich Früchte in den Bäumen. Es ist trostlos in der Stadt und ich kehre zurück in den trockenen warmen Jumpino denn es regnet schon wieder.

 

Worst case

Ich war gerade noch unten an den Einkaufszentren zum Tanken, wo es neben Mercadona, Ikea, Decathlon … einfach alles an Geschäften gibt das man sich nur denken kann. Und jetzt bin ich unterwegs an die Küste – Puerto Santa Maria hätte ich mit eigentlich ausgesucht (das liegt gleich nördlich von Cadiz) aber wohin ich schaue, die gesamte Provinz Cadiz ist überschwemmt. Felder sind zu Seen geworden, Leute graben Entwässerungsgräben mit einfachen Schaufeln um ihre Häuser und Grundstücke zu retten. Ein trauriger Anblick und auch kaum ein Platz wo ich den Jumpino parken könnte. Ich brauche dringend einen Waschsalon mit Wäschetrockner – in 2 Wochen Regen war es unmöglich per Hand zu waschen und Wäsche aufzuhängen. Also weiter nach Rota. Ich finde einen Parkplatz unweit des Waschsalons am Rande eines Parks und hier bleib ich erst mal obwohl er an einer stark befahrenen Straße liegt und die Autos mit sehr wenig Abstand an mir vorbeirauschen. Es regnet ja schon wieder – da ist es eh egal wo man ist. Den kurzen Weg zum Waschsalon und zurück hab ich halbwegs trocken überstanden.

Ich hab noch 1 Paar Wiener im Kühlschrank und stell Kartoffeln auf (für Kartoffelsalat) als die Gaskartusche leer wird. Kein Problem – ich habe reichlich Vorrat. ABER, als ich die neue Kartusche einlege und den Kocher wieder starten will streikt dieser. Alle Bemühungen, andere Kartuschen, alles vergebens. Mein geliebter Enders Nelson Gaskocher ist tot. Drama total, nicht nur dass die halbgaren Kartoffeln nicht brauchbar sind, viel schlimmer – kein Kaffee morgen früh, kein warmes Wasser für die Morgentoilette oder zum Geschirrwaschen – es ist entsetzlich! Wäre das bereits in Jerez passiert, also 4 Stunden eher, da gab es einen Decathlon (der französische Campingausstatter) und ich hätte einen neuen Kocher kaufen können. Jetzt will ich nicht wieder 40 km zurückfahren. Ich versuche mein Glück in Rota, eile durch den Regen zur nächsten Eisenwarenhandlung und hoffe.

Es ist ein sehr kleiner Laden. Man wartet hinter einer Theke und sagt was man braucht. Der Laden ist gut besucht (ausschließlich von Männern) und ich reih mich mit wenig Hoffnung in die Schlange. Wie nett, sie lassen mich alle vor und bevor ich noch lange erklären muss was ich brauch seh ich im Regal hinter der Theke ganz oben Camping-Gas-Kocher. So einen kauf ich und hab noch ein paar nette Gespräche in Englisch und Deutsch mit den anderen wartenden Spaniern.

Zuhause angekommen bin ich nicht so überzeugt von meiner neuen Errungenschaft. Ich trau mir gar nicht mehr vor dem Schlafengehen eine Kartusche einzulegen und verschieb das auf morgen früh. Das nächste Problem: dieser Kocher hat andere Maße als mein vorheriger und passt jetzt nicht so recht in die von mir gebaute Befestigung und auch mein kleiner Topf (der den ich am häufigsten nutze) passt nicht auf den Kocher, er fällt zwischen den Eisenarmen durch. Oh weh – und es gibt in ganz Spanien keinen Enders Nelson.

Am nächsten Morgen installiere ich den neuen Kocher. Alles ging gut- und ich habe ihn inzwischen auch so halbwegs in die alte Halterung integrieren können. Das sollte so funktionieren bis ich das nächste Mal nach Deutschland komme und wieder mein bevorzugtes Modell (einen Enders Nelson) kaufen kann.

 

Rota – Castillo de Luna

Heute morgen regnet es grad mal nicht. Ich packe meine Duschutensilien in den Rucksack und wandere hinunter zum Hafen in der Hoffnung in der Marina die Duschen nutzen zu können. Ich habe Glück – sie sind gerade offen. Ahhh, herrlich warmes Wasser in Hülle und Fülle. Frisch und froh wandere ich durchs hübsche Rota. Das Castillo de Luna ist von außen eine alte zinnenbewehrte Festung und Sitz der Gemeindeverwaltung. Innen ist es ein wunderschönes Gebäude mit Brunnen im weitläufigen Innenhof, Arcaden im Parterre sowie auf dem umlaufenden Balkon. Im sonnendurchfluteten Innenhof darf man kostenlos frei umherwandern. Der erste Stock ist für Besucher gesperrt, denn dort befinden sich die Büros.

In den kleinen Gassen haben sie an den weißen Hauswänden Köpfe aus Ton mit verschiedenen Charakteren (Frauen, Männer, alt und jung, ….) aufgehängt die gleichzeitig als Blumentöpfe dienen. Jeder Kopf hat somit eine unterschiedliche Frisur, das sieht sehr amüsant aus. Gemütlich schlendere ich zurück zum Jumpino und parke jetzt um. Unten am Hafen sind alle Parkuhren außer Betreib und reichlich freier Platz. Ich such mir einen netten Platz mit Blick auf die Boote und richte mir gerade eine Brotzeit als es klopft. Vor meinem Fenster steht ein freundlicher Uniformierter (von der Gemeinde) und erklärt mir dass ich hier mit dem Wohnmobil gerne eine Weile parken aber nicht über Nacht stehen bleiben darf. Das ist sehr freundlich denn mir ist das Schild „Wohnmobile verboten“ nicht entgangen. Ich frage ihn nach einem Platz wo ich übernachten dürfte und er zeigt mir in google maps den Parkplatz von Punta Candor, am nördlichen Stadtrand, direkt hinter den Dünen. Dort würden viele Wohnmobile stehen. Nachdem ich noch an der Promenade köstliches Trinkwasser geholt habe und alle Tanks wieder voll sind mach ich mich auf den Weg.

 

Punta Candor – Dünen, Wald und Sonnenschein

Ich sehe jede Menge Wohnmobile und fahr gar nicht erst auf den Patz denn der sieht schon von Weitem voll aus – und wenn es doch  noch eine Lücke gäbe würde ich mich nicht zwischen all die Monstermobile zwängen wollen. Aber es gibt viele freie Plätze die Straße entlang, direkt hinter den Dünen und da quartier ich mich ein. Jetzt aber gleich mal den Holzplankenweg hinauf auf die Düne um einen Blick aufs Meer zu werden. Uii, da ist es aber wirklich schön. Ewig langer Sandstrand, hohe Dünen, immer wieder Holzplankenwege die zu kleinen Aussichtsplattformen und hinunter an den Strand führen. Da gefällt es mir. Als ich zum Parkplatz zurück komme steht dort die Polizei – au weia. Sie diskutieren gerade über ein Auto das sich schlampig quer über 2 Parkplätze gestellt hat. Wenn sie auch sonst sehr tolerant sind, mehr als eine Parklücke zu beanspruchen lassen sie nicht zu. Ich frag die Polizistin vorsichtshalber mal ob ich hier stehen bleiben darf, und da der Jumpino ordentlich in seiner Parklücke steht ist das kein Problem. Allerdings ist hier doch bedeutend mehr Verkehr ist als es mir erst erschien. Ich schau mir mal die nähere Umgebung an und entdecke in einer Sackgasse direkt an den Dünen zwischen Pinien und Eukalyptusbäumen einen schönen Parkplatz der aber bereits komplett von Wohnmobilen belagert ist. Auch einige Wohnwägen parken hier und wie es aussieht stehen die alle schon sehr lange hier. Motorroller, Fahrräder, Tische, Stühle alles steht zwischen den großzügig geparkten Fahrzeugen herum. Manche verbrauchen gleich 3 Plätze für sich. Mich da einfach reinzuquetschen wäre zwar möglich aber ich würde mir mit Sicherheit den Hass meiner Nachbarn zuziehen. Schade, das wär ein guter Platz gewesen. Da erregt ein französischer Camper meine Aufmerksamkeit der sich einfach am Rande des Platzes, eigentlich auf der Fahrbahn geparkt hat. Was so alles neben ihm in der Wiese liegt deutet darauf hin dass der auch schon länger hier steht. Scheint also ok zu sein. Und so parke ich mich einfach hinter ihn. Gar nicht so schlecht - niemand kann sich rechts oder links neben mich stellen, auch nicht hinter mich, denn 3 m weiter ragt die Deichsel eines Wohnwagens in die Straße und vor der Haustür habe ich eine kleine Wiese für Tisch und Stuhl mit Blick ins Grüne. Der Platz ist ideal. Es gibt eine Mülltonne und nachts ist es herrlich dunkel (abgesehen vom Vollmond am heute wolkenlosen Nachthimmel)  Ich mag meinen Platz. Die Franzosen grüßen freundlich und die Spanier vom Wohnwangen hinter mir scheinen dort ganzjährig zu wohnen. Sie haben sich eine richtige Terrasse gebaut, eine Abwasserleitung zum nächsten Gulli gelegt  und der kleine Baum neben ihrer Terrasse ist noch weihnachtlich geschmückt. 100 m entfernt auf dem anderen vollen Parkplatz gibt es Frischwasser und Entsorgung für Abwasser und Toilette.

Die Nacht war herrlich ruhig und windstill. Morgens höre ich von den anderen Wohnmobilen fröhliches Geplauder und die Sonne scheint. Juhuuu. Endlich!

Ich wandere auf Holzplankenwegen durch den unter Schutz stehenden herrlichen Pinienwald, durch die Dünen und über den kilometerlangen Sandstrand Richtung Stadt (Rota). So ein schöner Tag und so traumhafte Natur. Seit Wochen wiedermal nur im T-Shirt zu sein fühlt sich gut an. Kurz bevor die Promenade von Rota beginnt komme ich an ein hübsches Chiringuita am Strand. Ich bin bereits 5 km gelaufen, Hunger und Durst machen sich bemerkbar und ich such mir einen der hübschen gepolsterten Plätze am Strand unter den Strohschirmen. Ich studiere die Karte: Ein Kaffee (kostet in Spanien nirgendwo mehr als 2 Euro, kostet hier 5 €. Es gibt nichts Essbares (auch keinen Snack oder Vorspeise) unter 12 €. Hauptgerichte beginnen bei 30 €. Da hab ich wohl das teuerste Chiringuito ganz Spaniens erwischt. Oh nein, das muss es dann doch nicht sein. Ich gebe der netten Bedienung die Karte zurück und verabschiede mich.

Im Supermarkt kaufe ich mir eine Empenada, eine Flasche Wasser und eine Papaya (alles zusammen für 2 €) und damit mach ich jetzt Picknick am Strand.

Gegen Abend bin ich zurück am Parkplatz. Noch ist es sonnig und warm und ich erhol die müden Glieder gemütlich im Monsterstuhl in meinem kleinen Gärtchen während ich das Geschehen auf dem Platz betrachte. Was für ein wunderschöner Tag.

 

Wenn Spanier ein Problem lösen wollen ...

Über Nacht hat es ein wenig geregnet, aber jetzt ist schon wieder alles trocken. Bei meinen Spanischen Wohnwagennachbarn herrscht große Aufregung. Der Strom ist ausgefallen. Ratlos stehen Mutter und Sohn (11) und ein Nachbar vor der Batterie, messen, diskutieren. Da kommen meine französischen Nachbarn von der Radtour zurück und schauen gleich mal was bei da los ist. Noch mehr Diskussion,  mehr und mehr Wohnmobilisten eilen herbei um mit Händen und Füßen mit zu diskutieren. Telefonate werden geführt aber eigentlich tut keiner irgendwas Produktives. Obwohl es mir leid tut dass sie ein Problem haben ist es doch das reinste Vergnügen aus dem Jumpino das Palaver zu beobachten. Am Nachmittag kommt ein Herr in Arbeitskleidung (er könnte ein Elektriker sein) und steht daneben und wieder wird diskutiert während Mama und Nachbar mit dem Multimeter hantieren. Aber das wars auch  - mehr passiert nicht. Brachte der passive Besuch des vermeintlichen Elektrikers den gewünschten Erfolg? 2 Wochen später hat meine Nachbarin immer noch keinen Strom.

Ich habe nette Gesellschaft hier. Außer dem Jumpino ist ein weiteres Wohnmobil mit Passauer Kennzeichen hier. Wie sich bald herausstellen wird, sind sie aus Aidenbach. (Für die Nichtwissenden - in Aidenbach habe ich viele Jahre gearbeitet und nur wenige km entfernt in Vilshofen gewohnt.) Bei einem VW Caddy aus Nürnberg klopf ich mal an und lerne Marlies kennen die damit den ganzen Winter unterwegs ist. Ihr Caddy ist fast genauso ausgebaut wie mein Berli war. Sie ist 82 Jahre alt, topfit und das Besondere an ihr, sie ist auch um die Welt gesegelt und war an vielen Plätzen an denen ich auch war. Wir haben viel gemeinsam, verstehen uns prächtig und verbringen von nun an viel Zeit zusammen.

 

Katastrophengebiet Andalusien

Und schon war es mit dem schönen Wetter wieder vorbei – ab jetzt stürmt und regnet es wieder seit Tagen – noch viel heftiger als in Barbate und Jerez. Wir sind wieder mal dazu verbannt drinnen zu bleiben und eine kleine Regenpause abzuwarten um den Müll wegzutragen oder mal schnell beim Nachbarn zu klopfen um Hallo zu sagen.

Bei mir im Jumpino ist oft Besuch – Marlies (die alte Dame die ich so gerne mag) oder Marie von einem andern Camper

Der Jumpino schaukelt, der Regen prasselt und keiner verlässt den Platz – alle warten und hoffen auf besseres Wetter – denn aktuell kann man nirgendwo hin – überall Überschwemmungen und Straßensperrungen. Letzte Nacht hat der Blitz eingeschlagen im Sendemast neben unserem Parkplatz. Das hat vielleicht geknallt und ein greller, gelber Feuerball war zu sehen. Die meisten, die es auch gesehen haben, denken es war ein Kugelblitz. Seitdem gehen auch die Laternen am Parkplatz nicht mehr.

Ich bin schon so frustriert dass ich ganz entgegen meinen Gewohnheiten beschließe zurück zu fahren – 700 km zurück ans Mittelmeer wo es laut einer bekannten Camperin sonnig und windstill ist.

 

Jumpino will nicht weg

Als ich morgens den Platz verlasse komme ich nicht weit. Nach 2 km streikt der Jumpino – er will nicht zurück. Er hat sich in den Notlauf geschaltet – fährt nur noch 20 kmh schnell bzw. langsam und der Bordcomputer schreibt ich solle den Motor kontrollieren lassen wegen der Abgasanlage. Das kann aber jetzt wirklich nicht sein – hab doch vor 2 Monaten erst einen neuen Katalysator mit Feinstaubpartikelfilter bekommen und bin nur 1500 km gefahren – immer flott auf Schnellstraßen und Autobahnen.

Bei Aldi dreh ich um und bin so frustriert dass ich mir drinnen eine Flasche Wein kaufe aber vergesse Lebensmittel einzukaufen, weswegen ich eigentlich hineingegangen bin. Mit der Weinflasche kehre ich nun noch frustrierter zurück zu meinem alten Parkplatz in Punta Candor.

Meine Spanische Nachbarin vom Wohnwagen kommt besorgt herüber und erklärt mir dass heute kein guter Tag zum Wegfahren sei. Straßen seien gesperrt, Schulen und Betriebe sowie viele Läden geschlossen, die Regierung hätte ganz Andalusien und speziell die Provinz Cadiz (in der sich Rota befindet) zum Katastrophengebiet erklärt und die Leute aufgefordert zu Hause zu bleiben. Da hat mich der Jumpino wohl vor Schlimmerem bewahrt, denn hier auf dem Parkplatz stehen wir sicher. Als ich ihr erkläre dass ich sowieso nicht wegkann weil der Jumpino streikt bietet sie ihre Hilfe an. Das ist nett und beruhigend, denn sie spricht gutes Englisch und könnte mir ggf bei der Suche einer Werkstatt helfen. Aber im Moment macht das keinen Sinn, hat ja alles geschlossen. Ich werde erst mal den Sturm abwarten.

 

Wieder auf See …

zumindest fühlt es sich so an. Alles schaukelt und wackelt, es braust und tost und man kann nicht von Bord weil es rundherum zu nass ist. Allmählich beginnen die Fenster anzulaufen und das Raumklima ist nicht mehr so angenehm. Türen kann man nicht öffnen weil sie der Wind wegreißen würde oder es zur Schiebetür reinregnet. Die Ausstellfenster kann man auch bei Regen öffnen, aber das löst nicht das Problem der hohen Luftfeuchtigkeit im Wohnraum weil bei Regen ja nichts austrocknet.  So geht das hier in Andalusien schon seit 4 Wochen, mit Ausnahme von 3 Tagen. Ich warte also gerade den Sturm Leonardo ab, bevor ich mich um eine Werkstatt für Jumpino kümmere, aber da kommt schon Sturm Marta und gleich hinterher noch einer. So was habe ich noch nie erlebt, so viele so heftige Stürme in Reihe ohne Pause dazwischen. An manchen Tagen ist es so schlimm dass keiner auch nur einen Schritt vor die Tür geht, weder Müll wegträgt, noch Wasser holt oder die vielen streunenden Katzen füttert. Auch der Schäfer mit seiner großen Schaf- und Ziegenherde lässt sich nicht mehr blicken.

 

Schlaflose Nächte und so viel Hilfsbereitschaft

Nein, es sind nicht die Stürme wegen denen ich nicht schlafen kann, auch wenn die heftigen Böen von bis zu 100 kmh mich oftmals aus dem Schlaf schütteln. Es ist der Jumpino der mir Kopfzerbrechen macht. Am Montag, in einer Regenpause bin ich in die Stadt raufgeschlichen - im Notlaufmodus - um eine Werkstatt aufzusuchen. Die haben mich aber nicht drangenommen und mir auch keinen Termin für irgendwann einmal geben wollen. Aber sie sind mit mir von Werkstatt zu Werkstatt gelaufen (die sind ja hier alle nebeneinander in 2-3 Straßenzügen) und haben dort für mich angefragt. Aber keiner konnte/wollte den Jumpino anschauen oder mir einen Termin geben. Frustriert fahre ich zurück zu meinem Parkplatz – diesmal kaufe ich aber vorher noch ein, und zwar nicht nur Wein.

Mittags wieder zu Hause bitte ich meine nette spanische Nachbarin um Hilfe. Sie zückt das Handy und telefoniert. Ich verstehe nur dass ich einen Termin in 2 Monaten haben könnte, was sie rigoros ablehnt da ich doch mit einem Camper auf der Durchreise bin. Sie übermittelt dem Mechaniker meine WhatsApp Nummer und ich warte! Nichts tut sich. Die Nachbarin macht Druck und ruft den Mechaniker erneut an, worauf er sich mit der Frage meldet was das Problem mit meinem Van sei. Ich antworte und das wars dann wieder. Um 21:00 klopft meine Nachbarin um zu fragen ob er sich gemeldet hat und sie ruft ihn erneut an. Daraufhin antwortet er mir dass er morgen kommen wird. Das ist aber nett – erstens schon so bald und zweitens muss ich nicht zur Werkstatt fahren – er kommt zu mir.

Am späten Vormittag erscheint Joaquin, der Techniker, und führt eine Diagnose durch, misst hier und da und erklärt mir dann in Bestem Englisch, dass der 5. Injektor, der den Diesel vor der Abgasanlage erhitzen muss um den Feinstaub zu verbrennen und den Filter zu regenerieren, nicht richtig arbeitet. Er kann den Injektor nicht wechseln da er keine Hebebühne hat. Er macht nur Elektronik. Aber er hat einen Alternativ-Vorschlag. Er könnte den Feinstaubfilter aus dem Computer löschen, dann gäbe es wegen dem keine Fehler und keinen Notlauf mehr. Ein bekannter Mechaniker würde dann noch den Filter leeren und ich hätte nie wieder Probleme damit. Niemand kann nachvollziehen was gemacht wurde. Die Idee gefällt mir: „Nie wieder Probleme mit dem Filter„ davon hatte ich in letzter Zeit genug und werde sie immer wieder haben weil ich überwiegend auf Nebenstraßen, Pässen und durch Ortschaften unterwegs bin in denen ich gar nicht schnell genug fahren kann um den Filter ständig freizupusten. Er baut die ECU (=Motorkontrolleinheit) aus und ruft die Werkstatt an die den Filter leeren sollen. Die kommen auch sofort, schauen sich die Situation an und geben mir einen Termin für Montag. In 6 Tagen werde ich also alle Sorgen los sein. Obwohl es schon wieder regnet, hat sich meine Panne wie ein Lauffeuer auf dem Parkplatz rumgesprochen. In jeder Regenpause bekomme ich Besuch von einem andern Nachbarn um nach der Sachlage zu fragen. Einsam ist man hier nicht.

Je öfter ich meine Geschichte erzähle und umso mehr ich mich fachlich technisch dazu informiere, umso mehr Zweifel kommen mir ob das der richtige Weg und eine gute Entscheidung ist. Ich habe etwas Bedenken wegen der nächsten Abgasuntersuchung.

Eigentlich wollte Joaquin die umprogrammierte ECU bereits heute zurückbringen und einbauen so dass ich die nächsten Tage wieder normal fahren kann bis am Montag noch der Filter geleert wird. Es ist bereits spätnachmittag – ich frag mal lieber wann er kommt damit ich nicht die ganze Zeit zu Hause sitzen und warten muss. Der Bürocomputer sei tot und deshalb konnte er mir keinen ordnungsgemäßen Kostenvoranschlag schicken dem ich ja erst zustimmen muss bevor er mit dem Auftrag beginnen kann. Der Kostenvoranschlag ist mir eigentlich egal, denn es muss ja sowieso gemacht werden, egal was es kostet. Er schickt mir eine Auflistung per Whats App und ich schreib ihm meine Sorge wegen dem nächsten TÜV und AU. Man kann das nicht feststellen und sie machen das jede Woche, ist die Antwort und so stimme ich zu. Aber ich habe ein ganz ungutes Gefühl. Gedanklich spiele ich „Worst Case“. Ich schaue mir nochmal den Kostenvoranschlag an und da steht nicht ‚Filter leeren“ sondern „Filter removal“ also entfernen. Sie werden also den nagelneuen Filter ausbauen. Das heißt dass der Feinstaub ungehindert aus dem Auspuffrohr kommt? Und bei der nächsten AU eventuell zu hohe Messwerte liefert? Damit bekäme ich keine neue TÜV-Plakette und der Jumpino wird stillgelegt wenn ich das Problem nicht behebe. Niemand würde den Fehler finden – weil ja keiner protokolliert wird, niemand schaut in die Abgasanlage ob dort auch tatsächlich ein Filter drin ist, noch dazu wo der Kat ja ganz neu ist und der Jumpino ein Baujahr ist wo dieser Filter Plicht und serienmäßig verbaut ist. Ich müsste ihnen also erklären was wir da gemacht haben. Das ist aber illegal und ich müsste mit einer teuren Strafe rechnen und noch dazu wieder einen neuen Filter kaufen (den es nur im Gesamtpaket mit Katalysator gibt) und die ECU wieder neu programmieren lassen oder im schlimmsten Fall auch da eine neue kaufen. Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken, ich habe Kopfweh und wälze mich im Bett hin und her. Um 01:00 morgens schreibe ich Joaquin dass er (falls er noch nicht umprogrammiert hat) damit warten soll, ich möchte nochmal mit ihm reden. Aber ich kann trotzdem die ganze Nacht kein Auge zu tun. Ich beschließe am Morgen mit Robert (einem befreundeten KFZ-Ingenieur) zu telefonieren wie er die Lage einschätzt. Um 04:00 morgens schreibe ich Joaquin dass ich den Auftrag zurückziehen möchte und er bitte die ECU unverändert am Morgen zurückbringen soll (falls noch möglich). Ich hoffe es ist noch nicht zu spät. Ich habe keine Minute geschlafen, kann mich selbst nicht verstehen dass ich mich auf so eine illegale Sache eingelassen habe wo ich doch ein so grundehrlicher Mensch bin. Auch die damit verbundene höhere Umweltbelastung belastet mein Gewissen wo ich doch so sehr darauf schau, meine Routen so plane dass ich unnötige Wege vermeide, zu Fuß einkaufen gehe um so wenig Schaden wie möglich anzurichten. NEIN – ich kann das auf keinen Fall tun. Ich möchte lieber die Injektor-Reparatur und damit den korrekten, umweltfreundlicheren und legalen Weg gehen, ganz egal wie lange das dauern wird.

Um 08:00 telefoniere ich mit Robert der mich in meiner geänderten Entscheidung bestätigt. Um 09:00 schreibt Joaquin – das sei gar kein Problem und um 10:00 baut er die unveränderte ECU wieder ein. Er hat Verständnis für meine Bedenken obwohl sie in Spanien noch nie Probleme hatten. Dass die Deutschen evtl etwas strenger bei der AU-Kontrolle sind kann er nicht ausschließen. Er sagt auch der Werkstatt Bescheid dass statt Filter  entfernen jetzt ein Austausch des Injektors gewünscht ist und es bleibt sogar beim für Montag früh vereinbarten Termin. Ich bin Joaquin so dankbar für sein Verständnis, das Weiterleiten der Diagnose an die Werkstatt und die Vermittlung der Reparatur. Als ich ihn für die bereits geleisteten Arbeiten von inzwischen 2 Stunden und mehreren Fahrten zu mir  bezahlen will (was auf dem provisorischen Kostenvoranschlag 110 € ausgemacht hätte) lehnt er ab. Er nimmt kein Geld für Arbeiten die er nicht zu Ende geführt hat, das sei sein Prinzip. Nicht einmal ein Trinkgeld nimmt er an. Ich kann es gar nicht glauben dass es noch solche Menschen gibt und bin zu Tränen gerührt. Jetzt geh ich erst mal die schlaflose Nacht nachholen.

 

Regen, SONNE und viel Wind

Es regnet wieder – andauernd, aber nicht mehr so heftig, seit 2 Tagen. Marlies ist heute weitergefahren – Richtung Mittelmeer – dahin wo es ohnehin immer überfüllt ist, wohin sie jetzt alle geflüchtet sind, und sich nun dort gegenseitig noch mehr auf die Füße treten. Aber dort scheint angeblich die Sonne.

Hier scheint sie jetzt endlich auch wieder. Ein ganzer Tag schon ohne Regen. Der Himmel heiter bis wolkig und der Wind wieder um die 70 kmh. Aber den nehm ich gerne in Kauf solange es nur nicht wieder regnet. Ich gehe ins Hallenbad zum Duschen, zum Einkaufen, wasche etwas Wäsche und häng sie in den Wind zum Trocknen.

Auch der nächste Tag ist sonnig – jetzt strahlendblauer Himmel und kein Wölkchen weit und breit, nur der Wind, der bleibt uns erhalten. Und der ist ohne Regen eigentlich noch schlimmer denn er wirbelt den feinen Sand der Dünen auf und ich hab ihn überall, in den Haaren, in den Ohren, zwischen den Zähnen – ekelhaft. Gestern abend habe ich noch Wäsche in einem Eimer eingeweiht und über Nacht rausgestellt um sie heute auszuwaschen. Da befindet sich nun eine dicke Sandschicht drauf. Der Jumpino ist total versandet und überall sieht man Camper mit kleinen Besen ihre Fahrzeuge abkehren.

Nachdem es ja trocken und sonnig war, haben wir alle ordentlich gelüftet, jetzt ist es nicht mehr feucht drinnen, dafür alles voller feinstem Sandstaub. Oh weh!

Trotzdem lass ich mir die gute Laune nicht verderben und nachdem die frisch gewaschene Wäsche fröhlich auf der Leine flattert, der gesamte Inhalt der Kleiderschranks am Zaun zum Lüften hängt und eine große schöne Heuschrecke die Hecktür als Sonnenplatz ausgewählt hat setz auch ich mich an eine windgeschützte Stelle und genieße die so lang vermisste Sonne. Laut Wetterbericht soll es jetzt erst mal so bleiben, allerdings mit viel weniger Wind. Ja darauf haben wir alle so lange, so sehnsüchtig, gewartet. Und Übermorgen darf der Jumpino in die Werkstatt – Das Leben ist wieder schön.

 

Die Palomas colorada

An der kleinen Promenade zwischen unserem Parkplatz und dem schönen Wald treffen sich oft spanische Taubenzüchter um ihre bunt eingefärbten Tauben fliegen zu lassen und zu trainieren.

Es ist eine alte spanische Tradition und ein Wettbewerb – welcher Täuber ist der beste und ausdauerndste Casanova. Der Wettbewerb läuft wie folgt. Eine einzelne Täubin (ein entsprechend trainierter Profi) wird in der Nähe eines dicht belaubten Baumes oder einer großen Pinie freigelassen.

Ca 50 oder mehr bunt eingefärbte Täuber werden ebenfalls freigelassen die nun versuchen sich der Täubin zu nähern und sie zu umwerben. Gewinner ist wer am längsten am nähesten bei der Täubin ist oder es sogar schafft sie in seinen Bau zu locken. Damit die Schiedsrichter während des Fluges der Taubenschaar die einzelnen Tiere bewerten können, müssen sie die Tiere aus der Ferne unterscheiden können. Deshalb hat jeder Täuber eine andere Farbe, ein anderes Muster. Das sieht toll aus wenn die bunte Taubenschaar über den Bäumen kreist oder sich wieder am Boden bei Ihren Züchtern sammelt.

 

Die ausgebüchsten Schafe und Jumpinos großer Tag

Aus einem Waschsalon-Stopp in Rota sind inzwischen 3 unfreiwillige Wochen geworden. In den wenigen Stunden wo es nicht geregnet hat und die letzten 3 sonnigen Tage war es ja wunderschön hier. Inzwischen steht der Ginster in voller Blüte und duftet, gelbe, rosa und blaue Wiesenblüher setzen bunte Farbtupfer ins satte Grün und die Schafe weiden wieder auf den Wiesen rings um unseren Parkplatz. Ein  paar besonders vorwitzige büchsen regelmäßig aus und finden dass das Gras zwischen den Wohnmobilen viel besser schmeckt als das auf der für sie vorgesehene Wiese. Dann ruft meine Spanische Nachbarin wieder den Schäfer an der mit seinem Hund kommt und schimpfend seine Zöglinge wieder einfängt.

Die Schafe haben Lämmer, sogar Zwillinge sind dabei und auch die Ziegen haben Nachwuchs. Oft können wir bei den Geburten zuschauen oder beobachten wie ein Neugeborenes seine ersten Stehversuche macht und immer wieder umfällt während es von der Mama noch liebevoll trocken geleckt wird,

Oft treffe ich den Schäfer suchend an. Ist da drüben eine Ziege? Dort ein Schaf? Irgendeines fehlt immer, aber bis zum Abend sind sie wieder alle dort wo sie hingehören.

Montag: Um 08:30 stehe ich vor der Werkstatt „Lamparilla“ wo mir  nur Unverständnis entgegen schlägt. Kein Mensch hier spricht englisch – komisch, hatten wir doch noch letzte Woche in bestem Englisch auf WApp konversiert. Und von einem Termin und einem auszuwechselnden Injektor wissen sie auch nichts. Ich zeige ihnen die Terminvereinbarung und nun löst sich das Rätsel. Es gibt mehrere Lamparillas hier. Ich war bei einem Autopflegeservice gelandet und nicht in der Werkstatt. Die befindet sich 3 Gebäude weiter die Straße hinunter. Die Werkstätten liegen hier, wie fast überall in Spanien, im Gewerbegebiet und dort sind die Straßen schmal und eng zugeparkt dass man kaum durchkommt. Niemand hat vor seiner Werkstatt eine Fläche auf der man parken kann oder wo die zu reparierenden Fahrzeuge abgestellt werden könnten. Die werden alle in die Werkstatt hineingequetscht und sobald eines fertig ist und raus will müssen erst 5 andere raus und wieder reingeparkt werden.

Wenn man also zur Werkstatt will, parkt man entweder die Einfahrt der Werkstatt zu, falls das nicht schon ein anderer getan hat, oder man bleibt einfach mitten auf der Straße stehen. Ich stell mich in die Einfahrt, melde mich an, überlasse ihnen den Schlüssel und warte nun bis ich informiert werde den Jumpino abzuholen. Ich geh nicht weit nur 200 m rüber zu Mercadona. Diese Supermärkte sind echt super. Die haben einen Sitzbereich mit Mikrowellen, Besteck, Bechern, Servietten so dass man sich drin im Geschäft was essbares kaufen kann (kalt, zum Aufwärmen … oder an der warmen Theke) und dann hier verspeisen und notfalls sogar in der Micro zubereiten kann. Und da frühstücke und warte ich nun.

Es dauert nicht lange da piepst das Handy- und 5 Min später, drüben in der Werkstatt, erklärt man mir dass der 5. Injektor, der auszutauschen ist, so festgerostet ist dass man ihn mit normalen Werkzeug nicht rausbringt. Er sitzt im Auspuffrohr zwischen Motor und Katalysator. Es wird eine aufwändige Aktion werden.  Na ja, Hauptsache sie machen es. Der Injektor wird bestellt, ich mache eine Anzahlung und warte nun dass er kommt und auf den Termin wann er getauscht wird.

Ich finde eine ruhige Sackgasse im Gewerbegebiet, hinter den großen Supermärkten (Mercadona, Lidl, Aldi), neben einem hübschen Park und rundherum viel Grün. Und nur 5 Minuten zu Fuß zur Werkstatt. Hier bleib ich. Ich gehe ja davon aus dass der Injektor morgen oder spätestens übermorgen da sein und sofort eingebaut wird.

Es wird, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag … die Werkstatt meldet sich endlich. Der Injektor ist noch nicht da, aber sie sind gerade am terminieren. Am 4. Marz könnten sie mich einplanen. NEIN!!! – das ist ja erst in 2 Wochen!!! Solange halt ich es nicht mehr aus. Ich kann ja auch nirgendwo hinfahren – der Jumpino fährt zwar, mit 20 kmh, aber man soll im Notlauf so wenig wie möglich fahren.

Ich stürme hinüber zur Werkstatt und protestiere. Ich bitte und jammere, der Chef wird geholt  und sie lenken ein. Ich soll gleich am Montag früh kommen – und falls der Injektor dann noch nicht da ist, halt am Dienstag, Mittwoch, usw … wieder kommen. Das klingt bedeutend besser. Wieder frohen Mutes kehre ich zurück zum Jumpino. Zum Glück scheint die ganze Woche die Sonne.

 

Wieder mobil

Montag früh – voller Hoffnung fahr ich zur Werkstatt und … JA!!! Der Injektor ist da! Wie versprochen nehmen sie mich auch gleich dran. Ich pack Brotzeit und Badesachen in den Rucksack und wandere zum Strand durch den schönen Wald. Heute finde ich auch eines der Chamäleons die hier leben. Leider ist es in keinem so guten Zustand. Es ist schwer zu sagen ob es noch lebt und nur in der Kältestarre vom Baum gefallen ist. Armer Kleiner, aber hübsch ist er trotzdem und größer als ich gedacht hatte, ca 20 cm bei eingeringeltem Schwanz. Dann verzehr ich mein Frühstück am Strand, ein wenig Sonnenbaden und schon ist es Nachmittag. Nach 7 Stunden Arbeit ist der Jumpino fertig. Hurrraaaahhh!! Wir sind wieder mobil und frei!!

Und jetzt nix wie weg hier, so nett Rota auch ist aber 4 Wochen sind genug. Ich will endlich wieder wo stehen wo ich aufs Meer schauen kann.

An der Playa Ballena ist alles voll und so versandet dass ich Angst hab stecken zu bleiben. Also weiter nach Chipiona, an einen meiner Lieblingsplätze. Und da steh ich nun und habe vom Jumpino aus Blick aufs Meer, die Palmen und einen herrlichen Sonnenuntergang. Das Leben ist wieder schön!

 

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