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Carina's Logbuch

Freundliches SAMOA - und ein Seglerkrimi - August bis September 2018

Diese Insel (Western Samoa) gehört zu meinen Favoriten. Das Beste an Samoa sind seine Menschen. Ein so freundliches, offenes und willkommenheißendes Volk, das Tradition und Moderne so geschickt verbindet hat mich zutiefst beeindruckt. Wo man geht und steht wird man von den Einheimischen in ein freundschaftliches Gespräch verwickelt als würde man sich schon ewig kennen.

Sie leben überwiegend in 'Fales', das sind offene Häuser die nur aus einem Dach und Säulen bestehen, eigentlich wie ein kleiner Tempel nur nicht so pompös. Trotzdem sind die hölzernen Säulen mit kunstvollen Schnitzereien verziert und jede Säule hat eine Bedeutung. In den unmöblierten Versammlungshäusern hat jeder Anwesende, vom Matai (das ist das Dorfoberhaupt) bis zum Kind eine Säule zugewiesen an der er / es sich niederlassen darf, auf dem Boden natürlich und im Schneidersitz. In den Wohnhäusern, in denen die einzelnen Familien leben gibt es kaum Möbel. Man schläft, sitzt und isst auf Kokosmatten am Boden und kocht in Erdöfen. Einige haben jedoch inzwischen Gasherde und evtl. ein Sofa oder einen Sessel und manchmal sogar einen Tisch und Stühle.
Sie leben als Großfamilie, haben 6 bis 10 Kinder und fast das ganze Dorf ist miteinander verwandt. Alles Land, die Strände und auch das Meer sind Privatbesitz und wenn man in einer Bucht ankern möchte und gar das Beiboot am Strand landen möchte muss man den Matai um Erlaubnis fragen. Das ist jedoch auf den meisten pazifischen Inseln so und es gibt mir eine gute Gelegenheit mit den Einheimischen Kontakt aufzunehmen.

Ich erfahre auch viel über die Tabus und die Kunst des Tätowierens und darf den Chiefs zusehen wie gerade 2 Männer ein Ganzkörper Tatoo bekommen, allerdings muss ich mich an ganz strenge Regeln halten, darf nicht sprechen und auch nicht fotografieren. Nichtbeachten der Regeln würde das Tabu brechen und sie müssten alle Tatoos von den armen Kerlen wieder entfernen und neu beginnen. So ein Ganzkörpertatoo dauert ca. 6 Wochen und ist extrem schmerzhaft.

Ich esse im Erdofen gegarten Fisch, Taro und Palusami, sehe zu wie aus der Rinde eines dünnen Astes ein großes Stück Stoff, ein Tapa, für traditionelle Kleidung gefertigt wird, lerne wie die Grosfamilie funktioniert und dass Frauen hier gleichberechtigt und hochgeachtet sind. Alle schweren Arbeiten werden ihnen immer von den Männern abgenommen, so zum Beispiel auch das Kochen in den Erdöfen. In vielen Dörfern ist eine Frau Matai, also Oberhaupt.


Unterwasserwelt:

Großartig, es gibt viel Riff, wunderschöne Korallen, Schildkröten und zahllose verschiedenartige Fische zwischen denen man rumschnorcheln kann. Allerdings machen es die Riffs auch oft schwierig in eine Bucht hinein und mit dem Beiboot an Land zu kommen.


Mein Lieblingsessen in Samoa:

Köstliche riesige rote Mangos und frische Kokosnüsse zum Trinken vom riesigen Frucht und Gemüsemarkt, Fisch & Chips am Fischmarkt, Oka (das ist frischer roher Fisch pikant eingelegt mit Gemüsestückchen) und Palusami, in Kokosmilch gebackene Taroblätter.

 

EIN SEGLERKRIMI

Alles wäre perfekt gewesen hätte nicht eines Nachts mein Bootsnachbar (auch ein Fahrtensegler) am Ankerplatz in Apia durchgedreht. Der kam mitten in der Nacht, vollbetrunken und zugekifft mit dem Wantenschneider und hat versucht meine Ankerkette durchzuschneiden. Das hätte fatale Folgen gehabt, denn hätten wir das nicht bemerkt und die Kette wär ab gewesen, hätte uns der Wind aufs Riff getrieben und die Carina wäre leckgeschlagen und gesunken. Gut das wir zu diesem Zeitpunkt wach waren und im Cockpit saßen. (Ach ja, wir! Das waren Ingeborg und ich. Ingeborg war aus Deutschland nach Samoa geflogen um 3 Wochen auf der Carina als Crew mit mir bis Wallis zu segeln.) Ein lauter Schrei von mir hatte andere Bootsnachbarn alarmiert die zu Hilfe eilten. Ein Funkruf an Apia Port Control und kurz darauf waren auch sie mit ihrem Boot da um nach dem Rechten zu sehen. Der Wahnsinnige hatte sich jedoch noch rechtzeitig auf sein Schiff zurückgezogen und als Port Control mit ihm reden wollte, alles geleugnet. Nachdem sie mich eine Stunde lang bewacht hatten und sich auf dem Schiff des Wahnsinnigen nichts mehr tat sind sie wieder zurück an Land in ihre Wachstube gefahren. Ich habe jedoch dem Frieden nicht getraut und saß die ganze Nacht angsterfüllt im Cockpit und hab sein Schiff nicht aus den Augen gelassen. In dieser Zeit habe ich gegrübelt womit ich ihn unschädlich machen kann falls er wieder kommt, denn bis Port Control hier draußen ist dauert ja doch einige Minuten und dann kann es bereits zu spät sein. Noch rechtzeitig kam mir die rettende Idee und als er um 03 Uhr morgens einen zweiten Anlauf startete konnte ich ihn mit der Leuchtrakete auf Abstand halten, denn wär er näher gekommen hätte ich ihm das Beiboot unterm Hintern weggepustet. So konnte ich wieder per Funk Port Control um Hilfe rufen die nun den Rest der Nacht hier draußen neben mir Wache hielten. Morgens nach Wachwechsel kam der Lotse zu mir heraus, ein großer beindruckender respekteinflössender Kerl, um mir mitzuteilen dass die Polizei bereits an Land auf uns warte. Der Wahnsinnige stellte sich taub und so enterte der Lotse einfach sein Schiff, zog ihn am Schlafittchen aus dem Bett, setzte ihn ins Dinghy mit dem Befehl auf der Stelle bei der Polizei vorstellig zu werden. Als er zur Carina zurückkam berichtete er das es in diesem Schiff so stark nach Schnaps stank dass man schon vom Geruch betrunken wird.
Nach einigen Berichten und Verhören bei der Polizei, wurde der Wahnsinnige aus Samoa ausgewiesen, und bis zu seiner endgültigen Abreise hatte ich noch mal eine volle Nacht das Port Control Boot zur Bewachung neben mir. Am nächsten morgen hat ihn der Lotse eigenhändig aus dem Hafen und aus Samoa verjagt so dass ich wieder Ruhe und Frieden hatte, denn ich hatte in diesen beiden Nächten wirklich panische Angst um mein Schiff und unser beider Leben. Keine raue See und kein Wind hat mir je soviel Angst eingejagt wie dieser Unzurechnungsfähige. Es ist unglaublich welche Idioten durch diese Welt segeln und ein schlechtes Licht auf die zu 99 % so friedliche, einträchtige Seglergemeinschaft werfen und noch viel unglaublicher war wie hilfsbereit die Samoaner waren. Meinen herzlichen Dank und den Kuchen den ich ihnen gebracht hatte (Samoaner essen gerne und dementsprechend kräftig, füllig sind sie auch) haben sie mit einem bescheidenen, 'das wär doch nicht nötig' fast verlegen angenommen.

Kaum war der Wahnsinnige weg, gab es eine Interpolaktion im Hafen. Alle mussten wir unsere Schiffe verlassen und am Ufer warten bis wir an der Reihe waren. Dann kam ein Polizeiaufgebot mit Spürhund aufs Schiff um nach Drogen zu suchen. Es bestand der Verdacht dass hier im Hafen ein Segelschiff mit 600 kg Rauschgift an Bord liegt, hinter dem Interpol seit Panama her ist. Während der Wartezeit an Land wurden wir von den Samoanern bestens mit Getränken und einem kompletten reichlichen Mittagessen versorgt. Als die Carina zur Durchsuchung an der Reihe war, war es gerade 17 Uhr und damit Feierabend. So bin ich als einziges Schiff am Ankerplatz der Durchsuchung entkommen.


Über den Wahnsinnigen erfahre ich von anderen Schiffen das dies kein Einzelfall war und dass er noch nicht allzu lange her seine beiden Crewmitglieder mit einer Machete attackiert hat, die aber zum Glück von einem anderen Segler per Beiboot vor dem Wahnsinnigen gerettet wurden. Der größte Schock für mich war jedoch zu erfahren dass sein nächstes Ziel Wallis ist, und genau dorthin muss ich in ein paar Tagen auch segeln, denn von dort fliegt Ingeborg zurück nach Deutschland.

Hier hab ich euch ein paar Bilder von Samoa hinterlegt, vom Strand am Ankerplatz, wie aus der Rinde eines dünnen Astes ein großes Stück Stoff wird, das Tapa, und wie es fertig aussieht. Von der Salufata Bucht und dem Besuch beim Matai und seiner Frau die wir um Ankererlaubnis und Aufenthaltsrecht in seinem Dorf baten und von den Schule und den Kindern die mir nicht mehr von der Seite gewichen sind.

 

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