Lateinamerika 2024 / Argentinien
Buenos Aires - Januar 2024
Reise nach Buenos Aires
Meine kleine Segelyacht, die Carina, habe ich verkauft. Sie befindet sich in guten Händen. Ich bin nun frei für neue Abenteuer. Für dieses Jahr ist eine Rucksack-Reise durch Lateinamerika geplant.
Passau, So 14. Januar 2024
Nach einer relaxten Woche in Passaus Altstadt, die ich in einem wunderschönen Loft, im 4. Stock, hoch über den Dächern der Altstadt verbracht habe, sind alle Reisevorbereitungen getroffen. Das Schönste dabei war dass ich meine Kinder und Enkelkinder sowie all meine Freunde aus dieser Region treffen konnte. Was wären wir ohne Familie und Freunde.
Der Rucksack ist gepackt, wiegt 12 kg und es kann losgehen.
Etwas bange marschiere ich Richtung Bahnhof. Werden die Züge fahren? Rechtzeitig ankommen? Die Lockführer hatten die vergangene Woche 3 Tage am Stück gestreikt, seit gestern fahren sie angeblich wieder nach Plan, aber wer weiß. Vorsichtshalber nehme ich einen Zug früher.
Alles geht nach Plan. Ich bin viel zu früh am Münchener Flughafen (und das ist gut so) Ich nutze die Zeit mir eine echte Münchner Weißwurst zum Abschied aus Bayern zu gönnen. Eine weise Entscheidung wie sich bald herausstellen soll, denn auf dem 2 Std 45 Min Flug nach Madrid gibt es gar nichts, weder Essen noch Getränke.
Zum Glück habe ich auch reichlich Sandwiches aus gutem deutschen Brot dabei, denn bei der Ankunft in Madrid um 22:00 Uhr hat bereits alles geschlossen.
2 Std waren mehr als ausreichend um den Anschlussflug nach Buenos Aires zu erreichen. Nach 30 Min Fußmarsch, zum anderen Terminal, warte ich mit zahlreichen Anderen am Abfluggate. Wir haben noch 45 Min Zeit bis das Boarden beginnt. Es gibt keine Sitzplätze im gesamten Abflugbereich und so stehen sich die einen die Beine in den Bauch während andere sich einfach auf dem Boden niederlassen. Zum Glück ist das Flugzeug pünktlich und wir boarden eine Boeing 787 Dreamliner. Ein Monsterflugzeug, ich glaube das aktuell größte überhaupt. Es ist 68 m lang, hat eine Spannweite von 60 m, kann 336 Passagiere befördern (es war bis auf den letzten Platz besetzt) und hat eine Reichweite von 11910 km. Allerdings war es nur in seiner Gesamtgröße groß. Ich empfand es eher als 'Alp-Dreamliner'. Innen war es das engste und unkomfortabelste mit dem ich je geflogen bin. Die Sitze sind so eng dass ich Mühe habe mich an meinen Fensterplatz zu zwängen. Es gibt keine Fußstützen. Jeder Platz hat ein Display für Filme & Co, aber es gibt keine Kopfhörer, was gar nicht so schlecht war, denn so blieben die meisten Fernseher aus. Als die Frau vor mir ihren Sitz zurücklegt schlägt mir ihre Rücklehne gegen den Kopf. Aufrecht sitzen ist nicht mehr möglich, es bleibt keine andere Wahl als mich auch zurückzulehnen. Die arme, sehr korpulente, Frau neben mir kann nicht mal ihr Essenstablett komplett ausklappen. 4 Toiletten für 336 Fluggäste auf einem 13 Std Flug und keine Durchgänge auf die andere Seite. Man hat jeden Zentimeter mit Sitzplätzen gefüllt. Genauso spartanisch war die Bewirtung durch Air Europa. Ein bescheidenes Abendessen mit einem Getränk gleich nach dem Start und dann hat man die nächsten 10 Std keine Stewardessen mehr gesehen. Kurz vor der Landung gab es eine Tasse Kaffee. Das wars. Alle meine Sandwiches sind aufgegessen!
Ankunft in Buenos Aires
Ankunft 15. Januar um 09:00 Uhr morgens bei strahlendem Sonnenschein und 27 ° C.
Passkontrolle. Problemlos. Der Reisepass genügt. Sie machen ein Foto, wollen einen Daumenabdruck und ich bekomme ein 90 Tage Visum aber leider keine Stempel in meinen Reisepass. Ist jetzt alles nur noch digital gespeichert. Alles in 2 Min erledigt, abgesehen von der Warteschlange. Per Schiff hätte mich das mindestens einen ganzen Tag gekostet.
Mein Rucksack kam unversehrt an, was mich fast erstaunt denn auf meinen letzten beiden Flugreisen kam mein Koffer ohne Rollen und statt dessen mit großen Löchern an und auf dem Flug nach Hause kam ein Koffer gar nicht an
So aber jetzt muss ich los. Obwohl Taxis hier nicht teuer sind habe ich mir in den Kopf gesetzt die 35 km ins Zentrum, zu meiner Unterkunft, mit dem Bus zu fahren. Dazu brauche ich Bargeld (Argentinische Pesos) und eine 'Sube' Karte für den Bus. Die muss man mit Geld aufladen und dann beim Einstieg einscannen. Gilt für ganz Südamerika und ist super praktisch. Kenne ich bereits aus Kanada. Warum sind die so fortschrittlichen (oder doch Hinterwäldlerischen?) Deutschen noch nicht auf so eine Idee gekommen?
Also zuerst zum Geldautomaten. Uff. Ich hab ja noch gar nicht geschaut wie viele Pesos ich für einen Euro bekomme. Dank dem kostenlosen Internet am Flughafen finde ich schnell heraus: 1 Peso = 0,0011 €. Wie sind wohl die Preise hier? Wie viel Geld brauche ich? Also vorsichtshalber erst mal nur 100 € = 89 000 Pesos abheben. Wo ist hier ein Geldautomat? Normalerweise gibt es sie zahlreich an jedem Flughafen, jedoch nicht im riesigen Internationalen Flughafen von Buenos Aires.
Ich irre umher und kann nichts finden. Also frag ich besser mal. Uuups, ich kann ja gar kein Spanisch, d.h ich versteh ein paar wenige einzelne Wörter aber das ist auch schon alles.
Ein freundlicher Flughafenmitarbeiter weist mir den Weg
Es gibt tatsächlich nur einen einzigen Geldautomat und der liegt ganz versteckt in einem Bereich an dem man nicht mal die Toiletten suchen würde.
Aber da ist er und daneben steht wachsamen Auges ein Security der Bank. Das macht das Ganze doch wieder etwas vertrauenswürdiger denn hier in dieser einsamen Ecke hätte man tatsächlich Angst dass einem das Geld das man abhebt gleich wieder von einem Banditen abgenommen wird - und niemand würde etwas bemerken.
Also los. Bankkarte rein, Pin eingeben, 80 000 eintippen (der max auswählbare Betrag wäre 45 000 gewesen). Die Karte wird akzeptiert, der Vorgang läuft aber es kommt kein Geld ? ? ? Fragend blicke ich den Security an. Zum Glück spricht er gutes Englisch. Wie viel ich denn eingegeben hätte. Oh nein, das ist zuviel, Touristen dürfen maximal 8000 Pesos abheben.
?? Das ist ja gar nichts, sind ja grad mal 7,70 €! Damit komme ich vielleicht nicht mal bis in die Stadt? Naja, dann müsste ich halt mehrmals 8000 abheben, aber jedesmal Gebühren zahlen. Das wären dann 10 x, dauert ja ewig! Also 1x 8000 abgehoben, und gleich nochmal - erst beim 3. Mal schaue ich auf die angezeigte Gebühr: 6150 Pesos Gebühr für 8000 Peso Bares? Das kann nicht sein, es sind bestimmt nur 6 Pesos aber ich frage vorsichtshalber den hilfsbereiten Security. Doch, doch es sind tatsächlich 6150 Pesos. Entsetzt breche ich den Vorgang ab. Da bleiben mir ja nicht mal 2 € übrig! Wie soll das denn gehen? So kann ich mir Argentinien nicht leisten. Ich könnte Bargeld in der Bank wechseln, rät er. Ich habe einige US $ dabei aber die reichen nicht für so eine lange Reise.
Ich habe also jetzt 16 000 Pesos in der Tasche (15 €), der Security versichert mir dass ich dafür leicht meine Sube Karte für den Bus bekomme und sagt mir auch wo.
Im Süßigkeiten - Kiosk spricht man zum Glück englisch und ich bekomme meine Buskarte. Sie können sie mir auch direkt hier aufladen, und empfehlen 2000 Pesos, also 2 €. Ob ich damit bis in die Stadt komme? Ja ja, das müsste für eine ganze Woche jeden Tag Bus fahren reichen. So billig ist Argentinien? Na da bin ich mal gespannt. Und jetzt hab ich auch Hunger. Im Starbucks kaufe ich mir ein Stück Cheesecake für 3500 Pesos. Doch nicht so billig hier?
Jetzt heißt es die Bushaltestelle finden und den richtigen Bus. Zum Glück gibt es Google Maps. Hab schon geschaut und es in mein Notizbuch geschrieben denn außerhalb des Flughafens habe ich kein Internet mehr. Bus Nr 8 bis Plaza de Mayo, dann umsteigen in Nr 64, dann 5 Min zu Fuß, Schlüssel abholen und nochmal 3 Blocks bis zur Wohnung gehen. Hoffentlich geht das gut denn die Haltestellen haben keine Namen.
Ich finde die Bushaltestelle an der bereits ein Grüppchen junger Leute wartet. Ein Bus kommt. Viel zu früh für meinen. Die Jungen wollen einsteigen und ich bekomme mit dass auch sie Richtung Plaza de Mayo wollen aber es war der falsche Bus. Der nächste Bus kommt, Nr 8 aber immer noch 15 Min zu früh. Aber wer weiß wie pünktlich die Busse hier sind, zu früh oder zu spät kommen? Die Jungen steigen ein, also muss es der Richtige sein. Ich hänge mir den großen Rucksack nur über eine Schulter und nehme schwungvoll den hohen Einstieg - und bleibe hängen. Der quer hängende Rucksack passt nicht durch die schmale Tür. Aber da ist auch schon einer der jungen Männer zu Hilfe geeilt, packt den Rucksack von oben und zieht mich mit dem Rucksack in den Bus. Soo nett.
Nun wird's spannend. Aufpassen die richtige Haltestelle zum Umsteigen nicht zu verpassen.
Einfach mitzählen. 15 Stopps bis Plaza de Mayo. Aber was wenn er gar nicht überall hält? Und schon bald weiß ich nicht mehr war das nun Stop Nr 5 oder 6 oder gar schon 7? Wenn ich doch nur Spanisch könnte ... Ich schaffe es dennoch den Busfahrer zu bitten mich zu rufen wenn wir am Plaza de Mayo sind und er tut es! Den hätte ich aber auch so erkannt mit dem großen rosa Palast in dem regiert wird.
Nun Haltestelle Nr 64 finden. Die sind kaum markiert, nur ein dünner Pfosten mit winzigen Nr dran. Ahh, da ist ja auch schon Nr 64. Aber welche Richtung? Ich frag mal den Herrn neben mir. Ich versteh kaum etwas von seiner ausführlichen Beschreibung, nur dass ich auf die andere Seite des Platzes muss. Bus an Bus fährt hier durch und dann endlich Nr 64. Dieser Busfahrer ist nicht so freundlich und sagt mir auch nicht wo ich aussteigen muss. Wen soll ich fragen? Da fällt mir auf dass die Einheimischen alle die Bushaltestellen per Handy verfolgen und dank Google Maps Standort steige ich richtig aus und wenig später bin ich in meiner Unterkunft, einem netten kleinen Appartement mit Balkon, in Palermo, einem sicheren, gut situierten Viertel der Stadt.
1. Tag - Auf der Jagd nach Geld
Mein Appartement ist wirklich hübsch. Im 4. Stock (wieder mal, aber diesmal mit einem altertümlichen Aufzug) Es ist schlicht und einfach aber sauber, mit voll ausgestatteter Küche, Bad, Essbereich, großem Springbox Bett, Klimaanlage, freiem schnellen WLan und das beste von allem, einem Balkon mit freier Aussicht auf die etwas verkehrsberuhigten Straßen. Nicht vergleichbar mit dem Nobel - Loft das ich in Passau bewohnt hatte, aber ich fühl mich wohl hier. Und auf dem Tisch steht als Begrüßungsgeschenk eine Flasche regionaler Rotwein für mich, ein Malbec.
Jetzt muss ich aber erst mal Pipi. Gar nicht schlecht das Bad. Sogar mit Bidet. Als ich spülen will geht die Spülung nicht. Ich kann den Hebel in alle Richtungen bewegen aber es kommt kein Wasser. Ich finde den Haupthahn aber der ist bereits geöffnet. Fängt ja schon gut an!
Ich suche nach einem großen Topf und spüle damit. Das muss ich gleich dem Vermieter melden dass es repariert wird. Aber wie lautet der WLAN Zugang? In meiner Buchung finde ich eine WApp Nr und zum Glück funktioniert meine deutsche SIM-Karte hier. Ich bekomme prompt Antwort. Die Spülung funktioniert, ich müsse den Spülhebel nur GANZ FEST nach unten drücken. Und tatsächlich: es geht! und auch der WLan Zugang ist gefunden und funktioniert.
Auf dem Weg hier her habe ich schon entdeckt dass ich super zentral wohne. Bushaltestellen und U Bahn 50 m. Alle Arten von Cafés, Restaurants und Läden rings herum. Gemüsehändler unter mir, Bäcker ein paar Häuser weiter, ein italienischer Feinkostladen, der mich sehr anlacht, einfach ideal.
Aber mit jetzt nur noch 11000 Pesos (11 €) komme ich wohl nicht weit. Ich google nach einer naheliegenden Bank, um Geld direkt am Schalter abzuheben. Vielleicht bekomme ich da mehr und die Gebühren sind weniger? Aber die Bank hat schon geschlossen und es bleibt wieder nur der Geldautomat. Hier kann ich aber wenigstens 30 000 Pesos abheben für die ich 8200 Pesos Gebühr bezahle. Damit geht's jetzt zum Bäcker und zum Feinkost Italiener (bei dem ich 24 000 Pesos zahle für ein einziges Stück Käse, ein Randstück Mortadella und 100 g rohen Schinken) So billig ist es hier also gar nicht.
Damit und der Flasche Rotwein lasse ich auf meinem Balkon den Tag ausklingen und bin glücklich. Es ist erst 18:00 Uhr, aber mir fallen schon ständig die Augen zu, also ab ins Bett.
Es ist hell als ich gut ausgeruht aufwache. Ich fühle mich wie nach einer langen Nacht gutem Schlaf. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist erst 20:00 Uhr, ich habe nur 2 Std geschlafen. Zurück ins Bett und jetzt halte ich durch bis 06:00 morgens.
Tag 2 in Buenos Aires
Ich bin gut ausgeschlafen und zu einer für mich unchristlichen Zeit schon auf den Beinen. Es regnet! Richtig viel!
Eigentlich kommt mir das ganz gelegen, es ist nicht so heiß und so kann ich den nahe gelegenen Supermarkt erkunden (muss aber an der Kasse einige Dinge wieder zurückgeben, da mein Geld nicht reicht) und habe endlich Zeit meinen Aufenthalt in Argentinien zu planen.
Ich buche einen Bus nach Iguazu ( zu den Wasserfällen) ganz im Norden des Landes und ein nettes kleines Hostel. Mich trifft fast wieder der Schlag. Das Hostel kostet für 5 Tage nur 60 000 Pesos, aber als ich mit der Kreditkarte bezahlen will (einzige Option) wollen sie 90 000 von mir. Schon wieder diese verflixten Gebühren, ganze 30 €! Ich buche nicht, finde im Internet eine Telefon Nr des Hostels und kontaktiere sie direkt per Whats App.
Sie haben das gewünschte Bett für mich frei und es kostet 45 000 Pesos, ja und ich kann gerne bei meiner Ankunft in bar bezahlen. Pesos, Euro oder USD, ganz nach Belieben. Und super nett sind sie auch. 45 € gespart! = 50%
Am Nachmittag reißt der Himmel auf, die Sonne scheint wieder und ich erkunde meine nähere Umgebung. Hübsch hier, so viel Grün. Die Straßen sind alles Alleen mit Bäumen die bis zum 4/5. Stock hinaufreichen. Alles erinnert mich sehr an Barcelona, nur die vielen Roller fehlen.
Ich entdecke einen weiteren Supermarkt, habe aber kein Geld um einzukaufen. Der Bankautomat am Eingang ist leer.
Einen Block weiter finde ich eine HSB Bank die um 19:00 Uhr natürlich schon geschlossen hat, aber mit 5 Geldautomaten im Eingangsbereich. Muss ich wohl wieder in den sauren Apfel beißen und die Horror Gebühren bezahlen. Ich versuche ob ich bei dieser Bank 80 000 abheben kann, aber der Automat teilt mir mit dass ich das Limit überschritten hätte, als ich 30 000 eingebe behauptet er die Karte sei ungültig. Ein neuer Versuch am Automat nebenan mit 50 000 ( die hier auswählbar sind) selbes Drama. Also Automat Nr 3 und jetzt resignierend gleich beim ersten Mal nur 30 000 eingegeben und ich erhalte mein Geld für 8200 Pesos Gebühren.
Erleichtert eile ich zurück zum Supermarkt, kaufe ein was ich morgens mangels Bargeld nicht kaufen konnte und weil mir der Magen schon durchhängt, kaufe ich an einem Stand noch 2 Empanadas fürs Abendessen.
Auf meinem Balkon lege ich die Füße hoch, esse die leckeren Empanadas, eins mit Jamon e Queso und eines mit Espinacca e Queso (mein Favorit) und trinke einen "weißen' Malbec dazu. Lecker. Wusste gar nicht dass es den auch in Weiß gibt.
3. Tag - Tag des Schreckens
Der Himmel ist wieder strahlend blau und ich würde diesen Tag gerne für Stadterkundungen nutzen, aber erst will ich noch meine Tour von Iguazu, ganz im Norden, nach Ushuaia, ganz im Süden Argentiniens planen und buchen. Also von Iguazu wieder Bus bis Buenos Aires und dann per Flugzeug nach Ushuaia. Alles erledigt. Ich sollte mal mein Konto checken. Als ich mich einloggen will, muss ich mich neu identifizieren da ich ein neues Handy habe und auf diesem noch keinen Bank Login durchgeführt habe. Dazu benötige ich meinen TAN Generator und meine Maestro Bankkarte.
Schock! Die Bankkarte ist nicht in meiner Geldbörse. Mir wird heiß und kalt zugleich. Fieberhaft durchsuche ich alle Taschen, das Appartement. Die Bankkarte ist unauffindbar. Gleich am Anfang der Reise die Karte verlieren - so ein Pech aber auch! Was nun? Sofort Konto checken ob jemand bereits meine Karte missbraucht hat und die Kontaktdaten meiner Beraterin im Onlinebanking suchen. Mist - geht ja nicht. kann mich ja ohne Karte nicht einloggen.
Wo war ich gestern? Empanadas kaufen und Supermarkt. Vielleicht ist sie mir dort beim Bezahlen aus der Geldbörse gefallen? Also im Google Übersetzer eintippen was ich zu sagen hab und los. Dabei fällt mir ein dass die Bankautomaten hier die Karten nicht automatisch ausgeben. Man muss, nachdem man sein Geld entnommen hat, bestätigen dass man keine weiteren Transaktionen tätigen will und erst dann bekommt man seine Karte zurück. Vielleicht hatte ich das vergessen nach all den Versuchen an den verschiedenen Automaten? Wenn ja, hoffentlich kam niemand nach mir und konnte die Karte entnehmen. Schwitz.! Im Laufschritt zur Bank, sie hat geöffnet und am Eingang steht ein Security, er versteht Englisch. Und als ich ihm mein Anliegen schildere öffnet er lächelnd die Schublade vor ihm und entnimmt eine rote Bankkarte.
MEINE!!!
Mir wird direkt schwindlig vor Erleichterung. Ich muss jetzt erst mal nach Hause und den Schock verdauen.
Trotz allem bin ich schon wieder fast pleite, aber ich kann mir diese Gebühren nicht mehr leisten. Ich muss meine Not-Dollar opfern und umtauschen.
Auf meinem Kindle E- Reader, den ich mir vor der Abreise noch zugelegt hatte, habe ich alle Arten von Reiseführern gespeichert und in dem von Buenos Aires auch bereits gelesen dass Geldautomaten und Kreditkarten Gebühren in Argentinien und Chile sehr hoch sind. Da der Argentinische Peso einer sehr starken Inflation unterliegt blüht der Schwarzmarkt, jeder will seine Pesos in stabile US $ tauschen, bekommt aber auf der Bank nur 200 $ pro Monat. Deshalb sind Touristen das Ziel. Und es passiert so öffentlich, vor den Augen der Polizei, dass es schon fast wieder legal zu sein scheint. Jedenfalls tut es jeder und jeder Reiseführer erwähnt diese Option.
Ich will auf meinem Kindle nachlesen wo denn dieser Schwarzmarkt ist (jedenfalls hier im Stadtteil Palermo hab ich nichts gefunden). Unglücklicherweise hat sich mein Kindle aufgehängt und ist mit nichts dazu zu bewegen seine Inhalte Preis zu geben. Er lässt sich nicht mal mehr ausschalten. Sooo ärgerlich!
Also Internet durchforsten und ich werde fündig. Ich muss in die Calle Florida. Dort bekommt man auf dem Schwarzmarkt bis zu 40 % mehr als auf der Bank und spart sich die Gebühren. Allerdings besteht immer die Gefahr an einen Betrüger zu geraten der einem Falschgeld unterjubelt. Da frag ich mich ob die Regierung und die Banken die diese Limits und Gebühren für Touristen festgelegt haben nicht die größeren Betrüger sind. Ich nehme das Risiko in Kauf und will es erst mal nur mit 100 $ versuchen.
Ich weiß der Schwarzmarkt liegt neben den großen Parks, nahe dem Fernbus-Bahnhof an dem ich nächste Woche nach Iguazu abfahren werde. Der Bus hält an einem großen Park, ich steige aus - es war der falsche.
Da es aber nur 30 Min Fußmarsch bis zur Calle Florida sind beschließe ich zu gehen. Dabei komme ich auch an der Floris Generica vorbei, einer riesigen Blüte aus Edelstahl die sich nach der Sonne ausrichtet, bei Sonnenuntergang schließt und bei Sonnenaufgang wieder öffnet. Sieht toll aus, vor allem die Spiegelungen im blanken Edelstahl.
Kaum habe ich die benannte Straße erreicht höre ich auch schon aus allen Ecken und Enden rufen 'Cambio! Cambio!'
Ich nehme gleich den ersten. Er führt mich in eine Einkaufspassage, in ein kleines Kämmerchen, die sogenannte "Cueva" und bietet mir für den 100 Dollarschein 110 000 Pesos. Der offizielle Wechselkurs ist bei 80 000 Pesos. Die sind richtig gut eingerichtet, wie ein Bankschalter mit Zählmaschine und mit einem Paket von 110 Scheinen (die größte verfügbare Banknote ist der 1000 Peso Schein = 1,10 € nach offiziellem Kurs) verlasse ich die Cueva. Alle Scheine waren echt!
Wenn ich nun den besseren Wechselkurs und die gesparten Gebühren berücksichtige habe ich jetzt 50 % gewonnen.
Da ich offensichtlich an einen Ehrlichen geraten war, werde ich morgen gleich nochmal wechseln gehen. Jetzt weiß ich ja bei wem.
Mit meinem erworbenen Schatz in der Tasche mache ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle, unten zwischen Bahnhof und Fernbus Bahnhof. Ich stelle mich zu 2 Herren an der Haltestelle und zücke mein Handy um zu sehen welche Route der Bus nimmt und wann ich wo aussteigen muss. Noch immer ist das Busfahren eine große Herausforderung für mich.
Einer der Herren redet eindringlich auf mich ein. Ich verstehe kein Wort - nur Policia und entnehme seinen Gesten dass ich mein Handy wieder in die Tasche stecken soll, was ich erst mal tue. Wenig später hol ich es wieder raus um meine Suche fortzusetzen aber der Herr ist wieder sehr ernst und redet noch mehr als zuvor. Ich mach ihm klar dass ich nix versteh und ob er nicht Englisch könnte. Nein leider nicht, aber mein Handy wandert wieder zurück in die Tasche. Der Bus kommt ewig nicht. Ich frage mich ob es einen anderen Bus in meine Richtung gibt und hol das Handy zum 3. Mal heraus. Wieder der besorgte Blick des Argentiniers. Jetzt mischt sich der 2. Herr ein und erklärt mir in spartanischem Englisch dass dies eine extrem gefährliche Gegend sei und man mit das Handy aus der Hand reißen könne. Es sei besser es weg zu stecken. Uff und ich laufe mit einem dicken Bündel Banknoten hier herum die meine Minitasche offensichtlich aufblähen.
Ich bin heil nach Hause gekommen, aber bei der nächsten Geldwechseltour werde ich eine andere Bushaltestelle wählen.
Tag 4 - Stadt der Toten
Ich habe gute Vorsätze und beginne meinen Tag mit ein paar Spanisch Lektionen und der Berichterstattung über diese Reise. Und ich will auch endlich etwas sehen von BA (BA = Buenos Aires) Außerdem will ich noch mal zum Schwarzmarkt um weitere günstige Pesos zu erhalten. Das werde ich aber erst ganz am Schluss des Tages machen.
Mein Ziel heute ist der Friedhof, der Cementario Recoletta und anschließend herausfinden wo genau am Dienstag mein Bus abfährt um nicht ewig mit dem großen Rucksack umherirren zu müssen.
Ich, als Tourist, muss 5000 Pesos Eintritt zahlen während es für Argentinier nur 1700 Pesos kostet. Aber die 5 € sind es wert. Der Friedhof ist umwerfend. 5 ha groß und dicht an dicht stehen die Gräber. Nein, nicht wie wir uns das vorstellen. Es sind Kapellen, Mausoleen, eine richtige Stadt aus kunstvollen Grabhäusern und Skulpturen. Geballte Kunst wie man sie nicht mal in den historischsten Altstädten vorfindet. Eine richtige Stadt für die Toten. Schöner als jede Stadt der Welt. 99 der vielen Grabhäuser wurden zum Weltkulturerbe erklärt.
Ich wandere Stunde um Stunde durch die Gassen Friedhof und kann gar nicht fassen dass man so etwas prunkvolles für Tote errichtet während viele Lebende unter ärmlichsten Bedingungen hausen müssen. Es ist der größte Friedhof dieser Art weltweit. Der berühmte Friedhof in Paris Montmartre ist nur ein Bruchteil von diesem und die Gebäude bei weitem nicht so groß und prunkvoll. Nach 3 Stunden kann ich mich endlich losreißen und verlasse diesen unglaublichen Ort.
Ich nehme den Bus zum Terminal Retiro, dem größten Busbahnhof den ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Hier erkunde ich wo ich am Dienstag hin muss, kaufe mir ein Panchetto (Argentinischer Hotdog) und beobachte das geschäftige Treiben. Ein Gefühl der Freiheit, der Sehnsucht nach der großen weiten Welt und Reisefieber überkommen mich. Ich mag solche Plätze. Aber aufpassen muss man schon, es ist auch die Spielwiese der Taschendiebe. Zum Glück sind auch überall Polizisten gegenwärtig.
Und sauber ist es hier. Unaufhörlich laufen Frauen mit riesigen Besen durch den Bahnhof. Kein Stäubchen ist zu sehen. Überhaupt ist BA eine sehr saubere Stadt.
Jetzt aber noch mal zum Geld wechseln in die Calle Florida. Heute bekomme ich 117 000 für meinen 100 Dollar Schein. 7 € mehr als gestern. Ich will aber 150 Dollar tauschen. Die 50er sind nicht so viel wert, verstehe das wer wolle, aber für den 50er gibt's nach einigem Meckern meinerseits dann doch wenigstens 55 000. Und für den 50 er bekomme ich auch nur 500 Peso Noten (entspricht 50 Cent) . Angeblich sind die 1000er aus.
Mit einem dicken Bündel von 227 Scheinen in der Tasche gehe ich durch den Park hinüber zur Bushaltestelle.
Ich habe soeben beschlossen heute Abend Pasta zu kochen, die ich auf dem Heimweg noch einkaufen muss, da drückt mir eine junge Frau einen Becher Instant Nudeln in die Hand die sie zu Werbezwecken verteilt. Wie praktisch. Das Abendessen ist gesichert. Salat ist noch im Kühlschrank.
Tag 5 - La Boca - Geburtsstätte des Argentinischen Tangos
Heute habe ich mich für Sightseeing entschieden und nach einem vertrödelten Vormittag nehme ich den Bus in das Stadtviertel La Boca.
La Boca ist das ehemalige Hafenviertel und sehr arm, auch heute noch.
Damals hatten die Leute nicht mal genug Geld um richtige Häuser zu bauen und haben diese deshalb aus Wellblech gebaut. Um ein wenig Fröhlichkeit in ihr armseliges, tristes Leben zu bringen haben sie die Häuser bunt bemalt und auf den Straßen getanzt. Man sagt hier wurde der Argentinische Tango geboren.
Ein kleiner Bereich davon steht heute noch und ist Touristenattraktion Nr 1 in Buenos Aires. Ein dort ansässiger Künstler hat das seine dazu getan um es noch attraktiver zu machen.
Als ich dort ankomme, nehme ich erst mal Reiß-Aus, so ein Menschengewirr, so viele Souvenirstände, schrecklich! Man sieht eh nix vor lauter Getümmel.
Ich flüchte mich in eine ruhigere Seitenstraße in der es auch noch bunte Häuser gibt, aber weder Souvenirhändler noch Restaurants und keine schicki-micki Tangotänzer - und nur wenige verirrte Touristen. Abgesehen davon ist der touristisch aufgemotzte Teil eh winzig klein und voller Restaurants.
In meiner Straße kann ich auch hinter die Fassaden sehen, Armut pur! Ich wandere weiter in einen Bereich in dem kaum noch Touristen sind und höre Musik. Ich folge den Klängen und stoße auf ein schon etwas älteres Paar das in traditioneller Tracht, sehr passioniert, auf einem auf der Straße ausgelegten Sperrholzbrett Tango tanzt. Ich setz mich auf das Mäuerchen neben Ihnen und schaue eine Stunde lang zu. Es dauert nicht lange da feuert sie ihre hübschen roten Stöckelschühchen ins Eck und tanzt barfuß weiter. In ihren Gesichtern spiegelt sich Glück und die Leidenschaft für ihren Tanz. Im Gegensatz zu denen, die vorne an der Touristenecke gelangweilt tanzen, da sieht man nur ernste eher gestresste Gesichter. Die Beiden hier, tanzen einen ganz anderen Tango als wir das kennen, feurig, leidenschaftlich, mitreißend und wunderschön zuzusehen.
Auf dem Rückweg durcheile ich das touristische Viertel im Laufschritt, soweit das Gewühl dies zulässt, vorbei an den Restaurants in denen auf einer Bühne ein junges Paar einen gelangweilten Tango vorführt. Schnell weg hier und zum Bus der mich durch das moderne und immer noch sehr arme La Boca zurück nach Hause bringt.
Zufrieden, wieder weit weg vom Touristenrummel zu sein genieße ich den Abend auf meinem Balkon bei einem halben Händel und einen bunten gemischten Salat.
Tag 6 - Un Dia en Argentinio
Den darauf folgenden Tag wollte ich eigentlich im Botanischen Garten und in den Parks verbringen, aber es kam ganz anders.
Da mein brandneuer E-Reader sich bis heute nicht zum Leben erwecken ließ und ich im Rucksack keine schweren Bücher rumschleppen kann, hatte ich mich entschieden einen neuen zu kaufen. (Die Garantie hilft mir hier in Argentinien gar nichts)
Alle 100 m befindet sich hier ein Handy Accessoire Shop in dem es alle Arten von Hüllen und Ladekabeln gibt, aber keine Geräte.
Am Vorabend hatte ich schon nach Elektronik Geschäften gegoogelt und erfreut festgestellt dass es nur 50 m vor mir im großen Einkaufszentrum einen Computer und Handyladen gibt.
Dort hoffe ich einen E-Reader zu kaufen.
Ich werde enttäuscht. Erst verstehen sie mich nicht wenn ich 'E-Reader' sage und wenn ich ihnen meinen alten zeige meinen sie 'ah ein E-Reader' und sprechen es auch genauso aus wie ich. Seltsam! Aber leider nein, sowas haben sie nicht. Wo ich denn einen bekommen könnte. Keine Ahnung, sowas sei hier nicht üblich. Man schickt mich zu einem weiteren Computerladen und von dort zum nächsten und zum nächsten - überall das selbe. Nein sowas gäbe es hier nicht. Man glaubt es kaum. In der größten Stadt des Landes soll es keinen E- Reader zu kaufen geben?
Seit 1 1/2 Std bin ich schon unterwegs und beschließe noch einen letzten Versuch zu wagen, ca 40 Min Fußmarsch von meiner Wohnung.
2 Blocks von meiner Wohnung entfernt stolpere ich an einer Ecke über einen winzigen Laden der interessant aussieht, mal kein Schnickschnack, eher wie ein Reparaturladen. 2 Männer unterhalten sich angeregt und alle Gitter sind bereits runtergelassen. Als ich neugierig schauen will was es dort gibt spricht mich einer der beiden Herren freundlich an. Er spricht perfektes Englisch. Er schließt gerade aber ob er noch helfen kann? Ich zücke meinen erstarrten Kindle und er fragt ob er den richten soll. Geht das denn? Der ist ja rundum verschweißt, kann man ja gar nicht aufmachen. Kommt drauf an woher der kommt. Die brasilianischen kann man mit einer speziellen Maschine öffnen. Meiner ist aus Deutschland. Hmm. Ob er einen neuen hat? Nein, aber eventuell kann er einen besorgen. Es ist Samstag nachmittags, ich reise am Dienstag weiter. Das wird schwierig. Ich soll Montag früh wieder kommen und dann sehen wir was machbar ist. Ermutigt verabschiede ich mich bis Montag. Ich benötige den E-Reader um all die Reiseführer darauf zu speichern für die vielen Länder die ich in diesem Jahr bereisen will. All meine Hoffnung ist auf ihn gerichtet.
Trotzdem will ich dem Laden zu dem ich gerade unterwegs war auch noch eine Chance geben. Es war wieder ein schicki micki Geschäft das auch keine Ahnung hatte.
Aber der Weg dorthin hat mich in einen sehr interessanten, lebendigen Teil von Palermo gebracht. Es findet gerade ein Markt statt der sich durch viele Straßen und Plätze zieht. Viele Häuser sind bunt und mit Street-Art bemalt. Ich schlendere durch die kleinen Sträßchen, finde endlich eine Eisdiele um das so hochgelobte argentinische Speiseeis zu testen. Und es war wirklich gut, super cremig. Hmmm.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, man geht zuerst zur Kasse, sagt wie viele Kugeln man möchte, Waffel oder Becher, bezahlt das und stellt sich dann mit dem erhaltenen Bon an der Eistheke an, wo man dann die gewünschte Sorte wählen kann. Man ist hier also nicht der Herausforderung ausgesetzt mit einer Hand das Eis zu halten und mit der anderen das Wechselgeld wieder zu verstauen. Könnte man bei uns auch mal einführen.
Nach dem leckeren Eis bummle ich weiter, trinke ein Bier in einer Straßenkneipe und mach mich dann allmählich auf den Heimweg. Es ist schon 19:00 Uhr. Da komm ich an einer bunten kleinen Parillia vorbei (also einem Grillrestaurant). Weil ja auch das argentinische Rindfleisch und die Grillkünste der Argentinier legendär sein sollen, fotografiere ich es um morgen hierher zurück zu finden. Der Kellner, ein ca 50 jähriger mit dickem Bierbauch, Shorts und langen Socken in den Turnschuhem, Undercut und einem grauen dünn gelocktem Pferdeschwanz hat so ein originelles Aussehen und so ein sympathisches Lächeln dass ich beschließe doch heute schon hier zu essen. Hunger hab ich eh schon. Und die Resterl in meinem Kühlschrank kann ich auch morgen essen.
Ich lasse mich an einem der bunt bemalten Tische nieder und studiere die Speisekarte. Zum Glück reicht mein minimalistisches Spanisch diese größtenteils zu verstehen. Ich entscheide mich für ein Bife de chorizo, also das Beste vom Steak, mit Pommes und ein Glas Rotwein.
Das Steak war so riesig dass es nicht auf einen Teller passt und deshalb auf einem Tablett serviert wird. 3 Finger dick, 500 g schwer, rosa und super zart und so köstlich.
Ich genieße es hier auf dem Gehsteig zu sitzen und dem originellen sympathischen Personal zuzusehen das offensichtlich Spaß miteinander hat. Ich und eine andere ältere Spanierin sind die einzigen Gäste. Es ist auch um inzwischen 21:00 Uhr noch zu früh für Argentinier zu Abend zu essen.
Zufrieden mach ich mich auf den Heimweg. Alles lief heute ganz anders als geplant und war 100 mal besser, richtig argentinisch.
Tag 7 - Feria der San Telmo
Sonntags ist Markttag im Stadtteil San Telmo. Den will ich mir ansehen, weil er gar so hochgelobt wird.
Ich finde einige Straßenzüge und einen Platz voller Stände vor. Eigentlich das was ich gestern schon in Palermo Soho gesehen hatte. Wieder schreckliches Getümmel. Viel Souvenirs, einige Antiquitäten und gelegentlich auch rare Originalitäten. Zum Beispiel fand ich einen Stand mit Musikkassetten, ja genau die, die man mit dem Bleistift wieder aufwickeln kann wenn sie sich im Gerät verheddert haben
Es gibt auch wunderschöne Mate Tassen mit zugehörigen metallenen Strohhalmlöffeln zu kaufen. Mate (ein bitterer Tee) ist hier das Nationalgetränk. Es wird üblicherweise in Gesellschaft getrunken. Alle trinken aus derselben Tasse mit demselben Strohhalm. Wenn man genug getrunken hat reicht man die Tasse weiter (wie beim Cava trinken in Polynesien)
Man sieht auch oft Leute auf der Straße oder im Bus mit einer Mate Tasse in der Hand, so wie sie bei uns mit Coffee to go rumlaufen. Bisher habe ich noch keinen Mate probiert, da ich glaube dass er mir nicht schmeckt. Vorurteile? In meinem Küchenschrank befindet sich ein Päckchen Mate Tee, vielleicht probier ich ihn morgen.
Morgen ist mein letzter Tag in Buenos Aires. Ich hab noch viel zu tun. Wäsche waschen, packen, schauen ob das mit dem E-Reader klappt. Zur Post Postkarten wegschicken und eine Simkarte besorgen. Meine deutsche Karte funktioniert zwar hier, aber die Roaming Gebühren sind hoch. Abgesehen davon habe ich angeblich laut europäischen Gesetz bereits 80 % des mir zustehenden Roamings verbraucht und meine Karte würde gesperrt wenn ich den Rest auch noch verbrauchen würde. So ein Schmarrn. Ich habe bisher nur 60 MB verbraucht.
Aber was hilft's, Brauch halt doch eine argentinische Karte.
Tag 8 - und am Ende wird alles gut
Ich bin schon um 10:00 morgens, wenn die ersten Geschäfte öffnen, unterwegs zum Computerladen und stehe vor verschlossenem Rolltor. So eine Enttäuschung, er hat doch gesagt ich soll gleich morgens kommen. Aber das kleine Schlupftürchen steht offen, das nur 1 m hoch ist und durch das die Betreiber in und aus dem Laden kommen, da das Rolltor von innen verriegelt wird. Also muss jemand drin sein. Ich klopf einfach mal. Und da steckt auch schon der nette junge Mann den Kopf heraus. Nein er hat noch Arbeit, er öffnet erst später, ob ich in einer Stunde wieder kommen kann. OK, bleibt mir ja nichts anderes übrig.
Ich nutze die Zeit um zur Post zu gehen, ich hab ein paar Postkarten zu versenden. Aber die Post öffnet erst um 11:00. Ich reihe mich in die Schlange der bereits draußen wartenden. Nach 15 Min ist es soweit und wir werden eingelassen. Ich ziehe eine Wartemarke und als meine Nummer aufgerufen wird und ich das Porto für 6 Postkarten nach Deutschland bezahlen soll weiß ich das dies die ersten und letzten Postkarten waren die ich aus Argentinien verschicke. 4,50 Euro Porto für EINE Postkarte!
Inzwischen ist die Stunde um und ich gehe zurück zum Computerladen. Wir einigen uns darauf dass ich den E-Reader da lasse und er schaut ob er ihn reparieren kann oder einen neuen bestellen kann. Ich soll zwischen 17 und 19 Uhr wieder kommen.
Meine nächste Aufgabe ist es eine argentinische Simkarte zu besorgen. Ich finde die Hauptstelle des gewünschten Anbieters 'personal' der angeblich die beste Abdeckung über ganz Argentinien hat und stehe wieder Schlange. Der Laden ist rammelvoll. Es gibt 8 Schalter, alle besetzt, 6 Servicetelefone an der Wand, auch alle besetzt mit Leuten mit verärgerten oder sorgenvollen Gesichtern. Ich stehe an einer Art Empfangsschalter Schlange an dem man sein Anliegen schildern muss, dann eine Wartenummer zugewiesen bekommt und sich dann in den Wartebereich zu vielen anderen setzen darf.
Mein Servicemensch spricht kein Englisch, versteht aber genug von dem was ich will um es im Google Übersetzer einzutippen. So kommunizieren wir sehr gut.
Ich kann hier nur eine Karte bekommen, die dann hier über meinen Ausweis aktiviert wird. Das dauert fast 30 Min. Wie viel GB ich denn bekomme und was die kosten? Welche Optionen ich habe? Das wissen sie hier nicht, das ändert sich auch ständig. Ich muss jetzt zu einem Laden gehen und Guthaben kaufen.
Ich betrete einen schicken Apple Laden der draußen groß mit ' Personal' wirbt. Der Verkäufer versteht kein Englisch, eine Kundin dolmetscht. Ich muss zu einem der vielen Kioske gehen, dort kann ich die Karte aufladen. Uff, die kenn ich, da gibt's Süßigkeiten, einen Kühlschrank mit Getränken und sonst nichts. Da kann ich nicht erwarten dass mich jemand versteht.
Ich habe Glück. Die Verkäuferin versteht mich wenn ich Englisch spreche und ich verstehe ihre spanischen Antworten. Ich bekomme 5 GB für 2 €. gültig 7 Tage. Ich hätte gerne für einen Monat Guthaben. Das gibt es nicht, ich müsse jede Woche neues Guthaben kaufen. Oder vielleicht lag es auch an unserer eigenartigen Mischmasch Kommunikation dass ich nicht bekam was ich wirklich wollte? Aber 5 GB für 2 € sind günstig genug um sich nicht zu beschweren.
Ich packe meinen Rucksack, wasche mir die Haare und nach mich auf den Weg zu meinem E-Reader. Freudestrahlend erzählt er mir, er habe ihn repariert, eine unterbrochene Verbindung gelötet und sei jetzt gerade dabei das Gerät zu laden um es dann zu testen. Das ist großartig und auch ich strahle vor Freude. Während wir warten bis das Gerät genug geladen ist plaudern wir fröhlich, er erzählt wie sehr er seinen Job mag weil leider hier auch mehr weggeworfen als repariert wird und dass er Piano spielt und singt. Er wüsste gerne ob die Lieder die er macht gut sind und ob er mir was vorsingen darf. Wir haben unendlich viel Spaß zusammen, ich verbringe fast eine Stunde mit ihm und verlasse den Laden mit einem funktionierenden Kindle. Mann bin ich froh, Brauch keine schweren Bücher mit mir rumschleppen.
Bis ich zu Hause ankomme ist es bereits Abendessens- und Balkonzeit. Und so endet meine Woche in Buenos Aires. Ende gut - alles gut.
Alles in allem habe ich meinen 8-tägigen Aufenthalt in Buenos Aires sehr genossen. Man fühlt sich eher in Europa als in Lateinamerika. Die Stadt ist sauber, man fühlt sich sicher, die Argentinier sind freundlich und nicht so laut und rücksichtslos wie die Europäischen Festland Spanier. Sie stehen sogar, wie die Engländer, ganz zivilisiert Schlange. Im Bus steht man auf um Älteren oder Frauen mit Babies Platz zu machen. Die Busverbindung durch die Stadt ist schnell, alle paar Minuten und spottbillig. Kaum eine Fahrt kostet mehr als 10 Eurocent. Ich hätte es schon noch länger hier ausgehalten.
Aber morgen, am Dienstag geht's weiter, mit dem Fernbus zu den Wasserfällen von Iguazu, ganz im Norden von Argentinien, an der Grenze zu Brasilien und Paraguay. 20 Std Busfahrt. Bin schon sehr neugierig.