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Carina's Logbuch

Auf dem Weg zu den Azoren

 

Das Warten ist nervig - Start mit Verzögerung

Madeira, ungeliebte Insel, dir wein ich keine Träne nach. So sehr ich mich auf Madeira gefreut hatte so wenig hat sie mich begeistert. Eigentlich ist Madeira nur ein riesiger grüner steiler Berg. Das macht es sehr mühselig. Keine 100 m kann man gehen ohne einen steilen Berg hinauf gehen zu müssen (ich meine wirklich steil). Die Landschaft ist ja eigentlich sehr schön, aber wie schon im letzten Bericht geschrieben, total zersiedelt und mit Strassen zugeteert. Autobahnen, Schnellstrassen Tunnels, Brücken und die alten Landstrassen zerstören das schöne Bild. Die Orte selbst haben nichts Sehenswertes und das Schlimmste von allem es fehlt die Atmosphäre. Ich war bestimmt schon an vielen Orten an denen es landschaftlich weniger schön war als hier, die ich aber als schön empfand weil diese Orte eine Seele hatten, ein Flair, eine Ausstrahlung die hier eben total fehlt. Dafür gibt’s ausreichend Touristen. Mindestens 10 Jets täglich landen hier. Ich weiß das, weil die Marina direkt unter der Einflugschneise liegt und der Flughafen unweit entfernt ist. Da die Insel keine Fläche hat die gerade genug wäre um auch nur eine einzige kurze Landebahn unterzubringen, hat man eine riesige Brücke ins Meer hinausgebaut auf der sich die Landebahn befindet. Ein eigenartiges Bild, das aber nicht unbedingt dazu beträgt die Insel schöner zu machen.

Mich hält also nichts mehr hier, außer das Wetter. Das Loch im Wassertank war schnell gefunden und geflickt. Proviant war eingekauft, Eintöpfe für die Überfahrt vorgekocht, die Crew nach Ponta Delgada auf den Azoren bestellt, die Marina bezahlt, vollgetankt und am nächsten morgen sollte es losgehen. Aber schon beim allabentlichen Wettercheck ist klar dass ich am nächsten morgen nicht lossegeln kann. Über den Azoren braut sich gerade ein heftiges Sturmtief zusammen in das ich genau hineinsegeln würde. Wo das nur auf einmal herkam, davon war gestern abend, als ich beschlossen hatte loszusegeln, überhaupt nichts zu sehen. Nun ist es da und ich muss wieder warten und all das vorbereite Essen in den nächsten Tagen verzehren. 5 weitere Tage im ungeliebten Madeira. Auch die Ausflüge über die Insel können die Wartezeit nicht versüßen. Aber jetzt, am Montag, den 23. Mai ist es endlich soweit. Gestern war wieder Einkaufstag und Vorkochtag und … und jetzt mach ich die Leinen los und weg bin ich. Raus aus der Marina, Segel rausgeholt und endlich unterwegs bei strahlendem Sonneschein und kaum Wind. Das ist nicht so schlimm denn Strömung und das bisschen Wind gemeinsam treiben mich langsam mit 2 Kn an der Insel entlang zu deren östlichen Ende von dem aus ich dann endlich Kurs auf die Azoren absetzen kann. Dachte ich.

 

Unterwegs in der falschen Richtung

Es war schon richtig erst mal nach Osten zu segeln um auf die Nordseite Madeiras zu kommen, aber jetzt geht wieder gar nichts in die Richtung in die ich will. Statt 310 ° zu segeln bin ich nun auf Nordkurs und fahre direkt nach Porto Santo. Da will ich nicht hin!!

Nach 50 Seemeilen Nordkurs beschließe ich mal zu wenden um etwas weiter westwärts zukommen. Dadurch fahre ich wieder zurück nach Madeira. Es ist zum ko….. Und wieder wenden und wieder nach Norden – so geht das nun die nächsten Tage. Ich will nicht mehr zurück und auf keinen Fall mehr südlicher als West, hab eh schon wieder 100 Meilen umsonst gesegelt in denen ich keine Meile in die Richtung kam in die ich wollte.

Ich beschließe nun auf Nordkurs zu bleiben in der Hoffnung dass der Wind irgendwann so dreht dass ich westwärts segeln kann. Das steht allerdings meiner Wettertaktik total entgegen.

Da das Sturmtief über den Azoren südöstlich zieht und sich immer noch nicht abgeschwächt hat, werde ich die Ausläufer davon ab Mittwoch bis Donnerstag noch etwas abbekommen. Wenn ich mich jedoch südwestlich meines Kurses halte, sollte das nordöstlich an mir vorbeigehen. Aber in diese Richtung komme ich nicht – um nichts in der Welt kann ich dorthin segeln. Ich segle genau dorthin wo das Tief lang ziehen wird. Zum Glück bin ich durch das ewige kreuzen aber so langsam unterwegs, dass ich ihm trotzdem fast entkommen werde.

 

Kollision

mit einer Schildkröte. Ich sehe sie von backbord auf uns zupaddeln und denk mir noch „dreh ab, das geht nicht gut“ aber natürlich kann die Schildkröte meine Gedanken nicht lesen und paddelt weiter direkt auf die Carina zu bis sie mit ihr kollidiert. Empört streckt sie den Kopf in die Höh und schaut mich vorwurfsvoll an. Ich kam von rechts, scheint sie zu sagen. Ja, aber ich bin ein Segelboot und die haben Vorrang vor Paddlern. Papperlapapp, ich schwimme hier schon seit 100 Jahren rum. also bitte etwas mehr Respekt. Sie zieht den Kopf ein und lässt sich von den Wellen davon treiben. Der Größe nach könnte sie wirklich schon sehr alt gewesen sein, denn ihr Panzer hatte bestimmt einen Durchmesser von 70 cm. Und ich frage mich ob Schildkröten schlechte Augen haben? Ob sie uns einfach nicht gesehen hat? Ich glaube ja, denn in vielen Comics und Kinderbüchern sind Schildkröten mit Brillen gezeichnet.

 

Hygiene fällt heute wieder aus

Bisher begannen die Tage ganz normal. Aufstehen, ins Bad, waschen, Zähne putzen, Frühstück, nach den Segeln und dem Kurs schauen, aber heute, Donnerstag, haben wir den Ausläufer des Sturmtiefs erreicht. Wieder segeln wir mit Minisegeln bei Starkwind und 3 m Welle. Es schaukelt wieder wie verrückt und die Carina hat wieder so viel Lage dass es wieder unmöglich ist irgendetwas zu tun. Deshalb fällt auch heute die Hygiene wieder aus. Zum Glück ist es nicht so schlimm wie auf der letzten Passage nach Madeira und am Freitag Mittag ist das Schlimmste wieder vorbei.

 

Hoppa hoppa Reiter - Der Regenbogen

Trotzdem hoppelt die Carina durch die Wellen und mir fällt dazu nur das Kinderverserl ein „Hoppa hoppa Reiter, wenn er fällt dann schreit er….“ Und immer wieder fällt die Carina in ein Wellental und der Reiter (Erika) denkt sich nur. Ist das nervig, hoffentlich ist das bald vorbei, Es wird leichter von Stunde zu Stunde auch wenn unser Kurs noch immer strikt Nord ist und wir inzwischen 140 Seemeilen zu weit östlich vom Kurs sind. Ich wende wieder mal um festzustellen dass ich die letzen 6 Stunden wieder keine Meile in die erforderliche Richtung geschafft habe. Die Strömung die mit bis zu 1,5 Knoten gegen uns steht macht das ganze nur noch Schlimmer. Ich entscheide mich für das kleiner Übel und segle weiter nordwärts. Die Tage sind überwiegend sonnig aber abends, nachts und morgens gibt es immer wieder kurze Schauer. Die sind recht willkommen, denn sie waschen das Salz von Schiff und Segeln und heute zaubern sie einen fantastischen Regenbogen auf den Himmel.

 

Die portugiesische Galeere

Gerade ist eine Portugiesische Galeere im Abstand von einem halben Meter an mir vorbeigesegelt. Nein, das ist kein Schiff sondern eine Qualle, tieflila und ca 15 cm groß die ein Segel aufgestellt hat von dem sie sich übers Meer treiben lässt. Daher hat sie auch ihren Namen. Sie können auch größer sein und kommen in unterschiedlichen Farben vor. Ich habe sie auch schon in pink gesehen. Aber alle sind sie sehr giftig. Trotzdem sind sie schön anzuschauen.

An Bord hat sich nichts verändert. Wir segeln nach Norden, sind inzwischen 180 Meilen zu weit östlich und haben nur noch 80 Meilen vor uns die wir nach Norden segeln können, aber noch 300 Meilen bis zu den Azoren vor uns, wenn wir jetzt den optimalen Kurs fahren könnten. Das Meer ist recht ruhig geworden und der Wind hat auch stark nachgelassen. Wir machen kaum noch 2 Knoten Fahrt. Das ist mir nun doch zu weit von allem entfernt und zu langsam und ich entscheide mich für eine Nacht unter Motor in der wir strikt Westkurs fahren werden. Es ist scheußlich wenn man mal an die ruhigen Bewegungen unter Segel und die Stille (abgesehen von Wind und Welle) gewohnt ist, jetzt den Motorenlärm ertragen zu müssen und die ruppigen Bewegungen auszuhalten. Diese Nacht schlafe ich schlecht.

 

Sonntag

Die Sonne scheint durch die Luke als ich nach dieser Motornacht aufwache. Das Meer ist ruhig aber es gibt Wind. Also raus aus den Federn, Motor aus und die Segel wieder rausgeholt und endlich wieder Stille. Die Windrichtung hat sich verändert. Ich kann etwas mehr West als Nord segeln, das ist ja Super.

Ich richte mir Tee, Toast, Rührei, Tomaten und Orangen zum Frühstück und freue mich über den schönen Tag. Im Laufe des Tages dreht der Wind immer weiter auf Südwest und ich kann inzwischen 280°, also genau die Richtung in die ich muss, segeln. Ich kann es gar nicht glauben. Ich könnte stundenlang nur auf den Kompass schauen vor Begeisterung. Inzwischen ist es früher abend und zum ersten Mal seit 1400 Meilen (die Passage von Marokko nach Madeira mit einbezogen) kann ich wählen welchen Kurs ich steuern will. Bisher konnte ich nur hart am Wind fahren und musste mich mit dem begnügen was möglich war. Jetzt kann ich bereits bis auf 250° gehen, was aber nicht erwünscht ist. So kann ich nun einfach ein wenig abfallen und die gewünschten 290° steuern. Das hat zudem den Vorteil dass die Carina nicht mehr so stark krängt, das Leben an Bord angenehmer ist und wir sogar schneller sind. Ein richtiger Sonntag.

Gerade habe ich auf die Logge geschaut. Nach den gesegelten Meilen (550) wäre ich soeben in Ponta Delgada angekommen.

 

Und es bleibt friedlich – die perfekte Crew - ein Ende ist in Sicht

Ich liege wie so oft auf meiner Salonbank und träume vor mich hin. Heut aber freiwillig, denn draußen ist alles friedlich. Ich staune wie so oft, wie perfekt das Schiff ganz alleine dahinsegelt und ich muss gar nichts machen. Welches Fahrzeug kann das schon? Ich denke an all die, die erzählen sie würden alle 10 Minuten nachsehen müssen ob alles in Ordnung ist oder ob Schiffe oder andere Hindernisse im Weg sind. Wie schön hab ich es doch mit meiner verlässlichen Crew die niemals seekrank wird: Die Windsteuerung, der beste Steuermann den ich je hatte (sie kann das viel besser als ich und wird nie müde) und das Radar dem nichts entgeht und das solange piepst bis es mir so auf die Nerven geht dass ich doch aufstehe und nachschaue. Zusammen mit dem Motor und dem Autopilot die mir bei so manchem Manöver zur Hand gegangen sind war es bis auf Ausnahmesituationen nicht schwierig alleine unterwegs zu sein. Im Gegenteil es war absolut erholsam, alles in allem eine angenehme Überfahrt, von Donnerstag letzter Woche abgesehen, und ich habe selten so viel und gut geschlafen wir auf dieser Überfahrt.

Inzwischen sind es nur noch 160 Meilen bis Ponta Delgada und der Wind und Kurs passen auch noch.

 

In Stich gelassen

Es ist Montag abend und gerade habe ich mir ausgerechnet dass ich Mittwoch nachmittag oder abend in Ponta Delgada ankommen werde und freu mich auf eine restliche friedliche Überfahrt. Der Wind frischt auf, dunkle Wolken ziehen am Himmel auf und kurz darauf geht der erste Wolkenbruch über mir nieder. Die Carina liegt wieder schräg, der Wind pfeift und es ist höchste Zeit das Großsegel zu reffen. Dazu muss die Carina exakt im Wind liegen. Das Schiff im Wind zu halten und das Groß zu reffen ist alleine sehr schwierig und in Bedingungen wie heute bei ungünstigem Seegang gar nicht möglich. Deshalb starte ich wie sonst auch den Motor und hänge den Autopilot ein. Aber heute schafft es der Autopilot nicht, Er steigt immer wieder aus, bis er schließlich komplett aufgibt. Ich muss es also heute ohne ihn schaffen. Auch mir fällt es sehr schwer das Schiff im Wind zu halten. Kaum habe ich es soweit muss ich für einen Moment die Pinne auslassen um mit den Leinen zu hantieren und schon verdreht sich Carina wieder im heftigen Seegang und reffen ist nicht möglich. Bei leichten Bedingungen stehe ich dazu im Cockpit und habe die Pinne zwischen den Beinen. Heute geht das aber nicht, es ist zu stürmisch und zu viel Lage. Ich kann nur im Cockpit knien. Eine ganze Stunde kämpfe ich verzweifelt bis ich endlich das Großsegel gerefft, die Genua wieder ausgerollt und alle Segel wieder korrekt getrimmt habe um wieder an die Windsteuerung zu übergeben. Nachdem draußen wieder alles unter Kontrolle ist verschwinde ich wieder im Schiffsinneren und lasse den Sturm über mich ergehen. Die ganze Nacht und den ganzen Dienstag tobt es wieder draußen, schlimmer als zuvor. Ich bin wieder auf Nordkurs um nicht auf die Riffs der Ilheu Formigas zu laufen die jetzt Aufmerksamkeit erfordern. Mittwoch morgen wird es leichter und ich müsste eigentlich schon die Azoreninsel Sao Miguel sehen aber draußen ist alles nur grau. Ich muss raus und den Kurs ändern sonst segle ich noch östlich an der Insel vorbei.

 

Angekommen

Ich kann es nicht glauben. Laut Kartenplotter und GPS bin ich nicht mal mehr 5 Seemeilen von der Insel entfernt und kann sie doch nicht sehen. Inzwischen segle ich Richtung Westen an der Insel entlang. Die Wellen haben 4 m erreicht und der Funk warnt vor weiterem Sturm und 7 m hohen Wellen. Nördlich von Sao Miguel berichtet ein Motorschiff Mann über Bord. Ich habe es eilig. Ich will unbedingt ankommen bevor mich dieses Unwetter auch noch ereilt und so muss nun immer wieder mal der Motor ein wenig mithelfen wenn die Windrichtung nicht mehr passt.

Inzwischen zeigt sich Sao Miguel unter einer dramatischen Wolkenschicht durch die die Sonne die steilen Abhänge in leuchtendem Grün hervorlugen lässt. Das Meer ist tiefblau und es sieht wunderschön aus. Allmählich hebt sich die Wolkendecke und immer mehr wird von der Insel sichtbar. So segle ich nun den ganzen Tag an der Insel entlang, habe inzwischen Empfang am Smartphone und konnte so Florian und Amanda über die baldige Ankunft in Ponta Delgada informieren, denn die beiden warten bereits seit Freitag abend hier auf mich.

 

Als ich Ponta Delgada erreiche hat das Marinabüro gerade geschlossen und niemand antwortet mehr auf meinen Funkspruch um mir einen Liegeplatz zuzuweisen. So fahre ich gar nicht erst an den Rezeptionspontoon um mich anzumelden oder einzuklarieren, sondern steuere einfach einen der äußeren Plätze der Marina an und mache dort fest.

Angekommen!!

Anstatt 540 Seemeilen bin ich wieder 870 gesegelt und habe statt 5 Tage 9 Tage gebraucht.

Wenig später kommen Florian und Amanda zur Marina um mich zu begrüßen. Morgen werden sie zu mir auf die Carina umsiedeln. Ab jetzt werden wir gemeinsam (also zu dritt) ein paar Wochen zwischen den 9 wunderschönen Azoreninseln herumsegeln. Darüber werde ich in den nächsten Wochen sicher genug zu berichten haben.

 

Also bis demnächst – es grüßt die angekommene Erika.

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