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Carina's Logbuch

Traumlagune - WALLIS - September 2018


Nach einer 3 tägigen extrem ruhigen Überfahrt, die wir zum Grossteil unter Motor hinter uns bringen, erreichen wir morgens bei Stillwasser die Einfahrt durchs Riff ins Almost-Atoll Wallis. Almost Atoll weil es zwar komplett von einem Riff umschlossen ist, aber die Insel im Zentrum, also der ursprüngliche Vulkan der für die Entstehung verantwortlich war noch nicht versunken ist. Die Passage soll man unbedingt bei Gezeitenstillstand passieren da man später mit 6 Knoten Gegenströmung und heftigen Verwirbelungen rechnen muss, die die schmale Durchfahrt gefährlich werden lassen. Aber wir sind zur rechten Zeit am rechten Ort. Ich bin höchstkonzentriert, die Durchfahrt schmal aber letztenendes ganz ruhig und einfach.
In der Lagune schimmert das Wasser in allen Farbtönen von türkis bis Indigo und hebt sich von den goldgelben Stränden der palmenbestandenen Motus ab. (Motus nennt man die zahlreichen Miniinseln die sich auf und vor dem Riff befinden).
Die Lagune ist gut betonnt, so dass es einfach ist den Weg zwischen all den Korallenbänken nach Mata Uta zu finden, dem Hauptort der Insel, an dem wir einklarieren müssen. An der guten Betonnung merkt man dass wir uns in Frankreich befinden, denn Walis & Fortuna sind französisches Überseeterritorium.
Das werden wir leider auch wieder an den Preisen für Lebensmittel zu spüren bekommen, die hier unverschämt hoch sind. So wie es auch in Französisch Polynesien (Marquesas und Tahiti) war. Dafür war das Einklarieren super easy und in 2 Minuten ohne viel Formularkram und ohne Kosten erledigt.

Leider lässt man uns nicht in Mata Uta ankern, sie schicken uns raus an die unbewohnten Motus wo es zwar wunderschön ist, aber bis zur Stadt mit den Einkaufsmöglichkeiten eine Meile (1,8 km) per Beiboot durch offenes Wasser. Das heißt ca, 20 Minuten Überfahrt in denen wir von Kopf bis Fuß klitschnass werden und das Wasser, trotz Ingeborgs unermüdlichem Schöpfen während der Überfahrt, 10 cm hoch im Beiboot steht.

Wir ankern hier mit 3 anderen Schiffen aus Neuseeland und Kanada und werden gleich nachdem wir Anker geworfen haben vom neuen Nachbar Bruce besucht, der uns nützliche Infos zur Insel gibt und vor einem Schiff warnt dessen Skipper in Samoa die Ankerkette eines anderen Schiffes abschneiden wollte. Ha, den kennen wir doch zu gut! Wir waren das betroffene Schiff. Wie schnell sich doch solche Geschichten in der Seglerwelt verbreiten und wie gut dass alle mithelfen damit solche Missetäter nicht unerkannt bleiben und somit wenig Chancen für weitere Missetaten haben. Er wurde zuletzt in Halalo auf der anderen Seite der Insel gesehen. Wir werden also auf keinen Fall dort hinüberfahren und ihm besser aus dem Weg gehen. Hatte er in Samoa keinen Grund mich zu attackieren, denn er kannte mich ja gar nicht, so hätte er jetzt genügend Grund nach all dem Ärger und Stress den er mit dem Lotsen und der Polizei sowie der Ausweisung aus Samoa hatte.


Wallisische Begegnungen

Die Lagune mit den Motus, die zum Teil bei Niedrigwasser über Sandbänke zusammenwachsen, ist wunderschön und die Menschen überaus hilfsbereit. Als ich in einem Laden nach dem einzigen Bankautomat der Insel frage, und zwar auf englisch (hier spricht man französisch), macht sich die Inhabern mit mir auf den Weg um bei allen Nachbarn nachzufragen ob jemand englisch spricht, was aber leider erfolglos bleibt. Also packe ich mein bescheidenes Französisch aus woraufhin die Ladenbesitzerin ihren Laden schließt, mich in ihr Auto packt und zum Bankautomat fährt, der sehr weit entfernt ist. Anschließend fährt sie mich noch durch den gesamten Ort und zeigt mir alle Plätze die für mich interessant sein könnten, von Supermarkt über Frisör bis Krankenhaus in dem jegliche Behandlung, auch Zahnarzt, kostenlos ist, auch für Fremde und Urlauber. Dann gibt mir Marilyn ihre Telefonnummer damit ich sie anrufen kann wenn ich Hilfe benötige und beschwört mich einfach vorbeizukommen wenn ich irgendwohin wollte. Sie würde mich hinfahren. Das ist kein Einzelfall. Andere Segler haben ähnliche Geschichten zu berichten.

Auf der Insel gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, also auch keinen Bus und keine Taxis. Ingeborg sorgt sich, wie sie zum Flughafen kommen soll. Aber im Air Callin Office, das wir zufällig finden, bietet eine der Angestellten an dass sie Ingeborg in ihrer Mittagspause zum Flughafen fahren würde.
Abgesehen von den großartigen Menschen, dem wunderschönen klaren 30 Grad warmen Wasser liegt hier der Hund begraben. Kein Cafe, kein Restaurant hat geöffnet, außer der Hotelterrasse mit herrlichem Blick über die Lagune. Die hat aber auch nur 2 Stunden über Mittag geöffnet. Zufällig sind wir zur rechten Zeit dort und unterhalten uns großartig mit einen französischen Filmproduzenten der vor 30 Jahren auf seinem Segelschiff hier her kam, seitdem in Tahiti lebt und nun gerade an einer Dokumentation zu Wallis mit den hiesigen Studenten arbeitet.


Zur falschen Zeit am falschen Ort

Nachdem uns die lange Dinghyfahrt zu nass und umständlich ist und der stärker werdende Wind sie bald ganz unmöglich machen wird, beschließen wir den Ankerplatz zu wechseln und machen uns auf den 2-stündigen Weg nach Gahi. Leider am falschen Tag und zu spät. Bruce hatte mir freundlicherweise 40 Liter Diesel überlassen, da dieser auf der Insel nur an einer Landtankstelle erhältlich ist zu der ich mit meinen Kanistern einen 1stündigen Fußmarsch zurücklegen müsste. Das habe ich natürlich nicht ausschlagen wollen und so verzögert sich die geplante Abfahrt erheblich. Als wir Gahi erreichen ist es später Nachmittag und das Licht so schlecht dass wir das Riff nicht erkennen können. Wir halten uns an die Betonung. Jedoch als wir durch die Engstelle im Riff vor dem Ankerplatz vor Gahi fahren finden wir die Zufahrt durch eine Reihe kleine Bojen blockiert. Das Licht ist zu schlecht um zu erkennen ob man zwischen Bojen und dem weitläufigen Riff hindurch kann. Zum Zurückfahren ist es auch zu spät, es würde dunkel werden, und so ankern wir nun in der Zufahrt zwischen den beiden Riffs zu denen wir nur 3 Bootslängen Abstand haben. Kaum ist der Anker unten kommt der erste Squall mit Böen über 30 Knoten und heftigen Regengüssen. Besorgt beobachte ich ob der Anker hält und lasse vorsichtshalber den Motor laufen. Da ich den Meeresgrund nicht sehen konnte und Seekarten im Pazifik spärlich sind und meist nicht ausreichend Informationen geben ist man auf Augen und Tiefenmesser angewiesen und so weiß ich auch nicht ob der Grund geeignet ist und der Anker halten wird..
Es bleibt die ganze Nacht stürmisch, der Motor bleibt an und ich tue kein Auge zu. Zum ersten Mal in meinem Leben halte ich auf meinem eigenen Schiff, zu dessen Anker ich größtes Vertrauen habe, aus Wettergründen eine ganze Nacht lang Ankerwache. Der Anker hielt aber Carinas Schwoiverhalten war besorgniserregend. (Für die Nichtwissenden: als Schwoikreis bezeichnet man den Radius um den Anker um den sich das Schiff je nach Kettenlänge, Wind und Strömung dreht.) Oft waren wir dem Riff sehr sehr nahe. Dementsprechend K.O. bin ich am nächsten Morgen. Und da es sehr windig und regnerisch bleibt beschließe ich zu den Motus vor Mata Uta zurückzukehren die besseren Schutz geben. Die Strömungen zwischen den Riffs waren oft so stark dass unser Motor uns mit kaum einem Knoten voranbrachte. Ich bin heilfroh als der Anker wieder in den sandigen Grund vor den Motus fällt.
Wahrscheinlich denkt ihr jetzt, selber schuld, hätte sie halt den Wetterbericht anschauen sollen. Das hatte sie. Wetterberichte sind in dieser Region nicht sehr zuverlässig, das Wetter ist zu wechselhaft und 2 Stunden später stimmt der aktuellste Bericht überhaupt nicht mehr. Hatte er gerade noch Flaute vorhergesagt wird es im nächsten Moment oft stürmisch und umgekehrt.

Als ich Ingeborg am Tag ihrer Abreise an Land gebracht hatte wurde der Wind sehr heftig. Es war nun zu gefährlich mit dem Beiboot gegen Wind und Welle die lange Rückfahrt anzutreten, so dass ich nicht zurück aufs Schiff konnte.
So saß ich an der Hafenmauer schaute aufs Meer und wartete. Währenddessen kam ein gerade frisch angekommener Segler (jetzt sind wir zu dritt hier in Wallis) der ein großes solides Beiboot hat, packt mich dort hinein, nimmt Klein-Carina in Schlepp und bringt mich auf sein Schiff das auf halber Strecke zwischen Carina und dem Land an ziemlich ungeschützter Stelle ankert. Dort werde ich von Carey, seiner Frau mit Getränken und Snacks verköstigt bis das Meer ruhig genug für die restliche Überfahrt ist. Dieses Schiff wird die nächsten Tage mein Zwischenstopp und Zufluchtsort wenn mich auf der Rückfahrt grad mal wieder ein Squall ereilt.


Vorbereitung zur Weiterreise

Ich bleibe noch eine Woche und erledige all die Schiffsarbeiten zu denen ich die letzten Wochen mit all dem Trubel nicht gekommen bin. Unter anderem tauche ich das Schiff ab um das Unterwasserschiff zu reinigen. Das war auch nötig, denn das war inzwischen mit so viel Seegras bewachsen, jeder Golfplatz wäre neidisch geworden um das saftige Grün an Carinas Bauch.

Beim üblichen Generalcheck vor einer längeren Überfahrt sehe ich dass die Ankerrolle über die die Kette läuft gebrochen war. Die Hartgummirolle war aufgesplittet und verhakte sich beim Aufholen des Ankers so in den Kettengliedern dass es weder rauf noch runter ging. Mit Messer und Säge muss ich die Rolle vom Bug und aus der Kette schneiden. Als das geschafft ist stelle ich fest dass sich die Kette zudem unter einem Korallenblock verhakt hat. 2 Stunden später ist alles wieder aufgeklart und der Anker bereit zum Aufholen. Gut dass mir das rechtzeitig aufgefallen ist. Wär das am Abreisetag passiert hätte ich die Abfahrt um einen Tag verschieben müssen, denn an der Ausfahrt aus dem Riff muss man pünktlich sein. Da bleibt nur 1 Stunde in der man da durch muss.

Nach 10 Tagen Wallis in denen sich der Wahnsinnige aus Samoa ebenfalls hier aufhielt, wir uns aber nie begegnet sind, lichte ich den Anker und mach mich auf den Weg nach Vanuatu, knapp 1000 Seemeilen für die ich voraussichtlich 10 Tage brauchen werde.

 

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