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Carina's Logbuch

November/Dezember 2018 - Neuseeland - Bay of Islands

von Formalitäten, Kiwis und Kiwis, Inseln, James Cook und Weihnachten im Sommer

 

 

Neuseeland - Bay of Islands - November/ Dezember 2018
Angekommen am 20. Nov 2018

Da liege ich nun in der Abendsonne, festgemacht am Quarantänesteg von Opua und schau über den Ankerplatz auf dem unzählige Schiffe in der goldenen Abendsonne schaukeln. Als Hintergrund: saftig grüne Hügel, schroffe Felsen, alles sehr malerisch und wenn ich mich umdrehe schaue ich in die 'Bay of Islands' Marina.

Wenn es nur nicht so verdammt kalt hier wäre. Nur 16 Grad hat es und in der Nacht fiel das Thermometer auf knappe 10 Grad. Gut dass die Carina eine Heizung hat und es bald Sommer wird hier in Neuseeland. Ich sehne mich nach den 30 Grad bei Tag und 24 bei Nacht die ich vor 2 Wochen noch in Vanuatu genossen hatte.

 

Einklarieren in Neuseeland, das Schreckgespenst jedes Fahrtenseglers - und die nicht wasserfeste Unterwasserkamera.

Nach einer ruhigen Nacht in der sich das Schiff überhaupt nicht bewegt hat (ganz sonderbar nach 2 Wochen wildem Ritt übers Meer) stehe ich früh auf um fertig zu sein wenn die Beamten kommen.

Mir graut vor dieser Prozedur. Es gibt so schrecklich viele Anforderungen und falls wir die nicht erfüllen wird es richtig teuer.
So darf z. B das Antifouling nicht älter als ein Jahr sein, das Unterwasserschiff muss in den letzten 4 Wochen gereinigt worden sein, nur ein leichter Schleim und Entenhalsmuscheln dürfen sich daran befinden. Sollte mehr Belag, andere Muscheln oder gar der Mediterrane Fanworm gefunden werden, wird das Schiff ausgekrant und gereinigt, natürlich auf meine Kosten. Als Lebensmittel dürfen kein Obst, Gemüse, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte Honig, Milchprodukte, Fleisch, Wurst ... an Bord sein. Ein Holdingtank muss vorhanden sein ..., um nur mal ein paar der Anforderungen aufzuzählen.

Es klopft, 2 Beamte sind angekommen. Es sind die von der Quarantäneabteilung. Nein, sie kommen noch nicht an Bord. Ich frage einen von ihnen was er denn mit der langen Stange vorhat. Das sei eine Teleskopstange für die Unterwasserkamera die er nun daran montiert. Und damit untersucht er nun das gesamte Unterwasserschiff. Ich halte den Atem an, hoffentlich hat sich seit der letzten Reinigung durch den Taucher in Vanuatu nichts neues angesetzt. Uuufff, alles in Ordnung, nur eine dünne Schleimschicht und die ist erlaubt. Auch alle Borddurchlässe (für Spüle, Wassermacher, Toilette) sind sauber.
So jetzt kommen sie aber endlich an Bord. Es beginnt zu regnen. Ob denn die Kamera noch draussen auf dem Steg liegt fragt der eine worauf sein Kollege sofort nach draussen stürzt um sie vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Ich find das lustig, eine Unterwasserkamera die nicht wasserfest ist.
Zum Glück habe ich bereits alle erforderlichen Formulare im Vorfeld besorgt und ausgefüllt. Und das sind sehr viele, mit vielen Fragen. Auf vielen pazifischen Inseln bekommt man das 'NZ Yachtpack', das alle Formulare und wichtigen Infos enthält.
Als Bestätigung für das letzte Antifouling, das ich wie immer selbst gemacht habe, genügt ihnen eine alte Rechnung übers gekaufte Antifouling und die Rechnug über den letzten Werftaufenthalt (gerade ein Jahr her - Glueck gehabt). Die handgeschriebene inoffizielle Bestätigung vom Taucher aus Vanuatu genügte ebenfalls, wobei ich glaube dass sie gar nicht nötig ist da das Schiff ja eh mit der Kamera angeschaut wurde.
Als ich Ihnen sage dass sie eigentlich das Schreckgespenst jedes Ankömmlings sind müssen sie lachen und meinen so schrecklich seien sie doch gar nicht - und sie haben recht. Sie waren sehr nett und sehr vorsichtig beim Durchsuchen des Schiffes. Sie wollen in die Bilge, den Kühlschrank schauen, das Fahhrad und die Lebensmittelvorräte sehen, durchsuchen ein kleines Schapp und finden darin mein Pfefferspray das sie mir leider abnehmen müssen. Pfefferspray ist in Neuseeland verboten.

Alle Lebensmittel dürfen an Bord bleiben, nur den letzten Apfel den ich mir fürs Frühstück aufgehoben hab muss ich noch in ihrer Anwesenheit aufessen.
Nach einem Holdingtrank fragt kein Mensch.

Dann kommt Customs (der Zoll). Ein Formular wird abgestempelt und berechnet wie hoch die Steuer sein würde. Das Schiff darf 2 Jahre bleiben bevor es versteuert werden muss. Einmal ausklarieren und im nächsten Hafen wieder einklarieren reicht um neue 2 Jahre zu bekommen. Ich bekomme ein TIE ausgestellt (Temporary Import Entry) das mich berechtigt steuerfrei Schiffszubehör einzukaufen.
Die Beamtin erledigt auch gleich Immigration, stempelt den Ausweis und ich bekomme ein Visitor-Visa für 3 Monate, kann es aber beliebig verlängern. Alles erledigt - super einfach - alle Aufregung umsonst

 


Alle meine Freunde ..., stürmische Zeiten

Es ist Mittag geworden. Drüben in der Marina stehen 2 Gestalten am Ende des Stegs winken und rufen meinen Namen. Welche Freude, das sind ja Philipp und Simone, meine Linehands aus Panama! Ob ich zum Abendessen komme? Ihr Schiff liegt in der Marina. Ja, aber gerne. Aber erst muss ich mir für die Carina einen Platz suchen, denn hier am Quarantänesteg darf ich jetzt, wo alles erledigt ist, nicht mehr bleiben. Ich blase noch das Beiboot hier am Steg auf, binde es hinten an die Carina an und such mir einen Platz am Ankerfeld. Wenig später fällt der Anker vor Pine Island und alles im strömenden Regen.
Als ich fertig und nass bin hoert es auf zu regnen und die Sonne kommt raus. Schön sieht das jetzt hier aus aber es ist so kalt dass ich heizen muss.

Jetzt mach ich mich auf um endlich mal neuseeländischen Boden zu betreten und komme nicht weit. Alle paar Meter treffe ich auf Freunde und Bekannte die ich irgendwo auf meiner langen Reise kennengelernt habe und die sich alle hier her geflüchtet haben. Umarmungen, Händeschütteln, winken ... es nimmt gar kein Ende und so vergehen die ersten Tage mit besuchen und besucht werden, denn wir haben uns ja alle soviel zu erzählen was wir unterwegs so alles erlebt haben.

Es ist sehr stürmisch geworden in Opua. Böen mit bis zu 45 Knoten brausen übers Ankerfeld. Auf einem 60 Fuss Catana-Katamaran hat sich die Genua abgerollt und nun segelt sie unbemannt quer durchs Ankerfeld. Zum Glück rammt sie kein anders Schiff und wird bald eingefangen um an Land in Sicherheit gebracht zu werden. Leider fällt sie dabei vom LKW und muss nun in der Werft repariert werden. Die Eigner werden ihre Freude haben.

Noch in der selben Woche reisst sich ein weiterer Katamaran los und treibt auf die Felsen zu. Aufmerksame Nachbarn haben das rechtzeitig bemerkt, ihn vor den Felsen bewahrt und den Eigner verständigt der nicht an Bord war. Er verankert sein Schiff neu um es am nächsten Tag wieder allein zu lassen. Gegen mittag höre ich aufgeregte Funksprüche dass ein Katamaran durchs Ankerfeld treibt, bereits ein Schiff gerammt und beschädigt hat und gerade auf eine weitere Segelyacht zutreibt. Es ist der selbe Katamaran wie am Vortag, wieder unbemannt. Ich habe schon mal den Motor gestartet um flüchten zu können, denn er treibt in meine Richtung. Eine geistesgegenwärtige Seglerin hat ihr Beiboot zwischen ihr Schiff und den Katamaran gebracht und an beide angebunden während von allen Seiten weitere Beiboote heransausen und den Katamaran an einer freien Boje befestigen. Uuuff, das wär erledigt, keine Gefahr mehr für mich und Carina und ich denk mir wie das wohl für den Eigner sein muss wenn er zurück kommt und sein Schiff ist nicht mehr da. Es liegt ja jetzt an der anderen Ecke des Ankerfelds wo er es nicht sehen kann. Bei dem Gedanken wenn 'mir' das passieren würde laufen mir kalte Schauer über den Rücken. Aber, was ist das denn? Da treibt ja ein herrenloses Dinghy an der Carina vorbei. Schnell springe  ich in mein Beiboot und düse ihm hinterher, fange es ein und schleppe es zur Carina, was gar nicht so einfach ist mit meinem Minidinghy, bei dem Wind und Seegang. Dann binde ich es an der Carina an und rufe über Funk "Alle Schiffe in Opua" damit der Besitzer seinen Ausreißer bei  mir abholen kann. Es ist Tims Dinghy den ich am Vorabend auf der Pantagruel, einer hundert Jahre alten schönen Yawl aus Deutschland, kennengelernt hatte auf der wir zufällig beide zum Abendessen eingeladen waren

 


Opua, Paihia, Maori und Behörden ...

Inzwischen hab ich mich ein wenig in Opua umgeschaut. Das ging recht schnell, denn eigentlich gibts hier nichts zu sehen: ein riesiges Bojen- und Ankerfeld , eine große Marina in der ich immer wieder über Segler stolpere die ich von irgendwoher kenne, einen freundlichen Yachtclub, ein kleiner Supermarkt, ein Fish&Chips Laden, das Zollgebäude in dem sich auch die Duschen befinden, 1 Cafe, 2 Chandler (Bootszubehör) und alle Arten von Werkstätten, vom Segelmacher bis zum Motormechaniker, halt alles was ein Yachtie so brauchen kann. Ansonsten liegt hier der Hund begraben. Gäbe es hier nicht diese grosse Seglergemeinschaft die wie eine Familie zusammenhält, würde man hier nicht lange bleiben. Es gibt nicht mal eine Busverbindung.
 
Zum Glück gibt es das Morgennetz über Funk, jeden Morgen um 08:00 Uhr. Da wird der Wetterbericht und was so an sozialen Events läuft bekanntgegeben, z. B Christmasparade, Markttage in den Nachbarorten, Hafenregatta ... usw, wer eine Mitfahrgelegenheit braucht oder anbietet, wer etwas zu verkaufen hat oder Hilfe benötigt, Crewgesuche oder -angebote, jeder kann sich melden und anbieten oder anfragen und besprechen was uns Segler bewegt.
Ich frage nach einer Mitfahrgelegenheit, aber heute fährt niemand. Man könnte zu Fuss gehen, 2 Stunden an einem wunderschönen Küstentrail entlang nach Paihia, dem nächstgelegenen Ort. Ich beschliesse es per Anhalter zu versuchen. Ich gehe rückwärts den steilen Berg hinauf um kein Auto zu verpassen, aber eigentlich ist es aussichtslos, denn an dieser steilen kurvigen Strasse kann gar kein Auto anhalten, das wäre viel zu gefährlich. Als ich oben ankomme an der Hauptstraße die von Auckland nach Kerikeri führt sehe ich eine Art Parkbucht die mir ideal erscheint für meinen Zweck. Aber da steht bereits ein junger Mann und hält den Daumen nach oben. Das ist jetzt auch blöd wenn ich mich 20 Meter vor ihn hinstelle, also gehe ich zu ihm frage ob er auch nach Paihia trampt und stelle fest, er ist auch aus Deutschland. Wir beschliessen nun gemeinsam per Anhalter zu fahren und glauben das wir so sogar bessere Chancen haben, denn jetzt sieht es aus als würden Mutter und Sohn (oder Oma und Enkel) gemeinsam unterwegs sein. Und da hält auch schon ein Auto und nimmt uns mit nach Paihia.

Der erste Missionar in der Bay of Island befand dass es hier gut ist und so erhielt der Ort seinen Namen. 'Pai' bedeutet : es ist gut, 'hia' bedeutet hier = Paihia. Es gibt eine Uferpromenade, eine Einkaufsstrasse mit allen Arten von Geschäften, Cafes, Restaurants, eine Marktwiese auf der gerade jede Menge Souvenirläden aufgebaut sind, denn heute liegen 2 Kreuzfahrtschiffe in der Bay vor Anker, Touristinfo, Motels, Backpacker Hostels und eine wunderschöne Bibliothek in einem schönen Park in dem auf den zahlreichen Banken Leute mit ihren Smartphones und Tablets sitzen und das kostenlose WiFi nutzen. Da setz ich mich auch gleich mal dazu und schau mal wer mir alles in den letzten Wochen geschrieben hat, denn seit Vanuatu hatte ich keine Internetverbindung mehr.

Der Magen knurrt und ich bestell mir in "Vinnies Fish&Chips" natürlich Fish&Chips. Und während ich darauf warte plaudere ich mit Cellum dem Besitzer und frage ihn ob er nicht jemand brauchen kann in seinem Laden denn ich muss hier in Neuseeland die Gelegenheit nutzen um meine Bordkasse aufzubessern wenn ich nicht in naher Zukunft wieder nach Hause gehen will. Ja, in 1 bis 2 Wochen ist hier Hochsaison und da braucht er Verstärkung, ich könne bei ihm anfangen. Juhuu, aber meine Freude ist schnell wieder gedämpft, denn dazu brauch ich ein work-visa und das ist in meinem Alter ziemlich aussichtslos zu bekommen.

Trotzdem gehe ich zurück zur Bibliothek und durchforste die Internetseite der neuseeländischen Einwanderungsbehörde nach allen Visaoptionen, aber es gibt nur das work&travel visa für junge Leute unter 30. Ha, da hätte ich mit meinen 60 Jahren Anrecht auf gleich 2 davon. Nein so spassig ist das gar nicht. Für alle die älter als 30 sind, gibt es nur eine Arbeitserlaubnis wenn man einen Beruf hat der auf der 'Shortage-list' steht, also wo Fachkräfte hier in Neuseeland fehlen, und Informatiker brauchen sie hier leider nicht. Eine weitere Chance besteht wenn man einen Arbeitsplatz in Aussicht hat (den hätte ich ja) und der Arbeitgeber bestätigen kann dass er trotz Suche keinen Neuseeländer für diese Arbeit finden konnte. Schlechte Karten für mich, denn das kann Cellum nicht, Fische und Pommes frittieren das kann nun mal wirklich jeder. Ich bin etwas frustriert, schreibe aber trotzdem eine Anfrage an die Einwanderungsbehörde ob es nicht doch irgendein Arbeitsvisum gäbe das für mich in Frage käme.

Dann erledige ich meine Einkäufe, stell mich wieder an den Strassenrand und halt den Daumen hoch. Und da hält auch schon ein Auto. Eine Schaar Mädchen auf den Rückbänken des Minibusses und ein langhaariger, tätowierter, kräftiger Mann am Steuer. 'Ich will nach Opua zu meinem Schiff'. Ja da fährt er hin und so kommen wir ins Reden übers Segeln und er staunt dass ich alleine so weit gesegelt bin. Und dann erzählt er mir dass er vor 8 Jahren mit einem 'Waka', einem traditionellen polynesischen Floss, von Hawaii über die Osterinseln nach Neuseeland gesegelt ist, ganz traditionell, ohne Motor, ohne GPS, nur unter Segel mit Hilfe der Sterne und dem Sextant. Da bin 'ich' aber jetzt erstaunt und habe allerhöchsten Respekt vor dieser Leistung. Und ich habe gerade meinen allerersten Maori kennengelernt.

 

Der Traum vom neuen Business

Die vielen Touristen in Paihia, die geschützte Bay of Islands  mit den vielen Inseln und Ausflugsmöglichkeiten und die Notwendigkeit Geld zu verdienen haben mich auf die Idee gebracht Touristen in der Bay herumzusegeln und so entwerfe ich einen Flyer mit Carinas Ausflugsprogramm. Am nächsten  morgen steh ich wieder an der Strasse, halte den Daumen hoch und werde wieder mitgenommen nach Paihia. In der Bibliothek kann ich meine Flyer ausdrucken die ich nun in Motels, Backpackern und am öffentlichen Anschlagbrett aufhänge.

Meine letzte Station ist wieder Vinnies Fish&Chips. Cellum erkennt mich sofort wieder und erzählt mir er hätte letzte Nacht von mir geträumt. Ich muss lachen. 'Was hast Du denn von mir geträumt?' Und eifrig erzählt er mir dass er sich fragt warum ich nicht Touristen in der Bay herumsegle, das wäre doch bedeutend mehr Spass als Fische zu frittieren. Jetzt muss ich noch mehr lachen und halte ihm einen meiner Flyer unter die Nase, ob er den in seinem Laden aufhängen würde.
Sofort macht er sich auf die Suche nach Reissnägeln um meinen Flyer aufzuhängen. Dann drückt er mir einen 50 Dollar Schein in die Hand und sagt: 'Ich bin dein erster Kunde, an irgendeinem Wochenende an dem Du gerade keine andere Kundschaft hast'. Na, das fängt doch schon gut an und zufrieden mach ich mich auf den Heimweg, diesmal zu Fuss, über den Küstenweg.

Wunderschön führt er am Ufer entlang, durch den Wald, hoch hinauf auf die Klippen mit grandiosen Ausblicken, auf Holzstegen durch die Mangroven ... Nach 1 Stunde beginnt es zu regnen. Ich bin erst auf halber Strecke. Unterstellmöglichkeiten gibt es keine und jetzt regnet es nicht nur, es giesst! Die schmalen Pfade haben sich in kleine Bäche verwandelt, in meinen Schuhen steht das Wasser und bis ich in Opua ankomme seh ich aus wie eine gebadete Maus.


Kaum zurück auf dem Schiff und wieder in trockenen Klamotten, läutet mein Telefon. Erste Kundschaft zum Mitsegeln für morgen.

 


Von Kiwis und Kiwis und Kiwis ...

Der Kiwi ist der Nationalvogel Neuseelands. Er ist schwanz- und flügellos, kann also nicht fliegen und ist daher besonders gefährdet. Hunde, Katzen und Opossums sind Todfeinde für ihn. Dafür mögen ihn die Neuserländer umso mehr, so sehr dass sie sie sich sogar selbst 'Kiwis' nennen.

Im Gegensatz zum Kiwi-Vogel, der nachtaktiv und sehr scheu ist, so dass man ihn nicht zu Gesicht bekommt, ist der Kiwi-Mensch sehr gesellig, freundlich, überall gegenwärtig und überaus hilfsbereit und grosszügig. Nachtaktiv ist er zuweilen auch.

Und weil sie den Kiwi so gern mögen, wir würden sagen zum Fressen gern haben, aber natürlich nicht essen da er ja ohnehin zu den gefährdeten Arten gehört haben sie die Chinesische Stachelbeere, die in Neuseeland angebaut wird, ebenfalls 'Kiwi' genannt. Die einzige Gemeinsamkeit die sie mit den anderen beiden Kiwis hat - sie kann auch nicht fliegen.


Die 'essbaren' Kiwis sind noch nicht reif, die 'Vögel' zu gut versteckt, so bleiben nur die Kiwi 'Menschen' von denen ich berichten kann.

Als ich gerade wieder in mein Beiboot am Yachtclub-Dinghy-Steg klettere rufen von der Terasse über mir zwei Herren freundlich herunter, jeder ein Bier in der Hand, ob denn mit dem Zoll und dem Anlegen am Steg letzte Woche alles geklappt hätte. Ach das sind die beiden Zoll-Beamten aus dem schwimmenden Alupanzer (Katamaran) die mich bei der Ansteuerung von Neuseeland begrüsst hatten. Sie haben mich wiedererkannt, haben grad Feierabend und schon hab ich nette Freizeitgesellschaft gefunden.
Als ich ans Boot zurückkomne, kommt Wayne (auch ein Kiwi und Segler) mit seinem Beiboot heran. Er hat am Funk gehört dass ich eine Mitfahrgelegenheit suche. Er fährt morgen nach Paihia, da ist Markttag und ich könnte mitfahren. Das Angebot nehme ich gerne an und so habe ich einen neuen Freund gefunden mit dem ich in den nächsten Wochen viel Zeit verbringen werde. Wayne nimmt mich mit zum Bogenschützen-Club so dass ich auch mal was vom Landesinneren sehe, zu den Märkten nach Paihia und nach Kerikeri.

Auf meinen Einkaufstouren mit Wayne komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was es hier alles gibt, riesige Supermärkte mit allem was man sich nur erträumen kann und all dem, auf das ich viele Monate verzichten musste weil es das alles auf den Inseln im Pazifik nicht gab - und dementspechend masslos kaufe ich jetzt ein. Mit all meinen Tüten wird es ganz schön eng in Waynes Kombi - ich habe soviel eingekauft dass es Wochen dauern wird bis das alles aufgegessen ist. Obst und Gemüse ist sonnengereift und entsprechend schmeckt es auch. Und wieder staune ich, nicht nur über die Vielfalt beim Obst- und Gemüsehändler sondern vor allem über die (zweibeinigen) Kiwis. Im Supermarkt und auch hier schieben die Kassiererinnen nicht nur die Waren über den Scanner, nein sie packen sie auch direkt in Tüten und warten geduldig bis man seinen Betrag in der doch noch ungewohnten Währung mühselig aus dem Geldbeutel gezählt hat. Das I -Tüpfelchen war jedoch der Händler selbst, der mich fragt ob er mir meine Tasche ins Auto tragen soll. Unvorstellbar für jemand der mit deutschem Einkaufsstress, vor allem an den Kassen, gross geworden ist.


Eine neue Herausforderung - Gas in Neuseeland

Neuseeland hat für alles extrem Reglementierungen. Man merkt halt doch, dass die Neuseeländer eigentlich Europäer und vor allem noch nicht lange (grad mal gute 200 Jahre) hier sind. Vor allem Sicherheit ist ihnen extrem wichtig. So bekommt man hier nicht einfach seine Gasflaschen gefüllt wie in anderen Ländern der Erde. Nein, es muss eine neuseeländische Flasche sein oder falls man seine eigene Flasche verwenden will, muss man diese prüfen und zertifizieren lassen.

Eine meiner beiden 2,5 kg Propan-Flaschen ist leer und ich bringe sie zum Bootszubehörladen um sie prüfen und füllen zu lassen, denn die fahren 1 bis 2x wöchentlich zur Gasfüllstation. Aber der Betreiber nimmt mir alle Hoffnung. Er ist davon überzeugt dass meine Flasche kein Zertifikat bekommen und somit auch nicht gefüllt werden wird. Eine neue Flasche (eine neuseeländische) zu kaufen wäre billiger als das Zertifikat. Leider gibt es keine Flaschen die von der Grösse in den einzig verfügbaren Platz auf der Carina passen. Ich hatte 2 Jahre nach denen gesucht die ich jetzt besitze. Und weil Kiwis hilfsbereit sind schlägt er vor ich könnte versuchen meine Flasche per Schwerkraft aus einer Kaufflasche selbst zu füllen, er würde mir die volle Flasche zum Abfüllen zur Verfügung stellen. Ich müsse nur jemand finden der mir sagt welche Adapter ich dazu brauche. Etwas deprimiert, aber nicht hoffnungslos ziehe ich mit meiner Flasche von dannen. Auf dem Weg zum Beiboot spricht mich ein anderer Segler an ob ich Probleme hätte meine Flasche zu füllen. Er rät selbst direkt zur Abfüllstation am Flughafen von Kerikeri zu fahren. Die seien sehr bemüht uns Seglern zu helfen und hätten immer eine Lösung parat, ggf sogar eine passende Flasche für mich, sollten meine nicht gefüllt werden können. Und Wayne erklärt sich bereit mich morgen mit dem Auto zum Flughafen zu fahren.

Der Gas-Mensch am Flughafen begutachtet meine Flasche die ich auf Waynes Rat hin noch gut aufpoliert hatte und stellt fest dass sie kein Zertifikat bekommen kann. Er schimpft ein wenig auf die unsinnigen neuseeländischen Regeln und verschwindet mit meiner Flasche. Ratlos schaue ich Wayne an, was passiert jetzt? 'Er füllt sie' sagt Wayne und ich kenne mich überhaupt nicht mehr aus. Für 10 NZ$ (=6 Euro) erhalte ich meine volle Flasche zurück. Da sie allen Sicherheitsanforderungen entspricht hat er sie aufgefüllt, das Zertifikat kann er aber nicht erteilen, da das Herstellungsdatum und -firma nicht auf der Flasche aufgedruckt sind. Und er versichert mir, jeder der sich mit Gas auskennt wird mir die Flasche füllen auch ohne Zertifikat - und da soll sich noch einer auskennen? - und natürlich könne ich sie über den Bootszubehörhändler an ihn schicken lassen, er wüsste Bescheid, nur einen Adapter brauche ich, denn meine Ventile passen nicht auf neuseeländischen Standard. Dass er heute füllen konnte war Zufall. Auf einem Lastwagen, der sonst nicht da ist lag gerade ein Passender.

Als ich später meine zweite Flasch über den Bootszubehörhändler mit allen meinen Adaptern zum Flughafen schicken lasse, bekomme ich sie ungefüllt zurück. Sie konnte nicht gefüllt werden, ein Adapterproblem! Und für mich ein 'echtes' Problem.

Viele Tage später stolpere ich im verschlafenen Dörfchen Russell in einen kleinen Hardwareshop, einfach nur aus Zeitvertreib um zu sehen was es da so gibt. Dabei entdecke ich Gasflaschen die evtl die passende Grösse haben könnten. Während ich am Boden knie und die Flaschen vermesse komme ich mit dem Verkäufer ins Gespräch, der meinte sie haben alle möglichen Adapter und ich solle doch meine Flasche bringen um zu sehen ob sie die füllen können. So ein Zufall, dieser Laden ist gleichzeitig Füllstation. Ich laufe zurück zum Beiboot, motore zur Carina, hole die leere Gasflasche und haste zurück zum Shop. Der Füllexperte sieht meine Flasche und ein striktes "no, we cant fill that" zerstört alle Hoffnung. Aber noch gebe ich nicht auf. Ich will wissen warum. 'Das Ventil passt nicht' lautet die Antwort. Ich halte ihm mein Säckchen mit zahlreichen Adaptern, Schläuchen und Reglern unter die Nase. Er ist erstaunt, ich sei gut ausgerüstet. Normalerweise kommen die Segler nur und meckern dass ihre exotischen Flaschen nicht passen. Und schon ist er mit Adaptern und Flasche im Hinterzimmer verschwunden. Ich bekomme eine gefüllte Flasche, die passenden Adapter aus meiner Sammlung beschriftet, damit sich der nächste auch auskennt und ziehe zufrieden von dannen.

Als ich Wochen später, frühmorgens in den selben Laden wieder eine Flasche mit den passenden Adaptern zum Füllen bringe, stellt die Verkäuferin fest, dass sie die Flasche nicht füllen können da kein Herstellungsdatum aufgedruckt sei. Grrooaarrrr!!! Meine Erklärung dass in diesem Laden bereits so eine Flasche gefüllt wurde nützt nichts. Ich müsse warten bis ihr Mann kommt um das zu bewerten. Der kommt um 10:00 Uhr. So lange kann ich nicht warten, ich habe ein Date. Heute ist Tall-Ships-Race und um 10:00 muss ich am Yachtclub auf dem Schiff sein auf dem ich teilnehmen werde. So lasse ich die Flasche einfach im Laden und hoffe dass alles gut geht und ich sie am nächsten Tag gefüllt abholen kann.

Es ist gutgegangen. Die Flasche war gefüllt. Aber das Abenteuer wird weitergehen, denn die nächsten Male werde ich nicht in dieser Region sein. Wer weiss wo ich dann wieder eine bereitwillige Füllstation finden werde.

 

Wenn man älter wird ...

wird man auch vergesslich. Ich bin gerade fertig geworden Carinas Wasserlinie zu schrubben und staune nicht schlecht als ein Beiboot angerauscht kommt, darin 2 Männer (Michi von der Pantagruel und Crew Johannes) die mir Blumen überreichen mit den besten Wünschen zum 60. Geburtstag. Den hatte ich doch glatt vergessen - so zeitlos lebt man als Fahrtensegler - heute ist der 03. Dezember und in Deutschland ist man einen Tag hintendran so dass die Glückwünsche von Familie und Freunden noch nicht angekommen waren. Aber jetzt wo man mich daran erinnert hat wird natürlich auf der Carina gefeiert.



Life is good

Nicht nur dass ich einen schönen Geburtstag hatte, viele Freunde um mich herum, auch sonst lasse ich es mir gut gehen. Ich pendle inzwischen mit dem Schiff zwischen Paihia und Opua hin und her. Vor allem Donnerstage verbringe ich gern in Paihia, da ist Farmers Market. Da gibt es fantastische Tomaten und frische Avocados, Heidelbeereis mit frischen Heidelbeeren drin, vor meinen Augen zubereitet, und vieles mehr. Ich kaufe eine Tüte Erdbeeren. Die Verkäuferin meint die seien nicht mehr so schön (sehen besser aus als in deutschen Supermärkten und riechen auch nach Erdbeeren), das Wetter sei heuer nicht so gut, und entschuldigend packt sie mir eine zweite Tüte gratis dazu. Bei Cellum, mit dem ich mich inzwischen auch sehr angefreundet habe und den ich mit seinen Kindern einen Nachmittag durch die Bay gesegelt hatte, gibts seitdem Fish&Chips gratis für mich. Und mit so einer Portion sitze ich nun unter einem grossen alten rotblühendem Pohutukawa Baum im Schatten, beobachte das bunte Markttreiben lausche der Musik der beiden Ladies mit den grossartigen Stimmen die unterm Sonnendach auf der kleinen Marktwiese ihr Bestes geben, verspeise meinen Fisch und geniesse das Leben - life is good - wenn man sich die Zeit dafür gönnt. 


Schwimmen mit Delfinen - Pinguine - James Cook und Kanibalen

Das Mitsegel-Business boomt. Die ersten beiden Wochenenden bin ich ausgebucht. Für mich ist es anstrengend. So ein Tag beginnt für mich um 06:00 Uhr morgens. Aufstehen, Schiff für die Besucher in Schuss bringen, Mittagessen (meist Paella) für die Tagesgäste vorkochen denn eine Ganztagestour beinhaltet auch Getränke und Essen, mit dem Beiboot zur Wharf in Paihia fahren um die Gäste abzuholen, einen ganzen Tag auf See, segeln, Gäste bewirten und gegen 19:00 Gäste wieder abliefern und Schiff wieder putzen.

Aber es macht auch Spass. Heute z. B. habe ich 3 junge Backpacker an Bord die ganz eifrig die Carina selbst segeln (natürlich unter Anweisung und meinen Argusaugen). Wir segeln von Paihia nach Motuahoria oder auch als Roberton-Island bekannt. Unser Ziel ist die Cooks Bay in der James Cook vom 29. Nov bis 05. Dezember 1769 mit der Endeavour vor Anker lag. Die Begegnung mit den Maori verlief zu Beginn nicht so friedlich wie erhofft. Jedoch konnte Cook die Angreifer mit einer Breitseite aus den Schiffskanonen über ihre Köpfe hinweg einschüchtern. Als Cook daraufhin erneut einen Landeversuch unternahm waren die Maori zu freundlichem Handel bereit. Das damalige Pa (befestigtes Maori-Dorf) gibt es jetzt nicht mehr. Die Insel ist im Westen und Osten Privatbesitz und in der Mitte Nature-Reserve und dort für uns zugänglich.

Als wir in der CooksBay mit goldenem Sandstrand und glasklarem türkisfarbenem Wasser den Anker fallen lassen kommt eine Schule Delfine in die Bucht geschwommen und spielt ein wenig neben der Carina. Lange hält die Idylle nicht an, da kommen Wassermotorräder hereingebraust und drängen die Delfine Richtung Strand ab, dicht gefolgt von einem gewerblichen Ausflugsboot von dem sich ca 20 Menschen ins Wasser stürzen und bewaffnet mit Flossen und Taucherbrille hinter den Delfinen herjagen. Ziemlich erfolglos, denn erwischt haben sie keinen. Die Delfine sind entkommen. Ein zweiter Versuch die Delfine in die Bucht zu treiben gelingt, aber das laut Programm angekündigte "Schwimmen mit Delfinen" bleibt weiterhin ein erfolgloses Hinterherjagen. Wir fragen uns "brauchts des?" Ist es nicht viel schöner und für die Tiere stressfreier sie vom Schiff aus zu beobachten wie sie fröhlich unter dem Schiff durchtauchen und freiwillige synchrone Künststücke vorführen?

Nachdem wir unsere Paella verspeist haben steigen wir ins Beiboot zum Landgang. Dazu müssen wir am langen seichten Sandstrand landen und bereits im wadentiefen Wasser aus dem Boot steigen. Einer meiner Mannschaft verstolpert sich dabei und landet zur Belustigung aller anderen, - platsch - im noch relativen kühlen Wasser. Er findet es nicht so lustig nun von Kopf bis Fuss nass zu sein. Aber bei dem warmen Sonnenwetter ist er bald wieder trocken. Der endlos scheinende Sandstrand ist mit kleinen bunten Muscheln übersät. Man braucht sie nur einzusammeln. Dahinter befinden sich zwei kreisrunde Gezeitenpoole von ca 80 m Durchmesser die gerade fast trocken gefallen sind da wir Ebbe haben und nahe am Niedrigwasserstand sind. Es sieht beeindruckend aus. Wir klettern durch den dichten Wald den Hügel hinauf wo sich einst das Maori Pa befand. Der Blick auf Motuahoria über die rotblühenden Pohutukawa Bäume hinweg auf die Gezeitenpools, die türkisblaue Bucht eingerahmt vom goldenen Sand, die umliegenden Inseln und die weitläufige Bay ist so grandios dass wir in andächtiger Stille lange da sitzen um die Schönheit unserer Erde geniessen.

Joseph Banks, der Naturalist der Endeavour, schrieb in sein Tagebuch als er von diesem Platz aus über die Bay blickte:
'The bay we were in was indeed a most surprising place: it was full of an innumerable quantity of Islands forming as many harbours, wich must be as smooth as mill ponds as they Landlock one another numberless times. Every where around us we could see large Indian towns, houses and cultivations; we had certainly seen no place near so populous at this one was very near us.'

Als ich den Strand entlangwandere sehe ich einen Austernfischer im Sand sitzen. Als ich näher komme beginnt er aufgeregt rumzuflattern läuft und fliegt aber nicht weg. Ich finde das amüsant und denk mir nichts dabei. Als er aber auf mein weiteres näherkommen hin immer noch nicht wegfliegt sondern mit Drohgebärden um mich herumläuft und angriffslustig näher kommt wird mir klar dass er hier brütet und sein Gelege verteidigt. Jetzt verstehe ich seine Aufregung und schnell entferne ich mich mit schlechtem Gewissen. Ich wollte ihm keine Angst machen.

Als wir viel später als geplant (da so wunderschön) die Cooks Bay wieder verlassen segeln wir an einer weiteren historischen Bucht vorbei, an der Assassination Cove oder auch Te Hue Bay genannt. Hier wurde Marc-Joseph Marion du Fresne, ein französischer Navigator, und 26 seiner Leute am 12. Juni 1772 ermordet und aufgegessen, da sie ein Tabu der Maori brachen. Sie fischten in einer Bucht über die ein Tapu verhängt war nachdem einige Mitglieder eines Maori-Stammes dort ertrunken waren.

Auf dem Rückweg sehen wir kleine 'Blaue Pinguine' im Wasser schwimmen und tauchen. Sie sind so winzig, wie eine kleine Möwe, dass man schon genau schauen muss um sie zu entdecken. Und es sieht drollig aus wenn sie mit ihren kleinen flossenartigen Flügeln wackeln und untertauchen.

Es dauert nicht lange und einer nach dem anderen meiner Mannschaft schläft im Cockpit ein. Und so verbringen sie die nächsten beiden Stunden schlafend bis wir wieder in Paihia ankommen. Es ist lustig, ausnahmslos alle meiner Passagiere schlafen auf der Rückfahrt ein und alle fanden dieses Nickerchen als das Beste das sie jemals hatten.


Streik, der freundliche Yachtclub und ein Weihnachtsgeschenk für Carina

Als ich gerade wieder meine Tagesgäste am Steg in Paihia abgeliefert hatte und mit dem Beiboot aufs Schiff zurückkehren will winkt mich mein Nachbar am Ankerplatz zu sich heran. Er findet dass ich etwas zu dicht neben ihm geankert hätte und bittet mich freundlich etwas weiter abzurücken. Na klar, mach ich. Motor an und Anker hoch. Jedoch als der Anker bereits frei aber noch nicht ganz oben ist streikt die Ankerwinde. Nichts tut sich mehr. Es geht keinen Zentimeter mehr rauf und auch nicht runter. Alles prüfbare wird überprüft, nichts klemmt, alles ist eingeschaltet aber die Ankerwinde streikt. Was nun? Am Besten den Anker wieder fallen lassen, aber die Kette will nicht raus, nicht mal der Freefall funktioniert. Nun kommt Stress auf. Ankern geht also nicht mehr und hier gibt es weit und breit keine Anlegemöglichkeit, auch keine Bojen und die Sonne geht bereits unter. Ich ziehe die restliche Kette und den Anker per Hand an Bord, befestige alles und nehme Kurs auf das 2 Meilen entfernte Opua. All meine Hoffnung liegt nun beim Opua Yachtclub die einen kleinen Steg haben an dem ich längsseits gehen könnte - wenn nicht schon ein anderes Schiff dort liegt. Die meiste Zeit die ich in Opua verbracht hatte war er frei aber manchmal lagen auch für ein paar Stunden oder Tage Schiffe dort. Bitte, bitte lieber Steg, sei heute frei. Es ist schon fast dunkel als ich ankomme und der Steg ist frei - Gott sei Dank. Ich vertäue die Carina und laufe hinauf zum Yachtclub. Darin finde ich ein fröhliches Grüppchen bei Bier und Wein. Die frag ich doch mal wer für den Steg zuständig ist. So wirklich können sie meine Frage nicht beantworten und ernennen deshalb spontan einen von ihnen als Verantwortlichen. Na klar könne ich in meiner Notsituation den Steg benutzen und so lange bleiben bis alles wieder repariert ist. Nein, es kostet nichts, ich muss mich nur ins Gästebuch eintragen und wenn ich mag eine freiwillige Spende in ihre Donationbox stecken. Aber jetzt muss ich ihnen erst einmal Gesellschaft leisten und bevor ich noch ja oder nein oder danke sagen kann habe ich auch schon ein Glas Wein in der Hand. Natürlich könnte ich auch in die nebenan liegende Marina gehen, aber die sei doch so teuer (18 Euro für mich pro Nacht), nein, da sei ich doch bei Ihnen viel besser aufgehoben. Als sich um 23:00 die freundliche Gesellschaft aufzulösen beginnt und ich mich nun auch dankend verabschieden kann bin ich so hundemüde dass ich nur noch ins Bett falle.

Am nächsten Tag mach ich mich auf die Fehlersuche. Es kann eigentlich nur was Elektrisches sein. Systematisch arbeite ich mich durch die Verkabelung, erneuere dabei gleich alle korrodierten Anschlüsse, wechsle die kleine 5 A Sicherung und komme am Ende meiner Messungen zu dem Ergebnis dass die 150 A thermoelektrische Sicherung kaputt ist. Sie lässt sich nicht wieder einschalten. Puhh, das wird teuer, kostet bei uns 120 Euro. Zum Glück bekomme ich eine hier in Opua von Blue System und die kostet grad mal 60 Euro. Und das Beste daran, sie löst das Problem. Es funktioniert nun wieder. Da ich aber gerade so einen praktischen Liegeplatz habe (Carina hat seit Mai in Panama an keinem Steg mehr gelegen) nutze ich die Gelegenheit um die Ankerwinde zu zerlegen, reinigen, schmieren und wieder zusammenzubauen. Das hatte sie dringendst nötig. Jetzt wo sie wieder so schon blinkt und glänzt bringe ich es nicht übers Herz die alte rostige Kette da wieder durchlaufen zu lassen. Die hatte im eisen- und schwefelhaltigen Rio Guadiana in Portugal furchtbar gelitten und sowohl die Winde wie auch das Schiff selbst mit all dem Rost richtig versaut. Regalvanisieren wäre angesagt, aber so wie die aussieht unterlasse ich auch das und leiste mir von dem gerade verdienten Geld eine 'neue' silberglänzende Kette als Weihnachtsgeschenk für Carina.

Ich nutze die Gelegenheit und bringe das Vorsegel (die neue Genua) zum Segelmacher. Das Unterliek war durchgescheuert und ein paar andere Anpassungen waren erforderlich. Ich bekomme es noch am selben Tag zurück und da ich bar bezahle auch noch einen Rabatt von 15 %

Nach 3 Tagen im freundlichen Yachtclub habe ich die Carina wieder auf Vordermann gebracht, viele neue Menschen kennen gelernt und wechsle nun wieder zurück auf meinen Ankerplatz in Opua.



Weihnachten im Sommer? - Decorated Dhingy Parade und Potluck

Die Sonne brennt auf die Beine die aus der kurzen Hose schauen, die Nase schält sich gerade wieder mal, da sonnenverbrannt und durch die Opua-Marina zieht die 'Decorated Dhingy Parade'. Dazu haben die Segler ihre Beiboote weihnachtlich mit Girlanden, Christbäumen und Päckchen geschmückt, sich selbst rote Zipfelmützen oder Renntierohren und -geweihe aufgesetzt oder sich als Weihnachtsmänner oder Elflein verkleidet und ziehen nun unter Musik und Gesang von Steg zu Steg durch die Marina. Ziel ist der Opua Yachtclub wo bereits der richtige Santa Claus wartet. In rotem Anzug, Zipfelmütze und Rauschebart muss der arme Kerl ganz schön schwitzen. Und statt dem grossen Sack mit Äpfeln, Nüssen und Geschenken hat er eine Kühlbox dabei und verteilt nun an all die braven Kinder 'Eiscreme'.

Für Heiligabend ist ein unter Seglern übliches 'Potluck' auf dem Village Green (der grossen Wiese vor der Marina) geplant. Bei einem Potluck (übersetzt 'Topfglück) schaut jeder auf seinem Schiff mal in den 'Pot' und mit etwas 'luck' findet er darin etwas Essbares das er dann mitbringt und mit den anderen teilt die das selbe tun. Die Männer bevorzugen statt in den Pot ins Meer zu schauen und mit etwas Glück findet sich dort ein bereitwilliges Fischlein das auch mit darf. So entsteht ein nettes zwangsloses Buffet und eine fröhliche Weihnachtsfeier. Leider regnete es an diesem Tag in Strömen und so wird nichts daraus.

Ich habe statt dessen in Nachbar Claus' Pot geguckt und Glück gehabt Spagetti Bolognese darin zu finden und mit ihm einen netten Weihnachtsabend verbracht während es draussen heimelig gestürmt und geschüttet hat - fast wie daheim ;-)
Und nach den Feiertagen fahr ich mit Claus nach Whangarei und Kawakawa und dann muss ich mich auf den Weg nach Auckland machen um meine Crew Ute abzuholen die aus Österreich angereist kommt um mit mir 3 Wochen zu segeln.


Über all das und was es dabei zu erleben und sehen gab lest ihr im nächsten Bericht.

 

 

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